Klassenspace

Erdbeben

Erdbeben entstehen, wenn sich Spannung im Gestein ruckartig löst. In dieser Lektion lernst du, wie diese Spannung aufgebaut wird, wie man Hypozentrum und Epizentrum unterscheidet und wie Stärke und Auswirkung eines Bebens gemessen werden.

  • Fach: Geografie
  • Klasse 8
  • Thema: Geologie
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
1

Spannung, Bruch und Welle

Plattenbewegungen verlaufen nicht gleichmäßig. An einer Störungsfläche verhaken sich die Gesteinsblöcke, während die Platten weiter gegeneinander drücken. Das Gestein verformt sich dabei elastisch und speichert Spannung – wie ein gebogener Zweig. Überschreitet die Spannung die Festigkeit des Gesteins, bricht oder verschiebt es sich ruckartig um Zentimeter bis Meter. Die gespeicherte Energie wird als seismische Welle frei. Dieses Modell heißt elastische Rückfederung.

Von der Bruchstelle laufen verschiedene Wellen durch die Erde. Die Primärwellen (P-Wellen) sind Längswellen und mit etwa 6 km/s am schnellsten, die Sekundärwellen (S-Wellen) sind Querwellen und langsamer. An der Oberfläche kommen zuletzt die Oberflächenwellen an, die die größten Bodenbewegungen verursachen. Seismometer zeichnen diese Wellen auf. Aus dem Zeitabstand zwischen P- und S-Welle kann eine Station berechnen, wie weit das Bebenzentrum entfernt ist.

Über 90 Prozent aller Erdbeben liegen an Plattengrenzen. Am Pazifischen Feuerring, wo Platten abtauchen, treten Beben bis in etwa 700 km Tiefe auf; an mittelozeanischen Rücken bleiben sie flacher als rund 20 km. Auch in Deutschland gibt es messbare Beben, etwa in der Niederrheinischen Bucht und im Oberrheingraben, meist mit geringer Stärke. Vorhersagen lassen sich Erdbeben bis heute nicht: Man kennt die gefährdeten Gebiete und die Wahrscheinlichkeiten, aber nicht den Tag.

Vom Spannungsaufbau im Gestein bis zur spürbaren Erschütterung an der Oberfläche laufen fünf Schritte ab.
2

Hypozentrum und Epizentrum

Zwei Begriffe beschreiben den Ort eines Bebens, und sie werden oft verwechselt. Das Hypozentrum ist der Punkt in der Tiefe, an dem der Bruch beginnt. Das Epizentrum ist der Punkt auf der Erdoberfläche senkrecht darüber.

Die Eselsbrücke liegt in den Wortteilen: „hypo“ heißt darunter, „epi“ heißt darauf. Die Tiefe des Hypozentrums ist wichtig, weil ein flaches Beben an der Oberfläche deutlich stärker zu spüren ist als ein gleich starkes Beben in 300 km Tiefe.

Hypozentrum (Erdbebenherd)

Wenn es um den Ort der Energiefreisetzung in der Tiefe geht.

Beispiele

  • Ein Beben mit Herdtiefe 12 km gilt als Flachbeben.
  • Unter Japan liegen Herde entlang der abtauchenden Platte bis etwa 700 km tief.
  • An mittelozeanischen Rücken liegen die Herde flacher als etwa 20 km.

Signalwörter

  • Angabe einer Tiefe in Kilometern
  • Herd, Bruchfläche, Störung
  • Ausgangspunkt der Wellen
  • „hypo“ bedeutet darunter

Epizentrum

Wenn es um den Ort an der Oberfläche und die Stärke der Erschütterung geht.

Beispiele

  • Angabe als Koordinate oder Ortsname auf der Karte.
  • Hier sind die Erschütterungen am kräftigsten und die Intensität am höchsten.
  • Mit drei Stationen lässt es sich durch Kreise eindeutig einkreisen.

Signalwörter

  • Punkt auf der Erdoberfläche
  • Koordinaten, Karte, Entfernung zum Ort
  • senkrecht über dem Herd
  • „epi“ bedeutet darauf
MerkmalHypozentrumEpizentrum
Lagein der Tiefe, am Ort des Bruchsan der Oberfläche, senkrecht darüber
Wortherkunftgriechisch „hypo“ = daruntergriechisch „epi“ = darauf
AngabeTiefe in kmKoordinaten oder Ortsname
ErschütterungAusgangspunkt der Wellenmeist stärkste spürbare Erschütterung
Hypozentrum und Epizentrum im Vergleich
3

Epizentrum aus drei Messungen

Drei Stationen melden für dasselbe Beben unterschiedliche Entfernungen. Bestimme das Epizentrum und vergleiche anschließend zwei Magnituden.

Gegeben:

  • Station A: 120 km Entfernung. Station B: 250 km. Station C: 180 km.
  • Die Magnitude beträgt 6,0; ein Vergleichsbeben hat 4,0.
  • Jede Entfernung folgt aus dem Zeitabstand zwischen P- und S-Welle.

Gesucht:

Lage des Epizentrums und Vergleich der beiden Magnituden

Lösung:

  1. Um jede Station einen Kreis mit der gemessenen Entfernung als Radius zeichnen: 120 km, 250 km und 180 km.
  2. Ein Kreis allein lässt alle Punkte auf seinem Rand zu, zwei Kreise schneiden sich in zwei Punkten. Erst der dritte Kreis legt das Epizentrum eindeutig fest.
  3. Den gemeinsamen Schnittpunkt ablesen – dort liegt das Epizentrum. Das Hypozentrum liegt senkrecht darunter in der Tiefe.
  4. Magnituden vergleichen: Die Skala ist logarithmisch. Ein Schritt um 1,0 bedeutet zehnfache Amplitude, also 6,0 - 4,0 = 2 Schritte und damit 10 · 10 = 100-fache Amplitude.

Das Epizentrum ist der gemeinsame Schnittpunkt der drei Kreise; drei Stationen sind dafür das Minimum. Ein Beben der Magnitude 6,0 erzeugt eine etwa 100-fach größere Amplitude als eines mit 4,0; die freigesetzte Energie ist sogar rund 1.000-mal größer.

4

Die Richterskala richtig verstehen

Die Richterskala misst, wie stark der Boden bei einem Erdbeben ausschlägt, gibt diesen Wert aber nicht direkt, sondern logarithmisch an. Das bedeutet: Jede volle Stufe entspricht der zehnfachen Amplitude der Bodenbewegung. Ein Beben der Stärke 6 bewegt den Boden also nicht doppelt, sondern hundertmal so stark wie eines der Stärke 4. Die freigesetzte Energie wächst dabei sogar noch schneller, um etwa den Faktor 32 je Stufe.

In der Praxis werden heute meist genauere Varianten wie die Momenten-Magnituden-Skala verwendet, die nach demselben logarithmischen Prinzip funktioniert. Für die Klassenarbeit reicht es, sich die Faustregel zu merken: eine Stufe mehr bedeutet die zehnfache Bodenbewegung. Neben der Magnitude beschreibt die Intensitätsskala (zum Beispiel die europäische Skala EMS), wie stark ein Beben an einem bestimmten Ort tatsächlich wahrgenommen wird und welche Schäden es verursacht – diese Angabe hängt zusätzlich von Entfernung, Untergrund und Bauweise ab.

Jede volle Stufe der Richterskala bedeutet die zehnfache Bodenbewegung, nicht nur ein bisschen mehr.
5

Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist es, die Richterskala für linear zu halten und zu denken, ein Beben der Stärke 6 sei nur „ein bisschen stärker“ als eines der Stärke 5. Tatsächlich ist die Bodenbewegung zehnmal, die freigesetzte Energie sogar rund 32-mal so groß. Ein zweiter Fehler ist es, Hypozentrum und Epizentrum zu vertauschen: Nur das Hypozentrum liegt in der Tiefe, das Epizentrum immer an der Erdoberfläche.

Auch wenn Deutschland weit von den großen Erdbebenzonen entfernt liegt, spürst du das Thema in den Nachrichten regelmäßig: Berichte über Erdbeben in der Türkei, in Japan oder in Chile beziehen sich fast immer auf die Momenten-Magnituden-Skala. Bauvorschriften in gefährdeten Regionen, etwa in der Türkei oder in Kalifornien, verlangen erdbebensicheres Bauen, das Gebäude flexibler statt starrer macht, damit sie Erschütterungen besser abfedern.

6

Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Wie viele Messstationen braucht man mindestens, um ein Epizentrum eindeutig zu bestimmen?

7

Das Wichtigste in Kürze

  • Erdbeben entstehen, wenn sich elastisch gespeicherte Spannung an einer Störungsfläche ruckartig löst.
  • P-Wellen laufen am schnellsten; aus dem Zeitabstand zur S-Welle folgt die Entfernung zum Herd.
  • Hypozentrum = Herd in der Tiefe, Epizentrum = Punkt senkrecht darüber an der Oberfläche.
  • Drei Stationen kreisen das Epizentrum eindeutig ein; über 90 Prozent aller Beben liegen an Plattengrenzen.
  • Typischer Fehler: Die Richterskala ist logarithmisch, nicht linear – ein Schritt um 1,0 bedeutet zehnfache Amplitude.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Erdbeben

Was ist der Unterschied zwischen Hypozentrum und Epizentrum?
Das Hypozentrum ist der Punkt in der Tiefe, an dem der Gesteinsbruch beginnt und die seismischen Wellen entstehen. Das Epizentrum liegt senkrecht darüber an der Erdoberfläche und ist meist der Ort, an dem ein Beben am stärksten zu spüren ist. Die Eselsbrücke: „hypo“ heißt darunter, „epi“ heißt darauf.
Wie wird die Stärke eines Erdbebens gemessen?
Die Stärke wird meist als Magnitude auf einer logarithmischen Skala angegeben, ursprünglich die Richterskala, heute meist die genauere Momenten-Magnituden-Skala. Jede volle Stufe bedeutet die zehnfache Bodenbewegung. Zusätzlich beschreibt die Intensität, wie stark ein Beben an einem bestimmten Ort spürbar ist und welche Schäden es verursacht.
Warum kann man Erdbeben nicht vorhersagen?
Man kennt zwar gefährdete Zonen entlang von Plattengrenzen und kann grobe Wahrscheinlichkeiten für einen bestimmten Zeitraum angeben, aber der genaue Zeitpunkt, an dem sich aufgestaute Spannung ruckartig löst, lässt sich mit heutiger Technik nicht bestimmen. Forscher suchen nach Vorläufersignalen, ein zuverlässiges Frühwarnsystem für den genauen Zeitpunkt gibt es bisher aber nicht.
Warum gibt es in Deutschland auch Erdbeben?
Deutschland liegt zwar nicht an einer aktiven Plattengrenze, hat aber einige geologisch aktive Zonen wie den Oberrheingraben oder die Niederrheinische Bucht, wo sich die Erdkruste langsam dehnt. Dort entstehen gelegentlich Beben, meist mit geringer bis mittlerer Stärke, die selten größere Schäden verursachen.
Was ist der Unterschied zwischen der Richterskala und der Intensitätsskala?
Die Richterskala (heute meist Momenten-Magnituden-Skala) misst die insgesamt freigesetzte Energie eines Bebens als einen einzigen Wert. Die Intensitätsskala, zum Beispiel die europäische EMS-Skala, beschreibt dagegen, wie stark das Beben an einem konkreten Ort gespürt wird und welche Schäden auftreten – das hängt zusätzlich von Entfernung zum Epizentrum, Untergrund und Bauweise ab.
Was bedeutet erdbebensicheres Bauen?
Erdbebensicheres Bauen bedeutet, Gebäude so zu konstruieren, dass sie Erschütterungen durch Flexibilität statt durch reine Steifigkeit standhalten. Techniken wie Dämpfer, verstärkte Fundamente oder biegsame Baumaterialien lassen ein Gebäude leicht mitschwingen, statt starr zu brechen. Das senkt das Einsturzrisiko erheblich, auch wenn es keinen vollständigen Schutz garantiert.
Wo auf der Erde treten die meisten Erdbeben auf?
Über 90 Prozent aller Erdbeben ereignen sich an Plattengrenzen, besonders am Pazifischen Feuerring rund um den Pazifischen Ozean, wo mehrere Platten aneinandergrenzen und teilweise übereinander abtauchen. Auch entlang des Himalaya und des Mittelmeerraums, wo die Afrikanische gegen die Eurasische Platte drückt, treten häufig Beben auf.
In welcher Klasse behandelt man Erdbeben im Geografieunterricht?
Erdbeben werden meist in Klasse 7 oder 8 im Zusammenhang mit Plattentektonik und Vulkanismus behandelt. Häufig folgt das Thema direkt nach der Einführung in den Aufbau der Erde und die Bewegung der Kontinentalplatten.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das kommt als Nächstes

  • Erdbebensicheres Bauenin Arbeit
  • Der Schalenbau der Erdein Arbeit