Die Zeitformen der Verben
Deutsch hat sechs Zeitformen, aber du brauchst sie nicht alle gleich oft. In dieser Lektion lernst du, wie die Formen gebildet werden, wofür Perfekt und Präteritum jeweils da sind und warum du beim Schreiben einer Geschichte anders erzählst als beim Reden.
- Fach: Deutsch
- Klasse 6
- Thema: Grammatik
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Sechs Zeitformen und ihre Aufgaben
Mit der Zeitform eines Verbs legst du fest, wann etwas passiert. Das Präsens (ich lerne) steht für die Gegenwart, aber auch für Regeln und für Zukünftiges mit Zeitangabe: „Morgen schreiben wir einen Test.“ Für Vergangenes gibt es drei Formen: Perfekt (ich habe gelernt), Präteritum (ich lernte) und Plusquamperfekt (ich hatte gelernt). Für die Zukunft stehen Futur I (ich werde lernen) und Futur II (ich werde gelernt haben).
Drei dieser Formen werden mit einem Hilfsverb gebildet. Das Perfekt braucht „haben“ oder „sein“ plus Partizip II, das Plusquamperfekt dieselbe Konstruktion im Präteritum, und das Futur I verwendet „werden“ plus Infinitiv. Ob ein Verb das Perfekt mit „haben“ oder mit „sein“ bildet, hängt davon ab, ob eine Bewegung oder Zustandsänderung ausgedrückt wird: „ich habe gearbeitet“, aber „ich bin gefahren“.
Das Plusquamperfekt hat eine Aufgabe, die man leicht übersieht: Es markiert die Vorzeitigkeit. Wenn du in einer Vergangenheitserzählung noch weiter zurückgehst, brauchst du es. „Er erzählte von dem Unfall. Er hatte ihn selbst gesehen.“ Das erste Ereignis liegt vor dem zweiten – genau das zeigt das Plusquamperfekt an, und deshalb steht es fast nie allein, sondern immer zusammen mit einem Präteritum.
Der häufigste Fehler in Aufsätzen ist der unbeabsichtigte Wechsel der Zeitform. Wer spannend erzählt, rutscht leicht vom Präteritum ins Präsens, weil es sich lebendiger anfühlt: „Ich ging in den Keller. Plötzlich höre ich ein Geräusch.“ Das wirkt unsauber und kostet Punkte. Lies deinen Text am Ende einmal nur mit Blick auf die Verben durch und markiere jede Form, die nicht zur gewählten Erzählzeit passt.
Achte außerdem auf das Partizip II der unregelmäßigen Verben, denn hier passieren viele Fehler: Es heißt „gesungen“, nicht „gesingt“, und „gebracht“, nicht „gebringt“. Wenn du unsicher bist, bilde alle drei Stammformen hintereinander: singen – sang – gesungen, bringen – brachte – gebracht. Diese Reihen solltest du für die häufigsten Verben auswendig können, weil sie dir für Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt gleichzeitig helfen.
Das Perfekt richtig bilden
Das Perfekt ist die Zeitform, die dir im Alltag am häufigsten begegnet, deshalb lohnt es sich, ihre Bildung ganz genau zu üben. Zuerst bildest du das Partizip II des Verbs: bei regelmäßigen Verben mit „ge-“ am Anfang und „-t“ am Ende (gelernt), bei unregelmäßigen Verben oft mit „ge-“ und einem Vokalwechsel (gefahren, gesungen).
Danach entscheidest du, ob du „haben“ oder „sein“ als Hilfsverb brauchst. Die Faustregel: Bewegung von einem Ort zum anderen und Zustandsänderungen bilden das Perfekt mit „sein“, alle anderen Verben mit „haben“. Konjugiere das Hilfsverb passend zur Person und setze es an die zweite Stelle im Satz, das Partizip II wandert ans Satzende.
Bei trennbaren Verben wie „aufwachen“ oder „einkaufen“ verschiebt sich die Vorsilbe im Partizip II nach hinten an die Grundform: „ich bin aufgewacht“, „wir haben eingekauft“. Übe diese Bildung besonders an Verben, die du im Alltag oft benutzt, dann sitzt sie am schnellsten.
Perfekt oder Präteritum?
Beide Formen drücken Vergangenes aus und sind inhaltlich fast gleichwertig. Der Unterschied liegt in der Textsorte: Gesprochenes nutzt das Perfekt, Geschriebenes das Präteritum. Nur bei den Hilfs- und Modalverben gilt das nicht – „ich war“ und „ich konnte“ sagt man auch mündlich.
Perfekt
Gesprochene Sprache, Berichte über Erlebtes, Ergebnisse, die bis jetzt wirken. Gebildet mit haben oder sein plus Partizip II.
Beispiele
- Ich habe gestern meine Hausaufgaben gemacht.
- Wir sind nach Hamburg gefahren.
- Hast du den Film schon gesehen?
Signalwörter
- Hilfsverb haben oder sein im Satz
- Partizip II am Satzende: gemacht, gefahren, gesehen
- mündliches Erzählen, Dialog, E-Mail an Freunde
- Bewegungsverben mit sein: gehen, fahren, kommen
- Zustandsänderung mit sein: einschlafen, wachsen
Präteritum
Geschriebene Erzählung, Bericht, Zeitungstext, Märchen. Gebildet durch eine eigene Verbform ohne Hilfsverb.
Beispiele
- Er machte seine Hausaufgaben und ging schlafen.
- Wir fuhren nach Hamburg.
- Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter.
Signalwörter
- Endung -te bei regelmäßigen Verben: lernte, spielte
- Vokalwechsel bei unregelmäßigen: gehen – ging, sehen – sah
- kein Hilfsverb nötig
- Erzähltexte, Nachrichten, Aufsätze
- auch mündlich bei sein, haben, können, müssen, wollen
| Merkmal | Perfekt | Präteritum |
|---|---|---|
| Bildung | haben/sein + Partizip II | eine Verbform |
| Textsorte | gesprochene Sprache, Dialog | Erzähltext, Bericht, Märchen |
| Beispiel | Wir sind gefahren. | Wir fuhren. |
Zeitformen in einer Erzählung
Schau dir an, wie die Zeitformen in einem Erzähltext zusammenarbeiten. Achte besonders darauf, wo das Plusquamperfekt auftaucht.
Gegeben:
- Lena kam zu spät zum Unterricht.
- Sie hatte den Bus verpasst.
- Morgen wird sie früher aufstehen.
Gesucht:
Zeitform und BegründungLösung:
- Satz 1: „kam“ ist Präteritum – die Erzählzeit des geschriebenen Textes.
- Satz 2: „hatte verpasst“ ist Plusquamperfekt. Das Verpassen liegt vor dem Zuspätkommen, also vorzeitig zur Erzählzeit.
- Satz 3: „wird aufstehen“ ist Futur I, gebildet mit werden plus Infinitiv. Das Signalwort „morgen“ stützt die Zukunft.
Präteritum trägt die Erzählung, Plusquamperfekt blendet zurück, Futur I blickt voraus. Wenn du mündlich erzählst, würdest du Satz 1 als Perfekt sagen: „Lena ist zu spät gekommen.“ Im Aufsatz bleibt es beim Präteritum.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Der häufigste Fehler ist, wie eingangs erwähnt, der ungewollte Wechsel der Erzählzeit mitten im Text. Entscheide dich vor dem Schreiben bewusst für Präteritum als Grundzeit deiner Erzählung und bleibe konsequent dabei, auch wenn das Präsens im Moment lebendiger klingt. Nur wörtliche Rede innerhalb der Erzählung darf im Präsens stehen, weil sie ja tatsächlich in diesem Moment gesprochen wird.
Ein zweiter Fehler ist die falsche Wahl des Hilfsverbs beim Perfekt. „Ich habe gefahren“ ist falsch, richtig ist „ich bin gefahren“, weil „fahren“ eine Bewegung ausdrückt. Umgekehrt heißt es nicht „ich bin gearbeitet“, sondern „ich habe gearbeitet“, weil bei „arbeiten“ keine Ortsveränderung vorliegt. Präge dir die Bewegungsverben und Zustandsänderungen als kleine Liste ein.
Ein dritter Stolperstein sind falsch gebildete Partizipien bei unregelmäßigen Verben: „gesingt“ statt „gesungen“, „gebringt“ statt „gebracht“. Lerne die Stammformen der häufigsten unregelmäßigen Verben auswendig, am besten in Dreierreihen wie singen – sang – gesungen. Für die Klassenarbeit hilft außerdem, den fertigen Text noch einmal nur mit Blick auf die Verbformen durchzulesen.
Jetzt bist du dran
In welchem Satz steht ein Plusquamperfekt?
Noch nicht. Plusquamperfekt heißt: „hatte“ oder „war“ im Präteritum plus Partizip II. Es zeigt hier, dass das Lesen vor dem Filmstart abgeschlossen war.
Das Wichtigste in Kürze
- Sechs Zeitformen: Präsens, Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt, Futur I, Futur II.
- Perfekt = haben/sein + Partizip II, Plusquamperfekt = hatte/war + Partizip II, Futur I = werden + Infinitiv.
- Bewegung und Zustandsänderung bilden das Perfekt mit „sein“, alles andere mit „haben“.
- Plusquamperfekt markiert Vorzeitigkeit und steht zusammen mit einem Präteritum.
- Typischer Fehler: im Aufsatz mitten im Text von Präteritum zu Präsens springen. Entscheide dich für eine Erzählzeit und bleibe dabei.
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Häufige Fragen zu Die Zeitformen der Verben
- Wie viele Zeitformen gibt es im Deutschen?
- Im Deutschen gibt es sechs Zeitformen: Präsens (ich spiele), Präteritum (ich spielte), Perfekt (ich habe gespielt), Plusquamperfekt (ich hatte gespielt), Futur I (ich werde spielen) und Futur II (ich werde gespielt haben). Präsens und Präteritum bestehen aus nur einer Verbform, die anderen vier werden mit einem Hilfsverb gebildet, also mit haben, sein oder werden.
- Wann benutzt man Perfekt und wann Präteritum?
- Beide beschreiben Vergangenes. Das Perfekt verwendest du vor allem beim Sprechen, in Gesprächen oder in Nachrichten an Freunde: „Ich habe gestern Fußball gespielt.“ Das Präteritum ist die Zeitform für geschriebene Erzählungen, Berichte und Märchen: „Er spielte den ganzen Nachmittag.“ Bei sein, haben und den Modalverben nutzt man auch mündlich meist das Präteritum.
- Wie bildet man das Plusquamperfekt?
- Du nimmst die Präteritumform von „haben“ oder „sein“ und das Partizip II des Verbs: „ich hatte gegessen“, „sie war gegangen“. Ob „hatte“ oder „war“ passt, entscheidest du wie beim Perfekt. Das Plusquamperfekt brauchst du, wenn etwas noch vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert ist: „Als wir ankamen, war der Zug schon abgefahren.“
- Wann verwendet man das Futur II?
- Das Futur II beschreibt etwas, das zu einem Zeitpunkt in der Zukunft bereits abgeschlossen sein wird: „Bis Freitag werde ich das Buch gelesen haben.“ Außerdem drückt es eine Vermutung über Vergangenes aus: „Er wird den Bus verpasst haben.“ Im Alltag kommt es selten vor und wird oft durch das Perfekt mit Zeitangabe ersetzt: „Bis Freitag habe ich das Buch gelesen.“
- Wann bildet man das Perfekt mit „sein“?
- Mit „sein“ bilden vor allem Verben das Perfekt, die eine Bewegung von einem Ort zum anderen ausdrücken, wie gehen, fahren oder fliegen, und Verben einer Zustandsänderung, wie einschlafen, aufwachen oder wachsen. Dazu kommen „sein“ und „bleiben“ selbst: „Ich bin zu Hause geblieben.“ Die meisten übrigen Verben, besonders die mit einem Akkusativobjekt, bilden das Perfekt mit „haben“.
- Wie bildet man das Partizip II?
- Regelmäßige Verben bilden das Partizip II mit „ge-“ am Anfang und „-t“ am Ende: lernen – gelernt, spielen – gespielt. Unregelmäßige Verben bekommen oft „ge-“ und die Endung „-en“, dazu häufig einen Vokalwechsel: singen – gesungen, sehen – gesehen. Bei Verben mit untrennbaren Vorsilben wie „ver-“ oder „be-“ entfällt das „ge-“: bekommen – bekommen, verstehen – verstanden.
- Warum wechselt man beim Erzählen nicht die Zeitform?
- Ein ständiger Wechsel zwischen Präteritum und Präsens wirkt unsauber und irritiert die Leser, weil unklar wird, wann etwas passiert ist. Entscheide dich deshalb vor dem Schreiben für eine Erzählzeit, meist das Präteritum, und behalte sie über den ganzen Text bei. Nur wörtliche Rede darf innerhalb der Erzählung im Präsens stehen, weil sie in diesem Moment tatsächlich gesprochen wird.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Die Wortarten bestimmen
- Starke und schwache Verbenin Arbeit