Aktiv und Passiv
Mit dem Passiv rückst du die Handlung in den Mittelpunkt und lässt offen, wer handelt. In dieser Lektion lernst du, wie du einen Aktivsatz ins Passiv umformst, woran du das Passiv erkennst und warum es in Sachtexten und Anleitungen so häufig vorkommt.
- Fach: Deutsch
- Klasse 7
- Thema: Grammatik
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Zwei Blickwinkel auf dasselbe Geschehen
„Der Hausmeister streicht die Tür“ und „Die Tür wird gestrichen“ beschreiben dasselbe Ereignis – aber sie stellen etwas anderes in den Vordergrund. Im Aktiv steht der Handelnde als Subjekt: Der Hausmeister tut etwas. Im Passiv wird das, was im Aktiv Akkusativobjekt war, zum Subjekt: Die Tür. Der Handelnde verschwindet oder wird mit „von“ nachgereicht: „Die Tür wird vom Hausmeister gestrichen.“
Das Passiv wird mit „werden“ plus Partizip II gebildet. Im Präteritum heißt das „wurde gestrichen“, im Perfekt „ist gestrichen worden“. Achte auf diese Perfektform: Es heißt „worden“, nicht „geworden“ – „geworden“ gehört zum Vollverb werden („Er ist Lehrer geworden“). Neben diesem Vorgangspassiv gibt es das Zustandspassiv mit „sein“: „Die Tür ist gestrichen.“ Es beschreibt nicht den Vorgang, sondern das Ergebnis.
Passiv ist kein Stilfehler, aber auch kein Selbstzweck. Es ist dort richtig, wo der Handelnde unbekannt, unwichtig oder allgemein ist: in Bedienungsanleitungen, Versuchsprotokollen, Nachrichten und Gesetzestexten. In einer Erzählung dagegen wirkt es blass, weil niemand mehr handelt. Ein typischer Fehler ist deshalb das Dauerpassiv im Aufsatz: „Es wurde gelaufen, es wurde gerufen.“ Besser ist, wer handelt, auch zu nennen.
Ein typischer Fehler beim Umformen ist der falsche Fall. Aus „Der Lehrer lobt den Schüler“ wird „Der Schüler wird gelobt“ – das Akkusativobjekt „den Schüler“ wird zum Subjekt im Nominativ „der Schüler“. Wer „Den Schüler wird gelobt“ schreibt, hat den Fall nicht angepasst. Achte außerdem darauf, dass das Verb „werden“ sich nach dem neuen Subjekt richtet: „Die Schüler werden gelobt“, nicht „wird gelobt“. Und nur Sätze mit Akkusativobjekt lassen sich so umformen.
Aktiv und Passiv gegenübergestellt
Beim Umformen machst du immer dieselben drei Schritte: Das Akkusativobjekt wird Subjekt, das alte Subjekt wird weggelassen oder mit „von“ angeschlossen, und das Verb bekommt die Form „werden“ plus Partizip II. Die Zeitform bleibt dabei erhalten.
Ein weiteres Beispiel zeigt den Unterschied deutlich: „Der Bäcker backt frische Brötchen“ (Aktiv) wird zu „Frische Brötchen werden gebacken“ (Passiv). Im ersten Satz interessiert, wer backt, im zweiten nur, was passiert – der Bäcker könnte sogar ganz wegfallen.
Aktiv (Tatform)
Der Handelnde ist wichtig und steht als Subjekt im Satz. Die Standardform in Erzählungen, Dialogen und überall, wo jemand etwas tut.
Beispiele
- Der Lehrer korrigiert die Arbeiten.
- Ein Sturm zerstörte das Dach.
- Die Feuerwehr hat das Feuer gelöscht.
Signalwörter
- Subjekt ist der Handelnde
- das Verb steht ohne „werden“ als Hilfsverb
- Frage: Wer tut etwas?
- meist ein Akkusativobjekt vorhanden
- typisch für Erzählung und gesprochene Sprache
Passiv (Leideform)
Die Handlung oder das Betroffene ist wichtig, der Handelnde unbekannt oder unwichtig. Gebildet mit „werden“ plus Partizip II.
Beispiele
- Die Arbeiten werden korrigiert.
- Das Dach wurde von einem Sturm zerstört.
- Das Feuer ist gelöscht worden.
Signalwörter
- „werden“ in gebeugter Form: wird, wurde, ist … worden
- Partizip II am Satzende: korrigiert, zerstört, gelöscht
- der Handelnde fehlt oder folgt mit „von“ bzw. „durch“
- „worden“ im Perfekt, nie „geworden“
- typisch für Anleitungen, Protokolle, Nachrichten
| Zeitform | Aktiv | Passiv |
|---|---|---|
| Präsens | Der Koch kocht die Suppe. | Die Suppe wird gekocht. |
| Präteritum | Der Koch kochte die Suppe. | Die Suppe wurde gekocht. |
| Perfekt | Der Koch hat die Suppe gekocht. | Die Suppe ist gekocht worden. |
| Futur I | Der Koch wird die Suppe kochen. | Die Suppe wird gekocht werden. |
Einen Satz ins Passiv umformen
Forme den Aktivsatz ins Passiv um und behalte die Zeitform bei.
Gegeben:
- Die Schüler pflanzten im Frühling zwanzig Bäume.
Gesucht:
Passivsatz im PräteritumLösung:
- Akkusativobjekt suchen: „zwanzig Bäume“ (Wen oder was pflanzten sie?). Es wird zum Subjekt des Passivsatzes.
- Zeitform festhalten: „pflanzten“ ist Präteritum, also braucht das Passiv „wurden“.
- Verbform bilden: wurden plus Partizip II „gepflanzt“. Das Subjekt ist Plural, deshalb „wurden“, nicht „wurde“.
- Handelnden entscheiden: weglassen oder mit „von“ anschließen – „von den Schülern“.
Im Frühling wurden zwanzig Bäume gepflanzt. Oder mit Handelndem: Im Frühling wurden zwanzig Bäume von den Schülern gepflanzt. Ohne Akkusativobjekt geht das übrigens nicht: „Er schläft“ lässt sich nicht ins Passiv setzen.
Typische Fehler beim Passiv
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von „worden“ und „geworden“ im Perfekt. Im Passiv heißt es immer „ist … worden“: „Das Haus ist gebaut worden.“ „Geworden“ gehört nur zum Vollverb „werden“ im Sinne von sich verändern: „Er ist müde geworden.“ Steht im Satz noch ein Partizip II wie „gebaut“ oder „repariert“, brauchst du „worden“.
Ein zweiter Fehler ist es, Futur mit Passiv zu verwechseln, weil beide „werden“ enthalten. „Sie wird kommen“ ist Futur I, denn danach steht der Infinitiv „kommen“, kein Partizip II. „Sie wird gerufen“ dagegen ist Passiv, weil „gerufen“ ein Partizip II ist. Prüfe also immer, welche Verbform nach „werden“ folgt.
Ein dritter Fehler ist die falsche Kongruenz zwischen Subjekt und Verb nach dem Umformen. Wird aus einem Plural-Akkusativobjekt das neue Subjekt, muss auch „werden“ im Plural stehen: „Die Bücher werden verliehen“, nicht „Die Bücher wird verliehen“. Ebenso häufig ist das Vergessen des Kasuswechsels: Das frühere Akkusativobjekt steht im Passivsatz im Nominativ, nicht mehr im Akkusativ.
Tipps für die Klassenarbeit
Wenn du einen Satz umformen sollst, unterstreiche zuerst das Akkusativobjekt im Aktivsatz – es wird zum neuen Subjekt. Prüfe danach die Zeitform des Aktivsatzes und wähle die passende Form von „werden“: wird, wurde oder ist … worden. So gehst du die Umformung immer in derselben, sicheren Reihenfolge an.
Wenn du dagegen einen Passivsatz erkennen sollst, suche zuerst nach einer Form von „werden“. Steht danach ein Partizip II, handelt es sich um Passiv. Steht danach ein Infinitiv, ist es Futur I. Steht danach ein Adjektiv oder Nomen, ist „werden“ Vollverb im Sinne von „sich entwickeln zu“.
Achte in Aufsätzen darauf, das Passiv sparsam einzusetzen. Es eignet sich für Sachtexte, wirkt in Erzählungen aber oft blass und unpersönlich. Lies deinen Text noch einmal durch und prüfe, ob eine Aktivformulierung lebendiger klingt, bevor du ihn abgibst.
Jetzt bist du dran
Welcher Satz steht im Passiv?
Noch nicht. Nur hier steht „werden“ zusammen mit einem Partizip II („aufgeräumt“). In den anderen Sätzen ist „werden“ Vollverb (Arzt werden, besser werden) oder bildet das Futur I.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktiv stellt den Handelnden in den Mittelpunkt, Passiv die Handlung oder das Betroffene.
- Passiv = „werden“ in der passenden Zeitform + Partizip II.
- Beim Umformen wird das Akkusativobjekt zum Subjekt; der Handelnde folgt mit „von“ oder fällt weg.
- Im Perfekt heißt es „ist … worden“, niemals „geworden“.
- Typischer Fehler: „werden“ als Futur- oder Vollverb für Passiv halten – „Sie wird kommen“ ist Futur, nicht Passiv.
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Häufige Fragen zu Aktiv und Passiv
- Wie bildet man das Passiv?
- Das Passiv bildest du mit einer Form von „werden“ und dem Partizip II des Hauptverbs. Im Präsens heißt es „Das Auto wird repariert“, im Präteritum „Das Auto wurde repariert“, im Perfekt „Das Auto ist repariert worden“. Das Akkusativobjekt des Aktivsatzes wird dabei zum Subjekt. Der Handelnde kann wegfallen oder mit „von“ angeschlossen werden: „von der Werkstatt“.
- Was ist der Unterschied zwischen Aktiv und Passiv?
- Im Aktiv steht der Handelnde im Mittelpunkt: „Die Feuerwehr löscht den Brand.“ Im Passiv steht das, womit etwas geschieht, im Mittelpunkt: „Der Brand wird gelöscht.“ Beide Sätze beschreiben dasselbe Ereignis, aber aus einem anderen Blickwinkel. Das Passiv benutzt man, wenn der Handelnde unbekannt, unwichtig oder selbstverständlich ist, etwa in Anleitungen und Nachrichten.
- Heißt es worden oder geworden?
- Im Passiv heißt es immer „worden“: „Die Tür ist gestrichen worden.“ Die Form „geworden“ gehört zum Vollverb „werden“ im Sinne von „sich verändern“: „Er ist müde geworden.“ Eine einfache Probe: Steht noch ein Partizip II wie „gestrichen“ oder „gebaut“ im Satz, brauchst du „worden“. Steht dort ein Adjektiv oder Nomen, brauchst du „geworden“.
- Was ist das Zustandspassiv?
- Das Zustandspassiv beschreibt das Ergebnis einer Handlung und wird mit „sein“ plus Partizip II gebildet: „Die Tür ist gestrichen.“ Das normale Passiv mit „werden“ heißt Vorgangspassiv und beschreibt die Handlung selbst: „Die Tür wird gestrichen.“ Der Unterschied: Beim Vorgangspassiv wird gerade gearbeitet, beim Zustandspassiv ist die Arbeit schon erledigt und man sieht nur noch das Ergebnis.
- Kann man jeden Satz ins Passiv setzen?
- Nein. Ins persönliche Passiv lassen sich nur Sätze mit einem Akkusativobjekt umformen, zum Beispiel „Ich lese das Buch“ zu „Das Buch wird gelesen“. Verben wie „haben“, „bekommen“ oder „wissen“ bilden kein Passiv. Bei Verben ohne Akkusativobjekt gibt es höchstens ein unpersönliches Passiv: „Hier wird getanzt.“ Das klingt aber oft steif und kommt vor allem in Hinweisen vor.
- Wie erkennt man Passiv im Text schnell?
- Suche nach einer gebeugten Form von „werden“ oder „sein“, gefolgt von einem Partizip II am Satzende: wird gebaut, wurde gerufen, ist repariert worden. Fehlt ein handelndes Subjekt oder steht der Handelnde nur mit „von“ oder „durch“ im Satz, ist das ein weiteres starkes Indiz für Passiv. In Anleitungen und Nachrichtentexten kommt diese Konstruktion besonders häufig vor.
- Warum benutzt man in Bewerbungen eher Aktiv als Passiv?
- Im Aktiv nennst du dich selbst als Handelnden: „Ich organisierte das Schulfest“ statt „Das Schulfest wurde von mir organisiert“. Das wirkt direkter, selbstbewusster und leichter lesbar. Personalverantwortliche lesen viele Bewerbungen und schätzen klare Aktivsätze, weil sie sofort zeigen, was du konkret geleistet hast, statt die Handlung hinter dem Passiv zu verstecken.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Konjunktiv I und II
- Nominalstil und Verbalstilin Arbeit