Klassenspace

Der pH-Wert

In dieser Lektion lernst du, was der pH-Wert misst und wie die Skala von 0 bis 14 aufgebaut ist. Du ordnest Lösungen sicher als sauer, neutral oder basisch ein, verstehst, warum eine pH-Stufe den Faktor 10 bedeutet, und lernst, wie man den Wert im Labor misst.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 10
  • Thema: Säuren und Basen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
1

Eine Zahl für die Stärke einer Lösung

Ob eine Lösung sauer oder basisch ist, weiß man nach der letzten Lektion. Offen bleibt die Frage: wie sauer? Genau das beantwortet der pH-Wert. Er ist ein Maß dafür, wie viele Wasserstoff-Ionen in einem Liter Lösung frei herumschwimmen. Viele Wasserstoff-Ionen bedeuten einen kleinen pH-Wert, wenige bedeuten einen großen. Die Skala läuft in der Schule von 0 bis 14, wobei 7 die Mitte ist.

Unter 7 ist eine Lösung sauer, bei genau 7 neutral, über 7 basisch. Reines Wasser liegt bei 7, Magensaft bei etwa 1,5, Citronensaft bei etwa 2,2, Milch bei 6,5, Seifenlösung bei 9 und Rohrreiniger bei 13. Messen kannst du den Wert mit Universalindikator, mit pH-Papier oder genauer mit einem pH-Meter. Der Indikator zeigt die Farbe rot bis orange für saure, grün für neutrale und blau bis violett für basische Lösungen.

Das Wichtigste an der Skala ist ihr Maßstab: Sie ist nicht gleichmäßig, sondern zehnerweise gestuft. Eine Lösung mit pH 3 enthält zehnmal so viele Wasserstoff-Ionen wie eine mit pH 4 und hundertmal so viele wie eine mit pH 5. Hier liegt der häufigste Fehler: Viele denken, pH 2 sei doppelt so sauer wie pH 4. Tatsächlich ist es der Faktor 100. Und weil kleine Zahlen sauer bedeuten, rutscht ein Wert beim Verdünnen nach oben in Richtung 7, nicht nach unten.

2

Sauer oder basisch?

Saure und basische Lösungen liegen auf derselben Skala, nur auf verschiedenen Seiten der 7. Welche Ionensorte überwiegt, kannst du am pH-Wert und an der Indikatorfarbe gleich doppelt ablesen.

Sauer (pH unter 7)

Es liegen mehr Wasserstoff-Ionen als Hydroxid-Ionen vor. Je kleiner der Wert, desto stärker sauer – pH 0 ist das Extrem.

Beispiele

  • Magensaft, pH etwa 1,5
  • Citronensaft, pH etwa 2,2
  • Regenwasser, pH etwa 5,5

Signalwörter

  • Universalindikator wird rot, orange oder gelb
  • Blaues Lackmuspapier wird rot
  • Der Wert liegt zwischen 0 und 7
  • Eine Säure wurde in Wasser gelöst

Basisch (pH über 7)

Es liegen mehr Hydroxid-Ionen als Wasserstoff-Ionen vor. Je größer der Wert, desto stärker basisch – pH 14 ist das Extrem.

Beispiele

  • Seifenlösung, pH etwa 9
  • Waschmittellösung, pH etwa 11
  • Rohrreiniger, pH etwa 13

Signalwörter

  • Universalindikator wird blau oder violett
  • Rotes Lackmuspapier wird blau
  • Der Wert liegt zwischen 7 und 14
  • Eine Lauge oder ein Hydroxid wurde gelöst
StoffpH-WertEinordnung
Magensaftetwa 1,5stark sauer
Citronensaftetwa 2,2stark sauer
Milchetwa 6,5schwach sauer
reines Wasser7,0neutral
Seifenlösungetwa 9schwach basisch
Rohrreinigeretwa 13stark basisch
pH-Werte einiger Alltagsstoffe im Überblick
3

Beispiel 1: Zwei Lösungen vergleichen

Lösung A hat den pH-Wert 2, Lösung B den pH-Wert 5. Welche ist saurer, und um welchen Faktor unterscheidet sich die Konzentration der Wasserstoff-Ionen?

Gegeben:

  • pH von Lösung A: 2
  • pH von Lösung B: 5

Gesucht:

Die saurere Lösung und der Faktor

Lösung:

  1. Kleinerer pH-Wert bedeutet mehr Wasserstoff-Ionen, also ist Lösung A die saurere.
  2. Der Abstand auf der Skala beträgt 5 − 2 = 3 Stufen.
  3. Jede Stufe entspricht dem Faktor 10, also 10 · 10 · 10 = 1000.

Lösung A ist saurer und enthält 1000-mal so viele Wasserstoff-Ionen wie Lösung B.

4

So bestimmst du den pH-Wert im Labor

Im Unterricht wird der pH-Wert meist mit Universalindikator oder pH-Papier bestimmt. Dabei wird ein Streifen Papier oder ein Tropfen Indikatorlösung mit der Probe in Kontakt gebracht. Der im Indikator enthaltene Farbstoff ändert seine Struktur je nach Konzentration der Wasserstoff-Ionen und nimmt dadurch eine andere Farbe an, die anschließend mit einer gedruckten Farbskala verglichen wird.

Diese Methode ist schnell und günstig, aber nicht sehr genau: Man kann meist nur auf eine ganze oder halbe pH-Stufe genau ablesen, und die Einschätzung hängt vom Auge des Betrachters ab. Für genauere Messungen nutzt man ein elektronisches pH-Meter mit einer Glaselektrode. Sie misst eine kleine elektrische Spannung, die von der Konzentration der Wasserstoff-Ionen abhängt, und zeigt den pH-Wert direkt mit einer oder zwei Nachkommastellen an.

Vor jeder genauen Messung muss ein pH-Meter mit Pufferlösungen bekannten pH-Werts kalibriert werden, da sich die Elektrode über Zeit und Gebrauch leicht verschiebt. In der Industrie, etwa bei der Wasseraufbereitung oder in der Lebensmittelproduktion, werden pH-Werte fortlaufend mit solchen kalibrierten Sonden überwacht, weil schon kleine Abweichungen die Produktqualität beeinflussen können.

Universalindikator zeigt den pH-Wert über einen Farbumschlag, ein pH-Meter misst ihn genauer elektronisch.
5

Typische Fehler beim pH-Wert

Der häufigste Fehler ist die falsche Vorstellung, die pH-Skala sei linear. Viele nehmen an, der Unterschied zwischen pH 2 und pH 4 sei genauso groß wie zwischen pH 10 und pH 12. Tatsächlich bedeutet jede einzelne Stufe den Faktor 10 in der Konzentration der Wasserstoff-Ionen, weshalb der Unterschied zwischen benachbarten Werten je nach Ausgangswert riesig sein kann.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, ein hoher pH-Wert bedeute automatisch eine stärkere Wirkung als ein niedriger. Ob eine Lösung gefährlicher ist, hängt vom Abstand zu pH 7 ab, nicht davon, ob man sich im sauren oder basischen Bereich befindet: pH 1 und pH 13 sind beide extrem und ätzend, obwohl der eine Wert klein und der andere groß ist.

Ein dritter Fehler betrifft das Verdünnen: Manche denken, verdünnte Säure werde automatisch basisch, wenn man genug Wasser zugibt. Tatsächlich nähert sich der pH-Wert beim Verdünnen immer nur an 7 an, überschreitet diesen Wert aber nicht – aus einer Säure kann durch reines Verdünnen mit Wasser niemals eine Lauge werden.

6

Alltagsbezug: pH-Werte um dich herum

Deine Haut hat im gesunden Zustand einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5, den sogenannten Säureschutzmantel. Er hemmt das Wachstum vieler Krankheitserreger. Deshalb sind viele Hautpflegeprodukte bewusst auf einen ähnlichen pH-Wert eingestellt, um diesen Schutz nicht zu zerstören – zu basische Seifen können die Haut austrocknen und angreifbarer machen.

Im Aquarium und im Gartenteich ist der pH-Wert des Wassers entscheidend für das Wohlbefinden von Fischen und Pflanzen. Die meisten Süßwasserfische vertragen nur einen engen Bereich um pH 7, größere Abweichungen können tödlich sein. Aquarianer messen den Wert deshalb regelmäßig und können ihn mit speziellen Zusätzen leicht anpassen.

Auch Regen ist von Natur aus leicht sauer, mit einem pH-Wert um 5,6, weil sich Kohlenstoffdioxid aus der Luft im Wasser löst und Kohlensäure bildet. Saurer Regen mit Werten unter 4,5 entsteht zusätzlich durch Schwefel- und Stickoxide aus Industrie und Verkehr und kann Wälder und Gewässer nachhaltig schädigen.

Die pH-Werte alltäglicher Stoffe reichen von stark sauer bis stark basisch, mit reinem Wasser genau in der Mitte.
7

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welchen pH-Wert hat eine neutrale Lösung wie reines Wasser?

8

Das Wichtigste in Kürze

  • Der pH-Wert misst, wie viele Wasserstoff-Ionen in einer Lösung vorliegen.
  • Die Skala reicht von 0 bis 14: unter 7 sauer, genau 7 neutral, über 7 basisch.
  • Kleiner pH-Wert bedeutet viele Wasserstoff-Ionen, also stark sauer.
  • Eine pH-Stufe entspricht dem Faktor 10, zwei Stufen dem Faktor 100.
  • Beim Verdünnen wandert der pH-Wert immer in Richtung 7, überschreitet ihn aber nicht.
  • Genau gemessen wird mit einem kalibrierten pH-Meter, im Unterricht meist mit Indikatorpapier.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Der pH-Wert

Was misst der pH-Wert genau?
Der pH-Wert misst, wie viele Wasserstoff-Ionen (H₃O⁺) sich in einem Liter einer Lösung befinden. Je mehr davon vorhanden sind, desto kleiner ist der pH-Wert und desto saurer die Lösung. Die Skala reicht üblicherweise von 0 bis 14, wobei 7 für eine neutrale Lösung wie reines Wasser steht. Werte darunter gelten als sauer, Werte darüber als basisch.
Warum ist die pH-Skala logarithmisch?
Die Konzentration der Wasserstoff-Ionen kann über viele Zehnerpotenzen variieren, von sehr wenigen bis zu extrem vielen Ionen pro Liter. Eine lineare Skala wäre dafür unpraktisch groß. Deshalb nutzt man den negativen dekadischen Logarithmus der Konzentration, wodurch jede einzelne pH-Stufe genau den Faktor 10 in der Ionenkonzentration bedeutet und die Skala auf den handlichen Bereich von 0 bis 14 passt.
Wie misst man den pH-Wert im Alltag?
Im einfachsten Fall nutzt man pH-Papier oder Universalindikator: Ein Farbstoff verändert seine Farbe je nach Säuregehalt, und man vergleicht sie mit einer gedruckten Skala. Für genauere Werte gibt es elektronische pH-Meter mit einer Glaselektrode, die vor der Messung mit Pufferlösungen kalibriert werden müssen. Aquarianer, Gärtner und Winzer nutzen solche Geräte regelmäßig zur Kontrolle.
Was ist der Unterschied zwischen pH-Wert und Säurestärke?
Der pH-Wert beschreibt, wie viele Wasserstoff-Ionen in einer konkreten Lösung tatsächlich vorliegen, und hängt auch von der Konzentration ab. Die Säurestärke dagegen ist eine Eigenschaft des Säure-Moleküls selbst und beschreibt, wie vollständig es in Wasser Protonen abgibt. Eine schwache Säure kann in hoher Konzentration einen ähnlichen pH-Wert erreichen wie eine starke Säure in niedriger Konzentration.
Warum hat Haut einen sauren pH-Wert?
Gesunde Haut hat einen pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5, den sogenannten Säureschutzmantel. Dieses leicht saure Milieu erschwert vielen Bakterien und Pilzen das Wachstum und schützt so vor Infektionen. Zu basische Seifen oder Reinigungsmittel können diesen Schutzmantel stören, weshalb pH-neutrale oder leicht saure Pflegeprodukte für empfindliche Haut oft empfohlen werden.
Kann eine Säure durch Verdünnen zur Lauge werden?
Nein. Beim Verdünnen einer Säure mit reinem Wasser nähert sich der pH-Wert immer nur der 7 an, überschreitet sie aber nicht. Um aus einer sauren eine basische Lösung zu machen, müsste man tatsächlich eine Base zugeben, zum Beispiel bei einer Neutralisation. Reines Verdünnen verändert nur die Konzentration der vorhandenen Ionen, nicht ihre Art.
Was bedeutet ein pH-Wert von 0 oder 14?
Ein pH-Wert von 0 beschreibt eine extrem stark saure Lösung mit sehr hoher Konzentration an Wasserstoff-Ionen, wie sie etwa in konzentrierter Salzsäure vorkommt. Ein pH-Wert von 14 beschreibt eine extrem stark basische Lösung mit sehr wenigen Wasserstoff-Ionen, wie konzentrierte Natronlauge. Beide Extreme sind stark ätzend und erfordern besondere Vorsicht im Labor.
In welcher Klasse lernt man den pH-Wert?
Der pH-Wert wird in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Rahmen der Säure-Base-Chemie eingeführt, teilweise auch schon früher als grober Überblick. Er baut auf dem Verständnis von Säuren, Laugen und Ionen auf und ist wiederum Grundlage für spätere Themen wie Titration, Puffer und das chemische Gleichgewicht.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes