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Satellitenbahnen: Umlaufzeit berechnen

Eine Satellitenbahn ist eine Kreis- oder Ellipsenbahn, auf der die Gravitation einen Satelliten ständig zur Erde zieht, ohne dass er abstürzt, weil seine Bahngeschwindigkeit hoch genug ist. In dieser Lektion lernst du, wie du Bahngeschwindigkeit und Umlaufzeit eines Satelliten berechnest und warum geostationäre Satelliten genau in 35800 Kilometern Höhe fliegen.

  • Fach: Physik
  • Klasse 11
  • Thema: Mechanik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Satellitenbahnen: Warum Satelliten nicht abstürzen

Ein Satellit auf einer Bahn um die Erde fällt ständig, aber er verfehlt dabei die Erde. Auf ihn wirkt nur die Gravitationskraft der Erde, die ihn zum Erdmittelpunkt zieht. Weil er gleichzeitig mit sehr hoher Geschwindigkeit seitlich fliegt, krümmt sich seine Flugbahn genau so stark wie die Erdoberfläche. Er fällt um die Erde herum.

Newton hat sich das mit einer Kanonenkugel auf einem hohen Berg vorgestellt. Je schneller die Kugel abgefeuert wird, desto weiter fliegt sie, bevor sie auf der Erde aufschlägt. Ab etwa 7,9 Kilometern pro Sekunde, der ersten kosmischen Geschwindigkeit, krümmt sich die Bahn so wie die Erde, und die Kugel kehrt nie zurück. Reibung mit der Luft lassen wir dabei außer Acht.

Physikalisch ist die Gravitationskraft in diesem Fall die Zentripetalkraft, die den Satelliten auf der Kreisbahn hält. Beide Kräfte müssen gleich groß sein. Aus dieser Gleichsetzung lassen sich Bahngeschwindigkeit und Umlaufzeit berechnen, und genau das machen wir in dieser Lektion.

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Satellitenbahn: Bahngeschwindigkeit und Umlaufzeit berechnen

Setzt du die Gravitationskraft G mal M mal m durch r zum Quadrat gleich der Zentripetalkraft m mal v zum Quadrat durch r, kürzt sich die Masse m des Satelliten heraus. Übrig bleibt die Formel für die Bahngeschwindigkeit: v zum Quadrat gleich G mal M durch r. Die Bahngeschwindigkeit hängt also nur von der Erdmasse und vom Bahnradius ab, nicht von der Masse des Satelliten.

Der Bahnradius r ist der Abstand vom Erdmittelpunkt, nicht die Höhe über dem Boden. Du bekommst ihn, indem du zur Flughöhe den Erdradius von 6371 Kilometern addierst. Je größer r, desto kleiner die Geschwindigkeit. Höhere Satelliten fliegen langsamer als tiefere.

Die Umlaufzeit T ist die Zeit für einen Umlauf. Du berechnest sie aus dem Bahnumfang geteilt durch die Geschwindigkeit: T gleich 2 mal Pi mal r durch v. Setzt du v ein, erhältst du T zum Quadrat gleich 4 mal Pi zum Quadrat mal r hoch 3 durch G mal M. Das ist das dritte keplersche Gesetz: Das Verhältnis von T² zu r³ ist für alle Satelliten der Erde gleich.

v²G · Mr
v
Bahngeschwindigkeit in m/s
G
Gravitationskonstante, G ≈ 6,674 · 10⁻¹¹ m³/(kg · s²)
M
Masse der Erde, M ≈ 5,972 · 10²⁴ kg
r
Bahnradius, Abstand zum Erdmittelpunkt in m
GrößeWertHinweis
Gravitationskonstante G6,674 · 10⁻¹¹ m³/(kg · s²)gilt im ganzen Universum
Masse der Erde M5,972 · 10²⁴ kgim Zentrum der Bahn
Erdradius R6371 km = 6,371 · 10⁶ mzur Höhe addieren
Sterntag (ein Erdumlauf)86164 s = 23 h 56 minfür geostationäre Bahn
Wichtige Konstanten für Satellitenbahnen um die Erde
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Satellitenbahnen im Vergleich: ISS, GPS und geostationäre Satelliten

Die Internationale Raumstation ISS fliegt in etwa 420 Kilometern Höhe. Dort hat sie eine Bahngeschwindigkeit von etwa 7,7 Kilometern pro Sekunde und braucht rund 93 Minuten für einen Umlauf. Die Besatzung erlebt deshalb etwa 16 Sonnenaufgänge am Tag. Auch auf der ISS wirkt die Gravitation noch mit etwa 8,6 Meter pro Sekunde zum Quadrat, die Astronauten fallen gemeinsam mit der Station und fühlen sich daher schwerelos.

GPS-Satelliten kreisen in etwa 20200 Kilometern Höhe und benötigen für einen Umlauf fast 12 Stunden. Geostationäre Satelliten, etwa für Fernsehen und Wetterbeobachtung, fliegen in etwa 35800 Kilometern Höhe. Ihre Umlaufzeit beträgt genau einen Sterntag. Weil sie sich über dem Äquator in derselben Richtung bewegen wie die Erde, stehen sie von der Erde aus gesehen scheinbar still.

Im Vergleich der drei Beispiele siehst du das Muster: Je höher die Bahn, desto größer die Umlaufzeit und desto kleiner die Geschwindigkeit. Auch der Mond folgt diesem Gesetz. Er ist etwa 384400 Kilometer entfernt, fliegt mit rund 1,0 Kilometern pro Sekunde und braucht etwa 27,5 Tage für einen Umlauf.

Je höher die Satellitenbahn, desto langsamer fliegt der Satellit und desto länger dauert ein Umlauf.
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Beispiel 1: Umlaufzeit der ISS berechnen

Die ISS fliegt in 420 km Höhe auf einer Kreisbahn um die Erde. Berechne ihre Bahngeschwindigkeit und die Umlaufzeit.

Gegeben:

  • h420 km
  • R6371 km
  • G6,674 · 10⁻¹¹ m³kg · s²
  • M5,972 · 10²⁴ kg

Gesucht:

v und T

Lösung:

  1. rR + h6371 km + 420 km6791 km6,791 · 10⁶ m
  2. v²G · Mr3,98610¹⁴6,79110⁶ ≈ 5,8710⁷ m²s²
  3. v ≈ 7661 ms ≈ 7,7 km/s
  4. T2 · π · rv2 · π · 6,791 · 10⁶ m7661 m/s ≈ 5570 s ≈ 93 min

Die ISS fliegt mit etwa 7,7 km/s, das sind rund 27600 km/h, und braucht etwa 5570 s oder 93 min für einen Umlauf um die Erde. Beachte, dass du den Erdradius zur Höhe addieren musst und alle Längen in Meter einsetzt. Das Ergebnis passt gut zu den Beobachtungen, denn die Station umrundet die Erde etwa 15,5 Mal pro Tag.

In vier Schritten vom Bahnradius zur Umlaufzeit eines Satelliten.
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Beispiel 2: Die geostationäre Satellitenbahn

Ein geostationärer Satellit braucht für einen Umlauf einen Sterntag, also T = 86164 s. In welcher Höhe über der Erdoberfläche fliegt er, und wie schnell ist er?

Gegeben:

  • T86164 s
  • R6371 km
  • G · M ≈ 3,986 · 10¹⁴ m³s²

Gesucht:

h und v

Lösung:

  1. r³G · M · T²4 · π²
  2. r³3,986 · 10¹⁴ · (86164)²39,48 ≈ 7,495 · 10²² m³
  3. r ≈ 4,216 · 10⁷ m42163 km
  4. hr − R42163 km − 6371 km ≈ 35792 km
  5. v2 · π · rT ≈ 3075 m/s ≈ 3,1 km/s

Ein geostationärer Satellit fliegt in etwa 35800 km Höhe mit rund 3,1 km/s. Nur auf dieser Bahn und über dem Äquator entspricht seine Umlaufzeit genau der Erddrehung. Deshalb gibt es einen festen Abstand zum Äquator, und alle geostationären Satelliten müssen sich diese eine Bahn teilen.

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Typische Fehler bei Satellitenbahnen

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Flughöhe und Bahnradius. In allen Formeln steht der Abstand zum Erdmittelpunkt, nicht die Höhe über dem Boden. Wer bei der ISS mit 420 Kilometern rechnet, statt mit 6791 Kilometern, erhält eine völlig unsinnige Geschwindigkeit. Addiere immer den Erdradius.

Der zweite Fehler sind die Einheiten. Die Gravitationskonstante hat Meter und Kilogramm in ihrer Einheit, also musst du den Radius in Meter einsetzen. Gibst du 6791 statt 6,791 · 10⁶ ein, liegt das Ergebnis um den Faktor 1000 daneben. Prüfe dein Ergebnis mit dem Hausverstand: Satelliten in Erdnähe fliegen mit rund 7 bis 8 km/s.

Ein dritter Irrtum ist die Vorstellung, ein schwerer Satellit brauche eine andere Geschwindigkeit als ein leichter. Die Masse des Satelliten kürzt sich in der Rechnung heraus. Ein Kleinsatellit und eine Raumstation fliegen in gleicher Höhe mit gleicher Geschwindigkeit. Ebenso falsch ist die Aussage, Astronauten seien schwerelos, weil es dort keine Gravitation gebe. Sie ist dort fast so groß wie am Boden, die Astronauten fallen nur mit der Station zusammen.

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Alltagsbezug, GPS und Tipps für die Klausur

Satelliten sind aus dem Alltag nicht wegzudenken. GPS-Satelliten bestimmen deine Position, Wettersatelliten liefern Bilder für die Vorhersage, und Kommunikationssatelliten übertragen Fernsehprogramme und Telefonate. Für die genaue Ortung braucht dein Smartphone das Signal von mindestens vier GPS-Satelliten gleichzeitig, weil es neben der Position auch die genaue Uhrzeit bestimmen muss.

Für die Klausur gehst du immer gleich vor. Erstens bestimmst du den Bahnradius aus Höhe und Erdradius. Zweitens rechnest du alles in Grundeinheiten um. Drittens berechnest du die Geschwindigkeit mit v² gleich G mal M durch r und viertens die Umlaufzeit aus dem Umfang durch die Geschwindigkeit. Notiere die Konstanten G und M im Kopf oder suche sie in der Formelsammlung.

Wenn nach der Höhe einer Bahn bei gegebener Umlaufzeit gefragt ist, nutzt du das dritte keplersche Gesetz und ziehst am Ende den Erdradius ab. Prüfe stets die Größenordnung: Die Umlaufzeit in Erdnähe liegt bei etwa anderthalb Stunden, und sie wächst mit der Höhe. Ein Ergebnis von wenigen Sekunden oder von Jahren ist sicher ein Rechenfehler.

Die wichtigsten Aussagen zu Satellitenbahnen und zur Umlaufzeit auf einen Blick.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welche Kraft hält einen Satelliten auf seiner Kreisbahn um die Erde?

Welche Kraft hält einen Satelliten auf seiner Kreisbahn um die Erde?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Auf einer Satellitenbahn liefert die Gravitationskraft die Zentripetalkraft, der Satellit fällt ständig um die Erde herum.
  • Bahngeschwindigkeit: v² gleich G mal M durch r, wobei r der Abstand zum Erdmittelpunkt ist.
  • Umlaufzeit: T gleich 2 mal Pi mal r durch v, und T² durch r³ ist für alle Satelliten der Erde gleich.
  • Je höher die Bahn, desto langsamer der Satellit und desto länger die Umlaufzeit.
  • Die Masse des Satelliten kürzt sich heraus, und geostationäre Satelliten fliegen in etwa 35800 km Höhe.

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Häufige Fragen zu Satellitenbahnen: Umlaufzeit berechnen

Wie berechnet man die Umlaufzeit eines Satelliten?
Du bestimmst zuerst den Bahnradius aus Flughöhe plus Erdradius, dann die Bahngeschwindigkeit mit v zum Quadrat gleich G mal M durch r. Die Umlaufzeit ist der Bahnumfang geteilt durch die Geschwindigkeit, also T gleich 2 mal Pi mal r durch v. Rechne dabei alles in Meter und Sekunden.
Wie schnell fliegt ein Satellit um die Erde?
Das hängt von der Höhe ab. In niedriger Erdumlaufbahn, wie bei der ISS in etwa 420 Kilometern, sind es rund 7,7 Kilometer pro Sekunde. Ein geostationärer Satellit in etwa 35800 Kilometern Höhe fliegt nur mit etwa 3,1 Kilometern pro Sekunde.
Warum stürzt ein Satellit nicht auf die Erde?
Der Satellit fällt zwar ständig, aber durch seine hohe seitliche Geschwindigkeit krümmt sich seine Bahn genauso wie die Erdoberfläche. Er verfehlt die Erde dadurch immer wieder. In großer Höhe gibt es kaum Luft, deshalb wird er auch nicht abgebremst.
Was ist ein geostationärer Satellit?
Ein geostationärer Satellit umkreist die Erde über dem Äquator in etwa 35800 Kilometern Höhe in genau einem Sterntag. Von der Erde aus gesehen steht er deshalb scheinbar still am Himmel. Fernsehsatelliten und viele Wettersatelliten nutzen diese Bahn.
Warum sind Astronauten auf der ISS schwerelos?
Auf der ISS wirkt die Gravitation noch mit knapp 90 Prozent des Wertes am Erdboden. Die Astronauten sind schwerelos, weil sie gemeinsam mit der Station frei um die Erde fallen. Es gibt keine Kraft, die sie gegen den Boden der Station drückt, daher fühlen sie sich gewichtslos.
Warum fliegen höhere Satelliten langsamer?
In größerer Entfernung ist die Gravitationskraft schwächer, deshalb reicht eine kleinere Geschwindigkeit, um den Satelliten auf der Kreisbahn zu halten. Zudem ist der Bahnumfang größer. Beides zusammen verlängert die Umlaufzeit stark, beim Mond auf etwa 27 Tage.
Was besagt das dritte keplersche Gesetz?
Das dritte keplersche Gesetz besagt, dass das Quadrat der Umlaufzeit proportional zur dritten Potenz des Bahnradius ist. Für alle Satelliten, die dieselbe Erde umkreisen, ist das Verhältnis T² durch r³ gleich groß. Damit kannst du aus der Umlaufzeit den Radius berechnen.
In welcher Höhe fliegen GPS-Satelliten?
GPS-Satelliten fliegen in etwa 20200 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche. Dort brauchen sie knapp 12 Stunden für einen Umlauf und fliegen mit etwa 3,9 Kilometern pro Sekunde. Mindestens vier Satelliten gleichzeitig ermöglichen deinem Smartphone die Positionsbestimmung.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes