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Die Weimarer Republik

1919 erhielt Deutschland zum ersten Mal eine demokratische Verfassung – mit weitreichenden Rechten, aber auch mit Schwachstellen. In dieser Lektion lernst du, wie die Republik entstand, wie ihre Verfassung aufgebaut war und welche Belastungen sie von Anfang an tragen musste.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie aus dem Kaiserreich eine Republik wurde

Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg militärisch verloren. Matrosen in Kiel verweigerten den Befehl zu einer sinnlosen Ausfahrt, aus der Meuterei wurde innerhalb weniger Tage eine Revolution im ganzen Land. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen, der Kaiser ging ins Exil. Anfang 1919 wählten Männer und Frauen eine Nationalversammlung – Frauen besaßen damit erstmals das Wahlrecht. Weil es in Berlin unruhig war, tagte sie in Weimar. Daher kommt der Name.

Die Verfassung, die dort im August 1919 beschlossen wurde, war für ihre Zeit fortschrittlich. Alle Staatsgewalt ging vom Volke aus, es gab das allgemeine Wahlrecht ab 20 Jahren, Grundrechte, einen vom Volk gewählten Reichspräsidenten und einen Reichstag, der die Regierung stürzen konnte. Gleichzeitig enthielt sie Konstruktionsfehler, die später schwer wogen: Das reine Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel brachte viele kleine Parteien ins Parlament, sodass Regierungen nur als Koalitionen und oft nur kurz zustande kamen. Und Artikel 48 erlaubte dem Reichspräsidenten, in einem Notstand mit Verordnungen ohne den Reichstag zu regieren.

Hinzu kamen Belastungen von außen und innen. Der Versailler Vertrag verlangte Gebietsabtretungen, Abrüstung und hohe Reparationen; dass allein Deutschland und seine Verbündeten die Schuld am Krieg zugewiesen bekamen, empfanden viele als Demütigung. Gegner der Demokratie verbreiteten die Dolchstoßlegende, nach der nicht das Heer, sondern Politiker in der Heimat den Krieg verloren hätten. Diese Behauptung war falsch, wirkte aber stark – sie belastete die Republik dauerhaft, weil sie die gewählten Politiker zu Verrätern erklärte.

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Stärken und Schwächen der Weimarer Verfassung

Eine Verfassung bewertet man nicht mit gut oder schlecht, sondern daran, welche Wirkung einzelne Regeln hatten. Stell die Stärken und die Schwachstellen deshalb immer nebeneinander.

Wenn du einen Text über Weimar liest, frage dich: Spricht er über Rechte der Bürger oder über die Frage, wie stabil eine Regierung arbeiten kann? Das sind zwei verschiedene Maßstäbe.

Stärken

Überall dort, wo es um Rechte und Mitbestimmung der Bürger geht.

Beispiele

  • Frauen und Männer dürfen ab 20 Jahren wählen.
  • Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind verankert.
  • Der Reichstag kann eine Regierung durch Misstrauensvotum stürzen.

Signalwörter

  • Volkssouveränität
  • allgemeines Wahlrecht
  • Grundrechte
  • Gleichheit vor dem Gesetz

Schwächen

Überall dort, wo es um die Handlungsfähigkeit und Stabilität der Regierung geht.

Beispiele

  • Ohne Sperrklausel kommen viele Kleinparteien in den Reichstag.
  • Koalitionen zerbrechen schnell, Regierungen halten oft nur Monate.
  • Artikel 48 erlaubt dem Reichspräsidenten Notverordnungen ohne Parlament.

Signalwörter

  • Verhältniswahlrecht
  • keine Sperrklausel
  • Artikel 48
  • Notverordnung
  • Koalitionswechsel
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Ursache – Verlauf – Folge: das Krisenjahr 1923

Verfolge am Jahr 1923, wie wirtschaftliche Not politische Folgen hatte – und wie die Krise beendet wurde.

Gegeben:

  • Deutschland muss Reparationen zahlen und gerät mit den Lieferungen in Rückstand.
  • Französische und belgische Truppen besetzen daraufhin das Ruhrgebiet.

Gesucht:

Wie kam es zur Hyperinflation und wie endete sie?

Lösung:

  1. Ursache: Die Regierung ruft zum passiven Widerstand auf. Die Arbeit im Ruhrgebiet steht still, der Staat zahlt Löhne weiter, obwohl nichts produziert wird.
  2. Verlauf: Um das zu finanzieren, lässt er immer mehr Geld drucken. Die Preise steigen ins Unvorstellbare: Ein Brot kostet Ende 1923 Milliarden Mark. Ersparnisse sind wertlos, Löhne verlieren binnen Stunden an Kaufkraft.
  3. Folge: Mit der Rentenmark wird eine neue, gedeckte Währung eingeführt, der Widerstand abgebrochen und die Reparationszahlung neu geregelt. Die Währung ist stabil, das Vertrauen vieler Sparer bleibt zerstört.

Ab 1924 folgen ruhigere Jahre mit wachsender Wirtschaft und außenpolitischer Verständigung. 1923 zeigt aber, wie schnell eine junge Demokratie Zustimmung verliert, wenn Menschen ihre wirtschaftliche Sicherheit verlieren.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Warum trägt die Republik den Namen „Weimarer Republik“?

Warum trägt die Republik den Namen „Weimarer Republik“?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Republik entstand 1918/19 aus Kriegsniederlage und Revolution; die Verfassung wurde 1919 in Weimar beschlossen.
  • Stärken: Volkssouveränität, Grundrechte, Wahlrecht für Frauen und Männer ab 20 Jahren.
  • Schwächen: Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel, wechselnde Koalitionen, Notverordnungen nach Artikel 48.
  • 1923 brachte Ruhrbesetzung und Hyperinflation; die Rentenmark beendete die Währungskrise, nicht aber das Misstrauen.
  • Typischer Fehler: Die Inflation mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 verwechseln – das sind zwei verschiedene Krisen mit verschiedenen Ursachen.

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