Der Absolutismus
Im 17. und 18. Jahrhundert versuchten Könige, alle Macht in ihrer Hand zu bündeln. In dieser Lektion lernst du, warum diese Herrschaftsform entstand, wie Ludwig XIV. sie in Frankreich umsetzte und woran der Absolutismus am Ende scheiterte.
- Fach: Geschichte
- Klasse 8
- Thema: Neuzeit
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Wie ein König alle Macht an sich zog
Absolut kommt von lateinisch absolutus, losgelöst. Gemeint ist ein Herrscher, der von den Mitbestimmungsrechten des Adels, der Städte und der Ständeversammlungen losgelöst regiert. Die Voraussetzung dafür war Erfahrung mit Unordnung: Die Konfessionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts, besonders der Dreißigjährige Krieg, hatten gezeigt, wie verheerend es wirkte, wenn mächtige Gruppen im Inneren gegeneinander Krieg führten. Viele Menschen waren bereit, Mitbestimmung gegen Sicherheit und Ordnung zu tauschen.
Begründet wurde diese Macht religiös: Der König habe sein Amt von Gott erhalten und sei deshalb nur Gott verantwortlich, nicht seinen Untertanen. Man nennt das Gottesgnadentum. Praktisch hieß Absolutismus vor allem, die Konkurrenz um Macht auszuschalten. Der König ließ keine Ständeversammlung mehr zusammentreten, setzte bürgerliche Fachleute als Minister ein, baute ein stehendes Heer auf, das ihm allein gehorchte, und eine Verwaltung mit Beamten, die Steuern im ganzen Land eintrieben.
Das alles kostete sehr viel Geld. Die Wirtschaftspolitik dieser Zeit, der Merkantilismus, sollte es beschaffen: möglichst viel im eigenen Land herstellen, fertige Waren teuer ins Ausland verkaufen, Einfuhren durch Zölle verteuern. Manufakturen, Straßen und Kanäle wurden dafür gefördert. Bezahlt haben die Rechnung am Ende die Bauern und das städtische Bürgertum, denn Adel und Geistlichkeit blieben von den wichtigsten Steuern weitgehend befreit. Genau dieser Widerspruch wurde dem System später gefährlich.
Absolutismus und Ständestaat
Vor dem Absolutismus regierte ein Fürst nicht allein, sondern musste sich mit den Ständen einigen – also mit Adel, Geistlichkeit und den Städten. Diese konnten Steuern verweigern und damit Politik erzwingen. Im Absolutismus verschwindet diese Mitsprache: Der König entscheidet, die Stände verlieren ihre politische Rolle, behalten aber ihre Vorrechte.
Achte beim Einordnen einer Quelle darauf, wer über Steuern und Heer verfügt. Braucht der Herrscher die Zustimmung einer Versammlung, liegt ein Ständestaat vor; entscheidet er allein, ein absolutistischer Staat.
Ständestaat
Der Fürst teilt die Macht mit den Ständen. Für neue Steuern und Kriege braucht er deren Zustimmung.
Beispiele
- Eine Ständeversammlung bewilligt oder verweigert eine Steuer.
- Adlige stellen eigene Truppen und führen sie selbst.
- Städte besitzen verbriefte Privilegien und eigenes Recht.
Signalwörter
- Ständeversammlung
- Privilegien
- Steuerbewilligung
- Lehnsheer
- Mitsprache
Absolutismus
Der König regiert allein, gestützt auf Gottesgnadentum, Beamte, ein stehendes Heer und eine eigene Finanzverwaltung.
Beispiele
- Ludwig XIV. beruft die Ständeversammlung über Jahrzehnte nicht ein.
- Bürgerliche Minister wie Colbert leiten die Finanzen.
- Ein stehendes Heer gehorcht allein dem König.
Signalwörter
- Gottesgnadentum
- stehendes Heer
- Beamte
- Merkantilismus
- Hofstaat
Ursache – Verlauf – Folge: Versailles als Mittel der Herrschaft
Erkläre, warum Ludwig XIV. den Hof nach Versailles verlegte und welche Wirkung das hatte. Ordne nach Ursache, Verlauf und Folge.
Gegeben:
- In Ludwigs Kindheit erhob sich der Adel gegen die Krone (Fronde).
- Der Adel besitzt Land, Ansehen und eigene Anhänger in den Provinzen.
Gesucht:
Wie konnte der König den Adel entmachten, ohne ihn zu bekämpfen?Lösung:
- Ursache: Der Adel ist die größte Gefahr für die Königsmacht. Ein offener Krieg gegen ihn wäre teuer und unsicher.
- Verlauf: Ludwig baut Versailles zum gewaltigen Hof aus und zieht den hohen Adel dorthin. Wer Ansehen und Pensionen will, muss anwesend sein und an einem streng geregelten Tagesablauf teilnehmen, dem Hofzeremoniell. Gleichzeitig verwalten bürgerliche Beamte das Land.
- Folge: Der Adel behält seine Vorrechte und Steuerfreiheit, verliert aber den politischen Einfluss. Er ist am Hof beschäftigt, nicht in den Provinzen mächtig.
Versailles war also kein bloßer Prunkbau, sondern ein politisches Werkzeug. Der Preis war hoch: Hofhaltung und zahlreiche Kriege überschuldeten den Staat, während die Steuerlast auf Bauern und Bürgertum blieb. Dieser Widerspruch – wer zahlt und wer entscheidet – wurde zu einer der Ursachen der Französischen Revolution von 1789.
Jetzt bist du dran!
Was bedeutet Gottesgnadentum im Absolutismus?
Noch nicht. Das Gottesgnadentum lieferte die Begründung dafür, dass niemand im Staat den König kontrollieren durfte – auch keine Ständeversammlung.
Das Wichtigste in Kürze
- Absolutismus heißt: Der Herrscher regiert losgelöst von Ständen, Gerichten und Mitsprache.
- Begründet wurde das mit dem Gottesgnadentum, gestützt auf Beamte, stehendes Heer und Finanzverwaltung.
- Im Ständestaat musste ein Fürst Steuern bewilligen lassen, im Absolutismus entschied er allein.
- Merkantilismus und hohe Steuern auf Bauern und Bürgertum finanzierten Hof und Kriege.
- Typischer Fehler: „Der König konnte wirklich alles allein bestimmen.“ Er blieb auf Beamte, Geld und die Steuerfreiheit des Adels angewiesen – daran scheiterte das System.
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Das solltest du vorher können
- Die Reformation
- Der Dreißigjährige Kriegin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Die Französische Revolution
- Die Industrielle Revolutionin Arbeit