Die Titration
In dieser Lektion lernst du, wie man mit einer Titration die unbekannte Konzentration einer Säure oder Lauge bestimmt. Du verstehst den Äquivalenzpunkt, wählst den passenden Indikator und berechnest die gesuchte Konzentration aus dem Verbrauch.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Säuren und Basen
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Konzentrationen messen durch Neutralisieren
Bei einer Titration bestimmst du die Konzentration einer Lösung, indem du sie mit einer Lösung bekannter Konzentration reagieren lässt. Typisch ist die Säure-Base-Titration: In einem Becherglas liegt eine abgemessene Menge Salzsäure unbekannter Konzentration, dazu ein paar Tropfen Indikator. Aus einer Bürette tropfst du Natronlauge bekannter Konzentration hinzu, bis der Indikator umschlägt.
Der entscheidende Moment ist der Äquivalenzpunkt. Dort ist genau so viel Lauge zugegeben, wie Säure vorhanden war: Die Stoffmenge der Hydroxid-Ionen entspricht der Stoffmenge der Oxonium-Ionen. Bei einer starken Säure und einer starken Base liegt dann eine neutrale Lösung mit pH 7 vor. Aus dem abgelesenen Volumen an Lauge lässt sich die Stoffmenge und damit die Konzentration der Säure berechnen.
Ein typischer Fehler ist, einfach die Volumina gleichzusetzen. Gleiche Volumina bedeuten nur dann gleiche Stoffmengen, wenn die Konzentrationen gleich sind. Richtig ist, die Stoffmengen gleichzusetzen, also c · V der Säure gleich c · V der Lauge. Außerdem gilt das in dieser einfachen Form nur für einprotonige Säuren wie Salzsäure. Schwefelsäure gibt zwei Protonen ab und braucht doppelt so viel Lauge.
Stoffmenge und Konzentration
Die Konzentration gibt an, wie viel Stoffmenge in einem Liter Lösung steckt. Umgestellt gilt n = c · V.
Am Äquivalenzpunkt ist bei einprotonigen Säuren n(Säure) = n(Lauge). Daraus folgt c(Säure) = c(Lauge) · V(Lauge)/V(Säure). Bei mehrprotonigen Säuren wie Schwefelsäure muss die Anzahl der abgegebenen Protonen zusätzlich berücksichtigt werden.
- c
- Stoffmengenkonzentration in mol/l
- n
- Stoffmenge in mol
- V
- Volumen der Lösung in l
Den passenden Indikator wählen
Nicht jeder Indikator schlägt bei pH 7 um, und genau das musst du bei der Wahl beachten. Jeder Indikator hat einen eigenen Umschlagbereich, also einen pH-Bereich, in dem sich seine Farbe ändert. Reagiert eine starke Säure mit einer starken Base, liegt der Äquivalenzpunkt bei pH 7, und fast jeder Indikator funktioniert. Bei schwachen Säuren oder Basen liegt der Äquivalenzpunkt aber nicht bei pH 7, deshalb muss der Indikator genau dort umschlagen.
Phenolphthalein schlägt erst im leicht basischen Bereich um und eignet sich deshalb gut für die Titration von schwachen Säuren mit starken Laugen. Methylorange schlägt im sauren Bereich um und passt eher zur Titration von schwachen Basen mit starken Säuren. Universalindikator zeigt zwar den ganzen Bereich, der Farbübergang ist aber weicher und schwerer exakt abzulesen als bei einem einstufigen Indikator.
| Indikator | Umschlagbereich | Farbwechsel |
|---|---|---|
| Phenolphthalein | pH 8,2–10,0 | farblos zu pink |
| Methylorange | pH 3,1–4,4 | rot zu gelb |
| Universalindikator | pH 0–14 | rot über grün zu violett |
| Lackmus | pH 4,5–8,3 | rot zu blau |
Beispiel 1: Salzsäure titrieren
20 ml Salzsäure werden mit Natronlauge der Konzentration 0,1 mol/l titriert. Bis zum Umschlag werden 15 ml Lauge verbraucht. Berechne die Konzentration der Salzsäure.
Gegeben:
- V(HCl)0,020 l
- c(NaOH)0,1 mol/l
- V(NaOH)0,015 l
Gesucht:
Konzentration c(HCl)Lösung:
- Stoffmenge Lauge: n = c · V = 0,1 mol/l · 0,015 l = 0,0015 mol
- Am Äquivalenzpunkt gilt n(HCl) = n(NaOH) = 0,0015 mol
- Konzentration der Säure: c = n/V = 0,0015 mol/0,020 l
- c(HCl)0,075 mol/l
Die Salzsäure hat eine Konzentration von 0,075 mol/l.
Beispiel 2: Schwefelsäure mit zwei Protonen
10 ml Schwefelsäure unbekannter Konzentration werden mit Natronlauge der Konzentration 0,2 mol/l titriert. Bis zum Äquivalenzpunkt werden 25 ml Lauge verbraucht. Berechne die Konzentration der Schwefelsäure. Beachte: H2SO4 + 2 NaOH → Na2SO4 + 2 H2O.
Gegeben:
- V(H2SO4)0,010 l
- c(NaOH)0,2 mol/l
- V(NaOH)0,025 l
- Gleichung: H2SO4 + 2 NaOH → Na2SO4 + 2 H2O
Gesucht:
Konzentration c(H2SO4)Lösung:
- Stoffmenge Lauge: n(NaOH) = c · V = 0,2 mol/l · 0,025 l = 0,005 mol
- Laut Gleichung reagiert 1 mol Schwefelsäure mit 2 mol Lauge, also n(H2SO4) = n(NaOH) : 2 = 0,0025 mol
- Konzentration: c(H2SO4)nV0,0025 mol0,010 l
- c(H2SO4)0,25 mol/l
Die Schwefelsäure hat eine Konzentration von 0,25 mol/l. Ohne den Faktor 2 aus der Gleichung würde die Konzentration doppelt so hoch berechnet, das ist der typische Fehler bei mehrprotonigen Säuren.
Typische Fehler
Der größte Fehler wurde bereits im Beispiel gezeigt: bei mehrprotonigen Säuren wie Schwefelsäure oder mehrwertigen Basen wie Calciumhydroxid die Stoffmengen ohne den Koeffizienten aus der Reaktionsgleichung gleichzusetzen. Wer n(Säure) = n(Lauge) blind anwendet, ohne die Gleichung zu prüfen, bekommt bei Schwefelsäure das doppelte Ergebnis.
Ein zweiter Fehler ist das zu späte Stoppen beim Titrieren. Wird über den Äquivalenzpunkt hinaus getropft, ist zu viel Lauge im Becherglas, und die berechnete Konzentration der Säure fällt zu hoch aus. Deshalb wird in der Praxis kurz vor dem erwarteten Umschlag langsamer getropft, um den genauen Punkt zu treffen.
Ein dritter Fehler ist, Volumina in Millilitern in die Formel einzusetzen, ohne sie in Liter umzurechnen. Die Konzentration in mol/l verlangt das Volumen in Litern; 15 ml müssen also als 0,015 l eingesetzt werden. Wer das vergisst, verrechnet sich um den Faktor 1000.
Sicherheit im Labor bei der Titration
Bei der Titration wird häufig mit verdünnter Salzsäure und Natronlauge gearbeitet, die trotzdem ätzend wirken können. Eine Schutzbrille ist Pflicht, weil bei zu schnellem Zutropfen Spritzer entstehen können. Die Bürette wird von oben befüllt und der Hahn erst am Ende langsam geöffnet, damit die Lauge kontrolliert und nicht schwallartig herausläuft.
Nach der Titration werden die Reste nicht einfach im Ausguss entsorgt, sondern je nach Konzentration neutralisiert oder in den dafür vorgesehenen Sammelbehälter gegeben. Auch bereits neutralisierte Lösungen können noch relevante Salzfrachten enthalten, die in geregelten Mengen entsorgt werden müssen.
Jetzt bist du dran
Was gilt am Äquivalenzpunkt einer Titration von Salzsäure mit Natronlauge?
Noch nicht. Am Äquivalenzpunkt haben gleich viele Oxonium- und Hydroxid-Ionen reagiert. Gleich sind also die Stoffmengen, nicht die Volumina.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Titration bestimmst du eine unbekannte Konzentration mit einer Maßlösung bekannter Konzentration.
- Der Indikatorumschlag zeigt den Äquivalenzpunkt an – wähle den Indikator passend zum erwarteten pH-Wert.
- Am Äquivalenzpunkt sind die Stoffmengen gleich, nicht die Volumina.
- Es gilt c = n/V und damit n = c · V.
- Mehrprotonige Säuren wie Schwefelsäure brauchen entsprechend mehr Lauge, der Koeffizient aus der Gleichung zählt mit.
- Volumina immer in Liter umrechnen, bevor du mit der Konzentration in mol/l rechnest.
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Häufige Fragen zu Die Titration
- Was ist eine Titration einfach erklärt?
- Bei einer Titration lässt man eine Lösung bekannter Konzentration, die Maßlösung, tropfenweise mit einer Lösung unbekannter Konzentration reagieren, bis ein Indikator den vollständigen Umsatz anzeigt. Aus dem Verbrauch der Maßlösung berechnet man dann die gesuchte Konzentration. Am häufigsten wird die Säure-Base-Titration im Chemieunterricht behandelt, bei der eine Säure mit einer Lauge neutralisiert wird.
- Was ist der Äquivalenzpunkt bei einer Titration?
- Der Äquivalenzpunkt ist der Zeitpunkt, an dem die zugegebene Stoffmenge der Maßlösung genau der Stoffmenge des gesuchten Stoffes entspricht, unter Berücksichtigung der Reaktionsgleichung. Bei einer einfachen Säure-Base-Titration mit einprotoniger Säure und einwertiger Base sind dort die Stoffmengen beider Reaktionspartner gleich groß. Der Indikator zeigt diesen Punkt durch einen Farbumschlag an.
- Wie berechnet man die Konzentration bei einer Titration?
- Zuerst berechnest du die Stoffmenge der zugegebenen Maßlösung mit n = c · V. Am Äquivalenzpunkt entspricht diese Stoffmenge, gegebenenfalls mit dem Koeffizienten aus der Reaktionsgleichung multipliziert, der Stoffmenge der gesuchten Lösung. Danach berechnest du deren Konzentration mit c = n/V, wobei V das Volumen der ursprünglichen Probe ist.
- Warum braucht Schwefelsäure doppelt so viel Lauge wie Salzsäure?
- Schwefelsäure H2SO4 ist eine zweiprotonige Säure und gibt pro Molekül zwei Protonen ab, Salzsäure HCl nur eines. Für dieselbe Stoffmenge Säure wird deshalb die doppelte Stoffmenge Natronlauge benötigt, um alle Protonen zu neutralisieren. Wird dieser Faktor bei der Berechnung vergessen, kommt eine doppelt so hohe Konzentration heraus wie tatsächlich vorhanden.
- Welcher Indikator wird bei einer Titration verwendet?
- Die Wahl hängt vom erwarteten pH-Wert am Äquivalenzpunkt ab. Bei starken Säuren und starken Basen liegt er bei pH 7, hier funktionieren die meisten Indikatoren. Phenolphthalein eignet sich für schwache Säuren mit starken Laugen, weil es im leicht basischen Bereich umschlägt. Methylorange passt eher zu schwachen Basen mit starken Säuren, da es im sauren Bereich umschlägt.
- Was ist der Unterschied zwischen Titration und Neutralisation?
- Die Neutralisation ist die chemische Reaktion selbst, bei der Säure und Base zu Wasser und einem Salz reagieren. Die Titration ist die Messmethode, bei der eine Neutralisation gezielt und tropfenweise durchgeführt wird, um daraus eine unbekannte Konzentration zu berechnen. Jede Titration nutzt also eine Neutralisation, aber nicht jede Neutralisation ist automatisch eine Titration.
- In welcher Klasse lernt man die Titration?
- Die Titration wird in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Chemieunterricht behandelt, nachdem Stoffmenge, Mol und die Grundlagen zu Säuren und Basen bekannt sind. Sie gilt als anspruchsvolleres Thema, weil mehrere Formeln kombiniert werden müssen. In der gymnasialen Oberstufe wird sie oft noch vertieft, etwa mit Titrationskurven.
- Wofür wird eine Titration außerhalb der Schule genutzt?
- Titrationen werden in Laboren, in der Lebensmittelindustrie und in der Wasseranalyse eingesetzt, etwa um den Säuregehalt von Wein, den Vitamin-C-Gehalt von Fruchtsaft oder die Wasserhärte zu bestimmen. Auch in der Medizin und Pharmazie wird das Prinzip genutzt, um die genaue Konzentration von Wirkstofflösungen zu überprüfen, bevor sie weiterverarbeitet werden.
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