Die Reformation
Aus der Kritik eines Mönchs an der Kirche wurde eine Bewegung, die Europa dauerhaft spaltete. In dieser Lektion verfolgst du, was Martin Luther kritisierte, wie aus einem Streit über den Ablass zwei Konfessionen wurden und welche Folgen das für Glaube, Sprache und Politik hatte.
- Fach: Geschichte
- Klasse 7
- Thema: Neuzeit
- Dauer: 17 Min
- Niveau: Mittel
Warum die Kirche in die Krise geriet
Um 1500 war die Kirche die wichtigste Einrichtung im Leben der Menschen. Sie begleitete Geburt, Heirat und Tod, besaß große Ländereien und erhob Abgaben. Gerade deshalb fiel es auf, wenn Geistliche anders lebten, als sie predigten: Bischofsämter wurden gekauft, Päpste führten Krieg und bauten prunkvoll, Priester kannten oft die Bibel kaum. Viele Menschen hatten zugleich große Angst vor dem Gericht nach dem Tod. Wer ihnen Sicherheit versprach, traf einen Nerv.
An dieser Stelle setzte der Ablass an. Gegen eine Geldzahlung sollten Gläubige zeitliche Strafen für begangene Sünden erlassen bekommen. Für den Neubau des Petersdoms in Rom wurde dieser Ablass in Deutschland besonders offensiv angeboten. Der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther hielt das für falsch: Gott schenke dem Menschen seine Gnade allein aus Glauben, nicht als Gegenleistung für Geld oder Leistungen. 1517 veröffentlichte er 95 Thesen, die genau darüber eine Fachdiskussion anstoßen sollten.
Dass aus dieser Fachdiskussion eine europäische Bewegung wurde, lag an drei Dingen. Der Buchdruck verbreitete Luthers Texte innerhalb weniger Wochen. Luther schrieb auf Deutsch und in Bildern, die Handwerker und Bauern verstanden. Und viele Fürsten sahen die Chance, ihre Macht gegenüber Kaiser und Papst zu stärken. 1521 verweigerte Luther auf dem Reichstag zu Worms den Widerruf; geschützt von sächsischen Fürsten übersetzte er anschließend auf der Wartburg das Neue Testament in ein Deutsch, das alle Regionen lesen konnten.
Katholisch und evangelisch nach 1517
Aus dem Streit entwickelten sich zwei Konfessionen mit unterschiedlichen Antworten auf dieselben Fragen: Woher weiß ich, was Gott will? Wie wird ein Mensch vor Gott gerecht? Wer darf in der Kirche entscheiden? Beide Seiten blieben christlich und beriefen sich auf die Bibel – sie zogen daraus nur andere Schlüsse.
Wenn du eine Quelle zuordnen sollst, suche nach diesen Stichworten: Papst, Tradition und sieben Sakramente deuten auf die katholische Seite, allein die Schrift, allein der Glaube und zwei Sakramente auf die evangelische.
Katholisch
Bibel und kirchliche Tradition gelten gemeinsam. Der Papst steht an der Spitze, Priester sind durch die Weihe besonders beauftragt.
Beispiele
- Die Messe wird lange Zeit auf Latein gefeiert.
- Es gibt sieben Sakramente, darunter Beichte und Krankensalbung.
- Priester bleiben unverheiratet, es gibt Klöster und Heiligenverehrung.
Signalwörter
- Papst
- Tradition
- sieben Sakramente
- Zölibat
- Heiligenverehrung
Evangelisch
Allein die Bibel ist maßgeblich, der Mensch wird allein durch den Glauben gerecht. Alle Gläubigen gelten als gleichberechtigt vor Gott.
Beispiele
- Gottesdienst und Bibel sind in der Landessprache.
- Es bleiben zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl.
- Pfarrer dürfen heiraten, Gemeindelieder werden wichtig.
Signalwörter
- allein die Schrift
- allein der Glaube
- zwei Sakramente
- Landessprache
- Priestertum aller Gläubigen
Ursache – Verlauf – Folge: vom Ablassstreit zur Kirchenspaltung
Erkläre, wie aus einer theologischen Streitfrage eine dauerhafte Spaltung wurde. Ordne nach Ursache, Verlauf und Folge.
Gegeben:
- Der Ablass wird in Deutschland gegen Geld angeboten.
- Luther lehrt, dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht wird.
Gesucht:
Warum konnte dieser Streit nicht wieder beigelegt werden?Lösung:
- Ursache: Missstände in der Kirche und die Angst vor dem Jüngsten Gericht treffen auf Luthers Einsicht, dass Gnade nicht käuflich ist.
- Verlauf: 1517 erscheinen die 95 Thesen, der Buchdruck verbreitet sie rasch. 1521 verweigert Luther in Worms den Widerruf und wird geächtet. Fürsten stellen sich schützend vor ihn, andere halten zum Kaiser – aus der Glaubensfrage wird eine Machtfrage.
- Folge: In vielen Gebieten entstehen evangelische Landeskirchen. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestimmt, dass der Landesherr die Konfession seines Gebiets festlegt. Die katholische Kirche reformiert sich im Konzil von Trient selbst.
Beigelegt werden konnte der Streit nicht, weil er zwei Ebenen verband: Glaubensfragen, in denen keine Seite nachgeben wollte, und politische Interessen der Fürsten. Die Folgen reichen weit über die Religion hinaus: Luthers Bibelübersetzung prägte die deutsche Schriftsprache, Lesen und Schulbildung wurden wichtiger, und die Konfessionsgrenzen belasteten Europa bis in den Dreißigjährigen Krieg.
Jetzt bist du dran!
Was kritisierte Luther am Ablass?
Noch nicht. Luthers Kern war die Rechtfertigung allein aus Glauben. Damit war jede bezahlte Gegenleistung für Gottes Gnade hinfällig.
Das Wichtigste in Kürze
- Ursache waren Missstände in der Kirche, Ablasshandel und die Angst der Menschen vor dem Gericht nach dem Tod.
- Luthers Kern: allein die Schrift, allein der Glaube – Gnade ist nicht käuflich.
- Buchdruck, deutsche Sprache und das Interesse der Fürsten machten aus der Kritik eine Bewegung.
- Folgen: zwei Konfessionen, evangelische Landeskirchen, Konzil von Trient und der Religionsfrieden von 1555.
- Typischer Fehler: „Luther wollte eine neue Kirche gründen.“ Er wollte die bestehende Kirche erneuern; die Spaltung war ein Ergebnis des Streits.
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Das solltest du vorher können
- Die Entdeckungsfahrten
- Die mittelalterliche Stadtin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Der Absolutismus
- Der Dreißigjährige Kriegin Arbeit