Aufbau und Funktion der DNA
Die DNA ist der Bauplan jedes Lebewesens. In dieser Lektion lernst du, wie die Doppelhelix aufgebaut ist, welche Basen sich paaren, wie aus der Basenfolge über Transkription und Translation ein Eiweiß entsteht und welche Fehler bei diesem Thema besonders häufig sind.
- Fach: Biologie
- Klasse 9
- Thema: Genetik
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Ein Molekül als Bauplan
Die DNA, deutsch Desoxyribonukleinsäure, liegt im Zellkern und trägt die Erbinformation. Ihre Bausteine heißen Nukleotide, und jedes besteht aus drei Teilen: einem Zucker (Desoxyribose), einem Phosphatrest und einer von vier organischen Basen – Adenin, Thymin, Guanin oder Cytosin, kurz A, T, G und C. Zucker und Phosphat verbinden sich abwechselnd zu einem langen Strang, das ist das Rückgrat. Die Basen hängen wie Zähne nach innen.
Zwei solche Stränge liegen einander gegenüber und sind zu einer Doppelhelix verdrillt, einer Strickleiter, die in sich gedreht ist. Zusammengehalten wird sie durch Wasserstoffbrücken zwischen den Basen, und zwar nach einer festen Regel: A paart immer mit T, G immer mit C. Diese komplementäre Basenpaarung ist der Grund, warum ein Strang genügt, um den anderen zu rekonstruieren. Kennst du die Folge A-T-G-C, kennst du auch den Gegenstrang T-A-C-G.
Die Information steckt in der Reihenfolge der Basen. Ein Abschnitt, der den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß enthält, heißt Gen. Immer drei Basen hintereinander, ein Basentriplett, stehen für eine Aminosäure. Der Weg ist zweistufig: Bei der Transkription wird der Genabschnitt in eine mRNA abgeschrieben, die den Kern verlässt. Bei der Translation lesen die Ribosomen die mRNA Triplett für Triplett ab und hängen die passenden Aminosäuren zu einem Eiweiß zusammen.
DNA und RNA – zwei Rollen, ein Prinzip
Beide Moleküle sind Nukleinsäuren und arbeiten mit dem gleichen Basenalphabet, fast jedenfalls. Die DNA ist das Archiv: doppelsträngig, stabil, bleibt im Zellkern und wird bei jeder Zellteilung verdoppelt. Die RNA ist die Arbeitskopie: einzelsträngig, kurzlebig, verlässt den Kern und bringt die Information zu den Ribosomen.
Diese Arbeitsteilung hat einen Sinn. Das Original bleibt geschützt an einem Ort, nach außen geht nur eine Kopie eines einzelnen Gens. Ginge die Kopie verloren oder würde sie beschädigt, ist der Bauplan selbst unversehrt – es wird einfach neu abgeschrieben.
DNA
Dauerhafter Speicher der Erbinformation. Bleibt im Zellkern und wird vor jeder Zellteilung identisch verdoppelt.
Beispiele
- Basenfolge eines Gens: A-T-G-C-C-A
- beim Menschen auf 46 Chromosomen verteilt
- Verdopplung vor der Zellteilung (Replikation)
Signalwörter
- doppelsträngig, Doppelhelix
- Zucker Desoxyribose
- Basen A, T, G, C
- bleibt im Zellkern
RNA
Transportiert eine Kopie eines einzelnen Gens aus dem Kern zu den Ribosomen, wo das Eiweiß gebaut wird.
Beispiele
- mRNA zur DNA-Folge A-T-G-C-C-A lautet U-A-C-G-G-U
- mRNA als Boten-RNA auf dem Weg zum Ribosom
- wird nach Gebrauch wieder abgebaut
Signalwörter
- einzelsträngig
- Zucker Ribose
- statt Thymin steht Uracil (U)
- verlässt den Zellkern
| Merkmal | DNA | RNA |
|---|---|---|
| Strang | doppelsträngig | einzelsträngig |
| Zucker | Desoxyribose | Ribose |
| Basen | A, T, G, C | A, U, G, C |
| Ort | bleibt im Zellkern | verlässt den Zellkern |
Vom Gen zum fertigen Eiweiß
Damit aus der Information in der DNA ein funktionierendes Eiweiß wird, sind zwei getrennte Vorgänge nötig, die in unterschiedlichen Teilen der Zelle ablaufen. Die Transkription findet im Zellkern statt: Ein Enzym, die RNA-Polymerase, öffnet die Doppelhelix an der Stelle des benötigten Gens und schreibt eine einzelsträngige mRNA-Kopie nach denselben Paarungsregeln, nur dass anstelle von Thymin Uracil eingebaut wird. Diese mRNA verlässt anschließend den Zellkern durch die Kernporen.
Im Zellplasma angekommen, docken Ribosomen an die mRNA an. Bei der Translation wird die Basenfolge Triplett für Triplett gelesen: Jedes Codon aus drei Basen bestimmt, welche Aminosäure als Nächstes an die wachsende Kette angehängt wird. Passende Transfer-RNA-Moleküle bringen die jeweilige Aminosäure genau zum richtigen Zeitpunkt zum Ribosom. Ist die Kette vollständig, faltet sie sich zu einem dreidimensionalen Eiweiß mit einer bestimmten Funktion, etwa als Enzym, Hormon oder Baustoff.
Dieser zweistufige Weg – Transkription im Kern, Translation am Ribosom – erklärt, warum eine einzige Veränderung in der DNA, eine Mutation, sich bis zum fertigen Eiweiß fortpflanzen kann: Ändert sich eine Base im Gen, ändert sich möglicherweise das entsprechende Codon in der mRNA, und damit unter Umständen die eingebaute Aminosäure. Nicht jede Veränderung wirkt sich aber aus, weil mehrere Codons für dieselbe Aminosäure stehen können.
Gegenstrang und mRNA bestimmen
Ein DNA-Abschnitt hat die Basenfolge A-T-G-C-C-A. Bestimme den komplementären DNA-Strang und die daraus abgeschriebene mRNA.
Gegeben:
- DNA-Strang: A-T-G-C-C-A
- Paarungsregeln in der DNA: A–T und G–C
- In der RNA steht Uracil (U) anstelle von Thymin
Gesucht:
Komplementärer DNA-Strang und mRNALösung:
- Gehe Base für Base vor und setze jeweils die Partnerbase ein: zu A kommt T, zu T kommt A, zu G kommt C, zu C kommt G.
- Komplementärer DNA-Strang: T-A-C-G-G-T.
- Für die mRNA gilt dieselbe Paarung, nur tritt Uracil an die Stelle von Thymin. Wo in der DNA ein T stünde, steht in der RNA ein U.
- mRNA: U-A-C-G-G-U. Die sechs Basen bilden zwei Tripletts, UAC und GGU – sie codieren also zwei Aminosäuren.
Komplementärer DNA-Strang: T-A-C-G-G-T. mRNA: U-A-C-G-G-U. Weil immer drei Basen für eine Aminosäure stehen, ergibt dieser Abschnitt eine Kette aus zwei Aminosäuren.
Typische Fehler bei DNA und Proteinbiosynthese
Der häufigste Fehler ist, in der RNA versehentlich Thymin statt Uracil zu notieren. Thymin gibt es ausschließlich in der DNA, in jeder RNA steht stattdessen Uracil, das ebenfalls mit Adenin paart. Kontrolliere in Klausuren deine mRNA-Sequenz deshalb immer noch einmal auf verbliebene T's.
Ein zweiter Fehler ist, Gen und Chromosom gleichzusetzen. Ein Chromosom ist ein einzelner, stark verpackter DNA-Faden, auf dem viele hundert bis tausend Gene hintereinanderliegen. Ein Gen ist dagegen nur ein bestimmter, funktionell zusammengehörender Abschnitt dieses langen Fadens – der Bauplan für genau ein Eiweiß oder eine RNA. Auch die Begriffe Transkription und Translation werden oft vertauscht: Transkription schreibt DNA in RNA um, Translation übersetzt RNA in eine Aminosäurekette.
DNA im Alltag
DNA begegnet dir häufiger, als du denkst. Bei einem Vaterschaftstest oder in der Kriminalistik wird die individuelle Basenfolge bestimmter, besonders variabler DNA-Abschnitte verglichen, weil sie sich von Mensch zu Mensch unterscheidet, mit Ausnahme eineiiger Zwillinge. Schon aus winzigen Spuren wie einem Haar oder etwas Speichel lässt sich dank moderner Vervielfältigungsverfahren genug DNA gewinnen, um ein solches genetisches Muster zu erstellen.
Auch in der Medizin spielt der Aufbau der DNA eine zentrale Rolle: Gentests suchen gezielt nach bekannten Mutationen in einzelnen Genen, um das Risiko für bestimmte Erbkrankheiten abzuschätzen. Und in der Landwirtschaft nutzt man das Wissen über Basentripletts und Proteinbiosynthese, um gezielt Pflanzen zu züchten oder gentechnisch zu verändern, etwa damit sie ein bestimmtes Eiweiß zum Schutz vor Schädlingen selbst herstellen.
Jetzt bist du dran!
Welche Basenpaarungen kommen in der DNA vor?
Noch nicht. In der DNA paart Adenin immer mit Thymin und Guanin immer mit Cytosin. Uracil gibt es nur in der RNA, dort ersetzt es das Thymin.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DNA ist eine Doppelhelix aus Nukleotiden: Zucker, Phosphat und eine der Basen A, T, G, C.
- Komplementäre Basenpaarung: A–T und G–C. Deshalb reicht ein Strang als Vorlage für den anderen.
- Ein Gen ist der Abschnitt, der den Bauplan für ein Eiweiß enthält. Drei Basen codieren eine Aminosäure.
- Transkription im Kern erzeugt die mRNA, Translation am Ribosom baut daraus das Eiweiß.
- Typischer Fehler: In der RNA Thymin statt Uracil schreiben. Thymin gibt es nur in der DNA.
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Häufige Fragen zu Aufbau und Funktion der DNA
- Wie ist die DNA aufgebaut?
- Die DNA besteht aus zwei Strängen, die zu einer Doppelhelix verdrillt sind. Jeder Strang setzt sich aus Nukleotiden zusammen, die jeweils einen Zucker (Desoxyribose), einen Phosphatrest und eine von vier Basen enthalten: Adenin, Thymin, Guanin oder Cytosin. Zusammengehalten wird die Doppelhelix durch Wasserstoffbrücken zwischen den Basen der beiden Stränge.
- Was ist der Unterschied zwischen DNA und RNA?
- DNA ist doppelsträngig, enthält den Zucker Desoxyribose und bleibt als dauerhafter Speicher im Zellkern. RNA ist einzelsträngig, enthält den Zucker Ribose, und statt Thymin steht Uracil im Basenalphabet. RNA verlässt als Arbeitskopie eines Gens den Zellkern und wird nach Gebrauch wieder abgebaut, während die DNA erhalten bleibt.
- Was ist ein Gen?
- Ein Gen ist ein bestimmter Abschnitt der DNA, der die Information für den Bau eines Eiweißes oder einer RNA enthält. Ein einzelnes Chromosom besteht aus einem langen DNA-Faden mit vielen solchen Genen hintereinander. Die Reihenfolge der Basen innerhalb eines Gens bestimmt über Basentripletts, welche Aminosäuren in welcher Reihenfolge in das Eiweiß eingebaut werden.
- Wie läuft die Proteinbiosynthese ab?
- Die Proteinbiosynthese läuft in zwei Schritten ab. Bei der Transkription wird ein Gen im Zellkern in eine mRNA umgeschrieben, die anschließend in das Zellplasma wandert. Bei der Translation lesen Ribosomen die mRNA Triplett für Triplett und verknüpfen die passenden Aminosäuren zu einer Kette, die sich zum fertigen Eiweiß faltet.
- Warum steht in der RNA Uracil statt Thymin?
- Uracil übernimmt in der RNA chemisch dieselbe Paarungsfunktion wie Thymin in der DNA und paart ebenfalls mit Adenin. Die RNA ist als kurzlebige Arbeitskopie weniger auf die besondere Stabilität von Thymin angewiesen, das die DNA vor bestimmten Schäden schützt. Deshalb reicht in der RNA das chemisch einfachere Uracil aus.
- Wo im Körper wird DNA-Analyse angewendet?
- DNA-Analysen werden unter anderem bei Vaterschaftstests, in der Kriminalistik zur Spurensicherung und in der Medizin für Gentests auf Erbkrankheiten eingesetzt. Dabei vergleicht man meist nicht die komplette Erbinformation, sondern gezielt einzelne, besonders aussagekräftige oder variable DNA-Abschnitte. Schon winzige Materialmengen wie ein Haar oder Speichel liefern dafür genug DNA.
- Was passiert bei einer Mutation in der DNA?
- Bei einer Mutation verändert sich die Basenfolge eines Gens, zum Beispiel durch den Austausch einer einzelnen Base. Das kann dazu führen, dass ein anderes Codon entsteht und dadurch eine andere Aminosäure in das Eiweiß eingebaut wird, was dessen Funktion verändern oder zerstören kann. Manche Mutationen bleiben aber folgenlos, weil mehrere Codons für dieselbe Aminosäure codieren können.
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