Blütenpflanzen und Bestäubung
Eine Blüte ist kein Schmuck, sondern ein Fortpflanzungsorgan. In dieser Lektion lernst du die Bauteile einer Blüte kennen, verstehst den Weg von der Bestäubung bis zum Samen und unterscheidest Windblüten von Insektenblüten.
- Fach: Biologie
- Klasse 6
- Thema: Pflanzen
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Wozu eine Pflanze Blüten bildet
Eine Blüte ist das Organ, mit dem sich eine Pflanze geschlechtlich fortpflanzt. Von außen nach innen findest du meist vier Kreise: die grünen Kelchblätter, die oft farbigen Kronblätter, dann die Staubblätter und in der Mitte den Fruchtknoten mit Griffel und Narbe. Die Staubblätter sind die männlichen Teile, sie bilden in den Staubbeuteln den Pollen. Der weibliche Teil ist der Stempel, also Fruchtknoten, Griffel und Narbe zusammen.
Damit aus einer Blüte ein Samen wird, braucht es zwei Schritte, die man leicht verwechselt. Der erste ist die Bestäubung: Pollen gelangt von einem Staubbeutel auf eine Narbe. Das ist reiner Transport, innen passiert dabei noch nichts. Der zweite Schritt ist die Befruchtung: Aus dem Pollenkorn wächst ein dünner Schlauch durch den Griffel bis in den Fruchtknoten, und dort verschmilzt eine männliche Zelle mit der Eizelle.
Erst danach verändert sich die Blüte. Aus der befruchteten Eizelle entsteht der Samen, aus dem Fruchtknoten wird die Frucht, und die Kronblätter werden nicht mehr gebraucht und fallen ab. Die Frucht hat eine eigene Aufgabe: Sie hilft dem Samen, von der Mutterpflanze wegzukommen. Ein Apfel wird gefressen, eine Löwenzahnfrucht fliegt, eine Klette hängt sich ins Fell. Würden alle Samen direkt unter der Pflanze keimen, nähmen sich die Jungpflanzen gegenseitig Licht und Wasser.
Wind- oder Insektenbestäubung?
Pollen muss von einer Blüte zur nächsten. Dafür haben Pflanzen zwei Hauptwege, und man erkennt den Weg schon am Aussehen der Blüte. Wer Insekten als Boten nutzt, muss sie anlocken und bezahlen: mit Farbe, Duft und Nektar. Das kostet Stoffe, dafür wird der Pollen recht zielgenau von Blüte zu Blüte getragen, und die Pflanze braucht davon wenig.
Wer auf den Wind setzt, muss nichts anlocken, aber alles verstreuen. Windblüten sind daher unauffällig, hängen oft frei im Luftzug und erzeugen riesige Pollenmengen, weil der größte Teil irgendwo landet, nur nicht auf einer Narbe. Genau dieser Pollen löst beim Menschen Heuschnupfen aus. Deshalb reagieren Allergiker auf Hasel, Birke und Gräser und nicht auf Rosen.
Windblüte
Der Wind transportiert den Pollen. Die Pflanze investiert nichts in Anlockung, dafür in große Pollenmengen.
Beispiele
- Hasel – hängende Kätzchen, die bei Wind stäuben
- Gräser – Staubbeutel und Narben stehen frei im Wind
- Birke – blüht, bevor die Blätter den Wind bremsen
Signalwörter
- unscheinbar, grünlich, ohne Duft
- kein Nektar
- sehr viel leichter, trockener Pollen
- große, federige Narben und frei hängende Staubbeutel
Insektenblüte
Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge übertragen den Pollen. Die Blüte muss auffallen und belohnen.
Beispiele
- Apfelblüte – weiße Kronblätter, Nektar im Blütengrund
- Taubnessel – Landeplatz für Hummeln
- Salbei – Duft und Saftmale als Wegweiser
Signalwörter
- große, auffällig gefärbte Kronblätter
- Duft und Nektar als Belohnung
- wenig, aber klebriger oder rauer Pollen
- Saftmale als Wegweiser zum Nektar
Eine unbekannte Blüte einordnen
Du findest im März einen Strauch mit langen, gelblichen, herabhängenden Blütenständen. Kronblätter fehlen, einen Duft nimmst du nicht wahr. Wenn du den Zweig schüttelst, staubt es. Wie wird diese Pflanze bestäubt?
Gegeben:
- keine auffälligen Kronblätter, kein Duft
- hängende Blütenstände, die bei Bewegung stäuben
- Blüte im März, noch ohne Laubblätter am Strauch
Gesucht:
Wind- oder Insektenbestäubung?Lösung:
- Ohne Kronblätter, Duft und Nektar fehlt jede Anlockung – Insekten hätten keinen Grund, die Blüte zu besuchen.
- Dass es beim Schütteln staubt, zeigt sehr viel trockenen, leichten Pollen. Klebriger Insektenpollen würde am Staubbeutel haften.
- Die hängende Lage setzt die Blüte dem Luftzug aus.
- Die frühe Blüte ohne Laub ist ein weiterer Hinweis: Blätter würden den Wind bremsen, und im März fliegen noch kaum Insekten.
Die Pflanze ist windbestäubt, es handelt sich um Haselkätzchen. Alle vier Beobachtungen passen zur Windbestäubung.
Jetzt bist du dran!
Was genau bezeichnet man als Bestäubung?
Noch nicht. Bestäubung ist nur der Transport des Pollens auf die Narbe. Das Verschmelzen der Zellen im Fruchtknoten heißt Befruchtung und folgt erst danach.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Blüte dient der Fortpflanzung: Staubblätter sind männlich, der Stempel ist weiblich.
- Bestäubung ist der Transport des Pollens zur Narbe, Befruchtung das Verschmelzen der Zellen im Fruchtknoten.
- Aus der Eizelle entsteht der Samen, aus dem Fruchtknoten die Frucht.
- Insektenblüten locken mit Farbe, Duft und Nektar, Windblüten sind unscheinbar und bilden viel Pollen.
- Typischer Fehler: Bestäubung und Befruchtung gleichsetzen. Ohne Bestäubung gibt es keine Befruchtung, aber Bestäubung allein erzeugt noch keinen Samen.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Das solltest du vorher können
- Die Fotosynthese
- Bau einer Blütenpflanzein Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Früchte und Samenverbreitungin Arbeit
- Keimung und Wachstumin Arbeit