Vulkane: Entstehung und Ausbruch
Ob ein Vulkan ruhig Lava ausfließen lässt oder explosiv ausbricht, entscheidet sich schon in der Tiefe. In dieser Lektion lernst du, wie Magma entsteht, wie sich Schildvulkan und Schichtvulkan unterscheiden und warum die Zähigkeit des Magmas die Form des Bergs bestimmt.
- Fach: Geografie
- Klasse 8
- Thema: Geologie
- Dauer: 19 Min
- Niveau: Mittel
Woher das Magma kommt
Der Erdmantel ist zum größten Teil fest, obwohl es dort über 1.000 °C heiß ist – der hohe Druck verhindert das Schmelzen. Magma entsteht deshalb nur dort, wo sich die Bedingungen ändern. An divergierenden Plattengrenzen steigt Mantelmaterial auf, der Druck nimmt ab und das Gestein beginnt zu schmelzen. An Subduktionszonen bringt die abtauchende Platte Wasser mit in die Tiefe, und Wasser senkt die Schmelztemperatur des Gesteins. Deshalb liegen rund drei Viertel aller aktiven Vulkane am Pazifischen Feuerring, der Kette von Plattengrenzen rund um den Pazifik.
Magma ist leichter als das umgebende Gestein und steigt in Spalten auf, sammelt sich in einer Magmakammer und drückt gegen das Deckgebirge. Entscheidend für den Ausbruch ist die Zähigkeit (Viskosität). Sie hängt vom Anteil an Kieselsäure ab: Magma mit wenig Kieselsäure ist dünnflüssig, Gase können leicht entweichen, die Lava fließt ruhig aus. Magma mit viel Kieselsäure ist zäh, Gase stauen sich auf, der Druck steigt – bis der Pfropf zerreißt und der Ausbruch explosiv verläuft.
Es gibt auch Vulkane weit von jeder Plattengrenze entfernt. Über einem Hotspot, einer ortsfesten heißen Zone im Mantel, schiebt sich die Platte hinweg. So entstand die Kette der Hawaii-Inseln, deren Vulkane nach Nordwesten hin immer älter werden. Magma heißt die Schmelze unter der Erde, Lava erst nach dem Austritt an der Oberfläche.
Schildvulkan und Schichtvulkan
Die Form eines Vulkans verrät, wie zäh sein Magma ist. Dünnflüssige Lava fließt weit, bevor sie erstarrt, und baut flache, breite Berge. Zähe Lava bleibt nahe am Schlot liegen und türmt sich mit der Asche früherer Ausbrüche zu steilen Kegeln auf.
Die Begriffe passen zum Bild: Ein Schildvulkan sieht aus wie ein flach liegender Schild, ein Schichtvulkan besteht aus abwechselnden Schichten von Lava und Lockermaterial. Für Schichtvulkan steht auch das Wort Stratovulkan.
Schildvulkan
Bei dünnflüssigem, kieselsäurearmem Magma – an divergierenden Grenzen und über Hotspots.
Beispiele
- Mauna Loa auf Hawaii, über 4.000 m hoch und dabei sehr flach.
- Die Spaltenvulkane Islands auf dem Mittelatlantischen Rücken.
- Lavaströme können kilometerweit fließen, bevor sie erstarren.
Signalwörter
- Hangneigung oft nur 2 bis 10 Grad
- dünnflüssige Lava, Gase entweichen leicht
- ruhiger, lang anhaltender Ausfluss
- fast nur Lava, kaum Asche
- Hotspot oder mittelozeanischer Rücken
Schichtvulkan (Stratovulkan)
Bei zähem, kieselsäurereichem Magma – typisch an Subduktionszonen.
Beispiele
- Fuji in Japan und Vesuv in Italien als steile Kegel.
- Ätna auf Sizilien, rund 3.350 m hoch, mit Lava und Aschelagen.
- Glutwolken (pyroklastische Ströme) fließen hangabwärts.
Signalwörter
- steiler Kegel mit 20 bis 35 Grad Hangneigung
- zähe Lava, Gase stauen sich
- explosive Ausbrüche
- Wechsel von Lava- und Aschelagen
- Subduktionszone, Pazifischer Feuerring
| Merkmal | Schildvulkan | Schichtvulkan |
|---|---|---|
| Magma | dünnflüssig, kieselsäurearm | zäh, kieselsäurereich |
| Hangneigung | 2 bis 10 Grad | 20 bis 35 Grad |
| Ausbruch | ruhiger Lavaausfluss | explosiv, mit Asche |
| Beispiel | Mauna Loa (Hawaii) | Ätna, Fuji, Vesuv |
Der Pazifische Feuerring
Der Pazifische Feuerring ist eine rund 40.000 Kilometer lange Kette aus Plattengrenzen, die den Pazifischen Ozean fast vollständig umschließt. An seiner Ostseite taucht die Pazifische Platte unter die amerikanischen Kontinentalplatten, an seiner Westseite unter Japan, die Philippinen und Indonesien. Genau an diesen Subduktionszonen entstehen die zähen, wasserreichen Magmen, die Schichtvulkane wie den Fuji oder den Popocatépetl aufbauen.
Nicht jeder bekannte Vulkan liegt am Feuerring. Der Ätna auf Sizilien und der Vesuv bei Neapel liegen an der Plattengrenze zwischen Afrika und Europa, weit vom Pazifik entfernt. Der Mauna Loa auf Hawaii wiederum liegt mitten auf der Pazifischen Platte, weil dort ein Hotspot Magma aus großer Tiefe liefert und keine Plattengrenze nötig ist.
Für Schülerinnen und Schüler ist die Karte deshalb eine gute Gedächtnisstütze: Wer die Lage eines Vulkans kennt, kann meist auch seinen Typ ableiten. Liegt er an einer Subduktionszone, ist ein Schichtvulkan mit explosiven Ausbrüchen wahrscheinlich. Liegt er über einem Hotspot oder an einer divergierenden Grenze, ist eher ein Schildvulkan mit ruhigem Lavaausfluss zu erwarten.
Vom Messwert zur Vulkanform
Für zwei Vulkane sind Magmazusammensetzung und Hangneigung bekannt. Ordne jedem den Typ zu und begründe die Form.
Gegeben:
- Vulkan A: Kieselsäureanteil etwa 50 Prozent, Hangneigung 5 Grad, Lavaströme bis 20 km lang.
- Vulkan B: Kieselsäureanteil etwa 65 Prozent, Hangneigung 30 Grad, Asche- und Lavaschichten im Wechsel.
- Beide liegen an unterschiedlichen Plattengrenzen.
Gesucht:
Vulkantyp, Ausbruchsverhalten und wahrscheinliche LageLösung:
- Zähigkeit aus der Kieselsäure ableiten: 50 Prozent bedeuten dünnflüssiges Magma, 65 Prozent zähes Magma.
- Vulkan A zuordnen: Dünnflüssige Lava fließt weit und breitet sich flach aus. Die Hangneigung von 5 Grad passt zum Schildvulkan, der Ausbruch verläuft ruhig.
- Vulkan B zuordnen: Zähes Magma hält die Gase zurück, der Druck entlädt sich explosiv. Asche und kurze Lavaströme stapeln sich – Schichtvulkan mit 30 Grad steilen Hängen.
- Lage erschließen: Schildvulkane liegen an divergierenden Grenzen oder über Hotspots, Schichtvulkane an Subduktionszonen.
Vulkan A ist ein Schildvulkan, vergleichbar mit dem Mauna Loa auf Hawaii. Vulkan B ist ein Schichtvulkan wie der Ätna oder der Fuji und liegt an einer Subduktionszone. Die Kieselsäure steuert die Zähigkeit, die Zähigkeit steuert Ausbruchsart und Form.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, alle Vulkane seien gleich gefährlich oder brächen auf dieselbe Weise aus. Tatsächlich hängt die Gefahr stark vom Magmatyp ab: Ein Schildvulkan wie der Mauna Loa lässt sich meist rechtzeitig evakuieren, weil die Lava langsam fließt. Ein Schichtvulkan kann dagegen ohne große Vorwarnung explosiv ausbrechen und Glutwolken mit über 100 km/h talwärts schicken.
Ein zweiter Fehler ist es, Magma und Lava als unterschiedliche Materialien zu verstehen. Es handelt sich um dieselbe Gesteinsschmelze, nur der Ort entscheidet über den Namen: unter der Erde Magma, nach dem Austritt an der Oberfläche Lava. In einer Klassenarbeit lohnt es sich, diesen Unterschied explizit zu benennen, auch wenn danach nicht direkt gefragt wird.
Für die Klassenarbeit hilft eine feste Reihenfolge beim Beantworten von Aufgaben zu Vulkanen: Erst den Kieselsäuregehalt oder die Lage einordnen, dann daraus die Zähigkeit ableiten, dann Ausbruchsart und Form bestimmen und erst zuletzt ein Beispiel nennen. Wer sofort mit einem Beispiel beginnt, vergisst häufig die eigentliche Begründung.
Jetzt bist du dran!
Wie heißt die glühende Gesteinsschmelze, solange sie sich noch unter der Erdoberfläche befindet?
Das Wichtigste in Kürze
- Magma entsteht bei Druckabnahme an divergierenden Grenzen und durch Wasserzufuhr an Subduktionszonen.
- Der Kieselsäureanteil bestimmt die Zähigkeit, die Zähigkeit bestimmt Ausbruchsart und Bergform.
- Schildvulkan: dünnflüssige Lava, flache Hänge, ruhiger Ausfluss – Mauna Loa, Island.
- Schichtvulkan: zähes Magma, steiler Kegel aus Lava und Asche, explosive Ausbrüche – Ätna, Fuji, Vesuv.
- Rund drei Viertel aller aktiven Vulkane liegen am Pazifischen Feuerring, an dessen Subduktionszonen.
- Typischer Fehler: Magma kommt nicht aus dem Erdkern, sondern aus dem oberen Mantel und der Kruste; Lava heißt es erst an der Oberfläche.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Vulkane: Entstehung und Ausbruch
- Was ist der Unterschied zwischen Magma und Lava?
- Magma und Lava sind dieselbe Gesteinsschmelze, nur der Ort entscheidet über den Namen. Solange sich die Schmelze unter der Erdoberfläche in der Magmakammer oder in Gesteinsspalten befindet, heißt sie Magma. Tritt sie an einem Vulkan aus, spricht man von Lava. Nach dem Erstarren wird daraus Vulkangestein wie Basalt oder Andesit.
- Warum brechen manche Vulkane ruhig, andere explosiv aus?
- Entscheidend ist der Kieselsäuregehalt des Magmas. Dünnflüssiges, kieselsäurearmes Magma lässt Gase leicht entweichen, die Lava fließt ruhig aus – so entstehen Schildvulkane. Zähes, kieselsäurereiches Magma staut die Gase, der Druck steigt, bis der Vulkan explosiv ausbricht – typisch für Schichtvulkane an Subduktionszonen.
- Was ist der Pazifische Feuerring?
- Der Pazifische Feuerring ist eine rund 40.000 Kilometer lange Kette von Plattengrenzen rund um den Pazifischen Ozean. Dort taucht die Pazifische Platte an vielen Stellen unter Nachbarplatten ab, wodurch wasserreiches, zähes Magma entsteht. Etwa drei Viertel aller aktiven Vulkane der Erde liegen an dieser Kette, darunter der Fuji und der Popocatépetl.
- Wie entsteht ein Vulkan über einem Hotspot ohne Plattengrenze?
- Ein Hotspot ist eine ortsfeste, besonders heiße Zone tief im Erdmantel, unabhängig von Plattengrenzen. Steigt dort Magma auf, entsteht ein Vulkan. Weil sich die Erdplatte über dem ortsfesten Hotspot hinwegbewegt, wandert der aktive Vulkan im Lauf von Jahrmillionen weiter – so entstand die Inselkette von Hawaii mit immer älteren Vulkanen nach Nordwesten hin.
- Was ist der Unterschied zwischen Schildvulkan und Schichtvulkan?
- Ein Schildvulkan besteht fast nur aus dünnflüssiger Lava, die weit fließt und einen flachen, breiten Berg mit 2 bis 10 Grad Hangneigung aufbaut, etwa den Mauna Loa. Ein Schichtvulkan wie der Ätna oder der Fuji besteht aus wechselnden Lagen von zäher Lava und Asche und bildet einen steilen Kegel mit 20 bis 35 Grad Hangneigung, der explosiv ausbrechen kann.
- In welcher Klasse lernt man Vulkanismus?
- Vulkanismus gehört meist zum Geografieunterricht der Klasse 7 oder 8, oft im Anschluss an die Plattentektonik. Dort wird erklärt, wie Magma entsteht, wie sich Vulkantypen unterscheiden und warum bestimmte Regionen der Erde, insbesondere der Pazifische Feuerring, besonders viele aktive Vulkane haben.
- Wie gefährlich sind Vulkanausbrüche für Menschen?
- Das hängt stark vom Vulkantyp ab. Schildvulkane wie auf Hawaii lassen meist genug Zeit zur Evakuierung, weil die Lava vergleichsweise langsam fließt. Schichtvulkane können dagegen ohne große Vorwarnung explosiv ausbrechen und Glutwolken mit über 100 km/h aussenden, wie es 79 n. Chr. beim Vesuv in Pompeji geschah.
- Warum liegen Ätna und Vesuv nicht am Pazifischen Feuerring?
- Ätna und Vesuv liegen an der Plattengrenze zwischen der Afrikanischen und der Eurasischen Platte im Mittelmeerraum, weit entfernt vom Pazifik. Subduktionszonen mit zähem, gasreichem Magma gibt es nicht nur am Pazifik, sondern überall dort, wo Platten aufeinandertreffen – deshalb sind auch diese beiden Vulkane Schichtvulkane mit explosivem Ausbruchsverhalten.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Plattentektonik
- Der Schalenbau der Erdein Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Erdbeben
- Gesteine und ihr Kreislaufin Arbeit