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Exponentialfunktionen: Wachstum und Zerfall

In dieser Lektion lernst du, wie sich exponentielles Wachstum von linearem unterscheidet und was der Wachstumsfaktor bedeutet. Du übst, Zinsen und Zerfallsvorgänge zu berechnen. Außerdem erfährst du, warum eine Abnahme um 20 Prozent den Faktor 0,8 ergibt.

  • Fach: Mathematik
  • Klasse 10
  • Thema: Funktionen
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Wachsen in Schritten oder in Sprüngen

Bei linearem Wachstum kommt in jedem Zeitschritt derselbe Betrag dazu: 50 € pro Monat, 3 cm pro Jahr. Bei exponentiellem Wachstum wird in jedem Zeitschritt mit demselben Faktor multipliziert. Das wirkt am Anfang harmlos, läuft später aber völlig anders: Wer 1 000 € zu 5 Prozent anlegt, bekommt im ersten Jahr 50 € Zinsen, im zwanzigsten Jahr schon über 120 €, weil die Zinsen mitwachsen.

Erkennen kannst du exponentielles Verhalten daran, wie in der Aufgabe formuliert wird. Steht dort „pro Jahr um 40 Stück mehr“, ist es linear. Steht dort „pro Jahr um 8 Prozent mehr“ oder „verdoppelt sich alle fünf Jahre“, ist es exponentiell. Prozentangaben beziehen sich immer auf den aktuellen Bestand, und der ändert sich ständig. In einer Wertetabelle zeigt sich das so: Teilst du einen Wert durch seinen Vorgänger, kommt immer dieselbe Zahl heraus.

Der Graph einer Exponentialfunktion mit q größer als 1 steigt zunächst flach und dann immer steiler an. Er schneidet die y-Achse beim Anfangswert c, weil q hoch 0 immer 1 ist. Nach links nähert er sich der x-Achse, berührt sie aber nie. Diese typische Form hilft dir, Graphen im Test schnell zuzuordnen: Eine Gerade ist linear, eine immer steiler werdende Kurve deutet auf exponentielles Wachstum hin.

Derselbe Ansatz beschreibt auch Abnahme. Ein Medikament wird im Körper pro Stunde um einen festen Prozentsatz abgebaut, radioaktives Material zerfällt, der Wert eines Autos sinkt jährlich um einen Anteil. Der häufigste Fehler dabei: Bei einer Abnahme um 20 Prozent wird nicht mit 0,2 multipliziert, sondern mit 0,8 – es bleiben ja 80 Prozent übrig. Mit 0,2 würdest du ausrechnen, was verloren geht, nicht was bleibt.

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Die Funktionsgleichung

Der Anfangswert c steht am Anfang, also zum Zeitpunkt x = 0. Der Faktor q gibt an, womit in jedem Zeitschritt multipliziert wird. Ein Wachstum um p Prozent bedeutet q = 1 + p/100, eine Abnahme um p Prozent bedeutet q = 1 − p/100.

Für q größer als 1 wächst der Bestand, für q zwischen 0 und 1 nimmt er ab. Bei q = 1 bleibt alles gleich. Der Bestand erreicht dabei nie den Wert null, er kommt ihm nur immer näher.

Wichtig ist, dass x und q zur selben Zeiteinheit gehören. Ist q ein Jahresfaktor, zählt x in Jahren. Rechnest du mit Monaten, brauchst du auch einen Monatsfaktor, sonst stimmt das Ergebnis nicht.

yc · q^x
c
Anfangswert zum Zeitpunkt x = 0
q
Wachstumsfaktor pro Zeitschritt
x
Anzahl der Zeitschritte
VorgangProzentsatzFaktor q
Zunahme5 % pro Jahr1,05
Zunahme8 % pro Jahr1,08
Abnahme20 % pro Jahr0,8
Abnahme50 % (Halbwertszeit)0,5
Wachstumsfaktor aus einer Prozentangabe bestimmen
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Beispiel 1: Zinsen über mehrere Jahre

Du legst 2 000 € für 3 Jahre zu 5 Prozent Zinsen pro Jahr an. Wie viel Geld hast du am Ende?

Gegeben:

  • c2 000 €
  • Zinssatz: 5 Prozent pro Jahr
  • x3 Jahre

Gesucht:

Guthaben nach 3 Jahren

Lösung:

  1. Wachstumsfaktor: q1 + 51001,05
  2. Funktionsgleichung aufstellen: y2 000 · 1,05^3
  3. Zur Kontrolle Jahr für Jahr: 2 000 € · 1,05 = 2 100 €, dann 2 205 €, dann 2 315,25 €
  4. 1,05^3 ist rund 1,157625
  5. y ist rund 2 315,25

Nach 3 Jahren hast du etwa 2 315,25 €. Bei einfacher Multiplikation mit 3 · 50 € kämen nur 2 150 € heraus – die Differenz sind die Zinsen auf die Zinsen. Im zweiten Jahr gibt es schon 105 € Zinsen, im dritten 110,25 €, weil jeweils das gewachsene Guthaben verzinst wird.

So berechnest du den Zinseszins über mehrere Jahre in fünf Schritten.
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Beispiel 2: Zerfall mit Halbwertszeit

Eine radioaktive Substanz hat eine Masse von 80 g und eine Halbwertszeit von 4 Tagen. Wie viel Masse ist nach 12 Tagen noch vorhanden?

Gegeben:

  • c80 g
  • Halbwertszeit: 4 Tage
  • Zeitraum: 12 Tage

Gesucht:

Restmasse nach 12 Tagen

Lösung:

  1. Halbwertszeit bedeutet: alle 4 Tage halbiert sich die Masse, also q = 0,5 pro 4-Tage-Schritt.
  2. 12 Tage entsprechen x = 12/4 = 3 solcher Zeitschritte.
  3. Funktionsgleichung aufstellen: y80 · 0,5^3
  4. 0,5 hoch 3 ist 0,125
  5. y80 · 0,12510

Nach 12 Tagen sind noch 10 g der Substanz vorhanden. Zur Kontrolle rechnest du in Halbwertszeiten: 80 g → 40 g (nach 4 Tagen) → 20 g (nach 8 Tagen) → 10 g (nach 12 Tagen). Die Masse wird nie ganz null, sie nähert sich diesem Wert nur immer weiter an.

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Typische Fehler

Der klassische Fehler ist die Verwechslung von Zuwachs und Faktor bei einer Abnahme: Bei 20 Prozent Abnahme wird oft fälschlich mit 0,2 statt mit 0,8 gerechnet. Merke dir immer: Der Faktor q gibt an, was übrig bleibt, nicht was verschwindet. Bei einer Zunahme gilt dasselbe Prinzip umgekehrt, dort wird oft vergessen, die 1 zum Prozentsatz zu addieren.

Ein zweiter Fehler ist, bei Halbwertszeit- oder Verdopplungsaufgaben die Zeit direkt als Exponenten einzusetzen, statt sie erst in Zeitschritte umzurechnen. Bei einer Halbwertszeit von 4 Tagen und einem Zeitraum von 12 Tagen ist x = 3, nicht x = 12. Wer x = 12 einsetzt, erhält ein völlig falsches, viel zu kleines Ergebnis.

Ein dritter Fehler betrifft das Runden von q. Rundest du q von 1,05 auf 1,1, wirkt der Unterschied nach einer Rechnung winzig, doch bei einem Exponenten wie x = 20 potenziert sich der Rundungsfehler gewaltig. Rechne deshalb mit möglichst vielen Nachkommastellen und runde erst das Endergebnis.

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Tipps für die Klassenarbeit

Lies zuerst genau, ob ein Vorgang wirklich exponentiell ist. Nur wenn sich eine Größe pro Zeitschritt um einen Prozentsatz oder um einen festen Faktor ändert, gehört sie hierher. Steht im Text ein fester Betrag pro Zeiteinheit, zum Beispiel „jeden Monat 30 € mehr“, ist das lineares Wachstum, und die Exponentialfunktion ist die falsche Wahl.

Notiere dir vor dem Rechnen c, q und x einzeln aus dem Text, bevor du sie in die Formel einsetzt. So vermeidest du, den Anfangswert mit dem Endwert zu verwechseln, was ein sehr häufiger Fehler unter Zeitdruck ist. Prüfe am Ende immer die Größenordnung: Wächst der Bestand, muss y größer als c sein, nimmt er ab, muss y kleiner als c sein.

Exponentialfunktionen beschreiben viele Alltagssituationen: die Verbreitung eines Trends in sozialen Netzwerken, das Wachstum von Sparguthaben über Zinseszins, den Abbau von Koffein im Körper über Nacht oder den Wertverlust eines Neuwagens. Wer diese Beispiele kennt, erkennt exponentielle Aufgaben in der Klassenarbeit schneller, weil die Formulierungen sich ähneln.

Die wichtigsten Regeln zu Exponentialfunktionen auf einen Blick, ideal zum Wiederholen.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Ein Bestand nimmt pro Jahr um 20 Prozent ab. Mit welchem Wachstumsfaktor q rechnest du?

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Das Wichtigste in Kürze

  • Exponentielles Wachstum multipliziert in jedem Schritt mit demselben Faktor.
  • Es gilt y = c · q^x mit dem Anfangswert c und dem Faktor q.
  • Wachstum um p Prozent: q = 1 + p/100. Abnahme um p Prozent: q = 1 − p/100.
  • q größer als 1 bedeutet Zunahme, q zwischen 0 und 1 bedeutet Abnahme.
  • Typischer Fehler: bei 20 Prozent Abnahme mit 0,2 statt mit 0,8 rechnen.

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Häufige Fragen zu Exponentialfunktionen: Wachstum und Zerfall

Wie erkenne ich eine Exponentialfunktion?
Die Variable x steht im Exponenten, zum Beispiel bei y = 3 · 2^x. Bei einer quadratischen Funktion wie y = x² steht sie dagegen in der Basis. In Textaufgaben verraten Wörter wie Prozent pro Jahr, verdoppelt, halbiert oder Zinseszins das exponentielle Modell. In Tabellen ist der Quotient aufeinanderfolgender Werte konstant.
Wie berechne ich den Wachstumsfaktor aus Prozent?
Bei einer Zunahme addierst du den Prozentsatz als Dezimalzahl zu 1: 7 Prozent Wachstum ergibt q = 1,07. Bei einer Abnahme ziehst du ihn von 1 ab: 7 Prozent Abnahme ergibt q = 0,93. Der Faktor gibt immer an, wie viel vom alten Bestand nach einem Zeitschritt vorhanden ist, gemessen in ganzen Einheiten statt in Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen linearem und exponentiellem Wachstum?
Lineares Wachstum addiert pro Schritt einen festen Betrag, der Graph ist eine Gerade. Exponentielles Wachstum multipliziert pro Schritt mit einem festen Faktor, der Graph wird immer steiler. Anfangs liegen beide oft nah beieinander. Auf lange Sicht überholt exponentielles Wachstum jedes lineare, egal wie groß der feste Betrag gewählt wurde.
Kann eine Exponentialfunktion null werden?
Nein, solange der Anfangswert nicht null ist. Bei einer Abnahme wird der Bestand in jedem Schritt nur um einen Anteil kleiner, es bleibt also immer ein Rest übrig. Der Graph nähert sich der x-Achse immer weiter an, erreicht sie aber nie. In der Praxis wird ein Bestand irgendwann so klein, dass man ihn vernachlässigt.
In welcher Klasse kommen Exponentialfunktionen dran?
Exponentialfunktionen stehen meist in Klasse 10 auf dem Lehrplan, in einigen Bundesländern schon in Klasse 9. Voraussetzung sind Prozentrechnung und Potenzen. Direkt danach folgt der Logarithmus, mit dem du Gleichungen löst, bei denen die Zeit gesucht ist. In der Oberstufe kommt die e-Funktion hinzu, die in der Analysis eine zentrale Rolle spielt.
Was ist eine Halbwertszeit?
Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, nach der genau die Hälfte eines Bestands zerfallen oder abgebaut ist, egal wie groß der Bestand zu Beginn war. Sie beschreibt einen Wachstumsfaktor von q = 0,5 pro Zeitschritt. Wichtig ist, dass x nicht die Anzahl der Tage oder Jahre ist, sondern die Anzahl der abgelaufenen Halbwertszeiten – du musst die Zeit also erst durch die Halbwertszeit teilen.
Wie unterscheide ich Exponentialfunktion und Potenzfunktion?
Bei einer Potenzfunktion wie y = x² steht die Variable in der Basis und der Exponent ist fest. Bei einer Exponentialfunktion wie y = 2^x ist es umgekehrt: die Basis ist fest, und die Variable steht im Exponenten. Das führt zu ganz unterschiedlichem Verhalten, vor allem bei großen x-Werten wächst die Exponentialfunktion viel schneller als jede Potenzfunktion.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes