Klimadiagramme auswerten
Ein Klimadiagramm fasst das Wetter vieler Jahre in einem einzigen Bild zusammen. In dieser Lektion lernst du, Temperaturkurve und Niederschlagssäulen richtig zu lesen, die wichtigsten Kennwerte zu bestimmen und daraus auf Klimazone und Halbkugel zu schließen.
- Fach: Geografie
- Klasse 7
- Thema: Klima
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Wie ein Klimadiagramm aufgebaut ist
Wetter ist, was heute draußen passiert. Klima ist der Durchschnitt des Wetters über einen langen Zeitraum, üblicherweise 30 Jahre. Ein Klimadiagramm zeigt genau diesen Durchschnitt für einen Ort: Auf der waagerechten Achse stehen die zwölf Monate von Januar bis Dezember, links ist die Achse für die Temperatur in Grad Celsius, rechts die für den Niederschlag in Millimetern. Ein Millimeter Niederschlag bedeutet, dass auf einem Quadratmeter ein Liter Wasser gefallen ist.
Im Diagramm stecken zwei Darstellungsformen. Die Temperatur wird als Kurve gezeichnet, weil sie sich stetig ändert – zwischen zwei Monatswerten liegen alle Zwischenwerte. Der Niederschlag erscheint als Säule, weil er für jeden Monat aufsummiert wird; Zwischenwerte gibt es hier nicht. Beide Achsen sind so aufeinander abgestimmt, dass 10 Millimeter Niederschlag genauso hoch sind wie 1 Grad. Liegt die Temperaturkurve über den Säulen, verdunstet mehr Wasser, als fällt – der Monat ist trocken (arid). Liegen die Säulen über der Kurve, ist der Monat feucht (humid).
Diese Kombination aus Kurve und Säulen geht auf die Klimatologen Heinrich Walter und Helmut Lieth zurück, die das Diagramm in den 1960er-Jahren entwickelten, um Pflanzenwachstum und Klima gemeinsam sichtbar zu machen. Deshalb heißt es auch Klimadiagramm nach Walter/Lieth. Für Schulzwecke reicht es meist, Temperatur und Niederschlag getrennt zu betrachten, ohne die genaue Wasserbilanz für Pflanzen zu berechnen.
Nordhalbkugel oder Südhalbkugel?
Bevor du über die Klimazone nachdenkst, klärst du die Halbkugel. Die Monate stehen immer in derselben Reihenfolge, aber die Jahreszeiten sind auf beiden Halbkugeln gegeneinander verschoben. Du erkennst die Halbkugel also daran, wann es am wärmsten ist.
Vorsicht in den Tropen: Dort ist die Temperaturkurve über das Jahr fast flach, ein eindeutiges Maximum fehlt. Dann hilft der Niederschlag nicht bei der Halbkugel – du begründest stattdessen mit der geringen Temperaturamplitude, dass der Ort nahe am Äquator liegt.
Nordhalbkugel
Das Temperaturmaximum liegt in den Monaten Juni, Juli oder August.
Beispiele
- Wärmster Monat Juli mit 18 °C, kältester Januar mit 1 °C.
- Die Kurve bildet einen Berg in der Jahresmitte.
- Beispiele: Berlin, Rom, Moskau.
Signalwörter
- Maximum im Juli
- Minimum im Januar
- Kurve als Berg
- Sommer in der Jahresmitte
Südhalbkugel
Das Temperaturmaximum liegt in den Monaten Dezember, Januar oder Februar.
Beispiele
- Wärmster Monat Januar mit 23 °C, kältester Juli mit 11 °C.
- Die Kurve bildet eine Mulde in der Jahresmitte.
- Beispiele: Sydney, Kapstadt, Buenos Aires.
Signalwörter
- Maximum im Januar
- Minimum im Juli
- Kurve als Mulde
- Winter in der Jahresmitte
Auswertung in vier Schritten
Werte ein Klimadiagramm aus, bei dem der Juli mit 19 °C der wärmste und der Januar mit 2 °C der kälteste Monat ist. Die Niederschlagssäulen liegen in allen Monaten zwischen 40 mm und 80 mm, zusammen 620 mm im Jahr.
Gegeben:
- Wärmster Monat: Juli, 19 °C. Kältester Monat: Januar, 2 °C.
- Niederschlag in jedem Monat mindestens 40 mm, Jahressumme 620 mm.
Gesucht:
Temperaturamplitude, Niederschlagsverteilung und KlimazoneLösung:
- Extremwerte bestimmen: wärmster Monat Juli mit 19 °C, kältester Monat Januar mit 2 °C. Das Maximum im Juli zeigt die Nordhalbkugel.
- Temperaturamplitude berechnen: 19 °C - 2 °C = 17 K. Das ist ein deutlicher, aber kein extremer Jahresgang.
- Jahresniederschlag ablesen: 620 mm, also reichlich. Kein Monat ist trocken, weil die Säulen überall über der Kurve liegen – das Klima ist ganzjährig humid.
- Jahresmitteltemperatur einschätzen: Sie liegt zwischen den Extremen bei etwa 10 °C. Alle Monate liegen über 0 °C, es gibt also keinen Kältewinter.
Gemäßigte Zone, ozeanisch geprägt: vier Jahreszeiten, milder Winter, mäßig warmer Sommer, Niederschlag über das ganze Jahr verteilt. Ein solches Diagramm passt zu Mitteleuropa, etwa zu Hamburg. Zum Vergleich: Ein Mittelmeerklima hätte dieselbe Temperaturform, aber trockene Sommermonate.
Drei Stationen im Vergleich
Die Grafik zeigt anschaulich, wie verschieden Klimadiagramme trotz ähnlicher Jahresniederschläge aussehen können. Hamburg und Rom liegen bei fast derselben Jahressumme von etwa 790 bis 800 Millimetern, trotzdem sehen ihre Diagramme völlig unterschiedlich aus: In Hamburg ist der Niederschlag gleichmäßig über das Jahr verteilt, in Rom fällt er vor allem im Herbst und Winter, während die Sommermonate trocken bleiben.
Sydney liegt mit gut 1200 Millimetern deutlich über beiden europäischen Städten und zeigt außerdem das umgekehrte Muster der Südhalbkugel: Der wärmste Monat liegt im südlichen Sommer um Januar, der kälteste im südlichen Winter um Juli. Wer nur die Jahressumme des Niederschlags kennt, kann daraus also noch nicht auf die Klimazone schließen – erst die monatliche Verteilung liefert die entscheidende Information.
| Station | Halbkugel | Jahresniederschlag | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Berlin | Nord | 570 mm/Jahr | gemäßigt, kontinental geprägt |
| Hamburg | Nord | 787 mm/Jahr | gemäßigt, ozeanisch geprägt |
| Rom | Nord | 799 mm/Jahr | Mittelmeerklima, trockener Sommer |
| Sydney | Süd | 1213 mm/Jahr | warmgemäßigt, Maximum im Südsommer |
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Der häufigste Fehler beim Ablesen ist, die beiden Achsen zu verwechseln und Niederschlag an der linken Skala abzulesen. Prüfe immer die Einheit: Grad Celsius gehört zur Kurve links, Millimeter zu den Säulen rechts. Und lies nie einzelne Jahre hinein – ein Klimadiagramm sagt nichts darüber, ob es im letzten Juli geregnet hat, sondern beschreibt nur den langjährigen Durchschnitt.
Ein zweiter Fehler ist, die Temperaturamplitude falsch zu berechnen, wenn negative Werte im Spiel sind. Bei -3 °C im Januar und 24 °C im Juli wird oft einfach 24 minus 3 gerechnet und das Vorzeichen vergessen. Richtig ist: 24 °C - (-3 °C) = 27 K, weil beide Extreme addiert werden, wenn eines negativ ist.
Ein dritter Fehler ist, aus einem hohen Jahresniederschlag automatisch auf ein feuchtes Klima in jedem Monat zu schließen. Rom hat einen ähnlich hohen Jahresniederschlag wie Hamburg, trotzdem sind die römischen Sommermonate trocken. Für die Klassenarbeit gilt deshalb: Immer die monatliche Verteilung prüfen, nicht nur die Jahressumme.
Jetzt bist du dran!
Der wärmste Monat hat 24 °C, der kälteste -3 °C. Wie groß ist die Temperaturamplitude?
Das Wichtigste in Kürze
- Temperatur als Kurve links in Grad Celsius, Niederschlag als Säulen rechts in Millimetern.
- Auswertungsreihenfolge: Extremmonate, Amplitude, Jahresniederschlag und Verteilung, dann Klimazone.
- Temperaturamplitude = wärmster Monat - kältester Monat, angegeben in Kelvin.
- Maximum im Juli heißt Nordhalbkugel, Maximum im Januar heißt Südhalbkugel.
- Typischer Fehler: Niederschlag an der linken Achse ablesen. Immer auf die Einheit achten – °C links, mm rechts.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Klimadiagramme auswerten
- Was zeigt ein Klimadiagramm?
- Ein Klimadiagramm zeigt für einen Ort den langjährigen Durchschnitt von Temperatur und Niederschlag für jeden Monat, meist berechnet über 30 Jahre. Die Temperatur wird als Kurve dargestellt, der Niederschlag als Säulen. Aus dem Verlauf lassen sich Halbkugel, Jahreszeiten und Klimazone des Ortes ableiten.
- Wie berechnet man die Temperaturamplitude?
- Die Temperaturamplitude ist die Differenz zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monatsmittel eines Klimadiagramms. Man zieht den Wert des kältesten Monats vom Wert des wärmsten Monats ab. Bei negativen Werten werden beide Beträge addiert, zum Beispiel 24 °C minus minus 3 °C ergibt 27 Kelvin.
- Woran erkenne ich, ob ein Ort auf der Nord- oder Südhalbkugel liegt?
- Entscheidend ist, in welchem Monat die Temperaturkurve ihr Maximum hat. Liegt der wärmste Monat im Juni, Juli oder August, liegt der Ort auf der Nordhalbkugel. Liegt der wärmste Monat im Dezember, Januar oder Februar, liegt der Ort auf der Südhalbkugel, wo die Jahreszeiten gegenüber Europa vertauscht sind.
- Was bedeutet arid und humid im Klimadiagramm?
- Arid bezeichnet einen trockenen Monat, in dem die Temperaturkurve über der Niederschlagssäule liegt, weil mehr Wasser verdunstet als fällt. Humid bezeichnet einen feuchten Monat, in dem die Säule über der Kurve liegt. Die Achsen sind dafür extra so skaliert, dass 10 Millimeter Niederschlag optisch genauso hoch sind wie 1 Grad Celsius.
- Was ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima?
- Wetter beschreibt den aktuellen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort und Tag, etwa Regen oder Sonnenschein heute. Klima ist der statistische Durchschnitt des Wetters über einen langen Zeitraum, meist 30 Jahre. Ein Klimadiagramm zeigt deshalb nie das Wetter eines einzelnen Jahres, sondern einen langjährigen Mittelwert.
- Warum sehen Hamburg und Rom trotz ähnlichem Jahresniederschlag so unterschiedlich aus?
- Beide Städte haben mit rund 787 und 799 Millimetern eine ähnliche Jahressumme, aber eine völlig andere Verteilung über das Jahr. In Hamburg regnet es fast gleichmäßig in jedem Monat, in Rom konzentriert sich der Niederschlag auf Herbst und Winter, während die Sommermonate trocken bleiben – typisch für das Mittelmeerklima.
- In welcher Klasse werden Klimadiagramme behandelt?
- Klimadiagramme gehören meist zum Geografieunterricht der 7. Klasse und bauen auf dem Grundwissen zu Klimazonen auf. Sie werden später wieder aufgegriffen, wenn es um Vegetationszonen, den Klimawandel oder die Landwirtschaft in verschiedenen Weltregionen geht.
- Wie unterscheidet man Klimadiagramme aus den Tropen von denen aus gemäßigten Zonen?
- In den Tropen verläuft die Temperaturkurve über das Jahr fast flach, weil die Sonne dort ganzjährig steil einfällt und es kaum Jahreszeiten gibt. In der gemäßigten Zone zeigt die Kurve dagegen einen deutlichen Berg oder eine deutliche Mulde mit klar erkennbarem Sommer- und Wintermaximum beziehungsweise -minimum.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Die Klimazonen der Erde
- Diagramme lesen und beschreibenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Mit dem Maßstab rechnen
- Passat und tropischer Regenin Arbeit