Bewerbung und Lebenslauf
Eine Bewerbung besteht aus zwei sehr verschiedenen Texten: dem Anschreiben und dem Lebenslauf. In dieser Lektion lernst du, was in beide gehört, wie das Anschreiben aufgebaut ist und welche Formulierungen dir sofort Punkte kosten.
- Fach: Deutsch
- Klasse 9
- Thema: Texte schreiben
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Was ein Betrieb aus deiner Bewerbung herauslesen will
Wer eine Bewerbung liest, hat meistens einen Stapel davon vor sich und nimmt sich pro Mappe kaum eine Minute. In dieser Minute soll klar werden: Auf welche Stelle bewirbst du dich, was kannst du, und warum ausgerechnet dieser Betrieb. Alles, was diese drei Fragen nicht beantwortet, kannst du streichen. Deshalb ist eine Bewerbung kein Aufsatz über dich selbst, sondern ein Angebot.
Das Anschreiben passt auf eine Seite und ist immer gleich aufgebaut: Absender und Empfänger, Datum, Betreffzeile mit der genauen Stellenbezeichnung, persönliche Anrede, dann drei bis vier Absätze – Einstieg mit dem Bezug zur Stelle, Hauptteil mit deinen Stärken und passenden Erfahrungen, Absatz zum Betrieb, Schluss mit dem Wunsch nach einem Gespräch. Am Ende Grußformel und Unterschrift. Der Lebenslauf dagegen ist eine Tabelle: persönliche Daten, Schulbildung, Praktika und Erfahrungen, Kenntnisse, Interessen – meist rückwärts nach Datum sortiert.
Der teuerste Fehler ist der Baukastensatz. „Hiermit bewerbe ich mich um die oben genannte Stelle“ und „Da ich sehr teamfähig, motiviert und zuverlässig bin“ stehen in fast jeder Bewerbung und sagen nichts. Belege Eigenschaften stattdessen mit etwas Nachprüfbarem: „In der Schülerfirma habe ich ein Jahr lang die Bestellungen koordiniert.“ Genauso wichtig: Schreibe den Namen des Betriebs und der Ansprechperson richtig – ein Tippfehler dort wirkt schlimmer als drei Kommafehler.
Tipp für den Unterricht und die echte Bewerbung: Lies die Stellenanzeige mit einem Textmarker. Streiche an, welche Fähigkeiten gefordert sind, und suche für zwei oder drei davon einen Beleg aus deinem Leben – ein Praktikum, ein Schulprojekt, ein Hobby oder eine Aufgabe in der Familie. Genau diese Belege gehören in den Hauptteil. Lass das Anschreiben zum Schluss von jemandem gegenlesen, denn Rechtschreibfehler wirken auf Personalverantwortliche wie fehlende Sorgfalt.
Anschreiben oder Lebenslauf?
Beide Teile gehören zusammen, dürfen sich aber nicht doppeln. Der Lebenslauf zeigt, was war. Das Anschreiben erklärt, was das für diese eine Stelle bedeutet.
Wenn du im Anschreiben deinen Lebenslauf in Sätzen nacherzählst, verschenkst du die Seite. Wähle dort nur zwei bis drei Stationen aus, die zur Stelle passen.
Ein Beispiel: Im Lebenslauf steht nur „03/2025 Praktikum, Stadtwerke Lohmar, IT-Abteilung“. Im Anschreiben erklärst du dagegen, was du dort konkret gemacht hast und warum das für die angestrebte Ausbildung wichtig ist.
Anschreiben
Du willst begründen, warum du auf diese Stelle in diesen Betrieb passt.
Beispiele
- Betreff: Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Fachinformatikerin, Beginn 1. August 2026
- „Bei meinem zweiwöchigen Praktikum in der IT-Abteilung der Stadtwerke habe ich Nutzeranfragen aufgenommen und Arbeitsplätze eingerichtet.“
- „Ihr Ausbildungsbetrieb hat mich angesprochen, weil Sie Auszubildende von Anfang an in Kundenprojekte einbinden.“
Signalwörter
- ganze Sätze, Ich-Form, sachlicher Ton
- Betreffzeile mit genauer Stellenbezeichnung
- persönliche Anrede, kein „Sehr geehrte Damen und Herren“, wenn ein Name bekannt ist
- höchstens eine Seite
- Schluss mit Bitte um ein Vorstellungsgespräch
Lebenslauf
Du sollst deinen Werdegang vollständig und auf einen Blick nachvollziehbar machen.
Beispiele
- „seit 08/2022 Städtisches Gymnasium Lohmar, angestrebter Abschluss: Mittlere Reife 2026“
- „03/2025 zweiwöchiges Betriebspraktikum, Stadtwerke Lohmar, IT-Abteilung“
- „Sprachen: Englisch (sicher), Französisch (Grundkenntnisse)“
Signalwörter
- tabellarisch, keine ganzen Sätze
- Zeiträume in Monat/Jahr, lückenlos
- Abschnitte: persönliche Daten, Schulbildung, Erfahrungen, Kenntnisse, Interessen
- Ort, Datum und Unterschrift am Ende
- meist rückwärts sortiert, neueste Station zuerst
| Anschreiben | Lebenslauf |
|---|---|
| Kopf mit Absender, Empfänger, Datum, Betreff | persönliche Daten |
| Einstieg mit Bezug zur Stelle | Schulbildung |
| Hauptteil mit belegten Stärken | Praktika und Erfahrungen |
| Bezug zum Betrieb | Kenntnisse und Interessen |
| Schluss mit Gesprächswunsch | Ort, Datum, Unterschrift |
Aus einer Floskel wird ein Argument
Du hast einen ersten Entwurf geschrieben und sollst den Hauptteil überarbeiten.
Gegeben:
- Entwurfssatz: „Ich bin sehr teamfähig, zuverlässig und motiviert und würde gerne bei Ihnen arbeiten.“
- Deine Erfahrungen: Praktikum in einer Kfz-Werkstatt (zwei Wochen), Schulsanitätsdienst seit zwei Jahren, Nebenjob im Fahrradladen samstags
Gesucht:
ein belegter Absatz für den HauptteilLösung:
- Floskeln markieren und fragen: Woran hat jemand das bei mir gesehen? „Zuverlässig“ – Schulsanitätsdienst, feste Dienste. „Teamfähig“ – Werkstattpraktikum.
- Je Eigenschaft eine konkrete Station nennen und sagen, was du dort getan hast, nicht nur, dass du dort warst.
- Bezug zur Stelle herstellen: Welche dieser Erfahrungen braucht der Betrieb wirklich?
- Alles zusammenziehen und den Werbesprech streichen – „sehr“, „äußerst“ und „mit großer Begeisterung“ ersatzlos entfernen.
„Im Schulsanitätsdienst übernehme ich seit zwei Jahren feste Pausendienste und dokumentiere jeden Einsatz. Während meines Praktikums in der Kfz-Werkstatt Bergmann habe ich im Team Radwechsel und Ölservice begleitet und gelernt, Arbeitsschritte sauber zu übergeben. Samstags arbeite ich in einem Fahrradladen und berate dort Kundinnen und Kunden.“ – Dieselben drei Eigenschaften, nur nachprüfbar.
Typische Fehler in Bewerbungen
Der teuerste Fehler ist ein falsch geschriebener Name. Wird der Firmenname oder der Name der Ansprechperson falsch geschrieben, wirkt das, als hättest du die Anzeige nicht richtig gelesen. Kontrolliere Namen deshalb doppelt, am besten direkt anhand der Stellenanzeige oder der Internetseite des Betriebs.
Ein zweiter Fehler sind unpassende Textbausteine aus dem Internet. Sätze wie „Über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen“ stehen in tausenden Bewerbungen und heben dich nicht ab. Formuliere stattdessen in eigenen Worten und mit Bezug auf deine tatsächlichen Erfahrungen.
Ein dritter Fehler ist ein zu langer oder unvollständiger Lebenslauf. Lücken zwischen zwei Stationen fallen auf und sollten kurz erklärt werden, etwa mit „Berufsorientierung“ oder „Auslandsaufenthalt“. Ein Lebenslauf ohne erkennbare Lücken und mit sauberer, rückwärts sortierter Reihenfolge wirkt dagegen sofort vertrauenswürdig.
Tipps für die Klassenarbeit
Wenn im Unterricht eine Musterstellenanzeige vorgegeben ist, markiere zuerst alle geforderten Fähigkeiten mit einem Textmarker. Suche für jede markierte Fähigkeit eine passende eigene Erfahrung, bevor du den Hauptteil formulierst. So verhinderst du, dass dein Anschreiben an der Anzeige vorbeigeht.
Kontrolliere am Ende die formalen Pflichtangaben: Absender, Empfänger, Datum, Betreffzeile mit genauer Stellenbezeichnung, passende Anrede, Grußformel und Unterschrift. In Klassenarbeiten werden diese formalen Punkte oft separat bewertet und schnell übersehen.
Lies dein Anschreiben laut vor. Sätze, die sich seltsam oder wie auswendig gelernt anhören, sind meist Floskeln. Ersetze sie durch eigene, konkrete Formulierungen – das macht den größten Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer überzeugenden Bewerbung.
Jetzt bist du dran!
Welche Betreffzeile ist richtig formuliert?
Noch nicht. Der Betreff nennt die genaue Stellenbezeichnung und den Zeitpunkt, damit die Bewerbung sofort zugeordnet werden kann. Das Wort „Betreff“ selbst schreibt man heute nicht mehr davor.
Das Wichtigste in Kürze
- Anschreiben: Absender, Empfänger, Datum, Betreff mit genauer Stellenbezeichnung, Anrede, Einstieg, Hauptteil, Bezug zum Betrieb, Schluss, Unterschrift – eine Seite.
- Lebenslauf: tabellarisch mit persönlichen Daten, Schulbildung, Erfahrungen, Kenntnissen, Interessen, Ort, Datum und Unterschrift.
- Eigenschaften immer mit einer konkreten Tätigkeit belegen, nicht nur behaupten.
- Anschreiben und Lebenslauf dürfen sich nicht doppeln.
- Typischer Fehler: Floskeln wie „Hiermit bewerbe ich mich“ und falsch geschriebene Firmen- oder Personennamen.
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Häufige Fragen zu Bewerbung und Lebenslauf
- Wie fange ich eine Bewerbung an?
- Beginne nicht mit „Hiermit bewerbe ich mich“, denn das weiß der Leser schon aus der Betreffzeile. Starte lieber mit einem Satz, der zeigt, warum dich gerade diese Stelle interessiert: „Seit meinem Praktikum in Ihrer Filiale weiß ich, dass ich Kaufmann im Einzelhandel werden möchte.“ Wenn du mit jemandem aus dem Betrieb telefoniert hast, kannst du dich im ersten Satz darauf beziehen.
- Was gehört alles in eine Bewerbung?
- Eine vollständige Bewerbung besteht aus dem Anschreiben, dem tabellarischen Lebenslauf und den Anlagen. Bei Schülern sind das meist die letzten beiden Zeugnisse sowie Bescheinigungen über Praktika, Kurse oder Ehrenämter. Ein Deckblatt ist freiwillig. Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland nicht mehr Pflicht, wird aber häufig noch erwartet. Online-Bewerbungen schickst du als eine einzige PDF-Datei.
- Wie lang darf ein Bewerbungsanschreiben sein?
- Das Anschreiben passt auf genau eine DIN-A4-Seite. Das entspricht etwa drei bis vier Absätzen im Hauptteil. Mehr liest in der ersten Runde kaum jemand. Wenn dein Text länger wird, streiche zuerst Wiederholungen aus dem Lebenslauf und allgemeine Floskeln. Eine kurze, konkrete Seite wirkt überzeugender als zwei Seiten mit Aufzählungen von Eigenschaften, die du nicht belegst.
- Wie beende ich ein Anschreiben?
- Am Schluss äußerst du den Wunsch nach einem Vorstellungsgespräch, ohne unterwürfig zu klingen: „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.“ Konjunktiv-Formulierungen wie „würde mich freuen“ wirken unsicherer. Danach folgt „Mit freundlichen Grüßen“ ohne Komma, deine Unterschrift und darunter dein Name in Druckschrift. Bei Online-Bewerbungen fügst du die Unterschrift als eingescanntes Bild ein.
- Welche Floskeln sollte man in einer Bewerbung vermeiden?
- Vermeide Sätze, die in fast jeder Bewerbung stehen und nichts über dich persönlich aussagen, etwa „Hiermit bewerbe ich mich um die oben genannte Stelle“ oder „Ich bin sehr teamfähig, motiviert und zuverlässig“. Ersetze solche Floskeln durch konkrete Beispiele aus deinem Leben, die dieselbe Eigenschaft belegen. Auch Übertreibungen wie „mit größter Begeisterung“ oder „schon immer mein Traumberuf“ wirken schnell unglaubwürdig.
- Muss ein Bewerbungsfoto sein?
- Nein, ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben, aus rechtlichen Gründen dürfen Betriebe es sogar nicht verlangen. Viele Personalverantwortliche sehen ein professionelles Foto aber weiterhin gern, weil es die Bewerbung persönlicher macht. Wenn du dich für ein Foto entscheidest, sollte es aktuell und seriös sein, am besten von einem Fotostudio, nicht ein Ausschnitt aus einem Alltagsfoto.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Argumentieren: These, Begründung, Beispiel
- Sachlich formulierenin Arbeit