Argumentieren: These, Begründung, Beispiel
Ein gutes Argument besteht aus drei Teilen: Behauptung, Begründung und Beispiel. In dieser Lektion lernst du, wie du diese drei Bausteine zu einem Argument verbindest, wie du es sprachlich einleitest und wie du ein Gegenargument entkräftest.
- Fach: Deutsch
- Klasse 8
- Thema: Texte schreiben
- Dauer: 14 Min
- Niveau: Mittel
Warum eine Meinung noch kein Argument ist
„Handys sollten im Unterricht verboten sein“ ist eine Behauptung, keine Begründung. Wer überzeugen will, muss erklären, warum die Behauptung stimmt – und dann zeigen, dass sie in der Wirklichkeit vorkommt. Genau das leisten die drei Bausteine eines Arguments: die These sagt, was du willst, die Begründung sagt, warum das sinnvoll ist, und das Beispiel macht es nachprüfbar.
Diese Dreierkette nennt man oft nach ihren Anfangsbuchstaben: These, Begründung, Beispiel. Manche Lehrwerke fügen einen vierten Schritt hinzu, den Rückbezug: ein Satz, der am Ende noch einmal auf die These zurückführt. Das lohnt sich, weil dein Leser sonst beim Beispiel hängen bleibt und vergisst, was du eigentlich zeigen wolltest.
Der typische Fehler ist eine Scheinbegründung. „Handys sollten verboten werden, weil sie im Unterricht nichts zu suchen haben“ wiederholt nur die These mit anderen Worten. Eine echte Begründung nennt eine Ursache oder Folge: „… weil eingehende Nachrichten die Aufmerksamkeit unterbrechen und man danach mehrere Minuten braucht, um wieder in die Aufgabe zu finden.“ Frage dich nach jedem „weil“, ob dahinter wirklich etwas Neues steht.
Tipp für die Klassenarbeit: Ordne deine Argumente nach Stärke. Das schwächste Argument kommt zuerst, das stärkste zuletzt, denn was am Ende steht, bleibt dem Leser am besten im Gedächtnis. Verknüpfe die Argumente mit Wörtern wie „außerdem“, „hinzu kommt“ oder „am wichtigsten ist jedoch“, damit der Text nicht wie eine Liste wirkt. Und nimm ein Gegenargument auf und entkräfte es. Das zeigt, dass du die andere Seite verstanden hast, und macht deine eigene Position glaubwürdiger.
Argument oder bloße Meinung?
In Klassenarbeiten wird fast nie die Meinung selbst bewertet, sondern ihre Begründung. Darum lohnt sich der Blick darauf, was ein Satz tatsächlich leistet.
Die Probe ist einfach: Streiche die These und lies nur die Begründung. Steht dort eine Ursache oder eine Folge, ist es ein Argument. Steht dort nur noch dieselbe Behauptung, war es eine Meinung.
Ein weiteres Beispiel: „Vereine sollten mehr gefördert werden, weil Fördergelder wichtig sind“ ist eine Scheinbegründung. „Vereine sollten mehr gefördert werden, weil sie jungen Menschen kostengünstig Sport und Gemeinschaft ermöglichen und so Einsamkeit vorbeugen“ nennt dagegen eine echte Folge.
Vollständiges Argument
Du willst jemanden überzeugen und musst deine Position nachprüfbar stützen.
Beispiele
- These: Schulen sollten später beginnen. Begründung: Jugendliche haben einen biologisch nach hinten verschobenen Schlafrhythmus und sind morgens weniger aufnahmefähig. Beispiel: In einer Versuchsschule in Alsdorf stiegen nach der Umstellung die Leistungen in den ersten Stunden.
- These: Fahrradwege sollten breiter werden, weil sich Radfahrende bei Gegenverkehr sonst in den Autoverkehr ausweichen müssen – an der Ringstraße passiert das täglich.
Signalwörter
- Begründung nennt Ursache oder Folge
- Verknüpfungen wie „weil“, „dadurch“, „das führt dazu, dass“
- Beispiel mit Ort, Zahl oder Erfahrung
- Rückbezug am Ende
- lässt sich überprüfen oder widerlegen
Bloße Meinung
Du sagst nur, was du denkst oder fühlst. In einem Erörterungstext zählt das kaum.
Beispiele
- Ich finde Hausaufgaben einfach sinnlos.
- Handys sollten verboten werden, weil sie im Unterricht nichts zu suchen haben.
- Jeder weiß doch, dass später anfangen besser wäre.
Signalwörter
- „ich finde“, „ich denke“ ohne Begründung
- Begründung wiederholt nur die These
- Verallgemeinerungen wie „jeder weiß“, „man sagt“
- kein Beispiel
- nicht überprüfbar
| Funktion | Beispiele |
|---|---|
| Begründung einleiten | weil, denn, da |
| Argument hinzufügen | außerdem, hinzu kommt, ebenso |
| Wichtigstes betonen | vor allem, am wichtigsten ist jedoch |
| Gegenargument einräumen | zwar … doch, sicher stimmt, dass … |
Ein Argument in drei Schritten bauen
Aufgabenstellung: „Sollte es an Schulen eine Pflicht zum Schulobst geben? Formuliere ein Argument für die Einführung.“
Gegeben:
- Position: dafür
- Beobachtung: viele Schüler kommen ohne Frühstück in die Schule
Gesucht:
ein vollständiges Argument mit RückbezugLösung:
- These formulieren, knapp und als Behauptung: „An Schulen sollte täglich kostenloses Obst bereitstehen.“
- Begründung anschließen, die eine Folge nennt: „… weil viele Jugendliche ohne Frühstück in den Unterricht kommen und in der dritten oder vierten Stunde kaum noch konzentriert arbeiten können.“
- Beispiel ergänzen, das nachprüfbar ist: „An meiner Schule melden sich in den letzten Stunden deutlich weniger Schüler; seit es in der Pause eine Obstkiste gibt, ist das in den betreffenden Klassen merklich besser geworden.“
- Rückbezug setzen: „Schulobst kostet also wenig und verbessert genau die Stunden, in denen der Unterricht sonst wenig bringt.“
Das Argument enthält alle drei Bausteine plus Rückbezug. Ohne das Beispiel bliebe es eine Behauptung mit Erklärung; ohne Begründung wäre es nur eine Meinung.
Typische Fehler beim Argumentieren
Der häufigste Fehler ist die Scheinbegründung: Der Satz nach „weil“ wiederholt nur die These mit anderen Worten, ohne eine Ursache oder Folge zu nennen. „Handys sollten verboten werden, weil sie im Unterricht nichts zu suchen haben“ erklärt nichts, sondern behauptet nur noch einmal dasselbe. Prüfe deshalb jeden Begründungssatz, indem du fragst: Steht hier wirklich eine neue Information?
Ein zweiter Fehler ist ein Beispiel ohne Bezug zur Begründung. Wer als Beispiel nur eine allgemeine Aussage bringt, statt einen konkreten Fall mit Ort, Zahl oder Erfahrung zu nennen, macht sein Argument nicht wirklich nachprüfbar. „Das kennt doch jeder“ ist kein Beispiel, sondern eine weitere Behauptung.
Ein dritter Fehler ist es, Gegenargumente einfach zu ignorieren oder pauschal als falsch zu bezeichnen. Das wirkt unsachlich und schwächt die eigene Position, weil der Leser merkt, dass eine naheliegende Einwand nicht bedacht wurde. Nimm Gegenargumente ernst, räume ihren berechtigten Kern ein und zeige dann, warum dein Argument trotzdem überwiegt.
Tipps für die Klassenarbeit
Plane deinen Argumentationstext, bevor du zu schreiben beginnst. Schreibe dir für jede These in Stichworten die passende Begründung und ein Beispiel auf, bevor du ganze Sätze formulierst. So verlierst du beim Schreiben nicht den roten Faden und merkst sofort, wenn dir zu einer These das passende Beispiel fehlt.
Achte auf eine sachliche, klare Sprache ohne Übertreibungen. Wörter wie „immer“, „nie“ oder „alle“ machen ein Argument angreifbar, weil eine einzige Ausnahme reicht, um sie zu widerlegen. Formulierungen wie „in vielen Fällen“ oder „häufig“ sind meist zutreffender und wirken trotzdem überzeugend.
Baue am Ende deines Textes immer ein Fazit ein, das deine wichtigsten Argumente kurz zusammenfasst und deine Position noch einmal klar benennt. So bleibt dem Leser dein Standpunkt im Gedächtnis, selbst wenn er sich nicht mehr an jedes einzelne Argument erinnert.
Jetzt bist du dran!
Welcher Baustein fehlt hier? „Schulen sollten später beginnen, weil Jugendliche morgens weniger aufnahmefähig sind.“ Schreibe nur das fehlende Wort.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Argument besteht aus These, Begründung und Beispiel – dazu möglichst ein Rückbezug.
- Die Begründung muss eine Ursache oder Folge nennen, nicht die These wiederholen.
- Das Beispiel macht das Argument überprüfbar: Zahl, Ort oder konkrete Erfahrung.
- Gegenargumente räumst du ein und entkräftest sie, statt sie zu bestreiten.
- Typischer Fehler: Scheinbegründung nach „weil“ – prüfe, ob dort wirklich etwas Neues steht.
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Häufige Fragen zu Argumentieren: These, Begründung, Beispiel
- Wie ist ein Argument aufgebaut?
- Ein vollständiges Argument besteht aus drei Teilen: der These, also deiner Behauptung, der Begründung, die erklärt, warum die These stimmt, und einem Beispiel oder Beleg, der zeigt, dass die Begründung in der Wirklichkeit zutrifft. Manche Lehrwerke ergänzen einen Rückbezug zur These. Man merkt sich das oft als „These, Begründung, Beispiel“ oder kurz 3B-Regel.
- Was ist der Unterschied zwischen Begründung und Beispiel?
- Die Begründung ist allgemein und erklärt eine Ursache oder Folge: „Handys lenken ab, weil jede Nachricht die Aufmerksamkeit unterbricht.“ Das Beispiel ist konkret und zeigt einen Einzelfall: „In unserer Klasse vibrierte letzte Woche während der Mathearbeit dreimal ein Handy.“ Ohne Begründung bleibt das Beispiel eine Anekdote, ohne Beispiel bleibt die Begründung eine Behauptung ohne Beleg.
- Was ist eine Scheinbegründung?
- Eine Scheinbegründung sieht aus wie eine Begründung, wiederholt aber nur die These mit anderen Worten. „Hausaufgaben sind sinnlos, weil sie nichts bringen“ ist so ein Fall. Echte Begründungen nennen eine Ursache oder Folge, die über die These hinausgeht. Test: Lies nur den Teil nach „weil“. Sagt er dasselbe wie die These, ist es eine Scheinbegründung.
- Wie entkräfte ich ein Gegenargument?
- Nenne das Gegenargument zuerst fair und vollständig, zum Beispiel mit „Zwar wird oft gesagt, dass …“. Danach zeigst du, warum es weniger schwer wiegt als dein eigenes Argument oder warum es nur in bestimmten Fällen zutrifft: „… doch dieses Problem ließe sich lösen, indem …“. So wirkst du nicht einseitig, und der Leser merkt, dass du beide Seiten abgewogen hast.
- In welcher Reihenfolge ordnet man mehrere Argumente an?
- Am überzeugendsten wirkt die steigernde Reihenfolge: Du beginnst mit deinem schwächsten Argument und steigerst dich zu deinem stärksten. Der Grund ist, dass Leser sich an das zuletzt Gelesene am besten erinnern. Verknüpfe die einzelnen Argumente mit Wörtern wie „außerdem“, „hinzu kommt“ oder „vor allem aber“, damit der Text wie eine logische Kette wirkt und nicht wie eine lose Aufzählung.
- Was ist der Unterschied zwischen Argumentieren und Erörtern?
- Argumentieren bedeutet, ein einzelnes Argument aus These, Begründung und Beispiel aufzubauen. Die Erörterung ist die größere Textform, in der du mehrere solcher Argumente zu einem Für und Wider oder zu einer linearen Argumentationskette zusammenfügst, meist mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Die Bausteine des Argumentierens brauchst du also als Werkzeug für jeden einzelnen Absatz einer Erörterung.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Die Inhaltsangabe
- Sachlich formulierenin Arbeit