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Die Entdeckungsfahrten

Um 1500 fuhren europäische Schiffe in Gebiete, die in Europa niemand kannte. In dieser Lektion erfährst du, welche Gründe und technischen Voraussetzungen dahinterstanden, wie Portugal und Spanien dabei unterschiedliche Wege wählten und welche Folgen die Fahrten für beide Seiten hatten.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 7
  • Thema: Neuzeit
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum Europäer auf große Fahrt gingen

Gewürze, Seide und Edelsteine kamen seit langem über Land aus Asien nach Europa. Auf diesem Weg verdienten viele Zwischenhändler mit, und nach der Eroberung Konstantinopels 1453 wurde der Handel für europäische Kaufleute schwieriger und teurer. Wer einen eigenen Seeweg nach Indien fand, konnte diese Zwischenhändler umgehen. Dazu kamen weitere Antriebe: Herrscher suchten Ruhm und neue Einnahmen, die Kirche wollte das Christentum verbreiten, und einzelne Seefahrer hofften auf Reichtum und Aufstieg.

Gewollt hatte man solche Fahrten vermutlich schon früher, möglich wurden sie erst durch Technik. Die Karavelle konnte mit ihren Segeln schräg gegen den Wind kreuzen und war hochseetauglich. Kompass und Astrolabium erlaubten es, die Richtung und die Höhe der Sonne über dem Horizont zu messen und daraus die Breite zu bestimmen. Seekarten wurden genauer, und Portugal sammelte über Jahrzehnte Wissen über Winde und Strömungen im Atlantik. Dass die Erde eine Kugel ist, war unter Gelehrten dabei längst bekannt.

Die bekannteste Fahrt begann 1492: Christoph Kolumbus segelte im Auftrag Spaniens nach Westen, um Asien zu erreichen, und landete in der Karibik. Er hielt die Inseln bis zu seinem Tod für einen Teil Asiens. Wenige Jahre später, 1498, erreichte der Portugiese Vasco da Gama Indien auf dem Seeweg um Afrika. Beide Fahrten hatten dasselbe Ziel, nahmen aber unterschiedliche Richtungen – und hatten sehr unterschiedliche Ergebnisse.

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Der portugiesische und der spanische Weg

Portugal und Spanien suchten beide einen Seeweg zu den Gewürzen Asiens, schlugen aber entgegengesetzte Richtungen ein. Daraus entstanden auch zwei verschiedene Arten von Herrschaft: Portugal sicherte Handelsstützpunkte an den Küsten, Spanien eroberte in Amerika große Gebiete. 1494 teilten beide Mächte im Vertrag von Tordesillas die Welt untereinander auf – ohne die Menschen zu fragen, die dort lebten.

Wenn du eine Fahrt einordnen sollst, frage nach Richtung und Ziel: um Afrika nach Osten deutet auf Portugal, nach Westen über den Atlantik auf Spanien.

Portugal: der Weg nach Osten

Schrittweises Vortasten entlang der afrikanischen Küste, bis der Seeweg um Afrika nach Indien offen war.

Beispiele

  • Bartolomeu Dias umfährt 1488 die Südspitze Afrikas.
  • Vasco da Gama erreicht 1498 die indische Küste.
  • An den Küsten entstehen befestigte Handelsstützpunkte.

Signalwörter

  • Seeweg um Afrika
  • Kap der Guten Hoffnung
  • Gewürzhandel
  • Stützpunkte
  • Indien

Spanien: der Weg nach Westen

Versuch, Asien quer über den Atlantik zu erreichen. Stattdessen trafen die Schiffe auf Amerika.

Beispiele

  • Kolumbus landet 1492 in der Karibik und hält sie für Asien.
  • Die Magellan-Expedition umsegelt ab 1519 erstmals die Erde.
  • In Mittel- und Südamerika entstehen große spanische Kolonien.

Signalwörter

  • Atlantik
  • Westroute
  • Kolonie
  • Silber und Gold
  • Amerika
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Ursache – Verlauf – Folge: was die Fahrten bewirkten

Arbeite heraus, welche Folgen die Entdeckungsfahrten für Europa und für die Menschen in Amerika hatten. Ordne nach Ursache, Verlauf und Folge.

Gegeben:

  • Europäische Staaten suchen billigere Wege zu asiatischen Waren.
  • In Amerika leben Millionen Menschen in eigenen Reichen und Dorfgemeinschaften.

Gesucht:

Was veränderte sich durch die Fahrten – auf beiden Seiten des Atlantiks?

Lösung:

  1. Ursache: Handelsinteresse, staatliche Konkurrenz, Missionsgedanke und neue Schiffs- und Navigationstechnik kommen zusammen.
  2. Verlauf: Spanische Truppen unterwerfen in den 1520er- und 1530er-Jahren das Aztekenreich und das Inkareich. Sie nutzen Feuerwaffen, Pferde und Bündnisse mit verfeindeten Gruppen. Eingeschleppte Krankheiten wie Pocken, gegen die es dort keine Abwehrkräfte gab, schwächten die Bevölkerung zusätzlich und waren für die meisten Todesfälle verantwortlich.
  3. Folge: Die indigene Bevölkerung ging stark zurück, ihre Staaten und Religionen wurden zerstört, viele Menschen mussten in Bergwerken und auf Plantagen arbeiten. Später wurden zusätzlich Millionen Menschen aus Afrika als Sklaven über den Atlantik verschleppt.

Für Europa brachten die Fahrten neue Pflanzen wie Kartoffel, Mais und Tomate, große Mengen Silber und den Aufstieg von Hafenstädten am Atlantik; das Mittelmeer verlor an Bedeutung. Für die Menschen in Amerika und Afrika bedeuteten dieselben Ereignisse Verlust von Land, Freiheit und Leben. Dieselbe Epoche lässt sich also je nach Blickwinkel völlig unterschiedlich beschreiben – deshalb spricht man heute oft von Eroberung statt nur von Entdeckung.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Welcher Grund erklärt am besten, warum europäische Staaten einen Seeweg nach Indien suchten?

Welcher Grund erklärt am besten, warum europäische Staaten einen Seeweg nach Indien suchten?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ursachen waren Handelsinteressen, staatliche Konkurrenz und Mission – möglich wurde alles durch Karavelle, Kompass und Astrolabium.
  • Portugal suchte den Seeweg um Afrika nach Indien, Spanien den Weg nach Westen und traf auf Amerika.
  • Folge für Europa: neue Pflanzen, Silber, Aufstieg der Atlantikhäfen statt des Mittelmeers.
  • Folge für Amerika und Afrika: Zerstörung von Reichen, Zwangsarbeit, Sklavenhandel und ein starker Bevölkerungsrückgang durch Krankheiten.
  • Typischer Fehler: „Kolumbus hat bewiesen, dass die Erde rund ist.“ Das war längst bekannt; er hielt Amerika sogar für Asien.

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