Stoffmenge und Mol
In dieser Lektion lernst du, was die Stoffmenge und die Einheit Mol bedeuten. Du rechnest mit der molaren Masse zwischen Masse und Stoffmenge um und verstehst, warum Chemiker Teilchen lieber in Päckchen zählen.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Teilchen zählen im Päckchen
Reaktionsgleichungen sprechen von Teilchen: 2 H2 + O2 → 2 H2O heißt, dass zwei Wasserstoffmoleküle mit einem Sauerstoffmolekül reagieren. Im Labor kannst du aber keine einzelnen Moleküle abzählen, sondern nur Stoffe abwiegen. Die Stoffmenge n verbindet beide Welten. Ihre Einheit ist das Mol, und ein Mol ist ein festes Päckchen aus etwa 6,022 · 10²³ Teilchen – ähnlich wie ein Dutzend immer zwölf Stück sind, egal ob es sich um Eier oder Autos handelt.
Wie viel ein Mol wiegt, hängt vom Stoff ab. Diese Masse pro Mol heißt molare Masse M und wird in g/mol angegeben. Du liest sie im Periodensystem ab: Die Atommasse in u entspricht zahlenmäßig der molaren Masse in g/mol. Kohlenstoff hat 12 u, ein Mol Kohlenstoff wiegt also 12 g. Für Moleküle addierst du die Werte aller Atome: Wasser hat 2 · 1 + 16 = 18 g/mol.
Ein typischer Fehler ist, die Koeffizienten einer Reaktionsgleichung als Massenverhältnis zu lesen. 2 H2 + O2 bedeutet nicht 2 g Wasserstoff und 1 g Sauerstoff, sondern 2 mol und 1 mol. Umgerechnet sind das 4 g Wasserstoff und 32 g Sauerstoff. Rechne deshalb immer erst Massen in Stoffmengen um, bevor du die Gleichung benutzt.
Masse, Stoffmenge und molare Masse
Die Stoffmenge erhältst du, wenn du die Masse einer Portion durch die molare Masse des Stoffes teilst. Umgestellt gilt m = n · M, und nach der molaren Masse umgestellt M = m/n.
Achte auf die Einheiten: Masse in g, molare Masse in g/mol, dann kommt die Stoffmenge in mol heraus. Wie beim Formeldreieck der Dichte hilft dir auch hier ein Dreieck mit m oben, n und M unten, um dir das Umstellen zu merken.
- n
- Stoffmenge in mol
- m
- Masse in g
- M
- molare Masse in g/mol
Molare Massen im Vergleich
Die molare Masse eines Elements liest du direkt aus dem Periodensystem ab, gerundet auf die Atommasse in u. Für Verbindungen addierst du die molaren Massen aller beteiligten Atome entsprechend ihrer Anzahl in der Formel. Bei Kohlenstoffdioxid CO2 sind das ein Kohlenstoffatom mit 12 g/mol und zwei Sauerstoffatome mit je 16 g/mol, zusammen 12 + 32 = 44 g/mol.
Je größer und schwerer ein Molekül aufgebaut ist, desto größer wird seine molare Masse. Traubenzucker, chemisch Glucose C6H12O6, besteht aus 24 Atomen und kommt so auf 180 g/mol – fast das Zehnfache von Wasser. Diese Werte sind wichtig für jede Umrechnung zwischen Masse und Stoffmenge in Rezepten der Chemie, zum Beispiel beim genauen Ansetzen einer Lösung.
| Stoff | Formel | Molare Masse |
|---|---|---|
| Wasserstoff | H2 | 2 g/mol |
| Kohlenstoff | C | 12 g/mol |
| Wasser | H2O | 18 g/mol |
| Kohlenstoffdioxid | CO2 | 44 g/mol |
| Natriumchlorid | NaCl | 58,5 g/mol |
Beispiel 1: Wie viel Mol sind 90 g Wasser?
Berechne die Stoffmenge von 90 g Wasser und gib an, wie viele Moleküle das ungefähr sind.
Gegeben:
- m90 g
- M(H2O)21 g/mol16 g/mol18 g/mol
Gesucht:
Stoffmenge n und TeilchenzahlLösung:
- Formel aufschreiben: nmM
- Einsetzen: n90 g18 g/mol
- Ausrechnen: n5 mol
- Teilchenzahl: 5 · 6,022 · 10²³ ≈ 3,0 · 10²⁴ Moleküle
90 g Wasser entsprechen 5 mol, also etwa 3,0 · 10²⁴ Wassermolekülen.
Beispiel 2: Stoffmengen in einer Reaktionsgleichung nutzen
Wie viel Gramm Sauerstoff werden benötigt, um vollständig mit 4 g Wasserstoff nach 2 H2 + O2 → 2 H2O zu reagieren?
Gegeben:
- m(H2)4 g
- M(H2)2 gmol, M(O2)32 g/mol
- Gleichung: 2 H2 + O2 → 2 H2O
Gesucht:
Masse an benötigtem SauerstoffLösung:
- Stoffmenge Wasserstoff berechnen: n(H2) = m/M = 4 g/2 g/mol = 2 mol
- Aus der Gleichung ablesen: 2 mol H2 reagieren mit 1 mol O2, also n(O2) = 1 mol
- Masse berechnen: m(O2) = n · M = 1 mol · 32 g/mol
- m(O2)32 g
Es werden 32 g Sauerstoff benötigt. Die Koeffizienten 2 und 1 aus der Gleichung geben das Stoffmengenverhältnis vor, nicht das Massenverhältnis.
Typische Fehler
Der wichtigste Fehler wurde schon angesprochen: Koeffizienten in Reaktionsgleichungen als Gramm statt als Mol zu lesen. Wer 2 H2 + O2 → 2 H2O direkt als 2 g plus 1 g gleich 2 g Wasser liest, bekommt ein völlig falsches Bild – tatsächlich müssen erst alle Massen über die molare Masse in Stoffmengen umgerechnet werden, bevor die Gleichung angewendet wird.
Ein zweiter Fehler ist, beim Addieren der molaren Masse einer Verbindung die Anzahl der Atome zu übersehen. Bei H2O2, dem Wasserstoffperoxid, muss zweimal Wasserstoff und zweimal Sauerstoff gezählt werden: 2 · 1 + 2 · 16 = 34 g/mol, nicht 1 + 1 + 16 = 18 g/mol wie bei Wasser. Ein genauer Blick auf die tiefgestellten Indizes in der Formel ist deshalb Pflicht.
Ein dritter Fehler ist die Verwechslung von Stoffmenge und Teilchenzahl. Die Stoffmenge wird in Mol angegeben, die Teilchenzahl ist eine reine Zahl ohne Einheit. Erst die Multiplikation mit der Avogadro-Konstante 6,022 · 10²³ pro Mol wandelt die Stoffmenge in eine tatsächliche Teilchenzahl um.
Alltagsbezug: Wo Chemiker in Mol rechnen
In der Küche wird nach Gewicht oder Volumen abgemessen, im Chemielabor dagegen fast immer nach Stoffmenge, weil Reaktionen auf Teilchenebene ablaufen. Ein Apotheker, der eine Kochsalzlösung mit einer bestimmten Konzentration in mol pro Liter ansetzt, muss zuerst die passende Masse an Salz über die molare Masse berechnen, bevor er sie abwiegt.
Auch beim Backen mit Backpulver steckt Stoffmengendenken dahinter, auch wenn niemand am Küchentisch mol ausrechnet: Natriumhydrogencarbonat zersetzt sich beim Erhitzen und setzt Kohlenstoffdioxid frei, das den Teig auflockert. Wie viel Gas entsteht, hängt direkt von der eingesetzten Stoffmenge Backpulver ab, nicht nur von der Masse allein, weil unterschiedliche Backtriebmittel unterschiedliche molare Massen haben.
In der Industrie ist die Stoffmengenrechnung sogar entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg: Bei der Herstellung von Ammoniak im großtechnischen Haber-Bosch-Verfahren wird genau berechnet, wie viel Stickstoff und Wasserstoff im richtigen Stoffmengenverhältnis eingesetzt werden müssen, damit möglichst wenig Ausgangsstoff ungenutzt bleibt.
Jetzt bist du dran
Berechne die molare Masse von CO2 (C: 12 g/mol, O: 16 g/mol).
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mol ist ein Päckchen aus etwa 6,022 · 10²³ Teilchen.
- Die molare Masse M liest du im Periodensystem ab und addierst sie für Moleküle.
- Es gilt n = m/M und umgestellt m = n · M.
- Koeffizienten in Gleichungen sind Stoffmengen, keine Massen – der häufigste Fehler.
- Rechne Massen immer zuerst in Mol um, bevor du die Reaktionsgleichung nutzt.
- In Industrie und Labor wird nach Stoffmenge gerechnet, weil Reaktionen auf Teilchenebene ablaufen.
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Häufige Fragen zu Stoffmenge und Mol
- Was ist ein Mol einfach erklärt?
- Ein Mol ist eine feste Anzahl von Teilchen, nämlich etwa 6,022 · 10²³, ähnlich wie ein Dutzend immer zwölf Stück meint. Die Einheit Mol misst die Stoffmenge und erlaubt es, Teilchen indirekt über die Masse zu zählen, weil man einzelne Atome oder Moleküle nicht abzählen kann. Ein Mol eines Stoffes wiegt je nach Stoff unterschiedlich viel.
- Wie berechnet man die Stoffmenge aus der Masse?
- Die Stoffmenge berechnest du mit der Formel n = m/M, also Masse geteilt durch molare Masse. Die Masse liest du von der Waage ab, die molare Masse berechnest du aus den Atommassen im Periodensystem für alle Atome der Formel zusammen. Bei Wasser mit M = 18 g/mol ergeben 90 g Wasser also n = 90/18 = 5 mol.
- Was ist der Unterschied zwischen Stoffmenge und Masse?
- Die Masse gibt an, wie schwer eine Portion eines Stoffes ist, gemessen in Gramm oder Kilogramm. Die Stoffmenge gibt an, wie viele Teilchen-Päckchen, also wie viele Mol, in dieser Portion stecken. Beide Größen hängen über die molare Masse zusammen: unterschiedliche Stoffe mit derselben Stoffmenge haben meist unterschiedliche Massen, weil ihre Teilchen unterschiedlich schwer sind.
- Wie berechnet man die molare Masse einer Verbindung?
- Für eine Verbindung addierst du die molaren Massen aller enthaltenen Atome entsprechend ihrer Anzahl in der Formel. Bei CO2 zählst du ein Kohlenstoffatom mit 12 g/mol und zwei Sauerstoffatome mit je 16 g/mol, zusammen also 12 + 32 = 44 g/mol. Die Atommassen der einzelnen Elemente liest du dafür im Periodensystem ab.
- Warum bedeuten Koeffizienten in Reaktionsgleichungen nicht Gramm?
- Reaktionsgleichungen beschreiben, wie viele Teilchen miteinander reagieren, also Stoffmengenverhältnisse. Die Koeffizienten geben deshalb an, wie viele Mol eines Stoffes benötigt werden, nicht wie viele Gramm. Weil verschiedene Stoffe unterschiedliche molare Massen haben, entsprechen gleiche Koeffizienten fast nie gleichen Massen – erst m = n · M liefert die tatsächliche Masse.
- Was ist die Avogadro-Konstante?
- Die Avogadro-Konstante gibt an, wie viele Teilchen in einem Mol stecken, nämlich etwa 6,022 · 10²³ pro Mol. Sie verbindet die Stoffmenge mit der tatsächlichen Teilchenzahl: Multiplizierst du die Stoffmenge in Mol mit dieser Konstante, erhältst du die Anzahl der Atome, Moleküle oder Ionen. Sie ist für jeden Stoff gleich groß.
- In welcher Klasse lernt man Stoffmenge und Mol?
- Stoffmenge und Mol werden in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Chemieunterricht eingeführt, oft im Zusammenhang mit Reaktionsgleichungen und der Stöchiometrie. Sie bauen auf dem Umgang mit dem Periodensystem und den Atommassen auf und sind selbst wieder Grundlage für spätere Themen wie die Titration und Konzentrationsberechnungen.
- Wie hängen Mol und Liter bei Gasen zusammen?
- Bei gleicher Temperatur und gleichem Druck nimmt ein Mol eines beliebigen Gases immer dasselbe Volumen ein, unabhängig davon, um welches Gas es sich handelt. Bei Normalbedingungen sind das etwa 22,4 Liter pro Mol. Das erklärt, warum sich bei Gasreaktionen Volumenverhältnisse direkt aus den Stoffmengenverhältnissen der Reaktionsgleichung ablesen lassen.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Die Titration
- Stöchiometrisches Rechnenin Arbeit