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Integralrechnung: Stammfunktion und Fläche

In dieser Lektion lernst du, was eine Stammfunktion ist und wie du sie mit der umgekehrten Potenzregel findest. Du übst, den Flächeninhalt unter einem Graphen zu berechnen. Außerdem erfährst du, warum bei Stammfunktionen immer eine Konstante dazugehört.

  • Fach: Mathematik
  • Klasse 12
  • Thema: Analysis
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Ableiten rückwärts gelesen

Beim Ableiten gehst du von einer Funktion zu ihrer Steigung. Die Integralrechnung geht denselben Weg zurück: Gesucht ist eine Funktion, deren Ableitung die gegebene Funktion ist. Eine solche Funktion heißt Stammfunktion. Wenn du weißt, wie schnell ein Auto in jedem Moment fährt, kannst du damit den zurückgelegten Weg rekonstruieren.

Der eigentliche Grund, warum das im Unterricht so wichtig ist, liegt in der Fläche. Der Inhalt der Fläche zwischen dem Graphen und der x-Achse zwischen zwei Grenzen lässt sich über die Stammfunktion berechnen: Du setzt die obere Grenze ein, setzt die untere Grenze ein und bildest die Differenz. Diese Verbindung zwischen Steigung und Fläche ist der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung.

Wichtig ist dabei das Vorzeichen. Liegt der Graph unterhalb der x-Achse, kommt ein negativer Wert heraus. Wer den Flächeninhalt eines Graphen berechnen soll, der die x-Achse zwischen den Grenzen schneidet, darf deshalb nicht einfach durchrechnen: Die positiven und negativen Anteile würden sich teilweise aufheben. Man zerlegt in Abschnitte an den Nullstellen und addiert die Beträge. Genau das wird am häufigsten übersehen.

Anschaulich kannst du dir die Fläche als Summe vieler schmaler Rechtecke vorstellen. Jedes Rechteck ist so hoch wie der Funktionswert und sehr schmal. Je schmaler die Streifen werden, desto genauer passt die Summe zur tatsächlichen Fläche. Der Wert, dem sich diese Summe nähert, heißt bestimmtes Integral. Das Erstaunliche ist, dass du ihn nicht mühsam aufsummieren musst, sondern mit einer Stammfunktion in wenigen Zeilen erhältst.

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Die Stammfunktion

Eine Funktion F ist Stammfunktion von f, wenn ihre Ableitung wieder f ergibt. Praktisch drehst du die Potenzregel um: Der Exponent wird um 1 erhöht, und anschließend teilst du durch den neuen Exponenten. Aus x² wird also x³ geteilt durch 3, aus x wird x² geteilt durch 2, und aus einer Zahl a wird a · x.

Weil jede Konstante beim Ableiten wegfällt, ist die Stammfunktion nie eindeutig: F(x) + 5 ist genauso eine Stammfunktion wie F(x). Deshalb schreibt man beim unbestimmten Integrieren immer eine Konstante dazu. Beim Berechnen einer Fläche darfst du sie weglassen – sie kürzt sich beim Bilden der Differenz ohnehin heraus.

Für die Flächenberechnung gilt dann: Das bestimmte Integral von a bis b ist F(b) − F(a). Die Reihenfolge ist wichtig, zuerst kommt immer die obere Grenze. Vertauschst du die Grenzen, ändert sich nur das Vorzeichen. Prüfe jede Stammfunktion durch Ableiten, bevor du Zahlen einsetzt, denn ein Fehler an dieser Stelle zieht sich durch die ganze Rechnung.

F'(x)f(x)
F
Stammfunktion – ihre Ableitung ergibt f
f
die gegebene Funktion, die integriert wird
x
Stelle, an der beide Funktionen betrachtet werden
Die umgekehrte Potenzregel angewendet auf gängige Funktionstypen.
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Eine Fläche unter dem Graphen berechnen

Berechne den Inhalt der Fläche zwischen dem Graphen von f(x) = x² und der x-Achse im Bereich von x = 0 bis x = 3.

Gegeben:

  • f(x)x²
  • untere Grenze 0, obere Grenze 3

Gesucht:

Flächeninhalt

Lösung:

  1. Stammfunktion bilden: Exponent um 1 erhöhen, dann teilen, also F(x) = x³/3
  2. Obere Grenze einsetzen: F(3)2739
  3. Untere Grenze einsetzen: F(0)0
  4. Differenz bilden: 9 − 09

Die Fläche beträgt 9 Flächeneinheiten. Weil der Graph im gesamten Bereich oberhalb der x-Achse verläuft, ist das Ergebnis direkt der Flächeninhalt.

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Eine Fläche mit Nullstelle berechnen

Berechne den Flächeninhalt zwischen dem Graphen von f(x) = x − 2 und der x-Achse im Bereich von x = 0 bis x = 4.

Gegeben:

  • f(x)x − 2
  • untere Grenze 0, obere Grenze 4

Gesucht:

Flächeninhalt

Lösung:

  1. Nullstelle bestimmen: x − 2 = 0, also x = 2. Der Graph wechselt dort das Vorzeichen.
  2. Stammfunktion bilden: F(x)x²2 − 2x.
  3. Erstes Teilintegral von 0 bis 2: F(2) − F(0) = (2 − 4) − 0 = −2. Betrag: 2.
  4. Zweites Teilintegral von 2 bis 4: F(4) − F(2) = (8 − 8) − (2 − 4) = 0 − (−2) = 2.
  5. Beträge addieren: 2 + 24.

Der Flächeninhalt beträgt 4 Flächeneinheiten. Würde man stattdessen direkt F(4) − F(0) = 0 − 0 = 0 rechnen, ergäbe sich fälschlich keine Fläche, weil sich die negative und die positive Teilfläche gegenseitig aufheben.

Bei einem Vorzeichenwechsel wird an der Nullstelle geteilt und mit Beträgen gerechnet.
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Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, bei einem Vorzeichenwechsel des Graphen einfach über die Nullstelle hinweg zu integrieren. Dabei heben sich der negative und der positive Anteil teilweise oder ganz auf, wie im Beispiel mit f(x) = x − 2, wo eine ungeteilte Rechnung fälschlich 0 statt 4 liefert. Vor jeder Flächenberechnung solltest du deshalb prüfen, ob im Intervall eine Nullstelle liegt.

Ein zweiter Fehler ist die Reihenfolge der Grenzen. F(b) − F(a) verlangt die obere Grenze zuerst. Vertauschst du a und b, ändert sich nur das Vorzeichen, und ein positives Ergebnis wird fälschlich negativ oder umgekehrt.

Ein dritter Fehler ist ein falscher Exponent beim Integrieren, etwa wenn beim Erhöhen des Exponenten der neue Nenner vergessen wird. Aus x² wird x³/3, nicht nur x³. Die Ableitungsprobe deckt diesen Fehler sofort auf: Leitest du deine Stammfunktion ab, muss wieder exakt f(x) herauskommen.

Funktion f(x)richtige Stammfunktionhäufiger Fehler
x²x³/3x³ (Nenner vergessen)
3x²x³x³/3 (falsch geteilt)
xx²/2x² (Nenner vergessen)
Kontrolle typischer Integrationsschritte durch Ableiten
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Tipps für die Klausur

Skizziere den Graphen grob oder bestimme zumindest die Nullstellen im gegebenen Intervall, bevor du zu integrieren beginnst. So siehst du sofort, ob eine einfache Rechnung reicht oder ob du in Teilintervalle zerlegen musst.

Leite jede gefundene Stammfunktion zur Kontrolle sofort wieder ab. Dieser eine Schritt dauert nur Sekunden und deckt die meisten Fehler beim Erhöhen des Exponenten oder beim Teilen auf, bevor sie sich durch die restliche Rechnung ziehen.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welche Funktion ist eine Stammfunktion von f(x) = 3x²?

Welche Funktion ist eine Stammfunktion von f(x) = 3x²?
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Das Wichtigste in Kürze

  • F ist Stammfunktion von f, wenn F'(x) = f(x) gilt.
  • Beim Integrieren wird der Exponent um 1 erhöht und dann durch ihn geteilt.
  • Die Fläche berechnest du als Differenz der Stammfunktion an oberer und unterer Grenze.
  • Zu jeder Stammfunktion gehört eine Konstante, die bei der Differenz wegfällt.
  • Typischer Fehler: über eine Nullstelle hinweg durchrechnen – Flächen unter der Achse zählen negativ.
  • Kontrolliere jede Stammfunktion durch Ableiten, bevor du Grenzen einsetzt.
Alle Regeln zur Integralrechnung auf einen Blick, ideal zur Wiederholung vor der Klausur.

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Häufige Fragen zu Integralrechnung: Stammfunktion und Fläche

Was ist der Unterschied zwischen Stammfunktion und Integral?
Eine Stammfunktion F ist eine Funktion, deren Ableitung f ergibt. Das unbestimmte Integral bezeichnet die Menge aller Stammfunktionen, also F(x) + C. Das bestimmte Integral mit Grenzen a und b ist dagegen eine Zahl: F(b) − F(a). Es misst die orientierte Fläche, bei der Anteile unterhalb der x-Achse negativ zählen. Stammfunktionen sind also das Werkzeug, das bestimmte Integral ist das Ergebnis.
Wie berechne ich eine Fläche, die unter der x-Achse liegt?
Berechne zuerst die Nullstellen von f im Intervall. Zerlege die Fläche an diesen Stellen in Teilstücke und rechne jedes Teilintegral einzeln aus. Negative Ergebnisse stammen von Flächen unterhalb der Achse, du nimmst deshalb ihren Betrag. Zum Schluss addierst du alle Beträge. Rechnest du stattdessen in einem Zug über die Nullstelle hinweg, heben sich Teile auf und der Flächeninhalt wird zu klein.
Wie integriere ich 1/x²?
Schreibe den Bruch als Potenz: 1/x² ist x^(−2). Nun erhöhst du den Exponenten um 1 auf −1 und teilst durch −1. Das ergibt F(x) = −x^(−1), also −1/x. Kontrolle durch Ableiten: Die Ableitung von −x^(−1) ist x^(−2), das passt. Nur bei 1/x selbst versagt diese Regel, weil du durch 0 teilen müsstest. Dort ist die Stammfunktion ln|x|.
Muss ich im Abitur die Konstante C immer hinschreiben?
Wenn nach „einer“ Stammfunktion gefragt ist, genügt eine einzige, zum Beispiel mit C = 0. Wird nach „allen“ Stammfunktionen oder dem unbestimmten Integral gefragt, gehört das + C dazu. Bei Flächenberechnungen mit Grenzen lässt du C weg, weil es sich in F(b) − F(a) aufhebt. Soll die Stammfunktion durch einen bestimmten Punkt gehen, setzt du ihn ein und bestimmst C daraus.
Wofür braucht man Integralrechnung im Alltag?
Überall dort, wo sich eine Größe über die Zeit ändert und du die Gesamtmenge suchst. Aus einer Zuflussrate in Litern pro Minute berechnest du, wie viel Wasser in einem Becken ist. Aus der Geschwindigkeit ergibt sich der Weg, aus der Leistung eines Solarmoduls die erzeugte Energie. Genau solche Sachzusammenhänge sind im Abitur beliebt, meist mit der Frage nach dem Bestand zu einem Zeitpunkt.
Wie erkenne ich, ob ich die Fläche in Teilstücke zerlegen muss?
Bestimme die Nullstellen der Funktion und prüfe, ob eine davon im gegebenen Intervall liegt. Liegt eine Nullstelle dazwischen, wechselt der Graph das Vorzeichen, und du musst an dieser Stelle in Teilintegrale zerlegen. Ohne Nullstelle im Intervall reicht eine einzige Rechnung mit F(b) − F(a), das Ergebnis ist dann direkt der Flächeninhalt.
Was ist der Unterschied zwischen bestimmtem und unbestimmtem Integral?
Das unbestimmte Integral liefert eine Funktion, nämlich die Menge aller Stammfunktionen F(x) + C. Das bestimmte Integral hat zusätzlich zwei Grenzen und liefert eine konkrete Zahl, nämlich F(b) − F(a). Diese Zahl entspricht der orientierten Fläche zwischen Graph und x-Achse, wobei Flächen unterhalb der Achse negativ gezählt werden.
Wann lernt man Integralrechnung in der Schule?
Integralrechnung ist in den meisten Bundesländern Stoff der Klasse 12, in manchen bereits Ende der Klasse 11. Voraussetzung sind sichere Ableitungsregeln und die Kurvendiskussion, da Nullstellen und Verlauf des Graphen für die Flächenberechnung wichtig sind. Integralrechnung gehört zum Kernstoff der Analysis im Abitur.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das kommt als Nächstes

  • Flächen zwischen zwei Graphenin Arbeit
  • Rotationskörperin Arbeit