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Historische Quellen analysieren

Geschichte kennen wir nur über Spuren, die Menschen hinterlassen haben – und die sind nie neutral. In dieser Lektion lernst du, Primär- und Sekundärquellen zu unterscheiden und eine Textquelle in festen Schritten zu untersuchen, statt sie nur nachzuerzählen.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 8
  • Thema: Methoden
  • Dauer: 15 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum man Quellen nicht einfach glaubt

Eine Quelle ist alles, was uns aus der Vergangenheit erhalten ist und über sie Auskunft gibt: ein Brief, ein Gesetzestext, eine Rede, ein Foto, eine Münze, ein Werkzeug, eine Ruine. Man unterscheidet Textquellen, Bildquellen und Sachquellen. Keine dieser Quellen zeigt die Vergangenheit einfach so, wie sie war. Jede wurde von einem Menschen mit einer Absicht gemacht – und überliefert ist nur, was jemand für aufbewahrenswert hielt.

Deshalb arbeitet die Geschichtswissenschaft mit Quellenkritik. Sie fragt zuerst nach den äußeren Umständen: Wer hat das geschrieben, wann, für wen, und welche Absicht steckt dahinter? Ein Bericht des Siegers über eine Schlacht liest sich anders als der des Besiegten, obwohl beide dieselbe Schlacht meinen. Erst wenn du das geklärt hast, kannst du beurteilen, was der Inhalt wert ist. Eine Quelle, die lügt, ist übrigens nicht wertlos: Sie verrät, was ihr Verfasser seine Leser glauben lassen wollte – und das ist selbst eine historische Information.

Der häufigste Fehler in Klassenarbeiten ist, die Quelle nur nachzuerzählen. Eine Analyse besteht aus drei Teilen: Einordnung (Verfasser, Zeit, Textsorte, Adressat, Absicht), Inhaltsangabe in eigenen Worten und schließlich Beurteilung mit deinem Wissen aus dem Unterricht. Wenn dein Text ohne den dritten Teil endet, fehlt die eigentliche Leistung.

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Primärquelle oder Sekundärquelle?

Der wichtigste erste Schritt ist die Einordnung: Stammt der Text aus der Zeit, um die es geht, oder schreibt jemand später darüber? Davon hängt ab, wie du ihn verwendest.

Faustregel: Primärquellen sind Material, Sekundärquellen sind Deutung. Achtung, es kommt auf die Fragestellung an – ein Schulbuch von 1925 ist Sekundärliteratur zum Mittelalter, aber eine Primärquelle, wenn du wissen willst, wie man 1925 über das Mittelalter dachte.

Primärquelle

Entstand in der untersuchten Zeit oder von unmittelbar Beteiligten. Sie ist selbst ein Stück dieser Zeit.

Beispiele

  • Tagebuch eines Fabrikarbeiters von 1880.
  • Die Weimarer Verfassung im Originalwortlaut.
  • Ein Foto von einer Demonstration 1919.

Signalwörter

  • Ich-Form von Beteiligten
  • Datum aus der Zeit
  • Originaldokument
  • Augenzeugenbericht
  • Urkunde

Sekundärquelle

Entstand später und verarbeitet Primärquellen. Sie enthält bereits Auswahl, Deutung und Urteil.

Beispiele

  • Ein Schulbuchkapitel über die Industrialisierung.
  • Ein wissenschaftlicher Aufsatz von 2015 über Weimar.
  • Eine Dokumentation über die Französische Revolution.

Signalwörter

  • Fußnoten
  • Fachbegriffe der Forschung
  • Zusammenfassung mehrerer Fälle
  • Rückblick
  • Literaturangaben
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So analysierst du eine Textquelle

Analysiere den Bericht eines Fabrikbesitzers von 1885, in dem er schreibt, seine Arbeiter seien mit ihren Bedingungen zufrieden und Beschwerden kämen nur von Außenstehenden.

Gegeben:

  • Verfasser: Fabrikbesitzer, also Arbeitgeber.
  • Entstehungszeit: 1885, also mitten in der Hochindustrialisierung.
  • Adressat: die Öffentlichkeit beziehungsweise Behörden.

Gesucht:

Wie aussagekräftig ist dieser Bericht über die Lage der Arbeiter?

Lösung:

  1. Einordnen: Primärquelle aus der Zeit, Textsorte Bericht. Der Verfasser ist Partei – er hat ein Interesse daran, dass niemand seinen Betrieb kontrolliert.
  2. Inhalt wiedergeben: In eigenen Worten festhalten, was behauptet wird, ohne die Behauptungen zu übernehmen.
  3. Mit Wissen prüfen: Aus Fabrikberichten, Lohnstatistiken und Arbeiterbriefen derselben Jahre sind lange Arbeitszeiten und Kinderarbeit belegt. Die Darstellung ist also einseitig.
  4. Urteilen: Die Quelle taugt nicht als Beweis für gute Arbeitsbedingungen, wohl aber als Beleg dafür, wie Unternehmer ihre Betriebe nach außen darstellten.

Kern der Analyse: nicht „stimmt das?“ allein, sondern „wer sagt das, zu welchem Zweck, und was folgt daraus?“. Eine parteiische Quelle wird so von einem Problem zu einer Erkenntnis.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Du untersuchst die Französische Revolution. Welcher Text ist eine Primärquelle?

Du untersuchst die Französische Revolution. Welcher Text ist eine Primärquelle?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Quellen sind Texte, Bilder und Sachen aus der Vergangenheit – nie neutral, immer von Menschen gemacht.
  • Primärquelle: aus der untersuchten Zeit. Sekundärquelle: späterer Text, der Quellen deutet.
  • Quellenkritik zuerst: Wer, wann, für wen, mit welcher Absicht?
  • Drei Schritte der Analyse: einordnen, Inhalt wiedergeben, mit Fachwissen beurteilen.
  • Typischer Fehler: nur nacherzählen. Auch eine einseitige Quelle ist wertvoll – sie zeigt die Absicht ihres Verfassers.

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