Die Erörterung
In einer Erörterung wägst du Argumente zu einer Streitfrage ab und kommst zu einem begründeten Ergebnis. In dieser Lektion lernst du den Unterschied zwischen steigernder und dialektischer Erörterung, den Aufbau von Einleitung, Hauptteil und Schluss und das Sanduhrprinzip.
- Fach: Deutsch
- Klasse 9
- Thema: Texte schreiben
- Dauer: 17 Min
- Niveau: Schwer
Was eine Erörterung leisten muss
Eine Erörterung beantwortet eine Streitfrage – eine Frage also, auf die man mit guten Gründen unterschiedlich antworten kann. „Sollten Schulnoten abgeschafft werden?“ ist eine solche Frage, „Wann wurde die Mauer gebaut?“ nicht. Deine Aufgabe ist nicht, möglichst laut deine Meinung zu vertreten, sondern die Sache von mehreren Seiten zu prüfen und am Ende ein Urteil zu begründen.
Der Aufbau ist immer dreiteilig. Die Einleitung führt zum Thema hin – über einen aktuellen Anlass, eine Zahl oder eine kurze Begriffsklärung – und endet mit der Streitfrage in einem klaren Satz. Der Hauptteil enthält die Argumente, jedes nach dem Muster These, Begründung, Beispiel und mit einem Überleitungssatz zum nächsten. Der Schluss fasst das Ergebnis zusammen und nennt deine begründete Position; erst hier darf sie stehen.
Ein typischer Fehler ist die Aufzählung ohne Ordnung. Wenn du deine Argumente in beliebiger Reihenfolge hinschreibst, verliert der Text seine Wirkung. Ordne sie stattdessen steigernd: das schwächste zuerst, das stärkste zuletzt. Der Leser behält das Letztgelesene am besten – und genau darauf soll dein Fazit aufbauen. Ebenso wichtig: Behaupte im Hauptteil nichts, was du nicht begründest.
Steigernde oder dialektische Erörterung?
Welche Form du brauchst, verrät die Aufgabenstellung. Fragt sie nach Gründen für eine Position, schreibst du steigernd (auch: lineare Erörterung). Fragt sie nach dem Für und Wider, schreibst du dialektisch.
In der dialektischen Erörterung gilt das Sanduhrprinzip: Du beginnst mit der Seite, die du am Ende ablehnst, und zwar mit ihrem stärksten Argument, arbeitest dich zum schwächsten hinunter, wechselst die Seite und steigerst dich dort wieder bis zum stärksten Argument. So endet der Hauptteil mit dem Argument, auf das dein Schluss aufbaut.
Steigernde Erörterung
Die Aufgabe fragt nach Gründen für eine Sache oder nach Ursachen und Folgen – es gibt nur eine Richtung.
Beispiele
- Aufgabenstellung: „Erörtere, welche Vorteile ein Schulgarten hat.“
- Aufgabenstellung: „Warum ist ehrenamtliches Engagement für Jugendliche wertvoll? Erörtere.“
- Argumentfolge: nützlich für den Biologieunterricht – gesunde Ernährung – Erfahrung von Verantwortung
Signalwörter
- Signalwörter „Welche Gründe …“, „Zeige auf“, „Warum …“
- nur eine Position wird entfaltet
- Argumente vom schwächsten zum stärksten
- Überleitungen wie „noch wichtiger ist“, „entscheidend jedoch ist“
- Schluss verstärkt die Position
Dialektische Erörterung
Die Aufgabe fragt nach Für und Wider – zwei Positionen stehen sich gegenüber und du entscheidest am Ende.
Beispiele
- Aufgabenstellung: „Sollten Smartphones an Schulen verboten werden? Erörtere.“
- Aufbau: Pro-Seite vom stärksten zum schwächsten Argument, dann Kontra-Seite vom schwächsten zum stärksten
- Schluss: „Die Nachteile eines Verbots wiegen schwerer, weil …“
Signalwörter
- Signalwörter „Erörtere, ob …“, „Für und Wider“, „Nimm Stellung“
- zwei Seiten mit eigenen Abschnitten
- Sanduhrprinzip in der Argumentreihenfolge
- Überleitung wie „Dagegen spricht allerdings“
- Schluss trifft eine begründete Entscheidung
Einen Hauptteil planen
Aufgabenstellung: „Sollten an weiterführenden Schulen Smartphones während der Unterrichtszeit verboten werden? Erörtere und nimm Stellung.“ Du bist am Ende gegen ein vollständiges Verbot.
Gegeben:
- Pro Verbot: weniger Ablenkung, weniger Cybermobbing in Pausen, alle im Unterricht gleich ausgestattet
- Contra Verbot: Notfallerreichbarkeit, Smartphone als Lernwerkzeug, Umgang muss geübt werden
Gesucht:
Reihenfolge der Argumente im Hauptteil nach dem SanduhrprinzipLösung:
- Weil du am Ende gegen das Verbot argumentierst, beginnt der Hauptteil mit der Pro-Seite – und zwar mit deren stärkstem Argument: Ablenkung im Unterricht.
- Pro-Seite absteigend fortsetzen: Cybermobbing in den Pausen, dann die gleiche Ausstattung aller Schüler.
- Überleiten und die Seite wechseln: „So einleuchtend diese Gründe sind, sprechen doch gewichtige Punkte gegen ein vollständiges Verbot.“ Mit dem schwächsten Contra-Argument beginnen: Notfallerreichbarkeit.
- Contra-Seite steigern: Smartphone als Recherche- und Lernwerkzeug, zuletzt das stärkste Argument – ein Verbot verschiebt das Problem nur, statt den Umgang zu üben.
Der Hauptteil endet mit dem Argument, das deine Position trägt. Der Schluss kann daran anknüpfen: „Ein vollständiges Verbot nimmt der Schule die Gelegenheit, genau das zu vermitteln, was Jugendliche später brauchen. Sinnvoller sind klare Regeln für einzelne Situationen.“
Jetzt bist du dran!
Welche Erörterungsform verlangt die Aufgabe „Erörtere, ob der Führerschein erst ab 21 Jahren erlaubt sein sollte“?
Noch nicht. Das Wort „ob“ zeigt an, dass zwei Positionen gegeneinander abgewogen werden. Damit ist eine dialektische Erörterung gefragt.
Das Wichtigste in Kürze
- Aufbau: Einleitung mit Hinführung und Streitfrage, Hauptteil mit begründeten Argumenten, Schluss mit Fazit und eigener Position.
- Steigernde Erörterung: eine Seite, Argumente vom schwächsten zum stärksten.
- Dialektische Erörterung: beide Seiten nach dem Sanduhrprinzip, die eigene Seite zuletzt.
- Jedes Argument besteht aus These, Begründung und Beispiel – mit Überleitung zum nächsten.
- Typischer Fehler: Argumente ungeordnet aneinanderreihen oder die eigene Meinung schon im Hauptteil verraten.
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