Die Sinnesorgane des Menschen
Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen – über die Sinnesorgane erfährt dein Gehirn alles über die Umwelt. In dieser Lektion lernst du, wie ein Sinnesorgan grundsätzlich arbeitet, und vergleichst Auge und Ohr im Detail.
- Fach: Biologie
- Klasse 6
- Thema: Der menschliche Körper
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Wie ein Sinnesorgan arbeitet
Der Mensch hat fünf klassische Sinnesorgane: Auge, Ohr, Nase, Zunge und Haut. So verschieden sie aussehen, sie arbeiten alle nach demselben Muster. Ein Reiz aus der Umwelt trifft auf das Organ. Dort liegen Sinneszellen, die auf genau diesen einen Reiz eingestellt sind. Sie wandeln ihn in elektrische Signale um, die Nerven weiterleiten. Und erst im Gehirn entsteht daraus die Empfindung, die du bemerkst.
Wichtig ist dieser letzte Schritt. Das Auge selbst sieht nichts, es liefert nur Signale. Deshalb kann man Sinnesorgane auch täuschen: Bei optischen Täuschungen arbeitet das Auge völlig korrekt, das Gehirn deutet die Signale aber anders, als die Wirklichkeit aussieht. Drückst du mit geschlossenen Augen leicht aufs Lid, siehst du einen Lichtfleck – der Reiz war Druck, die Empfindung ist Licht, weil das Gehirn alle Signale aus dem Sehnerv als Licht auffasst.
Jedes Sinnesorgan reagiert nur auf eine bestimmte Art von Reiz, seinen adäquaten Reiz. Die Stäbchen und Zapfen im Auge antworten auf Licht, die Haarzellen im Ohr auf Schwingungen der Luft, die Riechzellen auf Duftstoffe in der Atemluft, die Geschmackszellen auf im Speichel gelöste Stoffe. Die Haut ist das einzige Organ mit mehreren Empfängertypen gleichzeitig: für Druck, Berührung, Wärme, Kälte und Schmerz. Deshalb zählt man die Haut zu einem Sinnesorgan, obwohl sie mehrere Sinne bedient.
Auge und Ohr im Vergleich
Auge und Ohr sind die beiden Sinnesorgane, die Reize aus der Ferne aufnehmen. Trotzdem arbeiten sie mit völlig verschiedenen Reizen, und genau daran erkennst du, welche Bauteile wofür da sind. Das Auge verarbeitet Licht, also elektromagnetische Strahlung, und muss ein Bild scharf auf eine Fläche werfen. Das Ohr verarbeitet Schall, also Schwingungen der Luft, und muss diese Schwingungen verstärken und nach Tonhöhen sortieren.
Ein Bauteil haben beide: eine Stelle, an der die eigentlichen Sinneszellen sitzen. Beim Auge ist das die Netzhaut mit Stäbchen und Zapfen, beim Ohr die Schnecke mit ihren Haarzellen. Alles davor ist Technik zum Weiterleiten – Hornhaut, Linse und Pupille beim Auge, Ohrmuschel, Trommelfell und Gehörknöchelchen beim Ohr.
Auge
Der Reiz ist Licht. Das Organ muss die Lichtmenge regeln und ein scharfes Bild erzeugen.
Beispiele
- Pupille wird bei Helligkeit kleiner und regelt so die Lichtmenge
- Linse verformt sich und stellt auf Nah oder Fern scharf
- Zapfen liefern Farben, Stäbchen sehen noch in der Dämmerung
Signalwörter
- Sinneszellen: Stäbchen und Zapfen in der Netzhaut
- Hornhaut, Pupille, Linse als Weg des Lichts
- Signalleitung über den Sehnerv
- Bild steht auf der Netzhaut auf dem Kopf
Ohr
Der Reiz ist Schall. Das Organ muss Luftschwingungen verstärken und nach Tonhöhe trennen.
Beispiele
- Ohrmuschel sammelt den Schall und lenkt ihn in den Gehörgang
- Trommelfell gerät in Schwingung und überträgt sie auf die Knöchelchen
- Hammer, Amboss und Steigbügel verstärken die Schwingung
Signalwörter
- Sinneszellen: Haarzellen in der Schnecke
- Trommelfell und drei Gehörknöchelchen als Weg des Schalls
- Signalleitung über den Hörnerv
- Gleichgewichtsorgan sitzt im selben Innenohr
Vom Reiz zur Empfindung – Schritt für Schritt
Du sitzt am Schreibtisch, jemand klopft an die Tür, und du drehst den Kopf zur Tür. Beschreibe den Weg von der Luftschwingung bis zur Bewegung.
Gegeben:
- Reiz: Schwingungen der Luft, ausgelöst durch das Klopfen
- beteiligtes Sinnesorgan: das Ohr
Gesucht:
Welche Stationen durchläuft das Signal bis zur Reaktion?Lösung:
- Die Ohrmuschel sammelt die Schwingungen, der Gehörgang leitet sie zum Trommelfell, das dadurch mitschwingt.
- Hammer, Amboss und Steigbügel übertragen die Schwingung verstärkt auf die Flüssigkeit in der Schnecke.
- Die Haarzellen in der Schnecke werden gebogen und erzeugen elektrische Signale – hier wird der Reiz in Nervensignale umgewandelt.
- Der Hörnerv leitet die Signale ins Gehirn. Dort entsteht die Empfindung „Klopfen, von links“, und das Gehirn schickt Befehle an die Halsmuskeln.
Reiz, Aufnahme im Sinnesorgan, Umwandlung in Sinneszellen, Leitung über den Nerv, Verarbeitung im Gehirn, Reaktion. Dieses Muster gilt für jedes Sinnesorgan.
Jetzt bist du dran!
In welchem Teil des Auges liegen die Sinneszellen?
Noch nicht. Stäbchen und Zapfen sitzen in der Netzhaut an der Rückseite des Auges. Hornhaut, Pupille und Linse sind nur der Weg des Lichts und nehmen selbst keinen Reiz auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Jedes Sinnesorgan folgt demselben Ablauf: Reiz, Sinneszelle, Nerv, Gehirn, Empfindung.
- Jedes Organ reagiert nur auf seinen eigenen Reiz: Auge auf Licht, Ohr auf Schall.
- Im Auge sitzen die Sinneszellen in der Netzhaut, im Ohr als Haarzellen in der Schnecke.
- Die Haut ist das einzige Sinnesorgan mit mehreren Empfängertypen: Druck, Berührung, Wärme, Kälte, Schmerz.
- Typischer Fehler: „Das Auge sieht.“ Das Auge liefert nur Signale – sehen tut das Gehirn. Deshalb gibt es optische Täuschungen.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Das solltest du vorher können
- Der Aufbau der Zelle
- Organe und Organsystemein Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Das Nervensystem
- Das Auge und Sehfehlerin Arbeit