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Blütenpflanzen und Bestäubung

Eine Blüte ist kein Schmuck, sondern ein Fortpflanzungsorgan. In dieser Lektion lernst du die Bauteile einer Blüte kennen, verstehst den Weg von der Bestäubung bis zum Samen, unterscheidest Windblüten von Insektenblüten und erfährst, warum Heuschnupfen ausgerechnet von unscheinbaren Blüten kommt.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 6
  • Thema: Pflanzen
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Wozu eine Pflanze Blüten bildet

Eine Blüte ist das Organ, mit dem sich eine Pflanze geschlechtlich fortpflanzt. Von außen nach innen findest du meist vier Kreise: die grünen Kelchblätter, die oft farbigen Kronblätter, dann die Staubblätter und in der Mitte den Fruchtknoten mit Griffel und Narbe. Die Staubblätter sind die männlichen Teile, sie bilden in den Staubbeuteln den Pollen. Der weibliche Teil ist der Stempel, also Fruchtknoten, Griffel und Narbe zusammen.

Damit aus einer Blüte ein Samen wird, braucht es zwei Schritte, die man leicht verwechselt. Der erste ist die Bestäubung: Pollen gelangt von einem Staubbeutel auf eine Narbe. Das ist reiner Transport, innen passiert dabei noch nichts. Der zweite Schritt ist die Befruchtung: Aus dem Pollenkorn wächst ein dünner Schlauch durch den Griffel bis in den Fruchtknoten, und dort verschmilzt eine männliche Zelle mit der Eizelle.

Erst danach verändert sich die Blüte. Aus der befruchteten Eizelle entsteht der Samen, aus dem Fruchtknoten wird die Frucht, und die Kronblätter werden nicht mehr gebraucht und fallen ab. Die Frucht hat eine eigene Aufgabe: Sie hilft dem Samen, von der Mutterpflanze wegzukommen. Ein Apfel wird gefressen, eine Löwenzahnfrucht fliegt, eine Klette hängt sich ins Fell. Würden alle Samen direkt unter der Pflanze keimen, nähmen sich die Jungpflanzen gegenseitig Licht und Wasser.

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Wind- oder Insektenbestäubung?

Pollen muss von einer Blüte zur nächsten. Dafür haben Pflanzen zwei Hauptwege, und man erkennt den Weg schon am Aussehen der Blüte. Wer Insekten als Boten nutzt, muss sie anlocken und bezahlen: mit Farbe, Duft und Nektar. Das kostet Stoffe, dafür wird der Pollen recht zielgenau von Blüte zu Blüte getragen, und die Pflanze braucht davon wenig.

Wer auf den Wind setzt, muss nichts anlocken, aber alles verstreuen. Windblüten sind daher unauffällig, hängen oft frei im Luftzug und erzeugen riesige Pollenmengen, weil der größte Teil irgendwo landet, nur nicht auf einer Narbe. Genau dieser Pollen löst beim Menschen Heuschnupfen aus. Deshalb reagieren Allergiker auf Hasel, Birke und Gräser und nicht auf Rosen.

Windblüte

Der Wind transportiert den Pollen. Die Pflanze investiert nichts in Anlockung, dafür in große Pollenmengen.

Beispiele

  • Hasel – hängende Kätzchen, die bei Wind stäuben
  • Gräser – Staubbeutel und Narben stehen frei im Wind
  • Birke – blüht, bevor die Blätter den Wind bremsen

Signalwörter

  • unscheinbar, grünlich, ohne Duft
  • kein Nektar
  • sehr viel leichter, trockener Pollen
  • große, federige Narben und frei hängende Staubbeutel

Insektenblüte

Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge übertragen den Pollen. Die Blüte muss auffallen und belohnen.

Beispiele

  • Apfelblüte – weiße Kronblätter, Nektar im Blütengrund
  • Taubnessel – Landeplatz für Hummeln
  • Salbei – Duft und Saftmale als Wegweiser

Signalwörter

  • große, auffällig gefärbte Kronblätter
  • Duft und Nektar als Belohnung
  • wenig, aber klebriger oder rauer Pollen
  • Saftmale als Wegweiser zum Nektar
MerkmalWindblüteInsektenblüte
Aussehenunscheinbar, grünlichauffällig gefärbt
Duft und Nektarkeine AnlockungDuft und Nektar als Belohnung
Pollenmengesehr großgering
Pollenformleicht, trockenklebrig oder rau
Windblüte und Insektenblüte im Vergleich
Am Aussehen einer Blüte erkennst du oft schon, welchen Bestäubungsweg sie nutzt.
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Von der Blüte zur Frucht

Sobald Pollen auf einer passenden Narbe gelandet ist, beginnt eine Kettenreaktion. Zunächst quillt das Pollenkorn auf und bildet einen feinen Schlauch, der durch das Gewebe des Griffels wächst – manchmal mehrere Zentimeter weit, angetrieben von Nährstoffen, die die Narbe bereitstellt. Erreicht der Pollenschlauch den Fruchtknoten, gibt er zwei männliche Zellen frei. Eine davon verschmilzt mit der Eizelle: Das ist die eigentliche Befruchtung.

Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich der Embryo im Inneren des Samens, umgeben von Nährgewebe und einer schützenden Samenschale. Der gesamte Fruchtknoten wächst gleichzeitig zur Frucht heran, oft unterstützt durch Pflanzenhormone, die erst durch die Befruchtung freigesetzt werden. Deshalb bleiben unbefruchtete Blüten meist klein und fallen bald ab, statt Früchte zu bilden.

Ist die Frucht reif, muss der Samen die Mutterpflanze verlassen. Fleischige Früchte wie Kirschen werden gefressen und der unverdauliche Samen an anderer Stelle wieder ausgeschieden. Trockene Flugfrüchte wie beim Löwenzahn oder Ahorn nutzen den Wind, und Klettfrüchte hängen sich mit kleinen Widerhaken ins Fell vorbeilaufender Tiere. Jede dieser Verbreitungsstrategien verringert die Konkurrenz zwischen Mutterpflanze und Nachkommen um Licht, Wasser und Platz.

Erst nach der Befruchtung im Fruchtknoten wächst aus der Blüte eine Frucht.
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Eine unbekannte Blüte einordnen

Du findest im März einen Strauch mit langen, gelblichen, herabhängenden Blütenständen. Kronblätter fehlen, einen Duft nimmst du nicht wahr. Wenn du den Zweig schüttelst, staubt es. Wie wird diese Pflanze bestäubt?

Gegeben:

  • keine auffälligen Kronblätter, kein Duft
  • hängende Blütenstände, die bei Bewegung stäuben
  • Blüte im März, noch ohne Laubblätter am Strauch

Gesucht:

Wind- oder Insektenbestäubung?

Lösung:

  1. Ohne Kronblätter, Duft und Nektar fehlt jede Anlockung – Insekten hätten keinen Grund, die Blüte zu besuchen.
  2. Dass es beim Schütteln staubt, zeigt sehr viel trockenen, leichten Pollen. Klebriger Insektenpollen würde am Staubbeutel haften.
  3. Die hängende Lage setzt die Blüte dem Luftzug aus.
  4. Die frühe Blüte ohne Laub ist ein weiterer Hinweis: Blätter würden den Wind bremsen, und im März fliegen noch kaum Insekten.

Die Pflanze ist windbestäubt, es handelt sich um Haselkätzchen. Alle vier Beobachtungen passen zur Windbestäubung.

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Typische Fehler bei Blüte und Bestäubung

Der häufigste Fehler ist, Bestäubung und Befruchtung gleichzusetzen. Bestäubung ist nur der Transport des Pollens zur Narbe, Befruchtung das Verschmelzen der Zellen im Fruchtknoten danach. In einer Prüfung solltest du beide Begriffe deshalb nie synonym verwenden – nach der Bestäubung kann die Befruchtung sogar ausbleiben, wenn Pollen und Narbe nicht zueinanderpassen.

Ein zweiter Fehler betrifft die Frucht: Viele halten alles, was essbar aussieht, für eine Frucht im biologischen Sinn. Tatsächlich ist eine Frucht immer aus dem Fruchtknoten entstanden. Der Apfel ist botanisch sogar eine Scheinfrucht, weil das Fruchtfleisch größtenteils aus dem Blütenboden stammt und nicht aus dem Fruchtknoten selbst – nur das Kerngehäuse ist die eigentliche Frucht.

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Blüten und Bestäubung im Alltag

Im Frühjahr merkst du den Unterschied zwischen Wind- und Insektenblüten am eigenen Leib: Läuft dir im März und April ständig die Nase, ohne dass du erkältet bist, stecken meist Hasel-, Erlen- oder Birkenpollen dahinter, die zu dieser Zeit in riesigen Mengen durch die Luft fliegen. Bienen und Hummeln bekommst du dagegen eher an bunten, duftenden Blüten wie Obstbäumen oder Löwenzahn zu Gesicht, wenn diese im Frühling zu blühen beginnen.

Auch im Supermarkt begegnet dir das Thema: Fehlt in einer Region das Bienenvolk, tragen Obstbäume weniger Früchte, weil die Bestäubung ausbleibt. Deshalb stellen Landwirte in vielen Obstplantagen gezielt Bienenstöcke auf, sobald die Bäume zu blühen beginnen. Ohne ausreichende Bestäubung würde die Ernte an Äpfeln, Kirschen oder Mandeln erheblich kleiner ausfallen.

Windblütler wie Birke und Hasel bilden ein Vielfaches der Pollenmenge einer Insektenblüte.
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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Was genau bezeichnet man als Bestäubung?

Was genau bezeichnet man als Bestäubung?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blüte dient der Fortpflanzung: Staubblätter sind männlich, der Stempel ist weiblich.
  • Bestäubung ist der Transport des Pollens zur Narbe, Befruchtung das Verschmelzen der Zellen im Fruchtknoten.
  • Aus der Eizelle entsteht der Samen, aus dem Fruchtknoten die Frucht.
  • Insektenblüten locken mit Farbe, Duft und Nektar, Windblüten sind unscheinbar und bilden viel Pollen.
  • Typischer Fehler: Bestäubung und Befruchtung gleichsetzen. Ohne Bestäubung gibt es keine Befruchtung, aber Bestäubung allein erzeugt noch keinen Samen.

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Häufige Fragen zu Blütenpflanzen und Bestäubung

Was ist der Unterschied zwischen Bestäubung und Befruchtung?
Bestäubung ist der reine Transport von Pollen von einem Staubbeutel auf eine Narbe, dabei verändert sich im Inneren der Blüte noch nichts. Befruchtung ist der spätere Schritt, bei dem eine Zelle aus dem Pollenkorn über den Pollenschlauch bis zum Fruchtknoten wandert und dort mit der Eizelle verschmilzt. Erst danach entsteht der Samen.
Wie funktioniert Windbestäubung?
Bei der Windbestäubung wird der Pollen nicht von Insekten, sondern vom Luftstrom von Blüte zu Blüte getragen. Weil das sehr ungenau ist, bilden Windblütler wie Hasel, Birke und Gräser riesige Pollenmengen und brauchen weder Farbe noch Duft noch Nektar. Die Narben sind oft groß und federig, damit möglichst viel vorbeifliegender Pollen hängen bleibt.
Warum sind manche Blüten bunt und duftend, andere nicht?
Auffällige Farben, Duft und Nektar sind die Werbung und Bezahlung für Insekten, die den Pollen gezielt von Blüte zu Blüte tragen. Windblütler brauchen keine Insekten und sparen sich diesen Aufwand, ihre Blüten sind deshalb unscheinbar und grünlich. Am Aussehen einer Blüte lässt sich also meist ablesen, welchen Bestäubungsweg sie nutzt.
Was passiert nach der Befruchtung mit der Blüte?
Nach der Befruchtung werden die Kronblätter nicht mehr gebraucht und fallen ab. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich der Samen, aus dem gesamten Fruchtknoten wächst die Frucht heran. Diese Frucht dient dazu, den Samen später zu verbreiten, etwa durch Tiere, Wind oder Wasser.
Warum bekommen manche Menschen im Frühjahr Heuschnupfen?
Heuschnupfen wird vor allem durch den Pollen windbestäubter Pflanzen wie Hasel, Erle, Birke und Gräser ausgelöst. Diese Pflanzen setzen riesige Mengen sehr leichten Pollens frei, der über weite Strecken durch die Luft fliegt und beim Atmen in die Nase gelangt. Bei empfindlichen Menschen reagiert das Immunsystem darauf mit den typischen Allergiesymptomen.
Ist ein Apfel wirklich eine Frucht im biologischen Sinn?
Nur teilweise. Botanisch entsteht eine Frucht aus dem Fruchtknoten der Blüte, beim Apfel ist der eigentliche Fruchtknoten aber nur das Kerngehäuse mit den Samen. Das saftige Fruchtfleisch drumherum stammt aus dem Blütenboden, nicht aus dem Fruchtknoten. Deshalb bezeichnet man den Apfel fachlich als Scheinfrucht.
Warum stellen Landwirte Bienenstöcke in Obstplantagen auf?
Viele Obstbäume wie Apfel- oder Kirschbäume sind auf Insektenbestäubung angewiesen, damit aus ihren Blüten Früchte werden. Fehlen ausreichend Bienen oder andere bestäubende Insekten in der Umgebung, bleibt ein großer Teil der Blüten unbestäubt und trägt keine Frucht. Landwirte stellen deshalb während der Blütezeit gezielt Bienenvölker auf, um die Ernte zu sichern.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes

  • Früchte und Samenverbreitungin Arbeit
  • Keimung und Wachstumin Arbeit