Atmung und Lunge
Etwa 20.000 Mal am Tag atmest du ein und aus, ohne darüber nachzudenken. In dieser Lektion lernst du den Weg der Luft bis in die Lungenbläschen, verstehst den Gasaustausch und unterscheidest Brust- von Bauchatmung. Dazu kommen die typischen Fehler aus Klassenarbeiten und was Sport und Rauchen mit deiner Lunge machen.
- Fach: Biologie
- Klasse 7
- Thema: Der menschliche Körper
- Dauer: 22 Min
- Niveau: Mittel
Der Weg der Luft
Die Luft tritt durch die Nase ein, wo sie angewärmt, angefeuchtet und von Staub gereinigt wird. Die Nasenhaare fangen grobe Teilchen ab, die Schleimhaut hält feinen Staub und Krankheitserreger fest. Atmest du durch den Mund, fällt diese Vorbereitung weg – deshalb kratzt der Hals nach einem Lauf in kalter Luft oft so unangenehm.
Über den Rachen und den Kehlkopf gelangt die Luft in die Luftröhre. Rachen ist dabei eine Kreuzung: Hier treffen sich Luftweg und Speiseweg. Damit beim Schlucken kein Essen in die Luftröhre rutscht, klappt der Kehldeckel wie ein Deckel darüber. Passiert das doch einmal, musst du husten – ein Schutzreflex, der den Fremdkörper wieder hinausbefördert.
Die Luftröhre ist etwa zehn bis zwölf Zentimeter lang und wird von hufeisenförmigen Knorpelspangen offen gehalten, sonst würde sie beim Einatmen zusammenfallen wie ein Strohhalm, an dem man zu stark saugt. Innen ist sie mit Flimmerhärchen besetzt, die Schleim samt Staub ständig nach oben Richtung Rachen transportieren. Dann teilt sie sich in zwei Hauptbronchien – eine für jeden Lungenflügel. Die Bronchien verzweigen sich immer feiner, wie die Äste eines umgedrehten Baumes, bis sie in etwa 300 Millionen Lungenbläschen enden. Erst dort passiert das Eigentliche, alles davor ist nur Transportweg.
Der Gasaustausch in den Lungenbläschen
Jedes Lungenbläschen ist von einem dichten Netz feinster Blutgefäße, den Kapillaren, umgeben. Die Wand zwischen Luft und Blut ist extrem dünn, weniger als ein Tausendstel Millimeter. Deshalb können Gase sie durchqueren, und zwar immer von der Seite mit dem höheren zur Seite mit dem niedrigeren Anteil. Diesen Vorgang nennt man Diffusion – er braucht keine Energie, er passiert von allein.
In der eingeatmeten Luft steckt viel Sauerstoff, im ankommenden Blut wenig – also wandert Sauerstoff ins Blut und wird an die roten Blutkörperchen gebunden. Beim Kohlenstoffdioxid ist es genau umgekehrt: Es entsteht in den Körperzellen bei der Zellatmung, kommt mit dem Blut zur Lunge und wandert von dort in die Luft der Lungenbläschen, die du dann ausatmest.
Damit genug Gas ausgetauscht werden kann, braucht es eine riesige Fläche. Die Lungenbläschen bringen zusammen etwa 100 Quadratmeter unter, ungefähr so viel wie eine große Wohnung – verpackt in einem Brustkorb. Das ist ein Grundprinzip der Biologie, das dir noch oft begegnet: Oberflächenvergrößerung. Auch Darmzotten und Wurzelhaare funktionieren nach demselben Prinzip.
| Gas | Eingeatmete Luft | Ausgeatmete Luft |
|---|---|---|
| Stickstoff | etwa 78 % | etwa 78 % |
| Sauerstoff | etwa 21 % | etwa 16 % |
| Kohlenstoffdioxid | etwa 0,04 % | etwa 4 % |
| Wasserdampf | wechselnd | fast gesättigt |
Brustatmung oder Bauchatmung?
Die Lunge selbst hat keine Muskeln und kann sich nicht von allein bewegen. Sie folgt dem Brustraum: Zwischen Lunge und Brustwand liegt ein Spalt mit Flüssigkeit, der beide aneinander haften lässt wie zwei nasse Glasscheiben. Vergrößert sich der Brustraum, wird die Lunge mit gedehnt.
Zwei Muskelgruppen können den Brustraum vergrößern, und sie arbeiten normalerweise zusammen. Bei der Brustatmung heben die Zwischenrippenmuskeln die Rippen nach außen und oben, der Brustkorb wird weiter. Bei der Bauchatmung zieht sich das Zwerchfell zusammen, die kuppelförmige Muskelplatte unter der Lunge. Sie flacht dabei ab und senkt sich, wodurch der Brustraum nach unten größer wird – die Bauchorgane werden nach vorn geschoben, und der Bauch wölbt sich.
Im Ruhezustand übernimmt das Zwerchfell den größeren Teil der Arbeit, etwa zwei Drittel. Beim Sport kommt die Brustatmung kräftig dazu, und bei starker Anstrengung helfen sogar Schulter- und Halsmuskeln mit. In beiden Fällen ist nur das Einatmen aktive Muskelarbeit; das Ausatmen geschieht in Ruhe passiv, weil Brustkorb und Lunge von sich aus zurückfedern.
Brustatmung
Die Zwischenrippenmuskeln heben die Rippen. Wird bei Anstrengung wichtig, wenn mehr Luft gebraucht wird.
Beispiele
- beim Sprinten hebt und senkt sich der Brustkorb deutlich sichtbar
- tiefes Einatmen beim Arztbesuch
- Singen mit hoher Lautstärke
Signalwörter
- Rippen bewegen sich nach außen und oben
- beteiligter Muskel: Zwischenrippenmuskulatur
- Brustumfang nimmt messbar zu
Bauchatmung
Das Zwerchfell flacht ab und senkt sich. Das ist die ruhige Atmung im Alltag und im Schlaf.
Beispiele
- im Schlaf hebt und senkt sich die Bauchdecke
- ruhiges Sitzen beim Lesen
- bewusste Atemübungen zur Entspannung
Signalwörter
- Bauchdecke wölbt sich beim Einatmen vor
- beteiligter Muskel: Zwerchfell
- trägt in Ruhe etwa zwei Drittel der Atmung
Warum strömt beim Einatmen überhaupt Luft hinein?
Du atmest ruhig ein. Das Zwerchfell senkt sich um etwa 1,5 Zentimeter. Erkläre, warum dadurch Luft in die Lunge gelangt, obwohl die Lunge selbst keine Muskeln hat.
Gegeben:
- Zwerchfell senkt sich um etwa 1,5 cm
- Luftdruck außen: etwa 1013 hPa
- Lunge haftet an der Brustwand
Gesucht:
Ursache der Strömung in die LungeLösung:
- Das Zwerchfell zieht sich zusammen, flacht ab und senkt sich. Der Brustraum wird dadurch größer.
- Weil Lunge und Brustwand aneinander haften, wird die Lunge mit gedehnt, ihr Innenraum vergrößert sich also ebenfalls.
- Dieselbe Luftmenge verteilt sich nun auf mehr Raum, also sinkt der Druck in der Lunge unter den Außendruck.
- Luft strömt immer vom höheren zum niedrigeren Druck – also von außen durch Nase und Luftröhre in die Lunge hinein.
Die Lunge wird nicht aufgepumpt, sondern passiv gedehnt. Das Einatmen beruht auf einem Unterdruck in der Lunge gegenüber der Außenluft.
Wie viel Luft passt in die Lunge?
Bei einem ruhigen Atemzug bewegst du nur etwa einen halben Liter Luft. Das nennt man das Atemzugvolumen. Mit rund 12 bis 16 Atemzügen pro Minute kommen in Ruhe also sechs bis acht Liter Luft pro Minute zusammen. Beim Sport steigen sowohl die Atemfrequenz als auch die Tiefe jedes Atemzugs, und das Atemminutenvolumen kann auf über 100 Liter anwachsen.
Wie viel Luft du nach tiefstem Einatmen maximal ausatmen kannst, heißt Vitalkapazität. Bei Erwachsenen liegt sie meist zwischen drei und fünf Litern, bei trainierten Ausdauersportlern auch darüber. Selbst nach kräftigstem Ausatmen bleibt aber immer ein Rest von etwa einem Liter in der Lunge zurück, das Restvolumen. So fallen die Lungenbläschen nie ganz zusammen.
| Begriff | Bedeutung | Richtwert |
|---|---|---|
| Atemzugvolumen | Luft pro ruhigem Atemzug | etwa 0,5 Liter |
| Atemfrequenz | Atemzüge pro Minute in Ruhe | 12–16 |
| Vitalkapazität | maximal ausatembare Luft nach tiefstem Einatmen | 3–5 Liter |
| Restvolumen | Luft, die immer in der Lunge bleibt | etwa 1–1,5 Liter |
Was der Lunge schadet und was ihr guttut
Die Flimmerhärchen in Luftröhre und Bronchien sind die Reinigungsanlage der Atemwege. Zigarettenrauch lähmt sie und zerstört sie auf Dauer. Der Schleim bleibt dann liegen und muss abgehustet werden – der typische Raucherhusten. Zusätzlich lagern sich Teerstoffe in der Lunge ab, und die Wände der Lungenbläschen können zerstört werden. Dann schrumpft die Fläche für den Gasaustausch, und schon Treppensteigen macht atemlos.
Ausdauersport dagegen stärkt die Atemmuskulatur. Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln arbeiten kräftiger, jeder Atemzug wird tiefer und die Atmung dadurch effizienter. Neue Lungenbläschen entstehen durch Training zwar nicht, aber die vorhandenen werden besser genutzt. Auch viel Bewegung an frischer Luft und das Atmen durch die Nase entlasten die Atemwege.
Jetzt bist du dran!
Wo im Körper findet der Gasaustausch statt?
Noch nicht. Nur in den Lungenbläschen ist die Wand zum Blut dünn genug, dass Gase sie durchqueren können. Luftröhre und Bronchien sind reine Transportwege.
Das Wichtigste in Kürze
- Weg der Luft: Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Lungenbläschen.
- Der Gasaustausch findet nur in den Lungenbläschen statt, auf rund 100 Quadratmetern Fläche, durch Diffusion.
- Sauerstoff geht ins Blut, Kohlenstoffdioxid aus dem Blut in die Luft – ausgeatmete Luft enthält aber noch etwa 16 % Sauerstoff.
- Brustatmung über die Zwischenrippenmuskeln, Bauchatmung über das Zwerchfell; in Ruhe überwiegt das Zwerchfell.
- Einatmen ist aktive Muskelarbeit, ruhiges Ausatmen passiert von allein.
- Typischer Fehler: zu glauben, die Lunge sauge die Luft an. Sie hat keine Muskeln, sie wird vom Brustraum gedehnt.
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Häufige Fragen zu Atmung und Lunge
- Wie funktioniert die Atmung einfach erklärt?
- Beim Einatmen ziehen sich Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln zusammen, der Brustraum wird größer und die Lunge wird mit gedehnt. Dadurch sinkt der Druck in der Lunge, und Luft strömt von außen hinein. In den Lungenbläschen geht Sauerstoff ins Blut und Kohlenstoffdioxid in die Luft. Beim Ausatmen entspannen sich die Muskeln, und die Luft strömt wieder hinaus.
- Wo findet der Gasaustausch in der Lunge statt?
- Der Gasaustausch findet in den Lungenbläschen statt, auch Alveolen genannt. Jedes Bläschen ist von feinen Blutgefäßen umgeben, und die Wand dazwischen ist dünner als ein Tausendstel Millimeter. Sauerstoff wandert durch Diffusion ins Blut, Kohlenstoffdioxid in die Luft. Luftröhre und Bronchien sind dagegen nur Transportwege.
- Was ist der Unterschied zwischen Brustatmung und Bauchatmung?
- Bei der Brustatmung heben die Zwischenrippenmuskeln die Rippen, der Brustkorb weitet sich. Bei der Bauchatmung zieht sich das Zwerchfell zusammen und senkt sich, sodass sich der Bauch vorwölbt. In Ruhe überwiegt die Bauchatmung mit etwa zwei Dritteln, beim Sport kommt die Brustatmung stark dazu. Meist arbeiten beide zusammen.
- Warum hat die Lunge so viele Lungenbläschen?
- Viele kleine Bläschen haben zusammen eine viel größere Oberfläche als ein einzelner großer Sack. Die rund 300 Millionen Lungenbläschen kommen auf etwa 100 Quadratmeter Fläche. Je größer die Fläche, desto mehr Sauerstoff kann pro Atemzug ins Blut gelangen. Man spricht vom Prinzip der Oberflächenvergrößerung.
- Wie viel Sauerstoff ist in der ausgeatmeten Luft?
- Ausgeatmete Luft enthält noch etwa 16 Prozent Sauerstoff, eingeatmete rund 21 Prozent. Der Kohlenstoffdioxidanteil steigt dagegen von etwa 0,04 auf rund 4 Prozent. Weil noch so viel Sauerstoff übrig ist, kann man einen anderen Menschen mit der eigenen Ausatemluft beatmen, zum Beispiel bei der Mund-zu-Mund-Beatmung.
- Hat die Lunge Muskeln?
- Nein, die Lunge hat keine eigenen Muskeln zum Atmen. Sie haftet über einen dünnen Flüssigkeitsspalt an der Brustwand und folgt deren Bewegung. Die Arbeit übernehmen das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln. Vergrößern sie den Brustraum, wird die Lunge passiv gedehnt und Luft strömt hinein.
- Wie oft atmet ein Mensch pro Minute?
- Ein Erwachsener atmet in Ruhe etwa 12 bis 16 Mal pro Minute, Kinder etwas häufiger. Pro Atemzug werden rund 0,5 Liter Luft bewegt, also etwa sechs bis acht Liter pro Minute. Beim Sport steigen Atemfrequenz und Atemtiefe stark an, sodass über 100 Liter Luft pro Minute möglich sind.
- Was macht Rauchen mit der Lunge?
- Rauchen lähmt und zerstört die Flimmerhärchen, die Schleim und Staub aus den Atemwegen befördern. Der Schleim muss dann abgehustet werden, es entsteht Raucherhusten. Teerstoffe lagern sich ab, und Lungenbläschen können dauerhaft zerstört werden. Dadurch wird die Fläche für den Gasaustausch kleiner, und man gerät schneller außer Atem.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Die Zellatmung
- Rauchen und die Lungein Arbeit