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Die Industrialisierung

Innerhalb weniger Jahrzehnte veränderten Dampfmaschine, Eisenbahn und Fabrik, wie Menschen arbeiteten und wo sie lebten. In dieser Lektion lernst du die Ursachen dieses Umbruchs kennen, verfolgst seinen Verlauf in Deutschland und verstehst, warum daraus die soziale Frage entstand.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum die Industrialisierung überhaupt möglich wurde

Die Industrialisierung begann in England und erreichte Deutschland ab etwa 1830 mit Verzögerung. Sie fiel nicht vom Himmel, sondern brauchte mehrere Voraussetzungen zugleich: eine wachsende Bevölkerung, die Arbeitskräfte und Käufer stellte, verbesserte Landwirtschaft, die diese Menschen ernähren konnte, Kapital aus Handel und Bankgeschäften, Rohstoffe wie Kohle und Eisenerz – und eine Technik, die aus Wärme Bewegung machte. Genau das leistete die Dampfmaschine.

Entscheidend war, dass die Energie nicht mehr an einen Ort gebunden war. Eine Wassermühle muss am Fluss stehen; eine Dampfmaschine läuft überall dort, wo Kohle hinkommt. Deshalb entstanden die großen Industriegebiete dort, wo Kohle im Boden lag, etwa an der Ruhr und in Oberschlesien. Die Eisenbahn verstärkte den Effekt doppelt: Sie transportierte Kohle, Erz und Waren schnell und billig, und sie war zugleich der größte Abnehmer von Eisen und Stahl. In Deutschland kam hinzu, dass der Deutsche Zollverein ab 1834 die Zollgrenzen zwischen den Staaten abbaute und so ein großer Absatzmarkt entstand.

Für die Menschen bedeutete das einen harten Bruch. Wer vorher im eigenen Haus im eigenen Takt gearbeitet hatte, arbeitete nun nach der Fabrikuhr, an einer Maschine, unter Aufsicht, oft zwölf Stunden und mehr. Die Städte wuchsen schneller, als Wohnungen gebaut werden konnten. Verdient wurde so wenig, dass Frauen und Kinder mitarbeiten mussten. Diese Verbindung aus wachsendem Reichtum und wachsender Armut nennt man die soziale Frage.

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Heimarbeit und Fabrikarbeit

Der Unterschied zwischen der alten Heimarbeit im Verlagssystem und der neuen Fabrikarbeit erklärt, warum der Umbruch von vielen als Verlust erlebt wurde – obwohl insgesamt mehr produziert wurde.

Achte in Quellen auf den Takt: Wer bestimmt, wann gearbeitet wird? Daran erkennst du beide Formen sofort.

Heimarbeit (Verlagssystem)

Vor der Industrialisierung. Die Familie arbeitet zu Hause mit eigenem Werkzeug, ein Verleger liefert Rohstoff und nimmt die Ware ab.

Beispiele

  • Ein Weber arbeitet am eigenen Webstuhl in der Stube.
  • Die Familie teilt sich die Arbeit selbst ein.
  • Neben der Weberei bleibt Zeit für ein kleines Feld.

Signalwörter

  • Verleger
  • Handwebstuhl
  • eigener Takt
  • Familienbetrieb
  • Landwirtschaft nebenher

Fabrikarbeit

Ab der Industrialisierung. Viele Arbeiter an Maschinen an einem Ort, angetrieben von Dampfkraft, bezahlt mit Lohn.

Beispiele

  • Der Arbeitstag beginnt und endet mit dem Fabriksignal.
  • Ein Aufseher überwacht Tempo und Pausen.
  • Auch Frauen und Kinder arbeiten mit, weil ein Lohn nicht reicht.

Signalwörter

  • Fabrikuhr
  • Aufseher
  • Akkord
  • Lohnarbeit
  • Kinderarbeit
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Ursache – Verlauf – Folge: die soziale Frage

Erkläre, warum die wachsende Wirtschaft zugleich große Armut erzeugte und was daraus entstand.

Gegeben:

  • Die Fabriken brauchen viele ungelernte Arbeitskräfte.
  • Vom Land ziehen mehr Menschen in die Städte, als dort Arbeit und Wohnraum vorhanden sind.

Gesucht:

Wie entstand die soziale Frage – und wie wurde auf sie reagiert?

Lösung:

  1. Ursache: Weil das Angebot an Arbeitskräften größer ist als die Nachfrage, kann der Unternehmer niedrige Löhne durchsetzen. Ein Lohn reicht nicht für eine Familie.
  2. Verlauf: Frauen und Kinder arbeiten mit, die Arbeitstage sind lang, Unfälle und Krankheiten häufig. In den Mietskasernen leben mehrere Familien in einer Wohnung.
  3. Folge: Arbeiter schließen sich in Gewerkschaften und Parteien zusammen. Der Staat greift ein: Preußen begrenzt 1839 die Kinderarbeit, ab 1883 entstehen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung.

Aus der sozialen Frage wurde der Anfang des Sozialstaats. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst der organisierte Druck der Arbeiterschaft machte staatliche Schutzgesetze wahrscheinlich – sie waren kein Geschenk.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Warum war die Dampfmaschine für die Industrialisierung so wichtig?

Warum war die Dampfmaschine für die Industrialisierung so wichtig?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Voraussetzungen: Bevölkerungswachstum, bessere Landwirtschaft, Kapital, Kohle und Eisen, Dampfmaschine.
  • Eisenbahn und Zollverein schufen Transportwege und einen großen Absatzmarkt.
  • Heimarbeit: eigener Takt, eigenes Werkzeug. Fabrik: fremde Maschine, fremder Takt, Lohn.
  • Aus Niedriglöhnen, Kinderarbeit und Wohnungsnot entstand die soziale Frage – und daraus Gewerkschaften und Sozialversicherung.
  • Typischer Fehler: Die Industrialisierung als Ereignis eines Jahres darstellen. Sie war ein Prozess über Jahrzehnte, in Deutschland etwa ab 1830.

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