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Griechenland und die erste Demokratie

In Athen entstand vor rund 2.500 Jahren eine Ordnung, in der Bürger selbst über ihre Stadt entschieden. In dieser Lektion siehst du, warum es dazu kam, wie die Volksversammlung arbeitete und worin sich die attische Demokratie von unserer heutigen unterscheidet.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 6
  • Thema: Antike
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie in Athen die Volksherrschaft entstand

Griechenland ist von Gebirgen und Meer zerschnitten. Ein großes Reich wie in Ägypten entstand dort nicht; stattdessen bildeten sich viele kleine, selbstständige Stadtstaaten, die Poleis. Jede Polis hatte ihre eigenen Gesetze, Götterfeste, Münzen und ihr eigenes Heer. Das Wort Politik kommt von polis, und das ist kein Zufall: In diesen überschaubaren Gemeinden war die Frage, wer über die Gemeinschaft bestimmt, für viele Menschen unmittelbar spürbar.

Zunächst regierten in Athen adlige Großgrundbesitzer. Viele einfache Bauern gerieten in Schulden und verloren ihr Land, manche ihre Freiheit. Daraus entstand dauernder Streit, der die Stadt schwächte. Schritt für Schritt wurde die Ordnung verändert: Solon strich Schulden und band politische Rechte an das Vermögen statt allein an die Geburt, Kleisthenes teilte die Bürger um 500 v. Chr. in neue Bezirke ein, sodass der alte Adel seine Hausmacht verlor. Unter Perikles, in der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., war die attische Demokratie voll ausgebaut.

Entscheidend war dabei ein Zusammenhang, der sich in der Geschichte oft wiederholt: Wer für die Gemeinschaft kämpft, fordert auch Mitbestimmung. Athen brauchte seine Bürger als Soldaten und Ruderer auf den Kriegsschiffen. Eine Stadt, die auf tausende Ruderer angewiesen ist, kann diese Menschen politisch nicht dauerhaft ausschließen. Demokratie hieß wörtlich Herrschaft des Volkes – allerdings war mit Volk nur ein Teil der Bevölkerung gemeint.

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Attische Demokratie und heutige Demokratie

Beide Ordnungen heißen Demokratie, funktionieren aber sehr unterschiedlich. In Athen entschieden die Bürger selbst in der Volksversammlung, heute wählen wir Abgeordnete, die für uns entscheiden. Man nennt das direkte gegenüber repräsentativer Demokratie. Der zweite große Unterschied liegt darin, wer überhaupt mitmachen durfte.

Achte beim Vergleichen immer auf zwei Fragen: Wer darf mitentscheiden, und wie wird entschieden? Daran erkennst du sofort, über welche der beiden Ordnungen ein Text spricht.

Athen um 450 v. Chr.

Direkte Demokratie in einem Stadtstaat: Die Bürger stimmen selbst ab. Stimmrecht haben nur männliche Bürger über 18 Jahre mit athenischen Eltern.

Beispiele

  • Die Volksversammlung beschließt selbst, ob Athen Krieg führt.
  • Ämter werden häufig durch das Los besetzt, nicht durch Wahl.
  • Frauen, Sklaven und zugezogene Metöken dürfen nicht abstimmen.

Signalwörter

  • Volksversammlung
  • Losverfahren
  • Stadtstaat
  • direkt
  • nur männliche Bürger

Deutschland heute

Repräsentative Demokratie in einem großen Staat: Gewählte Abgeordnete entscheiden im Parlament, gebunden an das Grundgesetz.

Beispiele

  • Alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 18 Jahren wählen den Bundestag.
  • Der Bundestag beschließt Gesetze, Gerichte prüfen sie.
  • Grundrechte gelten für alle Menschen, nicht nur für Wähler.

Signalwörter

  • Wahlen
  • Parlament
  • Abgeordnete
  • Grundgesetz
  • allgemeines Wahlrecht
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Ursache – Verlauf – Folge: ein Beschluss der Volksversammlung

Verfolge an einem Beispiel, wie in Athen entschieden wurde, und ordne den Vorgang nach Ursache, Verlauf und Folge.

Gegeben:

  • Athen fürchtet einen Angriff und muss entscheiden, ob neue Kriegsschiffe gebaut werden.
  • Die Volksversammlung tagt auf einem Hügel, mehrere Tausend Bürger sind anwesend.

Gesucht:

Wie kommt ein Beschluss zustande, und wer trägt ihn anschließend?

Lösung:

  1. Ursache: Eine Bedrohung von außen betrifft alle Bürger, weil sie selbst als Soldaten und Ruderer dienen müssen.
  2. Verlauf: Der Rat bereitet die Frage vor. In der Versammlung darf grundsätzlich jeder Bürger sprechen, danach wird durch Handzeichen abgestimmt. Die Mehrheit entscheidet.
  3. Folge: Der Beschluss gilt sofort. Gewählte oder erloste Amtsträger setzen ihn um und müssen hinterher Rechenschaft ablegen.

Stark war diese Ordnung, weil Entscheidungen von denen getragen wurden, die sie ausführten. Schwach war sie, weil eine gute Rede eine Versammlung in kurzer Zeit umstimmen konnte und weil Bürger, die weit draußen auf dem Land wohnten, oft gar nicht erst anreisten.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Wer durfte in der attischen Demokratie in der Volksversammlung abstimmen?

Wer durfte in der attischen Demokratie in der Volksversammlung abstimmen?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gebirge und Meer führten in Griechenland zu vielen selbstständigen Stadtstaaten, den Poleis.
  • Ursache der Demokratie war der Streit um Schulden und Land; Solon und Kleisthenes bauten die Ordnung um.
  • Wer als Soldat oder Ruderer gebraucht wird, kann Mitbestimmung fordern – das erklärt den Verlauf.
  • In der Volksversammlung entschied die Mehrheit direkt; viele Ämter wurden verlost.
  • Typischer Fehler: „In Athen durften alle wählen.“ Frauen, Sklaven und Zugezogene waren ausgeschlossen.

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