Groß- und Kleinschreibung
Großgeschrieben wird im Deutschen alles, was ein Nomen ist – auch dann, wenn es ursprünglich zu einer anderen Wortart gehört. In dieser Lektion lernst du die Signale kennen, an denen du eine Nominalisierung erkennst, und wie du sie von normalen Verben und Adjektiven unterscheidest.
- Fach: Deutsch
- Klasse 5
- Thema: Rechtschreibung
- Dauer: 14 Min
- Niveau: Mittel
Die Grundregel und ihr Haken
Die Grundregel ist kurz: Großgeschrieben werden Satzanfänge, Nomen und Namen. Alles andere schreibst du klein. Das klingt einfach, bis dir Wörter wie „das Laufen“, „beim Schwimmen“ oder „etwas Schönes“ begegnen. Hier stehen ein Verb und ein Adjektiv – und trotzdem schreibst du sie groß. Der Grund: Sie werden im Satz wie ein Nomen verwendet. Man nennt das Nominalisierung oder Substantivierung.
Die gute Nachricht ist, dass du das nicht am Wort erkennen musst, sondern an seiner Umgebung. Ein nominalisiertes Wort trägt fast immer ein Signal bei sich: einen Artikel (das Lesen), eine Präposition mit verschmolzenem Artikel (beim Lesen, zum Essen), ein Mengenwort (viel Neues, nichts Gutes, etwas Schönes) oder ein Adjektiv, das es beschreibt (das laute Singen). Findest du eines dieser Signale, wird großgeschrieben.
Umgekehrt gilt: Steht ein Wort einfach als Verb oder Adjektiv im Satz, bleibt es klein – auch am Satzanfang wird es zwar groß geschrieben, aber nicht, weil es ein Nomen wäre. Genau daraus entsteht der häufigste Fehler: Schüler sehen „Schnelle Autos sind teuer“, merken sich die Großschreibung und schreiben später mitten im Satz „Ich mag Schnelle Autos“. Die Großschreibung am Satzanfang ist eine reine Positionsregel und sagt nichts über die Wortart.
Nomen und Nominalisierung oder andere Wortart?
Frage dich bei jedem Zweifelsfall: Steht ein Artikel davor oder könnte einer davorstehen? Wenn ja, ist das Wort ein Nomen und wird großgeschrieben. Wenn nein, bleibt es klein.
Groß: Nomen und Nominalisierungen
Das Wort wird im Satz wie ein Nomen gebraucht. Ein Artikel, eine Präposition, ein Mengenwort oder ein Adjektiv steht davor oder ließe sich einsetzen.
Beispiele
- Das Lesen macht mir Spaß.
- Beim Schwimmen habe ich mich verletzt.
- Sie hat mir etwas Schönes geschenkt.
Signalwörter
- Artikel: der, die, das, ein, eine
- verschmolzene Präposition: beim, zum, im, vom, ans
- Mengenwort: viel, wenig, nichts, etwas, alles
- Endungen -ung, -heit, -keit, -nis, -schaft
- ein Adjektiv beschreibt das Wort: das laute Singen
Klein: andere Wortarten
Das Wort steht als Verb, Adjektiv, Adverb oder Pronomen im Satz. Ein Artikel davor ergibt keinen Sinn.
Beispiele
- Ich lese jeden Abend. (Verb)
- Der See ist heute sehr kalt. (Adjektiv)
- Wir treffen uns morgen früh. (Adverb)
Signalwörter
- Verb ist gebeugt: liest, lief, schwimmt
- Adjektiv steht vor einem Nomen: das kalte Wasser
- Adjektiv steht nach „ist“: Der See ist kalt.
- Tageszeiten nach gestern, heute, morgen: heute früh
- kein Artikel und kein Mengenwort einsetzbar
Zweifelsfälle Schritt für Schritt prüfen
Entscheide bei jedem hervorgehobenen Wort, ob es groß oder klein geschrieben wird. Suche zuerst das Signal.
Gegeben:
- Beim laufen im Park habe ich mich erholt. (groß oder klein?)
- Ich laufe jeden Tag im Park. (groß oder klein?)
- Wir haben nichts neues erfahren. (groß oder klein?)
Gesucht:
richtige Schreibung mit BegründungLösung:
- Satz 1: „Beim“ ist die Verschmelzung von „bei dem“ – ein Artikel steckt darin. Also Nominalisierung: beim Laufen.
- Satz 2: „laufe“ ist gebeugt und hat ein Subjekt („ich“). Ein Artikel passt nicht davor. Also Verb: ich laufe.
- Satz 3: „nichts“ ist ein Mengenwort und macht aus dem Adjektiv ein Nomen: nichts Neues.
Beim Laufen im Park habe ich mich erholt. – Ich laufe jeden Tag im Park. – Wir haben nichts Neues erfahren. Dasselbe Wort, zwei Schreibungen – entscheidend ist immer, wie es im Satz gebraucht wird.
Jetzt bist du dran
Welche Schreibung ist richtig?
Noch nicht. „viel“ ist ein Mengenwort und macht aus dem Adjektiv „gut“ ein Nomen. Deshalb wird „Gutes“ großgeschrieben, „viel“ selbst bleibt klein.
Das Wichtigste in Kürze
- Groß schreibst du Satzanfänge, Namen, Nomen und alles, was wie ein Nomen gebraucht wird.
- Signale für Nominalisierung: Artikel, verschmolzene Präposition (beim, zum, im), Mengenwort (viel, nichts, etwas), vorangestelltes Adjektiv.
- Endungen wie -ung, -heit, -keit, -nis zeigen fast immer ein Nomen an.
- Verben und Adjektive im normalen Gebrauch bleiben klein.
- Typischer Fehler: Ein Adjektiv am Satzanfang wird für ein Nomen gehalten und später auch mitten im Satz großgeschrieben – „Ich mag schnelle Autos“ bleibt klein.
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Das solltest du vorher können
- Die Wortarten bestimmen
- Nomen und Artikelin Arbeit