Reaktionsgleichungen aufstellen und ausgleichen
In dieser Lektion lernst du, chemische Reaktionen als Gleichung aufzuschreiben und richtig auszugleichen. Du übst die drei Schritte in fester Reihenfolge, erfährst, warum die Formeln selbst dabei niemals verändert werden dürfen, und lernst die häufigsten Stolperfallen kennen.
- Fach: Chemie
- Klasse 9
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Warum ausgeglichen werden muss
Bei einer chemischen Reaktion entstehen keine Atome und es verschwinden keine. Die Atome werden nur neu sortiert: Alte Bindungen brechen auf, neue entstehen. Deshalb muss auf beiden Seiten des Reaktionspfeils von jeder Atomsorte gleich viel stehen. Dieses Gesetz von der Erhaltung der Masse ist der ganze Grund, warum man Gleichungen ausgleicht – es geht nicht um Kosmetik, sondern um eine Bilanz, die stimmen muss.
Links vom Pfeil stehen die Ausgangsstoffe, rechts die Produkte. Der Pfeil bedeutet „reagiert zu“ und ist kein Gleichheitszeichen. Zahlen vor einer Formel heißen Koeffizienten und geben an, wie viele Teilchen dieser Sorte beteiligt sind. Zahlen innerhalb einer Formel gehören dagegen zum Stoff selbst und sagen, wie viele Atome ein einzelnes Teilchen enthält. In der Schreibweise mit tiefgestellten Zahlen sieht das so aus: H₂O ist ein Wassermolekül aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom, 2 H₂O sind zwei solche Moleküle.
Genau hier passiert der häufigste Fehler. Wenn ein Sauerstoffatom fehlt, ist die Versuchung groß, aus H₂O einfach H₂O₂ zu machen. Das ist verboten, denn H₂O₂ ist Wasserstoffperoxid – ein völlig anderer Stoff, ätzend statt trinkbar. Beim Ausgleichen darfst du ausschließlich die Koeffizienten vor den Formeln ändern. Die Formeln selbst stehen fest, sie ergeben sich aus dem Stoff und nicht aus deinem Rechenwunsch.
Die drei Schritte
Halte dich immer an dieselbe Reihenfolge. Erstens: die richtigen Formeln der Ausgangsstoffe und Produkte aufschreiben, mit Pfeil dazwischen. Zweitens: für jede Atomsorte links und rechts die Atome zählen. Drittens: mit Koeffizienten vor den Formeln so lange ausgleichen, bis jede Sorte auf beiden Seiten dieselbe Anzahl hat.
Praktisch beginnst du beim Element, das in den wenigsten Formeln vorkommt, und gleichst Sauerstoff und Wasserstoff zuletzt aus. Am Ende zählst du zur Kontrolle noch einmal alles durch. Die Knallgasreaktion sieht ausgeglichen so aus:
- H
- Wasserstoffatom
- O
- Sauerstoffatom
- 2
- Koeffizient vor der Formel: Anzahl der Teilchen
| Schritt | Tätigkeit | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Formeln aufstellen | CH₄ + O₂ → CO₂ + H₂O |
| 2 | Atome zählen | links 1 C, 4 H, 2 O; rechts 1 C, 2 H, 3 O |
| 3 | Mit Koeffizienten ausgleichen | CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O |
Beispiel 1: Verbrennung von Methan
Methan (CH4) verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und Wasser. Stelle die ausgeglichene Reaktionsgleichung auf.
Gegeben:
- Ausgangsstoffe: CH4 und O2
- Produkte: CO2 und H2O
Gesucht:
Die ausgeglichene ReaktionsgleichungLösung:
- Schritt 1 – Formeln aufstellen: CH4 + O2 → CO2 + H2O
- Schritt 2 – Atome zählen: links 1 C, 4 H, 2 O; rechts 1 C, 2 H, 3 O. Wasserstoff und Sauerstoff stimmen nicht.
- Schritt 3 – Wasserstoff ausgleichen: Vor H2O eine 2 setzen, dann sind es rechts 4 H. Neu: CH4 + O2 → CO2 + 2 H2O
- Schritt 3 – Sauerstoff ausgleichen: Rechts stehen jetzt 2 + 2 = 4 O. Vor O2 eine 2 setzen, dann sind es links ebenfalls 4 O.
CH4 + 2 O2 → CO2 + 2 H2O. Kontrolle: links 1 C, 4 H, 4 O – rechts 1 C, 4 H, 4 O.
Koeffizient oder Index?
Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob du eine Gleichung richtig ausgleichst oder aus Versehen einen ganz anderen Stoff hinschreibst. Beide Arten von Zahlen sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, stehen aber an unterschiedlichen Stellen und bedeuten etwas völlig anderes.
Koeffizient
Steht groß vor der gesamten Formel und gibt an, wie viele Teilchen dieser Sorte beteiligt sind. Darf beim Ausgleichen frei verändert werden.
Beispiele
- 2 H2O bedeutet zwei Wassermoleküle
- 3 Cl2 bedeutet drei Chlormoleküle
- vor 1 wird die Zahl meist weggelassen
Signalwörter
- Steht vor der Formel, deutlich abgesetzt
- Gilt für das gesamte Molekül dahinter
- Wird beim Ausgleichen als einzige Zahl geändert
Index
Steht tiefgestellt innerhalb der Formel und gibt an, wie viele Atome dieser Sorte ein einzelnes Teilchen enthält. Darf niemals verändert werden.
Beispiele
- H2O enthält 2 Wasserstoffatome
- CO2 enthält 2 Sauerstoffatome
- H2SO4 enthält 4 Sauerstoffatome
Signalwörter
- Steht klein und tiefgestellt in der Formel
- Gehört fest zum Stoff selbst
- Eine Änderung ergibt einen anderen Stoff
Typische Fehler beim Ausgleichen
Der bereits erwähnte Fehler, Indizes statt Koeffizienten zu verändern, ist der häufigste überhaupt und entsteht meist aus Zeitdruck: Wer schnell fertig sein will, ändert die erstbeste Zahl, ohne zu prüfen, ob es sich um einen Koeffizienten oder einen Index handelt. Nimm dir deshalb bewusst die Zeit, vor jeder Änderung zu prüfen, wo genau die Zahl steht.
Ein zweiter Fehler ist das Ausgleichen in falscher Reihenfolge. Wer zuerst Wasserstoff und Sauerstoff ausgleicht und erst danach die selteneren Elemente betrachtet, verschiebt oft mühsam gefundene Zahlen wieder durcheinander. Bewährt hat sich, mit dem Element zu beginnen, das in den wenigsten Formeln vorkommt, und Wasserstoff sowie Sauerstoff, die meist in mehreren Formeln auftauchen, erst am Ende auszugleichen.
Ein dritter Fehler ist, die Kontrolle am Ende wegzulassen. Gerade bei längeren Gleichungen mit drei oder vier Stoffen schleichen sich beim Ausgleichen leicht Rechenfehler ein. Ein systematisches Durchzählen aller Atomsorten auf beiden Seiten nach dem letzten Schritt deckt solche Fehler zuverlässig auf, bevor die Gleichung als fertig gilt.
Sicherheit im Labor beim Nachvollziehen von Reaktionen
Reaktionsgleichungen sind nicht nur Papierübung, sie sagen auch voraus, welche Stoffe im Experiment entstehen und in welcher Menge. Wer vor einem Versuch die Gleichung aufstellt, erkennt frühzeitig, ob giftige, brennbare oder ätzende Produkte entstehen. Bei der Verbrennung von Methan etwa zeigt die Gleichung CH4 + 2 O2 → CO2 + 2 H2O, dass Kohlenstoffdioxid entsteht, weshalb solche Verbrennungen nur mit ausreichender Belüftung oder im Abzug durchgeführt werden.
Bei Reaktionen mit Chlor, wie 2 Fe + 3 Cl2 → 2 FeCl3, verrät die Gleichung, dass Chlorgas als Ausgangsstoff verbraucht wird. Chlor ist giftig und wird deshalb im Unterricht nur in geschlossenen Apparaturen und kleinen Mengen eingesetzt, oft unter dem Abzug, damit keine Dämpfe in den Raum gelangen.
Auch die Stöchiometrie, also die genauen Mengenverhältnisse aus den Koeffizienten, ist sicherheitsrelevant: Wird zu viel eines Ausgangsstoffs eingesetzt, kann eine Reaktion heftiger oder unkontrollierter ablaufen als geplant. Deshalb werden Chemikalienmengen im Experiment stets nach der berechneten Stoffmenge dosiert, nicht nach Gefühl.
Jetzt bist du dran
Was darfst du beim Ausgleichen einer Reaktionsgleichung verändern?
Noch nicht. Nur die Koeffizienten. Änderst du eine Zahl in der Formel, beschreibst du plötzlich einen anderen Stoff – aus H2O würde etwa H2O2.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Reaktion bleibt jede Atomsorte in ihrer Anzahl erhalten.
- Schritt 1: richtige Formeln aufstellen, Schritt 2: Atome zählen, Schritt 3: mit Koeffizienten ausgleichen.
- Eiserne Regel: Die Formeln selbst werden nie verändert, nur die Koeffizienten davor.
- Ein Koeffizient gilt für die gesamte Formel dahinter, ein Index nur für ein Atom im Molekül.
- Zum Schluss immer beide Seiten noch einmal durchzählen.
- Typischer Fehler: aus Zeitdruck einen Index statt eines Koeffizienten zu verändern.
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Häufige Fragen zu Reaktionsgleichungen aufstellen und ausgleichen
- Wie stellt man eine Reaktionsgleichung richtig auf?
- Zuerst schreibst du die korrekten chemischen Formeln der Ausgangsstoffe links und der Produkte rechts vom Reaktionspfeil auf. Dann zählst du für jede Atomsorte, wie oft sie auf jeder Seite vorkommt. Stimmen die Zahlen nicht überein, gleichst du sie ausschließlich über Koeffizienten vor den Formeln an, bis auf beiden Seiten jede Atomsorte gleich oft vertreten ist.
- Warum darf man die Formel eines Stoffes nicht ändern?
- Die Formel eines Stoffes, etwa H₂O für Wasser, beschreibt genau, aus welchen Atomen und in welchem Verhältnis dieser Stoff aufgebaut ist. Änderst du eine Zahl innerhalb der Formel, etwa zu H₂O₂, beschreibst du plötzlich einen anderen Stoff mit völlig anderen Eigenschaften – Wasserstoffperoxid statt Wasser. Ausgleichen bedeutet, Mengen zu verändern, nicht Stoffe.
- Was ist der Unterschied zwischen Koeffizient und Index?
- Ein Koeffizient steht vor einer Formel und gibt an, wie viele Teilchen dieser Sorte an der Reaktion beteiligt sind, zum Beispiel die 2 in 2 H₂O. Ein Index steht tiefgestellt innerhalb der Formel und gibt an, wie viele Atome ein einzelnes Teilchen enthält, wie die 2 in H₂O für zwei Wasserstoffatome. Nur Koeffizienten dürfen beim Ausgleichen verändert werden.
- Warum müssen Reaktionsgleichungen überhaupt ausgeglichen werden?
- Ausgeglichen werden Gleichungen wegen des Gesetzes von der Erhaltung der Masse: Bei einer chemischen Reaktion entstehen keine neuen Atome und keine gehen verloren, sie werden nur neu zu anderen Stoffen zusammengesetzt. Deshalb muss von jeder Atomsorte auf beiden Seiten der Gleichung exakt dieselbe Anzahl stehen, sonst würde die Gleichung eine physikalisch unmögliche Reaktion beschreiben.
- Gibt es eine feste Reihenfolge beim Ausgleichen?
- Eine bewährte Reihenfolge ist, zuerst die Elemente auszugleichen, die in den wenigsten Formeln vorkommen, und Wasserstoff sowie Sauerstoff, die oft in mehreren Stoffen gleichzeitig auftauchen, erst am Ende zu betreiben. Das verhindert, dass bereits ausgeglichene Zahlen durch spätere Anpassungen wieder durcheinandergeraten. Am Ende sollte immer eine Kontrolle aller Atomsorten stehen.
- Was bedeutet der Reaktionspfeil in einer Gleichung?
- Der Reaktionspfeil bedeutet „reagiert zu“ und zeigt an, in welche Richtung die Ausgangsstoffe umgewandelt werden. Er ist kein Gleichheitszeichen wie in der Mathematik, auch wenn beide Seiten dieselbe Atomanzahl enthalten müssen. Bei manchen Reaktionen wird ein Doppelpfeil verwendet, um anzuzeigen, dass die Reaktion in beide Richtungen abläuft und ein chemisches Gleichgewicht entsteht.
- In welcher Klasse lernt man Reaktionsgleichungen aufstellen?
- In Deutschland wird das Aufstellen und Ausgleichen von Reaktionsgleichungen meist in der neunten Klasse eingeführt, nachdem chemische Formeln und das Periodensystem bekannt sind. Diese Fertigkeit ist grundlegend für nahezu alle weiteren Chemiethemen, von Säure-Base-Reaktionen über Redoxreaktionen bis zur organischen Chemie, und wird in jeder folgenden Klassenstufe wieder gebraucht.
- Wie erkennt man, ob eine Reaktionsgleichung schon ausgeglichen ist?
- Eine Reaktionsgleichung ist ausgeglichen, wenn für jede vorkommende Atomsorte die Gesamtzahl auf der linken Seite genau der Gesamtzahl auf der rechten Seite entspricht. Am zuverlässigsten prüfst du das, indem du systematisch jede Atomsorte einzeln durchzählst, statt nur einen kurzen Blick auf die Gleichung zu werfen, denn Fehler bei einer einzelnen Atomsorte fallen sonst leicht durch.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Das Periodensystem lesen
- Chemische Formeln verstehenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Säuren und Basen
- Oxidation und Reduktionin Arbeit