Die vier Fälle
Nomen stehen im Deutschen nie einfach nur da – sie stehen immer in einem Fall. In dieser Lektion lernst du die vier Fälle Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ kennen und bestimmst sie sicher mit den vier Fragewörtern. Danach weißt du, warum es „dem Hund“ und nicht „den Hund“ heißt.
- Fach: Deutsch
- Klasse 5
- Thema: Grammatik
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Warum Nomen ihre Form wechseln
Vergleiche zwei Sätze: „Der Hund sieht die Katze“ und „Die Katze sieht den Hund“. Dieselben drei Nomen, derselbe Vorgang, aber zwei völlig verschiedene Aussagen. Was den Unterschied macht, ist nicht die Reihenfolge, sondern die Form des Begleiters: einmal „der Hund“, einmal „den Hund“. Diese Formveränderung nennt man Fall oder Kasus, und das Deutsche hat davon genau vier.
Die vier Fälle heißen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Man zählt sie durch – der erste Fall ist der Nominativ, der vierte der Akkusativ –, und genau so fragen Lehrkräfte oft ab. Jeder Fall hat ein eigenes Fragewort: Wer oder was? (Nominativ), Wessen? (Genitiv), Wem? (Dativ), Wen oder was? (Akkusativ). Diese Fragen sind dein Werkzeug: Du fragst nach dem Nomen, und die Frage, die passt, nennt dir den Fall.
Welchen Fall ein Nomen braucht, entscheidet es nicht selbst. Das Verb oder eine Präposition gibt den Fall vor: „helfen“ verlangt den Dativ, „sehen“ den Akkusativ, „mit“ immer den Dativ. Deshalb heißt es „Ich helfe dem Mann“, aber „Ich sehe den Mann“. Am deutlichsten siehst du den Fall bei männlichen Nomen im Singular, weil dort der Artikel vier verschiedene Formen hat: der, des, dem, den.
Nominativ oder Akkusativ?
Genitiv und Dativ verwechselt kaum jemand, weil „Wessen?“ und „Wem?“ sehr unterschiedlich klingen. Der klassische Stolperstein ist das Paar Nominativ und Akkusativ – und zwar nur bei männlichen Nomen, denn bei weiblichen und sächlichen sind beide Formen gleich („die Katze“ bleibt „die Katze“). Stelle deshalb zur Sicherheit immer auf ein männliches Nomen um.
Nominativ (1. Fall)
Der Fall des Subjekts – also dessen, von dem der Satz handelt und der die Verbform bestimmt. Auch nach den Verben „sein“, „werden“ und „bleiben“ steht die Ergänzung im Nominativ.
Beispiele
- Der Lehrer erklärt die Aufgabe. (Wer erklärt? – der Lehrer)
- Mein Bruder ist ein guter Schwimmer. (nach „sein“ auch Nominativ)
- Artikel männlich: der Hund, ein Hund
Signalwörter
- Frage: Wer oder was?
- männlicher Artikel: der, ein, mein
- Ersatzprobe mit er, sie, es
- bestimmt die Verbform mit: Plural setzen, Verb ändert sich
- steht in jedem vollständigen Satz genau einmal
Akkusativ (4. Fall)
Der Fall des Akkusativobjekts – dessen, was vom Verb betroffen ist. Die meisten Verben verlangen ihn, außerdem die Präpositionen „für“, „ohne“, „gegen“, „um“ und „durch“.
Beispiele
- Der Lehrer erklärt den Satz. (Wen oder was? – den Satz)
- Ich kaufe das Geschenk für meinen Vater. (nach „für“)
- Artikel männlich: den Hund, einen Hund
Signalwörter
- Frage: Wen oder was?
- männlicher Artikel: den, einen, meinen – Endung -en
- Ersatzprobe mit ihn
- Verbform bleibt gleich, wenn du das Nomen in den Plural setzt
- nach für, ohne, gegen, um, durch immer Akkusativ
Alle vier Fälle in einem Satz
Bestimme den Fall jedes unterstrichenen Nomens. Frage dabei immer mit dem passenden Fragewort nach.
Gegeben:
- Der Nachbar zeigt dem Kind das Auto seines Bruders.
Gesucht:
der Fall von „der Nachbar“, „dem Kind“, „das Auto“ und „seines Bruders“Lösung:
- Frage „Wer zeigt?“ – der Nachbar. Die Frage „Wer oder was?“ passt, also Nominativ. Probe: Setze in den Plural – „die Nachbarn zeigen“. Die Verbform ändert sich mit, das bestätigt das Subjekt.
- Frage „Wem zeigt er etwas?“ – dem Kind. Das Fragewort „Wem?“ passt, also Dativ. Der Artikel „dem“ ist die typische Dativform.
- Frage „Wen oder was zeigt er?“ – das Auto. Das ist der Akkusativ. Weil „Auto“ sächlich ist, sieht man es am Artikel nicht – mache die Ersatzprobe mit einem männlichen Nomen: „Er zeigt den Wagen.“ Die Endung -en beweist den Akkusativ.
- Frage „Wessen Auto?“ – seines Bruders. Das Fragewort „Wessen?“ passt, also Genitiv. Erkennungszeichen ist die Endung -s beim Nomen und -es beim Begleiter.
der Nachbar – Nominativ, dem Kind – Dativ, das Auto – Akkusativ, seines Bruders – Genitiv. Alle vier Fälle stecken in diesem einen Satz, und jeder wurde über sein eigenes Fragewort gefunden.
Jetzt bist du dran
In welchem Fall steht „dem Freund“ in „Ich schreibe dem Freund einen Brief“?
Noch nicht. Die passende Frage ist „Wem schreibe ich?“ – dem Freund. „Wem?“ ist das Fragewort des Dativs, und der Artikel „dem“ ist seine typische männliche Form.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Fälle, vier Fragen: Wer oder was? – Wessen? – Wem? – Wen oder was?
- Nicht das Nomen wählt den Fall, sondern das Verb oder die Präposition davor.
- Am männlichen Artikel siehst du den Fall am besten: der, des, dem, den.
- Nach für, ohne, gegen, um, durch steht immer der Akkusativ, nach mit, nach, bei, seit, von, zu immer der Dativ.
- Typischer Fehler: „Ich helfe den Mann.“ Richtig ist „dem Mann“, denn „helfen“ verlangt den Dativ. Prüfe bei unsicheren Verben immer mit „Wem?“ gegen „Wen?“.
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Das solltest du vorher können
- Die Wortarten bestimmen
- Nomen und Artikelin Arbeit