Balladen
Eine Ballade sieht aus wie ein Gedicht, erzählt aber eine Geschichte wie eine Kurzgeschichte und enthält Dialoge wie ein Drama. In dieser Lektion lernst du, woran du eine Ballade erkennst, wie ihr Spannungsbogen aufgebaut ist und wie du sie von einem gewöhnlichen Gedicht unterscheidest.
- Fach: Deutsch
- Klasse 7
- Thema: Literatur
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Das Gedicht, das eine Geschichte erzählt
Eine Ballade ist ein Gedicht, das eine Handlung erzählt – meist eine dramatische, die schlecht endet. Sie verbindet damit drei Gattungen: Von der Lyrik nimmt sie die Form in Strophen, Versen und Reimen, von der Epik das Erzählen einer Geschichte mit Figuren, Ort und Verlauf, vom Drama die wörtliche Rede und den gebauten Spannungsbogen. Deshalb nennt man die Ballade oft ein Gedicht mit den Eigenschaften aller drei Gattungen.
Der Aufbau folgt dem einer Erzählung. Am Anfang wird knapp die Lage eingeführt, dann steigt die Spannung über mehrere Strophen, an einer Stelle kippt die Handlung – das ist der Höhepunkt oder Wendepunkt –, und zum Schluss folgt der Ausgang, häufig der Tod einer Figur. Erzählt wird meist im Präteritum und von einem Erzähler, der nicht Teil der Handlung ist. Entscheidend ist die Verdichtung: Was ein Roman auf 300 Seiten entfaltet, steht hier in zehn Strophen.
Berühmte Beispiele sind Goethes „Der Zauberlehrling“ und „Erlkönig“ sowie Fontanes „John Maynard“ und „Die Brück am Tay“. Häufig begegnet dir auch eine Naturgewalt, die bedrohlich wirkt, oder eine übernatürliche Figur. Sprachlich fallen Wiederholungen, Ausrufe, kurze Verse und direkte Reden auf – sie erhöhen das Tempo. Viele Balladen tragen eine Lehre, aber sie wird nicht ausgesprochen, sondern ergibt sich aus dem Ausgang.
Ballade oder Gedicht?
Jede Ballade ist ein Gedicht, aber nicht jedes Gedicht ist eine Ballade. Der Unterschied liegt nicht in der Form – beide haben Strophen und Verse –, sondern in der Frage, ob etwas passiert. Prüfe deshalb: Kannst du den Inhalt als Handlungsfolge nacherzählen, mit einem Vorher und einem Nachher? Dann hast du eine Ballade vor dir.
Ballade
Wenn der Text eine zusammenhängende Handlung mit Figuren erzählt, die auf einen Höhepunkt zuläuft und einen Ausgang hat. Gefühle kommen vor, aber sie sind nicht das Thema, sondern Teil des Geschehens.
Beispiele
- Goethe, „Der Zauberlehrling“: Lehrling beschwört den Besen, verliert die Kontrolle, der Meister greift ein
- Goethe, „Erlkönig“: Vater reitet mit dem kranken Kind durch die Nacht, das Kind stirbt
- Fontane, „John Maynard“: Der Steuermann hält das brennende Schiff auf Kurs und stirbt dabei
Signalwörter
- erzählt eine Handlung mit Anfang, Höhepunkt und Ausgang
- hat Figuren mit Rollen, oft mit Namen
- enthält wörtliche Rede und Dialoge
- erzählt im Präteritum durch einen Erzähler
- endet häufig tragisch, meist mit dem Tod einer Figur
Gedicht ohne Handlung
Wenn der Text eine Stimmung, ein Gefühl oder ein Bild ausdrückt, ohne dass ein Geschehen abläuft. Typisch sind Naturgedichte und Liebesgedichte – es bewegt sich nichts, es wird empfunden.
Beispiele
- Eichendorff, „Mondnacht“: Stimmungsbild einer Nacht, keine Handlung
- Goethe, „Gefunden“: ein einzelner, kurzer Moment
- Ein Herbstgedicht, das nur Farben und Licht beschreibt
Signalwörter
- kein Handlungsverlauf, nichts verändert sich
- ein lyrisches Ich spricht von sich und seinem Empfinden
- keine wörtliche Rede, kein Dialog
- häufig Präsens
- Bilder und Vergleiche statt Ereignisse
Den Spannungsbogen bestimmen
Gliedere die Handlung von Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“ und benenne Höhepunkt und Ausgang.
Gegeben:
- Der Zauberlehrling spricht in Abwesenheit seines Meisters einen Zauberspruch und lässt einen Besen Wasser holen.
Gesucht:
Einleitung, steigende Spannung, Höhepunkt und AusgangLösung:
- Einleitung: Der Meister ist fort, der Lehrling traut sich an dessen Zauber. Die Ausgangslage steckt in wenigen Versen – das ist typisch für die Verdichtung der Ballade.
- Steigende Spannung: Der Besen schleppt Eimer um Eimer, das Wasser steigt. Der Lehrling will ihn stoppen, kennt aber die Gegenformel nicht. Die Wiederholungen im Text bilden das Anschwellen des Wassers sprachlich nach.
- Höhepunkt: Der Lehrling spaltet den Besen mit der Axt – und es entstehen zwei Besen, die doppelt so schnell Wasser holen. Hier kippt die Handlung endgültig, der Versuch der Rettung verschlimmert die Lage.
- Ausgang: Der Meister kehrt zurück und beendet den Zauber mit einem Wort. Die Lehre wird nicht erklärt, sondern gezeigt – wer Kräfte ruft, die er nicht beherrscht, verliert die Kontrolle. Dass wörtliche Rede, Ausrufe und ein Erzähler vorkommen, bestätigt die Gattung.
Die vier Stationen Einleitung – steigende Spannung – Höhepunkt – Ausgang liegen vollständig vor, dazu Figuren, Dialog und Strophenform. Der Text ist damit eindeutig eine Ballade und kein Stimmungsgedicht.
Jetzt bist du dran
Welche drei Gattungsmerkmale vereint eine Ballade?
Noch nicht. Die Strophenform kommt aus der Lyrik, die erzählte Handlung aus der Epik, die wörtliche Rede und der Spannungsbogen aus der Dramatik. Sachtextformen gehören nicht dazu.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Ballade ist ein Gedicht, das eine Handlung erzählt.
- Sie verbindet Lyrik (Strophen, Reim), Epik (Erzähler, Handlung) und Dramatik (Dialog, Spannung).
- Der Aufbau folgt vier Stationen: Einleitung, steigende Spannung, Höhepunkt, Ausgang.
- Das Ende ist meist tragisch, die Lehre wird gezeigt statt ausgesprochen.
- Typischer Fehler: Jedes längere Gedicht mit Strophen wird für eine Ballade gehalten. Prüfe immer, ob du die Handlung nacherzählen kannst – ohne Geschehen keine Ballade.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Das solltest du vorher können
- Märchen und ihre Merkmale
- Gedichte analysierenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Metrum und Reimschemain Arbeit
- Sprachliche Bilder deutenin Arbeit