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Griechenland und die erste Demokratie

In Athen entstand vor rund 2.500 Jahren eine Ordnung, in der Bürger selbst über ihre Stadt entschieden. In dieser Lektion siehst du, warum es dazu kam, wie die Volksversammlung arbeitete und worin sich die attische Demokratie von unserer heutigen unterscheidet.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 6
  • Thema: Antike
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie in Athen die Volksherrschaft entstand

Griechenland ist von Gebirgen und Meer zerschnitten. Ein großes Reich wie in Ägypten entstand dort nicht; stattdessen bildeten sich viele kleine, selbstständige Stadtstaaten, die Poleis. Jede Polis hatte ihre eigenen Gesetze, Götterfeste, Münzen und ihr eigenes Heer. Das Wort Politik kommt von polis, und das ist kein Zufall: In diesen überschaubaren Gemeinden war die Frage, wer über die Gemeinschaft bestimmt, für viele Menschen unmittelbar spürbar.

Zunächst regierten in Athen adlige Großgrundbesitzer. Viele einfache Bauern gerieten in Schulden und verloren ihr Land, manche ihre Freiheit. Daraus entstand dauernder Streit, der die Stadt schwächte. Schritt für Schritt wurde die Ordnung verändert: Solon strich 594 v. Chr. Schulden und band politische Rechte an das Vermögen statt allein an die Geburt, Kleisthenes teilte die Bürger 508/507 v. Chr. in neue Bezirke ein, sodass der alte Adel seine Hausmacht verlor. Unter Perikles, zwischen 461 und 429 v. Chr., war die attische Demokratie voll ausgebaut und erlebte ihre Blütezeit.

Entscheidend war dabei ein Zusammenhang, der sich in der Geschichte oft wiederholt: Wer für die Gemeinschaft kämpft, fordert auch Mitbestimmung. Athen brauchte seine Bürger als Soldaten und Ruderer auf den Kriegsschiffen, besonders nachdem die Flotte 480 v. Chr. in der Seeschlacht bei Salamis den entscheidenden Sieg gegen die Perser errang. Eine Stadt, die auf tausende Ruderer angewiesen ist, kann diese Menschen politisch nicht dauerhaft ausschließen. Demokratie hieß wörtlich Herrschaft des Volkes – allerdings war mit Volk nur ein Teil der Bevölkerung gemeint.

Athen und Sparta lagen als führende Poleis nur wenige Tagesmärsche voneinander entfernt – im Osten drohte das persische Großreich.
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Attische Demokratie und heutige Demokratie

Beide Ordnungen heißen Demokratie, funktionieren aber sehr unterschiedlich. In Athen entschieden die Bürger selbst in der Volksversammlung, heute wählen wir Abgeordnete, die für uns entscheiden. Man nennt das direkte gegenüber repräsentativer Demokratie. Der zweite große Unterschied liegt darin, wer überhaupt mitmachen durfte.

Athens großer Rivale war Sparta, das keine Demokratie kannte: Dort regierten zwei Könige zusammen mit einem Rat der Alten, und die Wirtschaft ruhte auf den Heloten, einer unfreien Landbevölkerung. Der Vergleich mit Sparta zeigt, dass Demokratie in der Antike keine Selbstverständlichkeit war, sondern eine von mehreren möglichen Ordnungen für eine Polis.

Achte beim Vergleichen immer auf zwei Fragen: Wer darf mitentscheiden, und wie wird entschieden? Daran erkennst du sofort, über welche der beiden Ordnungen ein Text spricht.

Athen um 450 v. Chr.

Direkte Demokratie in einem Stadtstaat: Die Bürger stimmen selbst ab. Stimmrecht haben nur männliche Bürger über 18 Jahre mit athenischen Eltern.

Beispiele

  • Die Volksversammlung beschließt selbst, ob Athen Krieg führt.
  • Ämter werden häufig durch das Los besetzt, nicht durch Wahl.
  • Frauen, Sklaven und zugezogene Metöken dürfen nicht abstimmen.

Signalwörter

  • Volksversammlung
  • Losverfahren
  • Stadtstaat
  • direkt
  • nur männliche Bürger

Deutschland heute

Repräsentative Demokratie in einem großen Staat: Gewählte Abgeordnete entscheiden im Parlament, gebunden an das Grundgesetz.

Beispiele

  • Alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 18 Jahren wählen den Bundestag.
  • Der Bundestag beschließt Gesetze, Gerichte prüfen sie.
  • Grundrechte gelten für alle Menschen, nicht nur für Wähler.

Signalwörter

  • Wahlen
  • Parlament
  • Abgeordnete
  • Grundgesetz
  • allgemeines Wahlrecht
MerkmalAthenSparta
StaatsformDirekte DemokratieDoppelkönigsherrschaft mit Rat der Alten
Wer entscheidetVolksversammlung aller BürgerZwei Könige, Rat der Alten, Volksversammlung mit wenig Einfluss
StärkeSeemacht, Handel, KulturLandheer, strenge Erziehung (Agoge)
WirtschaftHandwerk, Handel, SilberminenLandwirtschaft, getragen von unfreien Heloten
Athen und Sparta im Vergleich
Athen und Sparta waren die beiden mächtigsten Poleis Griechenlands, folgten aber einer völlig gegensätzlichen Ordnung.
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Ursache – Verlauf – Folge: ein Beschluss der Volksversammlung

Verfolge an einem Beispiel, wie in Athen entschieden wurde, und ordne den Vorgang nach Ursache, Verlauf und Folge.

Gegeben:

  • Athen fürchtet einen Angriff und muss entscheiden, ob neue Kriegsschiffe gebaut werden.
  • Die Volksversammlung tagt auf einem Hügel, mehrere Tausend Bürger sind anwesend.

Gesucht:

Wie kommt ein Beschluss zustande, und wer trägt ihn anschließend?

Lösung:

  1. Ursache: Eine Bedrohung von außen betrifft alle Bürger, weil sie selbst als Soldaten und Ruderer dienen müssen.
  2. Verlauf: Der Rat der Fünfhundert bereitet die Frage vor. In der Versammlung darf grundsätzlich jeder Bürger sprechen, danach wird durch Handzeichen abgestimmt. Die Mehrheit entscheidet.
  3. Folge: Der Beschluss gilt sofort. Gewählte oder erloste Amtsträger setzen ihn um und müssen hinterher Rechenschaft ablegen.

Stark war diese Ordnung, weil Entscheidungen von denen getragen wurden, die sie ausführten. Schwach war sie, weil eine gute Rede eine Versammlung in kurzer Zeit umstimmen konnte und weil Bürger, die weit draußen auf dem Land wohnten, oft gar nicht erst anreisten.

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Ursachen und Folgen der attischen Demokratie

Am Anfang stand eine wirtschaftliche Krise: Bäuerliche Familien verschuldeten sich bei adligen Großgrundbesitzern und verloren teils sogar ihre persönliche Freiheit. Solon beendete 594 v. Chr. die Schuldknechtschaft und ordnete die politischen Rechte nach Vermögen statt nach Geburt neu. Das reichte den Bürgern aber noch nicht, denn der alte Adel behielt über seine Familiennetzwerke weiter viel Einfluss.

Erst Kleisthenes löste dieses Problem 508/507 v. Chr., indem er die Bürger in zehn neue, künstlich gemischte Bezirke (Phylen) einteilte. Dadurch verloren einzelne Adelsfamilien ihre regionale Machtbasis, und der Rat der Fünfhundert setzte sich aus allen Landesteilen zusammen. Die Perserkriege, besonders der Seesieg bei Salamis 480 v. Chr., stärkten die Demokratie zusätzlich: Die einfachen Bürger, die als Ruderer die Flotte bildeten, gewannen dadurch politisches Gewicht.

Die Folgen reichten weit über Athen hinaus. Die attische Demokratie wurde zum Vorbild und Diskussionsgegenstand für spätere Jahrhunderte, obwohl sie 404 v. Chr. nach der Niederlage im Peloponnesischen Krieg gegen Sparta zeitweise gestürzt und später zwar wiederhergestellt, aber nie wieder so stabil wurde wie zuvor. Wichtig ist: Die athenische Demokratie war ein Ergebnis konkreter Krisen und Kriege, keine geplante Erfindung von Anfang an.

Von der Polis-Bildung über die Reformen des Solon und Kleisthenes bis zum Ende der Demokratie nach dem Peloponnesischen Krieg.
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Typische Fehler beim Thema Demokratie in Athen

Der häufigste Fehler ist die Annahme, in Athen hätten alle Menschen mitbestimmen dürfen. Tatsächlich waren Frauen, Sklaven und zugezogene Fremde (Metöken) von der Volksversammlung ausgeschlossen, obwohl sie einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten. Historiker schätzen, dass von etwa 250.000 bis 300.000 Einwohnern Attikas nur rund 30.000 bis 40.000 stimmberechtigte Bürger waren.

Ein zweiter Fehler ist, Demokratie und Wahl gleichzusetzen. Viele Ämter in Athen wurden nicht gewählt, sondern verlost, weil man glaubte, dass jeder Bürger grundsätzlich fähig sei, ein Amt auszuüben, und das Los Bestechung und Vetternwirtschaft verhindere. Nur wenige Ämter, etwa die der Feldherren (Strategen), wurden wegen ihrer besonderen Verantwortung gewählt.

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Tipps für die Klassenarbeit

Wenn du eine Quelle zur athenischen Demokratie bekommst, prüfe zuerst, wer spricht und wer gemeint ist: Ein Redner, der „das Volk“ anspricht, meint fast immer nur die männlichen Bürger. Achte außerdem auf Jahreszahlen: Die Reformen des Solon (594 v. Chr.) und des Kleisthenes (508/507 v. Chr.) werden in Prüfungen oft verwechselt, dabei liegen fast neunzig Jahre dazwischen.

Nutze bei Vergleichsaufgaben immer eine feste Struktur wie bei Athen und Sparta oben: Staatsform, Entscheidungsträger, Rechte, wirtschaftliche Grundlage. So verlierst du auch bei komplexen Fragen nicht den Überblick und triffst automatisch die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Wer durfte in der attischen Demokratie in der Volksversammlung abstimmen?

Wer durfte in der attischen Demokratie in der Volksversammlung abstimmen?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gebirge und Meer führten in Griechenland zu vielen selbstständigen Stadtstaaten, den Poleis.
  • Ursache der Demokratie war der Streit um Schulden und Land; Solon (594 v. Chr.) und Kleisthenes (508/507 v. Chr.) bauten die Ordnung um.
  • Wer als Soldat oder Ruderer gebraucht wird, kann Mitbestimmung fordern – das erklärt den Verlauf, besonders nach dem Sieg bei Salamis 480 v. Chr.
  • In der Volksversammlung entschied die Mehrheit direkt; viele Ämter wurden verlost, nicht gewählt.
  • Typischer Fehler: „In Athen durften alle wählen.“ Frauen, Sklaven und Zugezogene waren ausgeschlossen, obwohl sie die Mehrheit stellten.

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Häufige Fragen zu Griechenland und die erste Demokratie

Was ist die attische Demokratie?
Die attische Demokratie war die Herrschaftsform Athens ab etwa 508/507 v. Chr., in der die stimmberechtigten Bürger direkt in der Volksversammlung über Gesetze, Krieg und Frieden entschieden. Sie galt als direkte Demokratie, weil keine gewählten Abgeordneten zwischengeschaltet waren. Ihre Blütezeit erlebte sie unter Perikles zwischen 461 und 429 v. Chr., bevor sie nach dem Peloponnesischen Krieg 404 v. Chr. endete.
Wer durfte in Athen wählen und abstimmen?
Stimmberechtigt waren ausschließlich männliche Bürger über 18 Jahren, deren Vater und später auch deren Mutter aus Athen stammten. Frauen, Sklaven und zugezogene Fremde, die sogenannten Metöken, waren von der Volksversammlung ausgeschlossen. Damit hatte nur eine Minderheit der Gesamtbevölkerung Attikas politische Rechte, obwohl alle Einwohner dem Alltag der Polis angehörten.
Wie funktionierte die Volksversammlung in Athen?
Die Volksversammlung (Ekklesia) tagte regelmäßig auf einem Hügel namens Pnyx in Athen. Jeder stimmberechtigte Bürger durfte teilnehmen, sprechen und mitstimmen. Beschlüsse fielen meist durch Handzeichen und die einfache Mehrheit der Anwesenden. Vorbereitet wurden die Sitzungen vom Rat der Fünfhundert, der aus erlosten Bürgern aller Bezirke bestand.
Was ist der Unterschied zwischen direkter und repräsentativer Demokratie?
Bei der direkten Demokratie wie in Athen stimmen die Bürger selbst über Sachfragen ab, ohne Zwischeninstanz. Bei der repräsentativen Demokratie, wie sie heute in Deutschland üblich ist, wählen die Bürger Abgeordnete, die anschließend im Parlament über Gesetze entscheiden. Direkte Demokratie funktioniert gut in kleinen Gemeinschaften, wird aber in großen Staaten mit Millionen Einwohnern kaum noch praktisch umsetzbar.
Warum wurden viele Ämter in Athen verlost statt gewählt?
Die Athener glaubten, dass jeder Bürger grundsätzlich fähig sei, ein einfaches Amt auszuüben, und dass das Losverfahren Bestechung, Vetternwirtschaft und die Bildung fester Machtcliquen verhindere. Nur besonders anspruchsvolle Ämter wie das der Feldherren (Strategen) wurden gewählt, weil hier militärisches Können nötig war. Nach ihrer Amtszeit mussten alle Amtsträger Rechenschaft über ihr Handeln ablegen.
Wodurch unterschieden sich Athen und Sparta?
Athen war eine direkte Demokratie mit Volksversammlung, Handel und starker Flotte, während Sparta von zwei Königen und einem Rat der Alten regiert wurde und auf ein straff erzogenes Landheer setzte. Die Wirtschaft Spartas beruhte auf den Heloten, einer unfreien, unterworfenen Bevölkerung, während Athen stärker auf Handwerk, Handel und Silberminen setzte. Beide Städte waren Rivalen um die Vormacht in Griechenland.
In welcher Klasse lernt man die attische Demokratie?
Die attische Demokratie ist in den meisten Bundesländern Teil des Geschichtsunterrichts der 6. Klasse im Themenbereich Antike, oft direkt im Anschluss an das Alte Ägypten. Sie wird später in höheren Klassen im Politik- oder Sozialkundeunterricht erneut aufgegriffen, wenn moderne Demokratieformen verglichen werden.
Warum endete die attische Demokratie?
Die attische Demokratie wurde nach der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg gegen Sparta im Jahr 404 v. Chr. zeitweise durch eine Gewaltherrschaft ersetzt und später zwar wiederhergestellt, verlor aber an Stabilität. Innere Machtkämpfe, kostspielige Kriege und der wachsende Einfluss Makedoniens im 4. Jahrhundert v. Chr. schwächten die Selbstständigkeit der griechischen Poleis insgesamt.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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