Konjunktiv I und II
Der Konjunktiv ist die Verbform für alles, was berichtet oder nur gedacht ist. In dieser Lektion lernst du, wie beide Formen gebildet werden, wann du Konjunktiv I für die indirekte Rede brauchst und wann Konjunktiv II für Wünsche und Irreales.
- Fach: Deutsch
- Klasse 8
- Thema: Grammatik
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Schwer
Wirklichkeitsform und Möglichkeitsform
Die meisten Verbformen, die du benutzt, stehen im Indikativ – der Wirklichkeitsform. „Es regnet“ behauptet, dass es tatsächlich regnet. Der Konjunktiv dagegen ist die Möglichkeitsform: Er zeigt, dass eine Aussage nicht als eigene Behauptung gemeint ist. Entweder weil du nur wiedergibst, was jemand anderes gesagt hat, oder weil du etwas beschreibst, das gar nicht der Fall ist.
Konjunktiv I wird vom Präsensstamm gebildet und bekommt in allen Personen die Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en: er gehe, sie habe, er komme. Du brauchst ihn fast nur für die indirekte Rede, also in Berichten und Zeitungstexten: „Der Zeuge sagte, er habe nichts gesehen.“ Die Form macht unmissverständlich klar, dass hier der Zeuge spricht und nicht die Autorin.
Konjunktiv II wird vom Präteritumstamm gebildet, bei starken Verben mit Umlaut: er käme, er gäbe, ich wäre, ich hätte. Bei schwachen Verben ist die Form mit dem Präteritum identisch („ich lernte“), weshalb man stattdessen die Umschreibung mit „würde“ nimmt: „ich würde lernen“. Konjunktiv II steht für Irreales, Wünsche, höfliche Bitten und Bedingungssätze. Außerdem ersetzt er den Konjunktiv I, wenn dieser wie der Indikativ aussieht – „sie haben“ wäre nicht erkennbar, deshalb „sie hätten“.
Konjunktiv I oder Konjunktiv II?
Die Entscheidung hängt an der Frage, was die Form ausdrücken soll: Gibst du eine Äußerung weiter, oder sprichst du über etwas Nichtwirkliches? Nur wenn der Konjunktiv I nicht vom Indikativ zu unterscheiden ist, weichst du in der indirekten Rede auf Konjunktiv II aus.
Konjunktiv I – indirekte Rede
Du berichtest, was jemand gesagt, gefragt oder behauptet hat, ohne es selbst zu behaupten. Gebildet vom Präsensstamm mit -e: gehe, habe, sei.
Beispiele
- Sie sagte, sie komme später.
- Er behauptet, er sei krank gewesen.
- Die Polizei teilte mit, der Täter habe das Gebäude verlassen.
Signalwörter
- Redeeinleitung: sagte, behauptete, teilte mit, erklärte
- Endung -e in der 3. Person Singular: er gehe, sie habe
- „sei“ statt „ist“
- Pronomen wechselt von „ich“ zu „er/sie“
- kein Anführungszeichen, kein Komma-Doppelpunkt-Muster
Konjunktiv II – Irreales und Wünsche
Du sprichst über etwas, das nicht wirklich ist: Wunsch, Vorstellung, Bedingung, höfliche Bitte. Gebildet vom Präteritumstamm mit Umlaut oder mit „würde“.
Beispiele
- Wenn ich Zeit hätte, würde ich mitkommen.
- Ich wäre gern schon fertig.
- Könnten Sie mir bitte helfen?
Signalwörter
- Signalwörter: wenn, falls, beinahe, fast, gern
- Umlaut im Präteritumstamm: käme, gäbe, wäre, hätte
- Umschreibung mit würde bei schwachen Verben
- höfliche Bitte: könnten, würden, dürfte
- Ersatz für Konjunktiv I, wenn dieser wie der Indikativ klingt
Direkte Rede in indirekte Rede umformen
Forme die direkte Rede in indirekte Rede um. Achte auf Pronomen, Verbform und Zeitangaben.
Gegeben:
- Lena sagte: „Ich habe meinen Schlüssel verloren und finde ihn nicht.“
Gesucht:
indirekte Rede im KonjunktivLösung:
- Anführungszeichen und Doppelpunkt entfernen, stattdessen „dass“ einsetzen oder ohne Einleitewort weiterschreiben.
- Pronomen anpassen: „ich“ wird „sie“, „meinen“ wird „ihren“.
- Verbformen in den Konjunktiv I setzen: „habe verloren“ bleibt „habe verloren“ (schon Konjunktiv-I-Form), „finde“ wird „finde“ – beide sind in der 3. Person erkennbar.
- Prüfen, ob die Form vom Indikativ abweicht. Bei „sie finden“ im Plural wäre sie identisch, dann müsstest du auf Konjunktiv II „fänden“ ausweichen.
Lena sagte, sie habe ihren Schlüssel verloren und finde ihn nicht. Alternativ mit „dass“: Lena sagte, dass sie ihren Schlüssel verloren habe und ihn nicht finde.
Jetzt bist du dran
Welche Form steht im Konjunktiv I?
Noch nicht. „sei“ ist der Konjunktiv I von „sein“ und die typische Form der indirekten Rede. „wäre“ ist Konjunktiv II, „ist“ und „war“ sind Indikativ.
Das Wichtigste in Kürze
- Konjunktiv I: vom Präsensstamm mit -e (er gehe, sie habe, er sei) – für die indirekte Rede.
- Konjunktiv II: vom Präteritumstamm, bei starken Verben mit Umlaut (käme, wäre, hätte) – für Irreales, Wünsche und höfliche Bitten.
- Bei schwachen Verben ersetzt „würde“ plus Infinitiv den Konjunktiv II, weil die Form sonst wie Präteritum aussieht.
- Sieht der Konjunktiv I wie der Indikativ aus, nimmst du in der indirekten Rede Konjunktiv II.
- Typischer Fehler: In der indirekten Rede den Indikativ stehen lassen („Er sagte, er ist krank“) – richtig ist „er sei krank“, sonst behauptest du es selbst.
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Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Aktiv und Passiv
- Indirekte Rede im Berichtin Arbeit