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Alkohole

In dieser Lektion lernst du die Hydroxylgruppe als funktionelle Gruppe der Alkohole kennen. Du erklärst mit ihr die hohen Siedepunkte und die Löslichkeit in Wasser, unterscheidest einwertige von mehrwertigen Alkanolen und rechnest eine Verbrennungsgleichung durch.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Organische Chemie
  • Dauer: 22 Min
  • Niveau: Mittel
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Die Hydroxylgruppe bestimmt alles

Alkohole, fachlich Alkanole, leiten sich von den Alkanen ab. Ersetzt man in einem Alkan ein Wasserstoffatom durch eine Hydroxylgruppe (–OH), entsteht ein Alkanol. Aus Methan (CH₄) wird Methanol (CH₃OH), aus Ethan (C₂H₆) Ethanol (C₂H₅OH), aus Propan Propanol. Die Endung -ol im Namen zeigt dir diese Gruppe immer an. Sie ist die funktionelle Gruppe dieser Stoffklasse, also der Molekülteil, der über die chemischen Eigenschaften entscheidet, während der Rest des Moleküls sich wie ein gewöhnlicher Kohlenwasserstoff verhält.

Sauerstoff zieht Elektronen deutlich stärker an als Wasserstoff, seine Elektronegativität liegt bei 3,44 gegenüber 2,20 bei Wasserstoff. Die O–H-Bindung ist deshalb polar: Der Sauerstoff trägt eine negative Teilladung, der Wasserstoff eine positive. Dadurch können sich benachbarte Alkoholmoleküle über Wasserstoffbrücken aneinander binden. Diese Anziehung ist viel stärker als die schwachen Van-der-Waals-Kräfte zwischen unpolaren Alkanmolekülen, und deshalb siedet Ethanol bei 78 °C, während das ähnlich schwere, aber unpolare Ethan schon bei −89 °C gasförmig ist.

Dieselbe funktionelle Gruppe erklärt auch die Löslichkeit. Die Hydroxylgruppe ist hydrophil und bildet Wasserstoffbrücken zu Wassermolekülen, die Kohlenstoffkette ist hydrophob und passt eher zu Fetten und Ölen. Bei Methanol und Ethanol überwiegt der hydrophile Teil, sie mischen sich in jedem Verhältnis mit Wasser. Mit jedem weiteren Kohlenstoffatom in der Kette sinkt die Löslichkeit, weil der unpolare Anteil des Moleküls immer größer wird und schließlich überwiegt.

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Einwertig oder mehrwertig?

Alkanole unterscheidet man danach, wie viele Hydroxylgruppen ein Molekül trägt. Diese Zahl nennt man die Wertigkeit des Alkohols, und sie verändert die Eigenschaften deutlich, weil jede zusätzliche OH-Gruppe weitere Wasserstoffbrücken ermöglicht.

Die Regel ist einfach: Mehr Hydroxylgruppen bedeuten mehr Wasserstoffbrücken, also höhere Siedepunkte, höhere Viskosität und bessere Wasserlöslichkeit. Deshalb ist Glycerin, ein dreiwertiger Alkohol, bei Raumtemperatur zähflüssig wie Sirup, während Ethanol mit nur einer OH-Gruppe dünnflüssig ist.

Einwertige Alkanole

Das Molekül trägt genau eine Hydroxylgruppe.

Beispiele

  • CH₃OH (Methanol)
  • C₂H₅OH (Ethanol)

Signalwörter

  • Eine OH-Gruppe im Molekül
  • Name endet einfach auf -ol
  • Dünnflüssig und leicht flüchtig
  • Gute Lösungsmittel für viele Stoffe

Mehrwertige Alkanole

Das Molekül trägt zwei oder mehr Hydroxylgruppen an verschiedenen C-Atomen.

Beispiele

  • Ethandiol (zwei OH-Gruppen)
  • Propantriol, also Glycerin (drei OH-Gruppen)

Signalwörter

  • Endung -diol oder -triol
  • Deutlich höhere Siedepunkte
  • Zähflüssig, sirupartig
  • Sehr gut wasserlöslich, wirken feuchtigkeitsbindend
NameSummenformelSiedepunkt
MethanolCH₄O65 °C
EthanolC₂H₆O78 °C
Propan-1-olC₃H₈O97 °C
Butan-1-olC₄H₁₀O118 °C
Homologe Reihe der einwertigen Alkanole
Mehr Hydroxylgruppen bedeuten mehr Wasserstoffbrücken und damit höhere Siedepunkte und bessere Löslichkeit.
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Beispiel 1: Siedepunkte vergleichen

Erkläre, warum Propan bei etwa −42 °C siedet, Propan-1-ol dagegen bei etwa 97 °C, obwohl beide Moleküle drei Kohlenstoffatome haben.

Gegeben:

  • Propan: C₃H₈, unpolar
  • Propan-1-ol: C₃H₇OH mit einer Hydroxylgruppe

Gesucht:

Begründung für den großen Unterschied der Siedepunkte

Lösung:

  1. Zwischen Propanmolekülen wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte, weil das Molekül unpolar ist.
  2. Die O–H-Bindung im Propan-1-ol ist polar, der Sauerstoff ist negativ, der Wasserstoff positiv teilgeladen.
  3. Dadurch bilden sich zwischen den Propanolmolekülen Wasserstoffbrücken – eine deutlich stärkere Anziehung.
  4. Zum Sieden müssen diese Anziehungskräfte überwunden werden, und dafür ist viel mehr Energie nötig.

Die Wasserstoffbrücken der Hydroxylgruppe heben den Siedepunkt um rund 139 °C an. Die funktionelle Gruppe ist wichtiger für den Siedepunkt als die reine Molekülmasse.

Mit jedem zusätzlichen Kohlenstoffatom steigt der Siedepunkt der Alkanole um etwa 20 Grad.
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Beispiel 2: Vollständige Verbrennung von Ethanol

Ethanol wird als Kraftstoffzusatz vollständig verbrannt. Stelle die ausgeglichene Reaktionsgleichung auf.

Gegeben:

  • Ethanol: C₂H₅OH
  • Reaktionspartner: Sauerstoff O₂
  • Produkte: Kohlenstoffdioxid und Wasser

Gesucht:

Ausgeglichene Reaktionsgleichung der vollständigen Verbrennung

Lösung:

  1. Unausgeglichener Ansatz: C₂H₅OH + O₂ → CO₂ + H₂O
  2. Kohlenstoff ausgleichen: 2 C im Ethanol ergeben 2 CO₂.
  3. Wasserstoff ausgleichen: 6 H im Ethanol ergeben 3 H₂O.
  4. Sauerstoff zählen: rechts stehen 2·2 + 3 = 7 O-Atome, links liefert das Ethanol bereits 1 O, es fehlen 6, also 3 O₂.

C₂H₅OH + 3 O₂ → 2 CO₂ + 3 H₂O. Wie bei allen vollständigen Verbrennungen organischer Stoffe entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser, und die Reaktion setzt Energie frei.

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Typische Fehler

Ein typischer Fehler ist, Alkohole wegen der OH-Gruppe für Laugen zu halten. Laugen wie Natronlauge geben in Wasser Hydroxid-Ionen (OH⁻) ab und reagieren stark basisch. Alkohole dagegen geben ihre Hydroxylgruppe nicht als Ion ab, sie bleibt fest kovalent an das Kohlenstoffgerüst gebunden. Ihre wässrigen Lösungen sind deshalb neutral, nicht basisch.

Ein zweiter Fehler ist, den Siedepunkt allein über die Molekülmasse abzuschätzen. Propan und Propanol haben fast dieselbe Zahl an Atomen und ähnliche Masse, trotzdem liegt ihr Siedepunkt fast 140 °C auseinander. Entscheidend sind nicht Masse oder Größe, sondern die Art der zwischenmolekularen Kräfte – bei polaren Molekülen mit Hydroxylgruppe eben die viel stärkeren Wasserstoffbrücken.

Ein dritter Fehler ist, Methanol und Ethanol zu verwechseln oder ihre Wirkung im Körper gleichzusetzen. Beide sehen gleich aus und riechen ähnlich, aber Methanol wird im Körper zu giftigem Formaldehyd und Ameisensäure abgebaut und kann schon in kleinen Mengen zur Erblindung führen. Ethanol dagegen wird zu Acetaldehyd und dann zu Essigsäure abgebaut, die der Körper weiterverarbeiten kann.

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Alltagsbezug und Sicherheit im Labor

Technisch nutzt man Alkohole vor allem als Lösungsmittel, Desinfektionsmittel, Frostschutzmittel und Kraftstoffzusatz. Ethanol in Desinfektionsmitteln zerstört die Zellmembran vieler Bakterien und Viren, dafür braucht es meist eine Konzentration von 60 bis 80 Prozent, weil reiner Alkohol Proteine zu schnell verklumpt und dadurch schlechter eindringt. Ethandiol (Glykol) senkt als Frostschutzmittel den Gefrierpunkt von Kühlwasser deutlich unter 0 °C.

Im Chemieunterricht gilt für alle Alkohole ein wichtiger Sicherheitshinweis: Sie sind leicht entzündlich, ihre Dämpfe können sich schon bei Raumtemperatur entzünden. Deshalb werden Alkohole im Labor nie in der Nähe offener Flammen aus Vorratsflaschen nachgegossen, Gefäße werden stets geschlossen gehalten, und beim Erhitzen wird ausschließlich das Wasserbad statt der offenen Brennerflamme verwendet.

AlkoholFormelVerwendung
MethanolCH₃OHLösungsmittel, Ausgangsstoff für Biodiesel
EthanolC₂H₅OHDesinfektionsmittel, Kraftstoffzusatz, Getränke
EthandiolC₂H₆O₂Frostschutzmittel im Kühlwasser
Propantriol (Glycerin)C₃H₈O₃Feuchtigkeitsspender in Kosmetik
Wichtige Alkohole und ihre Verwendung
Die wichtigsten Regeln zu Alkoholen auf einen Blick, ideal zum Wiederholen vor der Klassenarbeit.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welche funktionelle Gruppe kennzeichnet die Alkanole?

Welche funktionelle Gruppe kennzeichnet die Alkanole?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Alkanole tragen als funktionelle Gruppe die Hydroxylgruppe -OH und enden auf -ol.
  • Die polare O–H-Bindung ermöglicht Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen.
  • Deshalb liegen die Siedepunkte weit über denen der entsprechenden Alkane.
  • Kurze Alkanole mischen sich mit Wasser, mit längerer Kette sinkt die Löslichkeit.
  • Alkohole sind keine Laugen: Sie geben kein Hydroxid-Ion ab, ihre Lösungen sind neutral.
  • Typischer Fehler: Methanol und Ethanol verwechseln – Methanol ist bereits in kleinen Mengen stark giftig.

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Häufige Fragen zu Alkohole

Was ist die funktionelle Gruppe der Alkohole?
Die funktionelle Gruppe der Alkohole ist die Hydroxylgruppe -OH, die an ein Kohlenstoffatom des Kohlenwasserstoffgerüsts gebunden ist. Sie ist verantwortlich für die typischen Eigenschaften wie erhöhte Siedepunkte und Wasserlöslichkeit. Der Name eines Alkohols endet deshalb immer auf -ol, zum Beispiel Methanol oder Ethanol.
Warum haben Alkohole höhere Siedepunkte als Alkane?
Die polare O-H-Bindung der Hydroxylgruppe ermöglicht Wasserstoffbrücken zwischen den Alkoholmolekülen, eine deutlich stärkere Anziehung als die schwachen Van-der-Waals-Kräfte zwischen unpolaren Alkanmolekülen. Um diese Wasserstoffbrücken beim Sieden zu überwinden, ist viel mehr Energie nötig. Deshalb siedet Ethanol bei 78 °C, während das ähnlich schwere Ethan schon bei −89 °C gasförmig ist.
Was ist der Unterschied zwischen Methanol und Ethanol?
Chemisch unterscheiden sich beide nur durch ein zusätzliches CH₂ in der Kette, Methanol ist CH₃OH, Ethanol C₂H₅OH. Der entscheidende Unterschied liegt im Stoffwechsel: Methanol wird im Körper zu giftigem Formaldehyd und Ameisensäure abgebaut und kann schon in kleinen Mengen zur Erblindung oder zum Tod führen. Ethanol wird dagegen zu Essigsäure abgebaut, die der Körper weiterverarbeiten kann.
Sind Alkohole Laugen oder Säuren?
Weder noch. Obwohl Alkohole eine OH-Gruppe tragen wie Laugen, ist diese Gruppe kovalent an das Kohlenstoffgerüst gebunden und wird nicht als Hydroxid-Ion abgespalten. Wässrige Lösungen von Alkoholen reagieren deshalb neutral. Laugen enthalten dagegen frei bewegliche Hydroxid-Ionen, die den pH-Wert der Lösung deutlich über 7 heben.
Was ist der Unterschied zwischen einwertigen und mehrwertigen Alkoholen?
Einwertige Alkanole tragen genau eine Hydroxylgruppe, zum Beispiel Ethanol. Mehrwertige Alkanole tragen zwei oder mehr Hydroxylgruppen an verschiedenen Kohlenstoffatomen, erkennbar an Endungen wie -diol oder -triol. Mehr Hydroxylgruppen bedeuten mehr Wasserstoffbrücken, also höhere Siedepunkte, größere Zähflüssigkeit und bessere Wasserlöslichkeit.
Wie wird Ethanol vollständig verbrannt?
Die vollständige Verbrennung von Ethanol läuft nach der Gleichung C₂H₅OH + 3 O₂ → 2 CO₂ + 3 H₂O ab. Dabei wird Energie frei, weshalb Ethanol als Kraftstoffzusatz genutzt wird. Wie bei jeder vollständigen Verbrennung eines organischen Stoffs entstehen ausschließlich Kohlenstoffdioxid und Wasser als Produkte.
Warum wirkt Ethanol als Desinfektionsmittel?
Ethanol dringt in die Zellhülle von Bakterien und die Hülle mancher Viren ein und zerstört dabei wichtige Proteine und Membranstrukturen. Am wirksamsten ist eine Konzentration von etwa 60 bis 80 Prozent, weil dann noch genug Wasser vorhanden ist, damit der Alkohol tief genug eindringen kann, bevor er die äußersten Proteine bereits verklumpt.
In welcher Klasse werden Alkohole im Chemieunterricht behandelt?
Alkohole gehören zur organischen Chemie und werden in Deutschland meist in der Oberstufe behandelt, häufig in Klasse 11 oder 12, nachdem bereits Alkane, Alkene und chemische Bindungen bekannt sind. Sie bilden die Grundlage für weitere Stoffklassen wie Aldehyde, Ketone und Carbonsäuren, die auf ähnlichen funktionellen Gruppen aufbauen.

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