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Schwerelosigkeit: Warum Astronauten schweben

Schwerelosigkeit ist der Zustand, in dem du keine Gewichtskraft spürst, weil du und deine Umgebung gemeinsam frei fallen, und nicht etwa, weil die Schwerkraft fehlt. In dieser Lektion lernst du, warum Astronauten in der ISS schweben, wie viel Schwerkraft dort noch wirkt und wie du Gewichtskraft und Fallstrecke berechnest.

  • Fach: Physik
  • Klasse 9
  • Thema: Mechanik
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Schwerelosigkeit: Was bedeutet das eigentlich?

Auf Bildern von der Internationalen Raumstation ISS siehst du Astronauten, die durch den Raum schweben, und Wassertropfen, die als Kugeln in der Luft stehen. Viele denken deshalb, im Weltraum gebe es keine Schwerkraft. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. In 400 Kilometern Höhe wirkt die Erde noch mit fast 89 Prozent der Kraft an der Erdoberfläche auf einen Körper.

Dass die Astronauten trotzdem schweben, liegt am freien Fall. Die ISS und alles in ihr werden von der Schwerkraft zur Erde gezogen und fallen deshalb ständig. Weil alle Körper gleich schnell fallen, drückt der Astronaut nicht auf den Boden, und der Boden nicht auf ihn. Genau dieses fehlende Drücken nehmen wir als Schwerelosigkeit wahr.

Physiker sprechen deshalb manchmal lieber von Mikrogravitation oder von freiem Fall. Der Begriff Schwerelosigkeit ist trotzdem üblich. Wichtig ist, dass du den Unterschied kennst: Die Schwerkraft ist da, nur ihre Wirkung auf die Unterlage verschwindet.

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Schwerelosigkeit erklärt: Gewichtskraft berechnen

Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der die Erde einen Körper anzieht. Du berechnest sie mit der Masse m und der Fallbeschleunigung g: Je größer die Masse, desto größer die Kraft. An der Erdoberfläche beträgt g etwa 9,81 m/s², und ein Körper mit 80 kg wird mit etwa 785 N angezogen.

Die Fallbeschleunigung nimmt mit der Höhe ab, weil die Anziehung mit dem Quadrat des Abstands zum Erdmittelpunkt kleiner wird. In 400 km Höhe, also in der Bahnhöhe der ISS, beträgt g noch etwa 8,69 m/s². Die Gewichtskraft von 80 kg ist dort immer noch etwa 695 N. Von fehlender Schwerkraft kann also keine Rede sein.

Das Gewicht, das du spürst, ist eigentlich die Kraft, mit der du auf die Unterlage drückst, etwa auf eine Waage. Im freien Fall fällt die Unterlage mit, und der Druck ist null. Die Waage zeigt dann 0 N an, obwohl die Gewichtskraft weiter wirkt. Das ist der Kern der Schwerelosigkeit.

Fm · g
F
Gewichtskraft in N
m
Masse des Körpers in kg
g
Fallbeschleunigung in m/s² (Erde 9,81, ISS-Höhe 8,69)
OrtFallbeschleunigung gGewichtskraft bei 80 kg
Erdoberfläche9,81 m/s²785 N
Flugzeug in 10 km Höhe9,78 m/s²782 N
ISS in 400 km Höhe8,69 m/s²695 N
Mond-Oberfläche1,62 m/s²130 N
Fallturm im freien Fall9,81 m/s²0 N Auflagekraft
Schwerelosigkeit erklärt: Fallbeschleunigung an verschiedenen Orten
Die Schwerkraft nimmt mit der Höhe nur langsam ab. Das Gewicht verschwindet erst im freien Fall.
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Schwerelosigkeit erklärt: Freier Fall um die Erde

Warum stürzt die ISS dann nicht auf die Erde? Sie fällt tatsächlich, aber sie bewegt sich zugleich mit etwa 7,7 Kilometern pro Sekunde seitlich. Die Erde ist eine Kugel, und ihre Oberfläche krümmt sich unter der fallenden Station weg. Die Station fällt also immer wieder an der Erde vorbei. So entsteht die Umlaufbahn, und ein Umlauf dauert etwa 92 Minuten.

Newton hat sich das mit einer Kanone auf einem hohen Berg vorgestellt. Eine langsame Kugel fällt bald zu Boden. Eine schnellere fliegt weiter, bevor sie aufschlägt. Mit genug Geschwindigkeit fällt die Kugel um die ganze Erde herum und kommt hinten wieder an. Eine Umlaufbahn ist also ein freier Fall, der ständig verfehlt.

Schwerelosigkeit gibt es auch auf der Erde, nur kürzer. In Fallturm-Anlagen fällt eine Kapsel mehrere Sekunden lang frei, in Parabelflügen erlebt man etwa 20 Sekunden. Immer gilt: Alles fällt mit derselben Beschleunigung, und deshalb drückt nichts auf nichts.

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Beispiel 1: Gewichtskraft eines Astronauten auf der ISS

Ein Astronaut hat eine Masse von 80 kg. Berechne seine Gewichtskraft auf der Erde (g = 9,81 m/s²) und in der Bahnhöhe der ISS (g = 8,69 m/s²). Um wie viel Prozent ist sie dort kleiner?

Gegeben:

  • m80 kg
  • g Erde9,81 ms²
  • g ISS8,69 ms²

Gesucht:

F auf der Erde, F auf der ISS, Unterschied in Prozent

Lösung:

  1. Erde: F80 kg · 9,81 ms²784,8 N
  2. ISS: F80 kg · 8,69 ms²695,2 N
  3. Unterschied: 784,8 N − 695,2 N89,6 N
  4. Anteil: 89,6 N / 784,8 N ≈ 0,114, also etwa 11 Prozent weniger

Auf der Erde beträgt die Gewichtskraft etwa 785 N, auf der ISS noch etwa 695 N. Sie ist dort nur etwa 11 Prozent kleiner. Der Astronaut schwebt also nicht, weil ihm die Schwerkraft fehlt, sondern weil er mit der Station frei fällt. Seine Masse bleibt dabei unverändert bei 80 kg.

Von der Schwerkraft zur Schwerelosigkeit: Die ISS fällt ständig um die Erde herum.
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Beispiel 2: Wie lange und wie tief fällt eine Fallturm-Kapsel?

Eine Kapsel in einem Fallturm fällt 3,0 s lang frei, die Luftreibung wird vernachlässigt. Wie viele Meter fällt sie, und wie schnell ist sie am Ende? Nimm g = 9,81 m/s².

Gegeben:

  • t3,0 s
  • g9,81 ms²

Gesucht:

Fallstrecke h und Endgeschwindigkeit v

Lösung:

  1. Fallstrecke: h½ · g · t²
  2. h0,5 · 9,81 ms² · (3,0 s)²0,5 · 9,81 · 9 m44,1 m
  3. Endgeschwindigkeit: vg · t9,81 ms² · 3,0 s29,4 m/s

Die Kapsel fällt etwa 44 m tief und erreicht dabei 29,4 m/s, das sind rund 106 km/h. Während dieser drei Sekunden fällt auch alles in der Kapsel mit derselben Beschleunigung, und ein Experiment dort erlebt Schwerelosigkeit. Nach dem Fall muss die Kapsel sanft abgebremst werden.

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Typische Fehler bei der Schwerelosigkeit

Der größte Fehler ist die Aussage „Im Weltraum gibt es keine Schwerkraft“. Sie stimmt nur sehr weit weg von allen Himmelskörpern. Der Mond bleibt auf seiner Bahn, weil die Erde ihn über 380 000 Kilometer hinweg anzieht, und die ISS wird auch in 400 Kilometern Höhe stark angezogen.

Der zweite Fehler ist die Verwechslung von Masse und Gewichtskraft. Ein Astronaut hat im Orbit weiter 80 kg Masse. Er lässt sich nur schwerer als gewohnt abbremsen, wenn er gegen eine Wand stößt, weil seine Trägheit unverändert ist. Gewichtskraft misst du in Newton, Masse in Kilogramm.

Der dritte Fehler betrifft die Einheit von g. Sie lautet m/s², weil g eine Beschleunigung ist. Wer nur m/s schreibt, verwechselt Beschleunigung und Geschwindigkeit. Rechne außerdem bei Fallaufgaben das Quadrat der Zeit vor dem Multiplizieren aus, sonst verschiebt sich das Ergebnis stark.

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Schwerelosigkeit im Alltag und Tipps für die Klassenarbeit

Schwerelosigkeit ist für die Forschung wertvoll. Auf der ISS untersuchen Wissenschaftler, wie Flammen, Kristalle und Flüssigkeiten ohne Gewicht wachsen und sich verhalten. Auch der menschliche Körper reagiert: Muskeln und Knochen werden ohne Belastung schwächer, deshalb trainieren Astronauten täglich etwa zwei Stunden an Geräten.

In der Klassenarbeit solltest du die Schwerelosigkeit immer über den freien Fall erklären. Eine gute Antwort nennt drei Punkte: Die Schwerkraft wirkt weiter, Station und Astronaut fallen gleich schnell, und deshalb gibt es keine Kraft auf die Unterlage. Mit diesen drei Sätzen erhältst du in der Regel die volle Punktzahl.

Bei Rechenaufgaben notierst du zuerst Masse und Fallbeschleunigung. Prüfe, ob der Ort angegeben ist, denn auf dem Mond rechnest du mit 1,62 m/s², auf der Erde mit 9,81 m/s². Schreibe immer die Einheit N für die Kraft hin und kontrolliere am Ende, ob das Ergebnis zur Größenordnung passt: 80 kg ergeben auf der Erde etwa 800 N.

Die wichtigsten Aussagen zur Schwerelosigkeit erklärt auf einen Blick.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Warum schweben Astronauten in der ISS?

Warum schweben Astronauten in der ISS?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Auf der ISS wirkt noch etwa 89 Prozent der Schwerkraft. Es fehlt nicht die Schwerkraft, sondern die Kraft auf die Unterlage.
  • Schwerelosigkeit entsteht, wenn ein Körper und seine Umgebung gemeinsam frei fallen.
  • Eine Umlaufbahn ist ein freier Fall, bei dem der Körper wegen seiner Seitwärtsgeschwindigkeit ständig an der Erde vorbeifällt.
  • Gewichtskraft: F gleich m mal g. Die Masse ändert sich nie, die Gewichtskraft hängt vom Ort ab.
  • Auch auf der Erde gibt es kurze Schwerelosigkeit in Fallturm, Parabelflug und Achterbahn.

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Häufige Fragen zu Schwerelosigkeit: Warum Astronauten schweben

Warum schweben Astronauten in der ISS?
Astronauten und Station fallen gemeinsam frei um die Erde. Weil beide mit derselben Beschleunigung fallen, drückt der Astronaut nicht auf den Boden und fühlt kein Gewicht. Die Schwerkraft wirkt dabei weiter, sie ist nur nicht spürbar.
Gibt es im Weltraum keine Schwerkraft?
Doch. Die Schwerkraft nimmt mit dem Abstand zur Erde zwar ab, verschwindet aber nie ganz. In 400 km Höhe wirkt noch etwa 89 Prozent der Anziehung an der Erdoberfläche. Echte Schwerelosigkeit ohne freien Fall gäbe es nur sehr weit weg von allen großen Himmelskörpern.
Was ist der Unterschied zwischen Masse und Gewichtskraft?
Die Masse gibt an, wie viel Stoff ein Körper enthält, und wird in Kilogramm gemessen. Sie ist überall gleich. Die Gewichtskraft misst du in Newton, sie ergibt sich aus Masse mal Fallbeschleunigung und ist auf dem Mond kleiner als auf der Erde.
Warum fällt die ISS nicht auf die Erde?
Sie fällt ständig, aber sie fliegt mit etwa 7,7 km/s zugleich seitlich. Die Erde krümmt sich unter ihr weg, sodass die Station immer wieder an der Erde vorbeifällt. Diese Bewegung nennt man eine Umlaufbahn.
Wie lange dauert ein Umlauf der ISS um die Erde?
Die ISS umrundet die Erde in etwa 92 Minuten, am Tag also gut 15-mal. Astronauten erleben deshalb rund 16 Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge pro Tag. Die hohe Geschwindigkeit ist nötig, damit die Station in der Umlaufbahn bleibt.
Kann man Schwerelosigkeit auf der Erde erleben?
Ja, aber nur kurz. Fallturm-Anlagen bieten mehrere Sekunden, Parabelflüge in speziellen Flugzeugen etwa 20 Sekunden. Auch auf der Achterbahn oder beim Sprung vom Sprungbrett spürst du für einen Moment, wie das Gewicht verschwindet.
Was macht Schwerelosigkeit mit dem Körper?
Ohne Belastung werden Muskeln und Knochen schwächer, Flüssigkeit verlagert sich Richtung Kopf, und das Gleichgewichtsorgan gerät durcheinander. Astronauten trainieren deshalb täglich etwa zwei Stunden. Nach der Rückkehr müssen sie sich erst wieder an die Schwerkraft gewöhnen.
Wie berechnet man die Gewichtskraft?
Du multiplizierst die Masse in Kilogramm mit der Fallbeschleunigung: F gleich m mal g. Auf der Erde ist g etwa 9,81 m/s². Ein Körper mit 80 kg hat also eine Gewichtskraft von etwa 785 N, in der ISS-Höhe sind es etwa 695 N.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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