Das Immunsystem
Täglich dringen Bakterien und Viren in deinen Körper ein, krank wirst du nur selten. In dieser Lektion lernst du, wie die unspezifische und die spezifische Abwehr zusammenarbeiten und warum eine Impfung schützt, ohne dich krank zu machen.
- Fach: Biologie
- Klasse 9
- Thema: Der menschliche Körper
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Abwehr in mehreren Stufen
Bevor die Abwehrzellen überhaupt gebraucht werden, hält dich eine mechanische Barriere gesund. Die Haut ist für Erreger undurchdringlich, solange sie unverletzt ist. Schleimhäute fangen Keime in zähem Schleim, Flimmerhärchen in den Atemwegen transportieren ihn nach außen. Dazu kommen chemische Mittel: Magensäure tötet die meisten verschluckten Keime ab, Tränenflüssigkeit und Speichel enthalten keimabtötende Enzyme.
Schafft ein Erreger es dennoch ins Gewebe, übernehmen die weißen Blutkörperchen. Fresszellen umfließen den Eindringling und verdauen ihn in ihrem Inneren. Dabei kommt es zur Entzündung: Das Gewebe wird rot, warm, geschwollen und schmerzt. Das ist keine Panne, sondern Absicht – die stärkere Durchblutung bringt mehr Abwehrzellen an die Stelle. Auch Fieber gehört dazu, denn bei höherer Temperatur vermehren sich viele Erreger schlechter und die Abwehrzellen arbeiten schneller.
Parallel läuft die spezifische Abwehr an. Jeder Erreger trägt auf seiner Oberfläche charakteristische Strukturen, die Antigene. Bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, bilden dazu passende Antikörper. Diese Antikörper passen nur auf dieses eine Antigen, wie ein Schlüssel in ein Schloss, verklumpen die Erreger und machen sie für die Fresszellen leichter greifbar. Das braucht beim ersten Kontakt einige Tage – deshalb bist du bei einer neuen Krankheit zunächst krank.
Unspezifische und spezifische Abwehr
Das Immunsystem arbeitet mit zwei Strategien, die sich ergänzen. Die unspezifische Abwehr ist von Geburt an vorhanden und reagiert gegen jeden Eindringling gleich. Sie ist sofort einsatzbereit, lernt aber nichts dazu. Die spezifische Abwehr richtet sich gegen genau einen Erreger, braucht beim ersten Mal Tage zum Anlaufen – und merkt sich den Erreger danach.
Dieses Gedächtnis ist der Grund, warum du Mumps in der Regel nur einmal bekommst und warum Impfungen funktionieren. Ein Impfstoff enthält abgetötete oder abgeschwächte Erreger beziehungsweise nur deren Antigene. Das reicht, damit der Körper Antikörper und Gedächtniszellen bildet, löst aber keine Krankheit aus. Beim echten Kontakt ist die Abwehr dann in Stunden statt Tagen bereit, und du wirst nicht krank.
Unspezifische Abwehr
Wirkt von Geburt an gegen alle Erreger gleichermaßen. Erste Verteidigungslinie, sofort aktiv.
Beispiele
- unverletzte Haut und Schleimhäute als Barriere
- Magensäure und Enzyme in Speichel und Tränen
- Fresszellen verdauen Bakterien, Entzündung und Fieber
Signalwörter
- angeboren
- wirkt sofort
- richtet sich gegen jeden Erreger gleich
- kein Gedächtnis, kein Lerneffekt
Spezifische Abwehr
Richtet sich gezielt gegen ein bestimmtes Antigen. Läuft beim ersten Kontakt erst nach Tagen an, bleibt dann gespeichert.
Beispiele
- B-Lymphozyten bilden passende Antikörper
- Antikörper verklumpen Erreger und markieren sie
- Gedächtniszellen bleiben jahrelang erhalten
Signalwörter
- erworben
- passt nur auf einen Erreger
- Schlüssel-Schloss-Prinzip
- Immungedächtnis, Grundlage der Impfung
Erster und zweiter Kontakt mit demselben Erreger
Vergleiche, was im Körper passiert, wenn du zum ersten Mal einem Masernvirus begegnest, und was beim zweiten Kontakt Jahre später geschieht.
Gegeben:
- Erster Kontakt: keine passenden Antikörper vorhanden
- Bildung von Antikörpern nach Erstkontakt dauert etwa eine Woche
Gesucht:
Ablauf und Unterschied im ZeitverlaufLösung:
- Erster Kontakt: Die unspezifische Abwehr bremst die Viren, reicht aber nicht aus. Die Viren vermehren sich, du wirst krank.
- Gleichzeitig erkennen Lymphozyten die Antigene und beginnen, passende Antikörper herzustellen. Nach etwa einer Woche sind genug vorhanden, die Viren werden unschädlich gemacht, du wirst gesund.
- Nach der Infektion bleiben Gedächtniszellen zurück, die den Bauplan für genau diese Antikörper gespeichert haben.
- Zweiter Kontakt: Die Gedächtniszellen erkennen das Antigen sofort und lassen innerhalb von Stunden große Mengen Antikörper produzieren. Die Viren werden beseitigt, bevor sie sich vermehren können.
Beim zweiten Kontakt bleibst du gesund – nicht weil keine Viren eindringen, sondern weil die Abwehr schneller ist als ihre Vermehrung. Genau diesen Zustand stellt eine Impfung her, ohne dass du die Krankheit durchmachen musst.
Jetzt bist du dran!
Was ist ein Antigen?
Noch nicht. Das Antigen gehört zum Erreger, der Antikörper wird vom Körper dagegen gebildet. Beides zu verwechseln ist der häufigste Fehler an dieser Stelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Erste Barriere sind Haut, Schleimhäute, Magensäure und Enzyme – noch vor jeder Abwehrzelle.
- Unspezifische Abwehr: angeboren, sofort wirksam, gegen alle Erreger gleich, ohne Gedächtnis.
- Spezifische Abwehr: Antikörper passen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip auf genau ein Antigen.
- Gedächtniszellen machen die zweite Reaktion schneller – darauf beruht die Impfung.
- Typischer Fehler: Antigen und Antikörper verwechseln. Das Antigen sitzt auf dem Erreger, den Antikörper bildet dein Körper dagegen.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Das solltest du vorher können
- Bestandteile des Blutesin Arbeit
- Bakterien und Virenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Impfungen und Impfschutzin Arbeit
- Allergienin Arbeit