Klassenspace

Säuren und Basen

In dieser Lektion lernst du, was Säuren und Basen im Teilchenbild unterscheidet. Du erkennst beide sicher an ihren Formeln und Nachweisen, verstehst den pH-Wert und was bei einer Neutralisation wirklich passiert.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 10
  • Thema: Säuren und Basen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
1

Es geht um Protonen

Säuren und Basen erkennt man nicht am Geschmack und schon gar nicht durch Probieren. Der Unterschied steckt im Umgang mit einem einzigen Teilchen: dem Proton, also einem Wasserstoff-Ion H+. Eine Säure gibt Protonen ab, eine Base nimmt Protonen auf. Das ist die Definition nach dem dänischen Chemiker Brønsted, und sie erklärt jeden Versuch, den du im Unterricht dazu machst.

Löst man Chlorwasserstoffgas HCl in Wasser, gibt jedes Molekül sein Proton an ein Wassermolekül ab. Dabei entsteht ein Oxonium-Ion H3O+, kurz auch Wasserstoff-Ion genannt. Genau diese Ionen machen eine Lösung sauer. Gibt man dagegen Natriumhydroxid NaOH in Wasser, lösen sich Natrium-Ionen und Hydroxid-Ionen OH- heraus. Die Hydroxid-Ionen sind die Protonenfänger und machen die Lösung basisch. Beide Lösungen leiten den elektrischen Strom, weil frei bewegliche Ionen darin schwimmen.

Treffen sich beide Lösungen, läuft eine Neutralisation ab: Oxonium-Ionen und Hydroxid-Ionen verbinden sich zu Wasser, die übrigen Ionen bilden ein Salz. Ein typischer Fehler ist die Annahme, neutralisieren bedeute automatisch entschärfen. In Wirklichkeit kann eine Neutralisation sehr heftig und stark wärmend ablaufen, und mit zu viel Lauge wird die Lösung basisch statt neutral. Neutral ist sie nur genau dann, wenn beide Ionensorten in gleicher Stoffmenge vorliegen.

2

Säure oder Base?

Beide Stoffgruppen bilden in Wasser Ionen und leiten Strom – trotzdem sind sie chemisch genau entgegengesetzt. Diese Tabelle hilft dir, in Aufgaben und Versuchen schnell zu entscheiden, welcher Fall vorliegt.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen stark und schwach: Starke Säuren und Basen wie Salzsäure oder Natronlauge reagieren mit Wasser vollständig, schwache wie Essigsäure oder Ammoniak nur teilweise. Deshalb ist Essigsäure in der Küche ungefährlich, konzentrierte Schwefelsäure im Labor dagegen stark ätzend.

Säure

Der Stoff gibt Protonen ab. In der Lösung liegen Oxonium-Ionen H3O+ vor, der pH-Wert liegt unter 7.

Beispiele

  • Salzsäure HCl, im Magensaft
  • Schwefelsäure H2SO4, in der Autobatterie
  • Citronensäure in der Zitrone

Signalwörter

  • Die Formel beginnt mit H
  • Universalindikator färbt sich rot oder orange
  • Blaues Lackmuspapier wird rot
  • Mit unedlen Metallen entsteht Wasserstoff
  • Im Text steht „Protonendonator“

Base

Der Stoff nimmt Protonen auf. In der Lösung liegen Hydroxid-Ionen OH- vor, der pH-Wert liegt über 7.

Beispiele

  • Natronlauge NaOH, im Rohrreiniger
  • Kalkwasser Ca(OH)2, zum Nachweis von Kohlenstoffdioxid
  • Ammoniak NH3, im Glasreiniger

Signalwörter

  • Die Formel endet auf OH
  • Universalindikator färbt sich blau oder violett
  • Rotes Lackmuspapier wird blau
  • Die Lösung fühlt sich seifig an
  • Im Text steht „Protonenakzeptor“ oder „Lauge“
Säure und Base unterscheiden sich in jedem Merkmal genau entgegengesetzt.
3

Der pH-Wert misst die Konzentration

Der pH-Wert gibt an, wie viele Oxonium-Ionen in einer Lösung stecken, und zwar auf einer Skala von 0 bis 14. Je kleiner der Wert, desto saurer die Lösung, je größer, desto basischer. Bei pH 7 liegt der neutrale Punkt, bei dem genauso viele H3O+ wie OH- vorliegen – wie im reinen Wasser.

Die Skala ist logarithmisch: Eine Lösung mit pH 3 enthält zehnmal mehr Oxonium-Ionen als eine mit pH 4, und hundertmal mehr als eine mit pH 5. Das erklärt, warum schon kleine pH-Unterschiede große Wirkung haben. Magensäure mit pH 1,5 ist deshalb tausendfach saurer als Kaffee mit pH 5, nicht nur ein bisschen.

Gemessen wird der pH-Wert mit Indikatorpapier, Universalindikator-Lösung oder elektronisch mit einer pH-Elektrode. Universalindikator zeigt über mehrere Farbstufen den ganzen Bereich an, während einfaches Lackmuspapier nur zwischen sauer und basisch unterscheidet, ohne genauen Zahlenwert.

pH-BereichEigenschaftBeispiel
0–2stark sauerMagensäure, Batteriesäure
3–6schwach sauerCola, Kaffee, Milch
7neutraldestilliertes Wasser
8–11schwach basischBackpulverlösung, Seifenlauge
12–14stark basischNatronlauge, Rohrreiniger
Der pH-Wert und was er über eine Lösung aussagt
Zwischen Magensäure und Natronlauge liegt fast die gesamte pH-Skala – ein gewaltiger Unterschied in der Ionenkonzentration.
4

Beispiel 1: Eine Neutralisation auswerten

Zu Salzsäure wird tropfenweise Natronlauge gegeben, bis der Universalindikator grün bleibt. Welche Stoffe liegen danach vor und wie lautet die Reaktionsgleichung?

Gegeben:

  • Ausgangsstoffe: Salzsäure HCl und Natronlauge NaOH
  • Der Indikator zeigt am Ende neutral an

Gesucht:

Produkte und Reaktionsgleichung

Lösung:

  1. Die Säure liefert Oxonium-Ionen H3O+, die Lauge liefert Hydroxid-Ionen OH-.
  2. Beide verbinden sich zu Wasser – das ist der eigentliche Kern jeder Neutralisation: H3O+ + OH- → 2 H2O.
  3. Die übrigen Ionen, Natrium und Chlorid, bleiben in Lösung und bilden beim Eindampfen Kochsalz.
  4. Gesamtgleichung: HCl + NaOH → NaCl + H2O

Es entstehen Wasser und Natriumchlorid. Die Lösung ist neutral, weil beide Ionensorten in gleicher Stoffmenge reagiert haben.

5

Beispiel 2: pH-Wert einer verdünnten Salzsäure

Eine Salzsäure hat eine Oxonium-Ionen-Konzentration von 0,001 mol/l. Berechne den pH-Wert.

Gegeben:

  • c(H3O+)0,001 mol/l10⁻³ mol/l

Gesucht:

pH-Wert

Lösung:

  1. Formel: pH-log[H3O+]
  2. Einsetzen: pH-log(10⁻³)
  3. Der Logarithmus von 10⁻³ ist -3, also pH = -(-3)
  4. pH3

Die Lösung hat einen pH-Wert von 3 und ist damit deutlich sauer, vergleichbar mit einer verdünnten Essiglösung.

6

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, Säure und Base über den Geschmack oder das Aussehen zu bestimmen. Beide Stoffgruppen können ätzend, farblos und geruchlos sein. Nur der Indikator oder eine Messung mit der pH-Elektrode liefert eine sichere Aussage. Zitronensaft schmeckt sauer, das ist richtig – aber daraus lässt sich in einer Klassenarbeit kein Nachweis ableiten.

Ein zweiter Fehler ist die Verwechslung von pH-Wert und Konzentration. Eine konzentrierte schwache Säure kann einen ähnlichen pH-Wert haben wie eine verdünnte starke Säure. Der pH-Wert misst nur, wie viele Oxonium-Ionen tatsächlich frei vorliegen, nicht wie viel Säure insgesamt eingesetzt wurde. Bei einer schwachen Säure wie Essigsäure reagiert nämlich nur ein kleiner Teil der Moleküle mit Wasser.

Ein dritter Fehler betrifft die Neutralisationsgleichung: Viele schreiben H+ + OH- → H2O und vergessen, dass in wässriger Lösung eigentlich Oxonium-Ionen vorliegen, kein freies H+. Fachlich korrekt lautet die Gleichung H3O+ + OH- → 2 H2O. Beide Schreibweisen werden im Unterricht oft akzeptiert, du solltest aber wissen, welche genauer ist.

7

Sicherheit im Labor

Konzentrierte Säuren und Laugen sind stark ätzend und können Haut, Augen und Kleidung schwer schädigen. Deshalb gilt im Chemieraum eine feste Regel: Immer Schutzbrille tragen, nie mit den Händen an Mund oder Augen fassen und Chemikalien nur mit Pipette oder Messzylinder dosieren. Wird konzentrierte Säure verdünnt, gilt außerdem: erst Wasser, dann Säure dazugeben, niemals umgekehrt. Gießt man Wasser in konzentrierte Säure, kann die freiwerdende Wärme das Wasser schlagartig verdampfen und Säurespritzer herausschleudern.

Kommt Säure oder Lauge auf die Haut, wird die Stelle sofort mehrere Minuten mit viel Wasser gespült, erst danach folgt gegebenenfalls die Meldung an die Lehrkraft. Bei Augenkontakt ist eine Augendusche zu benutzen. Verschüttete Chemikalienreste dürfen niemals einfach abgewischt werden, sondern werden nach Anweisung neutralisiert und fachgerecht entsorgt.

8

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Was kennzeichnet eine Säure nach Brønsted?

Was kennzeichnet eine Säure nach Brønsted?
9

Das Wichtigste in Kürze

  • Säuren geben Protonen ab, Basen nehmen Protonen auf.
  • Oxonium-Ionen H3O+ machen eine Lösung sauer, Hydroxid-Ionen OH- basisch.
  • Der pH-Wert misst die Konzentration der Oxonium-Ionen auf einer logarithmischen Skala von 0 bis 14.
  • Bei der Neutralisation entstehen Wasser und ein Salz: H3O+ + OH- → 2 H2O.
  • Neutralisieren heißt nicht harmlos machen – die Reaktion kann heftig und stark wärmend sein.
  • Im Labor gilt beim Verdünnen: erst Wasser, dann Säure, niemals umgekehrt.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Säuren und Basen

Was ist der Unterschied zwischen einer Säure und einer Base?
Eine Säure gibt in Wasser Protonen ab und bildet dabei Oxonium-Ionen H3O+, wodurch die Lösung sauer wird und einen pH-Wert unter 7 hat. Eine Base nimmt Protonen auf und bildet Hydroxid-Ionen OH-, die Lösung wird basisch mit einem pH-Wert über 7. Beide leiten elektrischen Strom, weil bewegliche Ionen vorhanden sind, reagieren chemisch aber genau entgegengesetzt.
Wie berechnet man den pH-Wert?
Der pH-Wert berechnet sich aus der Formel pH = -log[H3O+], wobei [H3O+] die Konzentration der Oxonium-Ionen in mol/l ist. Bei runden Zehnerpotenzen wie 10⁻³ mol/l lässt sich der pH-Wert direkt am Exponenten ablesen, hier also pH 3. Praktisch wird der pH-Wert meist mit Indikatorpapier, Universalindikator oder einer elektronischen pH-Elektrode gemessen statt gerechnet.
Was passiert bei einer Neutralisation?
Bei einer Neutralisation reagieren die Oxonium-Ionen einer Säure mit den Hydroxid-Ionen einer Base zu Wasser: H3O+ + OH- → 2 H2O. Die übrigen Ionen aus Säure und Base bleiben in Lösung und bilden ein Salz. Sind Säure und Base in genau passender Stoffmenge vorhanden, entsteht eine neutrale Lösung mit pH 7. Die Reaktion kann dabei viel Wärme freisetzen.
Woran erkennt man eine Säure im Experiment?
Eine Säure färbt Universalindikator rot oder orange und macht blaues Lackmuspapier rot. Mit unedlen Metallen wie Zink oder Eisen reagiert sie unter Wasserstoffentwicklung. Der pH-Wert liegt messbar unter 7. Formeln von Säuren beginnen häufig mit H, etwa HCl oder H2SO4, weil dieses Wasserstoffatom als Proton abgegeben wird.
Warum ist konzentrierte Säure gefährlicher als verdünnte?
Konzentrierte Säure enthält viel mehr Oxonium-Ionen pro Liter als verdünnte Säure derselben Sorte und wirkt deshalb deutlich stärker ätzend auf Haut, Augen und Materialien. Zusätzlich setzt das Verdünnen selbst Wärme frei, die bei falscher Reihenfolge zu gefährlichen Spritzern führen kann. Im Labor wird deshalb immer Säure in Wasser gegeben, nie umgekehrt.
Was ist der Unterschied zwischen starken und schwachen Säuren?
Starke Säuren wie Salzsäure reagieren mit Wasser vollständig zu Oxonium-Ionen, schwache Säuren wie Essigsäure nur teilweise – ein Teil der Moleküle bleibt unverändert gelöst. Deshalb kann eine konzentrierte schwache Säure einen ähnlichen pH-Wert haben wie eine verdünnte starke Säure. Die Stärke sagt also nichts über die eingesetzte Menge aus, sondern über den Grad der Reaktion mit Wasser.
Ist der pH-Wert 7 immer neutral?
Bei reinem Wasser bei Raumtemperatur entspricht pH 7 dem neutralen Punkt, weil dort genau gleich viele Oxonium- wie Hydroxid-Ionen vorliegen. Bei anderen Temperaturen verschiebt sich dieser Wert leicht, weil sich Wasser temperaturabhängig unterschiedlich stark selbst in Ionen zerlegt. Im Schulunterricht wird pH 7 aber als feste Grenze zwischen sauer und basisch verwendet.
In welcher Klasse lernt man Säuren und Basen?
Säuren und Basen werden in Deutschland meist ab der neunten oder zehnten Klasse im Chemieunterricht behandelt, aufbauend auf den Grundlagen zu Ionen und chemischen Reaktionen. Der pH-Wert, die Neutralisation und die Titration folgen im selben Themenblock. Wer schon Reaktionsgleichungen ausgleichen kann, findet den Einstieg deutlich leichter.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.