Die Steinzeit
Die Steinzeit ist der längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. In dieser Lektion lernst du, wie Menschen als Jäger und Sammler lebten, warum sie irgendwann sesshaft wurden und was sich durch Ackerbau und Viehzucht für sie veränderte.
- Fach: Geschichte
- Klasse 5
- Thema: Urgeschichte
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Einfach
Warum die Steinzeit so heißt
Den Namen hat dieser Zeitabschnitt von dem Material, aus dem die wichtigsten Werkzeuge gemacht wurden: Stein. Besonders gut eignete sich Feuerstein, weil er beim Schlagen scharfe Kanten bekommt. Damit konnten Menschen schneiden, schaben und Speerspitzen herstellen. Holz, Knochen, Horn und Fell wurden genauso genutzt, sind aber im Boden fast immer verrottet. Archäologen finden deshalb vor allem Steingeräte – und der Name täuscht uns ein wenig darüber hinweg, wie vielseitig die Menschen damals arbeiteten.
Die Altsteinzeit begann vor über 2,5 Millionen Jahren und ist damit bei Weitem der längste Abschnitt – auf sie entfallen fast 99 Prozent der gesamten Steinzeit. In dieser Zeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Sie zogen in kleinen Gruppen dorthin, wo es Nahrung gab: hinter den Tierherden her, zu Flüssen mit Fischen, zu Stellen mit Beeren, Wurzeln und Nüssen. Feste Häuser hätten bei dieser Lebensweise nichts genützt. Man schützte sich in Zelten aus Fellen, unter Felsdächern oder in Höhlen – gewohnt hat fast niemand dauerhaft tief in einer Höhle, dort war es dunkel und kalt.
Entscheidend war das Feuer. Es gab Wärme und Licht, hielt Raubtiere fern und machte Fleisch und harte Pflanzen verdaulich. Wer Nahrung kochen kann, nimmt mehr Energie aus ihr auf und wird seltener krank. Ebenso wichtig war die Sprache: Eine Jagd auf ein großes Tier funktioniert nur, wenn sich mehrere Menschen absprechen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand Wissen, das weitergegeben wurde – über Jahrtausende hinweg, ganz ohne Schrift.
Am Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 11.700 Jahren, wurde das Klima weltweit spürbar wärmer und feuchter. Das veränderte die Pflanzen- und Tierwelt stark und war die Voraussetzung für das, was danach kam: den Übergang zum Ackerbau.
Altsteinzeit und Jungsteinzeit
Die Steinzeit wird in zwei große Abschnitte geteilt. Der Unterschied liegt nicht nur im Alter, sondern darin, wie die Menschen ihre Nahrung bekamen: Die Altsteinzeit ist die Zeit der Jäger und Sammler, die Jungsteinzeit die Zeit der Bauern. Der Übergang begann im Vorderen Orient vor rund 12.000 Jahren, in Mitteleuropa etwa vor 7.500 Jahren. Solche Zahlen sind Orientierungspunkte, keine festen Stichtage – der Wandel dauerte viele Generationen und verlief in verschiedenen Weltregionen unabhängig voneinander.
Wenn du in einem Text oder Bild nach Hinweisen suchst, achte auf die Nahrung und die Wohnform: Herde, Speer und Zelt sprechen für die Altsteinzeit, Feld, Vorratsgefäß und Dorf für die Jungsteinzeit.
Altsteinzeit
Die Menschen suchen ihre Nahrung in der Natur. Sie jagen, fischen und sammeln und müssen der Nahrung hinterherziehen.
Beispiele
- Eine Gruppe folgt einer Rentierherde über Hunderte Kilometer.
- Frauen und Kinder sammeln Beeren, Nüsse, Wurzeln und Pilze.
- Aus Feuerstein wird eine Speerspitze geschlagen.
Signalwörter
- Jäger und Sammler
- nicht sesshaft
- Fellzelt
- Speer
- Höhlenmalerei
Jungsteinzeit
Die Menschen erzeugen ihre Nahrung selbst: Sie säen Getreide und halten Tiere. Dafür bleiben sie an einem Ort.
Beispiele
- Ein Dorf baut Getreide auf gerodeten Feldern an.
- Schafe, Ziegen und Rinder werden gehalten und gemolken.
- Getreide wird in Tongefäßen eingelagert.
Signalwörter
- sesshaft
- Ackerbau
- Viehzucht
- Dorf
- Tongefäß
| Merkmal | Altsteinzeit | Jungsteinzeit |
|---|---|---|
| Nahrung | Jagen, Fischen, Sammeln | Ackerbau und Viehzucht |
| Wohnform | Zelte, Felsdächer, wandernd | feste Häuser, Dörfer |
| Werkzeuge | grob geschlagene Steingeräte | geschliffene Steinbeile, Sicheln, Tongefäße |
| Gesellschaft | kleine, gleichberechtigte Gruppen | größere Gemeinschaften, erste Vorräte und Besitz |
Ursache – Verlauf – Folge: der Weg zum Dorf
Erkläre, warum Menschen sesshaft wurden, und ordne das nach Ursache, Verlauf und Folge. Nach diesem Muster sollst du jede historische Veränderung aufschlüsseln.
Gegeben:
- Nach dem Ende der letzten Eiszeit wird das Klima wärmer und feuchter.
- In einigen Gebieten wachsen wilde Getreidearten in großer Menge.
Gesucht:
Warum gaben Menschen das Umherziehen auf – und was änderte sich dadurch?Lösung:
- Ursache: Wo viel Getreide wächst, lohnt es sich zu bleiben. Menschen beobachten, dass aus ausgefallenen Körnern neue Pflanzen wachsen, und säen gezielt aus.
- Verlauf: Aus gesammelten Pflanzen wird Ackerbau, aus gejagten Tieren werden gehaltene Herden. Wer Felder hat, braucht feste Häuser, Vorratsgefäße und Geräte wie Sichel und Mahlstein.
- Folge: Es entstehen Dörfer. Die Ernte reicht für mehr Menschen, also wächst die Bevölkerung. Einzelne können Aufgaben übernehmen, die nichts mit Nahrung zu tun haben, zum Beispiel Töpfern oder Weben.
Die Sesshaftigkeit brachte nicht nur Vorteile. Die Ernährung wurde einseitiger, Krankheiten sprangen von den Haustieren auf Menschen über, und eine schlechte Ernte traf ein Dorf härter als eine Jagdgruppe, die einfach weiterziehen konnte. Weil man nun Vorräte besaß, entstand außerdem Besitz, den man verteidigen musste.
Werkzeuge und Werkstoffe im Wandel
Die Werkzeuge der Altsteinzeit wurden geschlagen: Ein Steinschläger schlug mit einem harten Gegenstand oder einem Geweihstück gezielt Splitter von einem Feuersteinkern ab, bis eine scharfe Klinge oder Speerspitze entstand. Diese Technik erforderte viel Übung, ließ sich aber überall dort anwenden, wo geeigneter Stein zu finden war.
In der Jungsteinzeit kam eine neue Technik dazu: das Schleifen. Steinbeile wurden nun stundenlang an rauem Gestein geglättet, wodurch sie schärfer, haltbarer und für das Roden von Bäumen und die Feldarbeit geeignet wurden. Gleichzeitig entstand die Keramik: Aus Ton geformte und im Feuer gebrannte Gefäße konnten Getreide, Wasser und Milch aufbewahren – eine Voraussetzung für Vorratshaltung, die es vorher so nicht gab.
Auch neue Berufe entstanden dadurch. Wer nicht mehr jeden Tag mit der Nahrungssuche beschäftigt war, konnte sich auf das Weben von Stoffen, das Töpfern oder das Herstellen von Werkzeugen spezialisieren. Der Handel mit besonders gutem Feuerstein oder fertigen Beilen reichte teils über hunderte Kilometer, wie Funde weit entfernt von den ursprünglichen Steinbrüchen zeigen.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein häufiger Fehler ist es, Alt- und Jungsteinzeit allein am Alter festzumachen, statt an der Lebensweise. Wichtiger als eine genaue Jahreszahl ist die Frage: Wird Nahrung gesucht oder erzeugt? Ebenso oft verwechselt wird die Höhle als angebliche Standardwohnung – tatsächlich nutzten die Menschen ganz verschiedene, meist bewegliche Unterkünfte.
Für die Klassenarbeit lohnt es sich, Belege zu kennen: Höhlenmalereien wie in Lascaux oder Altamira, geschliffene Steinbeile, Pfahlbauten an Seen oder die Gletschermumie Ötzi zeigen, wie Archäologen überhaupt etwas über die Steinzeit wissen können – schriftliche Quellen gibt es aus dieser Zeit nicht. Wenn eine Aufgabe nach Quellen fragt, sind also immer Funde und keine Texte gemeint.
Achte außerdem auf Formulierungen wie „ca.“ oder „vor rund“ bei Jahreszahlen. Sie sind in der Urgeschichte kein Zeichen von Unwissen, sondern fachlich korrekt: Ein derart langer und schriftloser Zeitraum lässt sich nur über Fundschichten, Werkzeugtypen und naturwissenschaftliche Methoden wie die Radiokarbondatierung grob eingrenzen, nie auf ein exaktes Jahr.
Jetzt bist du dran!
Was unterscheidet die Jungsteinzeit am deutlichsten von der Altsteinzeit?
Noch nicht. Der Kern des Unterschieds ist die Nahrung: vorher suchen, nachher erzeugen. Feuer und Steinwerkzeuge gab es in beiden Abschnitten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Steinzeit ist nach dem Werkstoff Stein benannt; Holz, Knochen und Fell sind nur seltener erhalten.
- Altsteinzeit: Jäger und Sammler ziehen der Nahrung nach. Jungsteinzeit: Bauern erzeugen Nahrung und bleiben.
- Feuer und Sprache waren die Grundlagen: gekochte Nahrung, Wärme, Schutz und gemeinsame Planung.
- Ursache Klimawandel, Verlauf Ackerbau und Viehzucht, Folge Dörfer, Vorräte und neue Berufe.
- Typischer Fehler: „Steinzeitmenschen lebten in Höhlen.“ Sie nutzten Felsdächer und Zelte; dauerhaft tief in Höhlen wohnte kaum jemand.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Die Steinzeit
- Wie lange dauerte die Steinzeit?
- Die Steinzeit begann vor über 2,5 Millionen Jahren mit den ersten Steinwerkzeugen und endete in Mitteleuropa um ca. 2200 v. Chr., als Bronzewerkzeuge den Stein ablösten. Fast die gesamte Zeit war Altsteinzeit; die Jungsteinzeit mit Ackerbau nahm dagegen nur wenige Jahrtausende ein. In anderen Weltregionen endete die Steinzeit zu unterschiedlichen Zeiten.
- Was aßen Menschen in der Steinzeit?
- In der Altsteinzeit ernährten sich Menschen von gejagten Tieren, Fischen sowie gesammelten Beeren, Nüssen, Wurzeln und Pilzen – abhängig davon, was die jeweilige Landschaft bot. In der Jungsteinzeit kamen selbst angebautes Getreide, Hülsenfrüchte sowie Milch und Fleisch von Haustieren wie Schafen, Ziegen und Rindern dazu.
- Wie machten Steinzeitmenschen Feuer?
- Zwei Techniken waren verbreitet: das Schlagen von Feuerstein gegen Schwefelkies, wobei Funken auf leicht entzündlichen Zunder wie Zunderschwamm fielen, und das Feuerbohren, bei dem ein Holzstab schnell in einer Holzkerbe gedreht wurde, bis durch Reibung Glut entstand. Beide Methoden erforderten Übung und wurden über Generationen weitergegeben.
- Lebten Steinzeitmenschen in Höhlen?
- Nur selten und nicht tief im Inneren. Höhlen waren dunkel, kalt und oft feucht; genutzt wurden vor allem Bereiche nahe dem Eingang oder Felsüberhänge als Schutz vor Wind und Regen. Die häufigste Unterkunft war das bewegliche Zelt aus Fellen und Holzstangen, das zur wandernden Lebensweise als Jäger und Sammler passte.
- Was ist der Unterschied zwischen Altsteinzeit und Jungsteinzeit?
- In der Altsteinzeit suchten Menschen ihre Nahrung als Jäger und Sammler in der Natur und zogen dieser hinterher. In der Jungsteinzeit erzeugten sie ihre Nahrung selbst durch Ackerbau und Viehzucht und blieben dafür an einem Ort. Damit verbunden waren feste Häuser, Dörfer, geschliffene Werkzeuge und Tongefäße zur Vorratshaltung.
- Warum wurden Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft?
- Nach dem Ende der letzten Eiszeit wurde das Klima wärmer und feuchter, sodass wilde Getreidearten in großer Menge wuchsen. Menschen begannen, Körner gezielt auszusäen, statt sie nur zu sammeln. Wer Felder bestellte, musste in ihrer Nähe bleiben, Vorräte anlegen und feste Häuser bauen – so entstanden die ersten Dörfer.
- Was ist ein typisches Werkzeug aus der Steinzeit?
- In der Altsteinzeit war der Faustkeil weit verbreitet, ein grob geschlagener Steinkern zum Schneiden und Zerkleinern. In der Jungsteinzeit kam das geschliffene Steinbeil dazu, mit dem sich Bäume fällen und Felder roden ließen. Beide Werkzeuge zeigen anhand ihrer Bearbeitung, aus welcher Epoche sie stammen.
- Woher wissen Historiker überhaupt etwas über die Steinzeit?
- Aus der Steinzeit gibt es keine Schrift, deshalb stützt sich das Wissen auf archäologische Funde: Werkzeuge, Siedlungsreste, Gräber, Höhlenmalereien und Skelette. Naturwissenschaftliche Methoden wie die Radiokarbondatierung helfen, das Alter von Funden zu bestimmen. So lassen sich Lebensweise, Ernährung und Handelswege der damaligen Menschen rekonstruieren, auch ohne geschriebene Berichte.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Zeitrechnung: v. Chr. und n. Chr.in Arbeit
- Was macht Geschichte aus?in Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Das Alte Ägypten
- Die Metallzeitenin Arbeit