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Sinus, Kosinus und Tangens

In dieser Lektion lernst du, wie Winkel und Seitenlängen im rechtwinkligen Dreieck zusammenhängen. Du übst, die passende Funktion auszuwählen und eine fehlende Seite zu berechnen. Außerdem erfährst du, warum Gegenkathete und Ankathete vom betrachteten Winkel abhängen.

  • Fach: Mathematik
  • Klasse 10
  • Thema: Geometrie
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Winkel und Seiten gehören zusammen

Der Satz des Pythagoras verbindet drei Seiten, sagt aber nichts über die Winkel. Die Trigonometrie schließt diese Lücke: Im rechtwinkligen Dreieck hängt jedes Seitenverhältnis eindeutig von einem Winkel ab. Vergrößerst du ein Dreieck maßstabsgetreu, bleiben alle Winkel gleich – und damit auch alle Verhältnisse der Seiten zueinander. Genau das machen Sinus, Kosinus und Tangens nutzbar.

Die Benennung der Seiten richtet sich immer nach dem Winkel, über den du gerade sprichst. Die Hypotenuse bleibt die Seite gegenüber dem rechten Winkel, sie wechselt nie. Die Gegenkathete liegt dem betrachteten Winkel gegenüber, die Ankathete liegt an ihm an. Betrachtest du den anderen spitzen Winkel, tauschen Gegenkathete und Ankathete ihre Rollen. Das ist der häufigste Fehler: Schüler notieren die Seiten einmal und vergessen beim zweiten Winkel, sie neu zuzuordnen.

Angewendet wird das überall dort, wo ein Winkel leicht zu messen ist, eine Länge aber nicht. Die Höhe eines Turms bestimmst du aus dem Abstand und dem Höhenwinkel. Die Steigung einer Straße in Prozent ist nichts anderes als der Tangens des Steigungswinkels. Auch Dachneigungen, Rampen und Kamerawinkel werden so gerechnet.

Den umgekehrten Weg gehst du, wenn zwei Seiten bekannt sind und der Winkel gesucht ist. Dafür hat der Taschenrechner die Tasten arcsin, arccos und arctan, auf vielen Geräten als Zweitfunktion der Winkeltasten beschriftet. Aus sin α = 0,5 wird so α = 30°. Prüfe vor jeder Rechnung, ob der Rechner auf Grad eingestellt ist, meist erkennbar an einem D oder DEG im Display. Im Modus Bogenmaß kommen völlig andere Zahlen heraus.

Sinus und Kosinus brauchen die Hypotenuse, der Tangens kommt ohne sie aus.
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Die Seitenverhältnisse

Der Sinus eines Winkels ist das Verhältnis aus Gegenkathete und Hypotenuse. Entsprechend gilt für den Kosinus: Ankathete geteilt durch Hypotenuse. Und für den Tangens: Gegenkathete geteilt durch Ankathete. Eine bekannte Merkhilfe lautet GAGA-HHAA: Gegenkathete, Ankathete, Gegenkathete, Ankathete stehen oben, Hypotenuse, Hypotenuse, Ankathete, Ankathete unten.

Weil Gegenkathete und Ankathete immer kürzer sind als die Hypotenuse, liegen Sinus und Kosinus stets zwischen 0 und 1. Kommt bei dir ein Sinus größer als 1 heraus, hast du Zähler und Nenner vertauscht. Der Tangens dagegen kann jeden positiven Wert annehmen, bei 45° ist er genau 1.

Zum Rechnen stellst du die Formel nach der gesuchten Größe um. Aus sin α = g/h wird g = h · sin α, wenn die Gegenkathete fehlt, und h = g / sin α, wenn die Hypotenuse gesucht ist.

sin αgh
g
Gegenkathete – liegt dem Winkel α gegenüber
h
Hypotenuse – die Seite gegenüber dem rechten Winkel
α
der betrachtete spitze Winkel
Winkelsincostan
30°0,50,8660,577
45°0,7070,7071,0
60°0,8660,51,732
Sinus, Kosinus und Tangens ausgewählter Winkel
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Beispiel 1: Die Höhe eines Turms berechnen

Du stehst 50 m von einem Turm entfernt und siehst seine Spitze unter einem Höhenwinkel von 30°. Wie hoch ist der Turm, gerechnet ab Augenhöhe?

Gegeben:

  • Abstand zum Turm: 50 m (Ankathete)
  • Höhenwinkel: 30°

Gesucht:

Höhe des Turms über Augenhöhe

Lösung:

  1. Skizze: Der rechte Winkel liegt am Fuß des Turms, der Winkel 30° bei deinem Auge
  2. Vom Winkel aus gesehen liegt der Abstand an (Ankathete), die Turmhöhe gegenüber (Gegenkathete)
  3. Gesucht ist die Gegenkathete, bekannt ist die Ankathete – also Tangens
  4. tan 30°Höhe50
  5. Nach der Höhe umstellen: Höhe = 50 · tan 30°
  6. tan 30° ist rund 0,577, also Höhe ist rund 28,9

Der Turm ragt etwa 28,9 m über Augenhöhe auf. Weil weder Gegenkathete noch Ankathete die Hypotenuse ist, war hier der Tangens die richtige Wahl. Für die Gesamthöhe addierst du noch deine Augenhöhe, bei 1,6 m also rund 30,5 m.

So findest du bei einer Sachaufgabe die passende Funktion und rechnest die gesuchte Seite aus.
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Beispiel 2: Einen Winkel aus zwei Seiten berechnen

Eine Leiter lehnt an einer Wand. Sie berührt die Wand in 2,4 m Höhe, der Fuß der Leiter steht 1,8 m von der Wand entfernt. Welchen Winkel bildet die Leiter mit dem Boden?

Gegeben:

  • Gegenkathete (Höhe an der Wand): 2,4 m
  • Ankathete (Abstand zur Wand): 1,8 m

Gesucht:

Winkel α zwischen Leiter und Boden

Lösung:

  1. Gegenkathete und Ankathete sind bekannt, also brauchst du den Tangens
  2. tan α2,41,8
  3. tan α1,333
  4. αarctan(1,333)
  5. α ≈ 53,1°

Die Leiter steht in einem Winkel von rund 53,1° zum Boden. Da zwei Katheten gegeben waren, war der Tangens die richtige Funktion, und die Umkehrfunktion arctan lieferte direkt den Winkel.

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Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, Gegenkathete und Ankathete zu verwechseln. Beide Katheten liegen am rechten Winkel, aber nur die Zuordnung zum gerade betrachteten Winkel entscheidet, welche welche ist. Zeichne deshalb immer zuerst eine Skizze und markiere den Winkel, mit dem du rechnest, bevor du die Seiten benennst.

Ein zweiter Fehler ist der falsche Modus am Taschenrechner. Steht das Gerät auf RAD statt DEG, liefert tan 30° einen völlig anderen Wert als 0,577. Kontrolliere den Modus vor jeder Aufgabe, besonders nach dem Batteriewechsel, weil viele Rechner dann in den Grundzustand zurückspringen.

Ein dritter Fehler ist, die Umkehrfunktion mit dem Kehrwert zu verwechseln. arcsin(0,5) ist nicht dasselbe wie 1/sin(0,5). Die Umkehrfunktion liefert einen Winkel, der Kehrwert liefert eine Zahl ohne Einheit Grad. Wer beides vertauscht, erhält Werte, die weit außerhalb jeder sinnvollen Winkelgröße liegen.

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Tipps für die Klassenarbeit

Zeichne bei jeder Aufgabe zuerst eine Skizze, auch wenn sie nur grob stimmt. Markiere den rechten Winkel, den gegebenen Winkel und beschrifte Gegenkathete, Ankathete und Hypotenuse mit den Werten aus dem Text. Erst danach entscheidest du, welche Funktion passt – im Kopf ohne Skizze vertauschen sich die Seiten leicht.

Runde erst im letzten Schritt. Rechnest du mit gerundeten Zwischenergebnissen weiter, summieren sich kleine Fehler, und am Ende weicht dein Resultat vom Lösungsblatt ab, obwohl der Rechenweg richtig war. Notiere Zwischenwerte mit mindestens drei Nachkommastellen.

Steigungen in Prozent begegnen dir oft in Sachaufgaben zu Straßen oder Rampen: 10 % Steigung bedeutet tan α = 0,1, woraus sich α ≈ 5,7° ergibt. Diese Verbindung zwischen Prozentangabe und Tangens wird gern in Klassenarbeiten abgefragt.

Die wichtigsten Regeln zur Trigonometrie auf einen Blick, ideal zum Wiederholen vor der Klassenarbeit.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Gegeben sind die Hypotenuse und der Winkel α, gesucht ist die Ankathete. Welche Funktion brauchst du?

Gegeben sind die Hypotenuse und der Winkel α, gesucht ist die Ankathete. Welche Funktion brauchst du?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Sinus ist Gegenkathete durch Hypotenuse, Kosinus Ankathete durch Hypotenuse.
  • Tangens ist Gegenkathete durch Ankathete und braucht keine Hypotenuse.
  • Die Hypotenuse wechselt nie, Gegen- und Ankathete hängen vom Winkel ab.
  • Sinus und Kosinus eines spitzen Winkels liegen immer zwischen 0 und 1.
  • Typischer Fehler: beim zweiten Winkel Gegen- und Ankathete nicht tauschen.

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Häufige Fragen zu Sinus, Kosinus und Tangens

Wann nehme ich Sinus, Kosinus oder Tangens?
Schau vom gegebenen Winkel aus, welche zwei Seiten in der Aufgabe vorkommen: eine bekannte und eine gesuchte. Sind es Gegenkathete und Hypotenuse, nimmst du den Sinus. Bei Ankathete und Hypotenuse den Kosinus. Bei Gegenkathete und Ankathete den Tangens. Die dritte Seite spielt für die Wahl keine Rolle.
Wie berechne ich einen Winkel mit dem Taschenrechner?
Berechne zuerst das passende Seitenverhältnis, zum Beispiel sin α = 4/8 = 0,5. Dann nutzt du die Umkehrfunktion arcsin, meist über die Taste SHIFT oder 2nd zu erreichen. Der Rechner liefert α = 30°. Achte darauf, dass er im Gradmodus steht, sonst erhältst du das Ergebnis im Bogenmaß.
Was ist der Unterschied zwischen Gegenkathete und Ankathete?
Beide sind Katheten, also die Seiten am rechten Winkel. Welche wie heißt, hängt vom betrachteten Winkel ab. Die Ankathete bildet mit der Hypotenuse den Winkel, sie liegt also an ihm an. Die Gegenkathete liegt ihm gegenüber und berührt ihn nicht. Wechselst du zum anderen spitzen Winkel, tauschen die Namen.
In welcher Klasse lernt man Sinus, Kosinus und Tangens?
Die Trigonometrie im rechtwinkligen Dreieck steht meist in Klasse 9 oder 10 auf dem Lehrplan, direkt nach dem Satz des Pythagoras und den Strahlensätzen. Darauf bauen Sinussatz und Kosinussatz für beliebige Dreiecke auf. In der Oberstufe werden Sinus und Kosinus dann als Funktionen betrachtet, etwa um Schwingungen zu beschreiben.
Gilt die Trigonometrie auch in Dreiecken ohne rechten Winkel?
Die Definitionen als Seitenverhältnisse gelten nur im rechtwinkligen Dreieck, denn nur dort gibt es eine Hypotenuse. Für allgemeine Dreiecke nutzt du den Sinussatz und den Kosinussatz. Alternativ zerlegst du das Dreieck mit einer Höhe in zwei rechtwinklige Teildreiecke und rechnest dort mit Sinus, Kosinus und Tangens.
Wie berechnet man einen Winkel aus zwei bekannten Seiten?
Zuerst bildest du das Seitenverhältnis der beiden bekannten Seiten, zum Beispiel Gegenkathete durch Ankathete für den Tangens. Anschließend wendest du die Umkehrfunktion arctan auf diesen Wert an, um den Winkel in Grad zu erhalten. Sind Gegenkathete und Hypotenuse bekannt, nutzt du entsprechend arcsin, bei Ankathete und Hypotenuse arccos.
Warum ist tan 45° genau 1?
Bei einem Winkel von 45° sind Gegenkathete und Ankathete im rechtwinkligen Dreieck immer gleich lang, das Dreieck ist gleichschenklig. Der Tangens ist Gegenkathete geteilt durch Ankathete, und teilt man zwei gleiche Zahlen, kommt immer 1 heraus. Das gilt unabhängig davon, wie groß das Dreieck insgesamt ist.
Was hat die Steigung einer Straße mit dem Tangens zu tun?
Eine Steigungsangabe in Prozent ist nichts anderes als der Tangens des Steigungswinkels, multipliziert mit 100. Eine Steigung von 10 % bedeutet tan α = 0,1, woraus sich ein Winkel von etwa 5,7° ergibt. Je steiler die Straße, desto größer wird sowohl der Prozentwert als auch der zugehörige Winkel.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.