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Fehler 1. und 2. Art beim Hypothesentest erklärt

Fehler 1. und 2. Art beschreiben die beiden Arten, wie sich ein Hypothesentest irren kann: Er lehnt eine wahre Nullhypothese ab oder er behält eine falsche bei. Du lernst, wie du die Wahrscheinlichkeiten alpha und beta berechnest, rechnest zwei Beispiele mit einer Münze vor und löst fünf Aufgaben.

  • Fach: Mathematik
  • Klasse 12
  • Thema: Stochastik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Fehler 1. und 2. Art: Wie sich ein Test irren kann

Ein Hypothesentest entscheidet anhand einer Stichprobe, ob eine Annahme, die Nullhypothese H₀, abgelehnt wird. Weil die Stichprobe vom Zufall abhängt, kann er sich irren, und zwar auf zwei verschiedene Arten. Beim Fehler 1. Art lehnt er die Nullhypothese ab, obwohl sie stimmt. Beim Fehler 2. Art behält er sie bei, obwohl sie falsch ist.

Ein Beispiel macht es greifbar. Du testest, ob eine Münze fair ist, und wirfst sie zehnmal. Fällt zufällig neunmal Zahl, lehnst du die Fairness ab. Hast du eine faire Münze, hast du dich geirrt: Das ist der Fehler 1. Art. Fällt dagegen siebenmal Zahl, behältst du die Annahme bei. Ist die Münze in Wahrheit gezinkt, ist das der Fehler 2. Art.

Beide Fehler lassen sich nicht ganz vermeiden, aber man kann ihre Wahrscheinlichkeiten berechnen. Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art heißt α (Alpha) und die für den Fehler 2. Art β (Beta). Mit α legt man fest, wie viel Irrtum man in Kauf nimmt, meist 5 Prozent oder 1 Prozent. Dieser Wert heißt Signifikanzniveau.

Welcher Fehler schlimmer ist, hängt vom Zusammenhang ab. Bei einem Medikamententest ist es schlimm, ein unwirksames Mittel zuzulassen, bei einem Rauchmelder wäre ein unerkannter Defekt gefährlicher. Die Wahl der Nullhypothese und des Signifikanzniveaus spiegelt deshalb, was man unbedingt vermeiden will.

EntscheidungH₀ wahrH₀ falsch
H₀ abgelehntFehler 1. Art (α)richtig
H₀ nicht abgelehntrichtigFehler 2. Art (β)
Die vier Möglichkeiten beim Hypothesentest
Fehler 1. und 2. Art: Die Entscheidungstabelle zeigt, wann welcher Fehler auftritt.
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Fehler 1. und 2. Art berechnen: α und β

Den Fehler 1. Art berechnest du immer unter der Annahme, dass H₀ gilt. Du nimmst die Trefferwahrscheinlichkeit p aus der Nullhypothese und bestimmst die Wahrscheinlichkeit, dass die Trefferzahl im Ablehnungsbereich liegt. Das ist α. Bei zweiseitigen Tests zählst du beide Ränder des Ablehnungsbereichs zusammen.

Den Fehler 2. Art berechnest du unter der Annahme, dass eine bestimmte Alternative gilt, zum Beispiel p = 0,8. Dann bestimmst du die Wahrscheinlichkeit, dass die Trefferzahl im Annahmebereich liegt, also außerhalb des Ablehnungsbereichs. Das ist β. Ohne konkrete Alternative lässt sich β nicht berechnen, denn bei einer falschen Nullhypothese ist p ja nicht festgelegt.

Beide Wahrscheinlichkeiten hängen am selben Ablehnungsbereich, wirken aber gegensätzlich. Vergrößerst du den Ablehnungsbereich, wird α größer und β kleiner. Verkleinerst du ihn, passiert das Gegenteil. Du kannst nicht beide gleichzeitig verkleinern, außer du erhöhst die Zahl der Versuche n.

α = P(H₀ abgelehnt | H₀ wahr) und β = P(H₀ angenommen | H₁ wahr)
α
Wahrscheinlichkeit des Fehlers 1. Art, auch Signifikanzniveau
β
Wahrscheinlichkeit des Fehlers 2. Art
H
Hypothese: H₀ Nullhypothese, H₁ Alternative
Fehler 1. und 2. Art im Münztest: Verteilungen und Ablehnungsbereich.
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Beispiel 1: Fehler 1. Art bei der Münze

Eine Münze wird zehnmal geworfen. H₀: Die Münze ist fair (p = 0,5). Der Test lehnt H₀ ab, wenn höchstens 1-mal oder mindestens 9-mal Zahl fällt. Berechne die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art.

Gegeben:

  • n10, p0,5 unter H₀
  • Ablehnungsbereich {0, 1, 9, 10}

Gesucht:

α

Lösung:

  1. Der Fehler 1. Art tritt auf, wenn die Trefferzahl im Ablehnungsbereich liegt, obwohl p = 0,5 gilt. Es ist α = P(X ≤ 1) + P(X ≥ 9).
  2. Einzelwerte mit p0,5: P(X0)1 : 1024, P(X1)10 : 1024, P(X9)10 : 1024, P(X10)1 : 1024.
  3. Addiere: α(1 + 10 + 10 + 1) : 102422 : 1024.
  4. Rechne um: 22 : 1024 ≈ 0,0215, also etwa 2,15 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art beträgt etwa 2,15 Prozent. Der Test hält ein Signifikanzniveau von 5 Prozent also ein: Eine faire Münze wird nur selten fälschlich entlarvt.

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Beispiel 2: Fehler 2. Art bei gezinkter Münze

Dieselbe Münze ist in Wahrheit gezinkt und zeigt mit der Wahrscheinlichkeit p = 0,8 Zahl. Der Ablehnungsbereich bleibt {0, 1, 9, 10}. Berechne die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art.

Gegeben:

  • n10, tatsächlich p0,8
  • Annahmebereich {2, 3, …, 8}

Gesucht:

β

Lösung:

  1. Der Fehler 2. Art tritt auf, wenn die Trefferzahl im Annahmebereich liegt, obwohl die Münze gezinkt ist. Es ist β = P(2 ≤ X ≤ 8) mit p = 0,8.
  2. Rechne über das Gegenereignis: β = 1 − P(X ≥ 9) − P(X ≤ 1).
  3. Einzelwerte mit p0,8: P(X9)10 · 0,8⁹ · 0,2 ≈ 0,2684, P(X10)0,8¹⁰ ≈ 0,1074, P(X ≤ 1) ≈ 0,000004.
  4. Zusammen: β ≈ 1 − 0,2684 − 0,1074 − 0,000004 ≈ 0,6242.

Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art beträgt etwa 62,4 Prozent. Der Test erkennt diese gezinkte Münze also nur in rund jedem dritten Fall. Vergrößert man den Ablehnungsbereich, sinkt β auf etwa 32 Prozent, dafür steigt α auf rund 11 Prozent.

Ablehnungsbereichα (p = 0,5)β (p = 0,8)
{0, 1, 9, 10}0,02150,6242
{0, 1, 2, 8, 9, 10}0,10940,3221
Der Gegenspieler α und β bei zwei Ablehnungsbereichen
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Typische Fehler bei Fehler 1. und 2. Art

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung der beiden Fehlerarten. Merke dir: Beim Fehler 1. Art wird etwas Wahres abgelehnt, beim Fehler 2. Art etwas Falsches beibehalten. Hilfreich ist die Entscheidungstabelle: Die Spalte zeigt, was in Wahrheit gilt, die Zeile, wie der Test entscheidet. Die beiden Felder mit dem Irrtum sind die Fehler.

Der zweite Fehler betrifft die Berechnung von α und β. α rechnest du mit dem p der Nullhypothese und der Wahrscheinlichkeit des Ablehnungsbereichs. β rechnest du mit dem p der Alternative und der Wahrscheinlichkeit des Annahmebereichs. Wer beides mit demselben p rechnet, kommt auf völlig unsinnige Werte. Wer β ohne konkretes p der Alternative sucht, rechnet ins Leere, denn dafür gibt es keinen eindeutigen Wert.

Der dritte Fehler ist die Annahme, das Nichtablehnen von H₀ beweise H₀. Das stimmt nicht: Es bedeutet nur, dass die Stichprobe keine ausreichenden Gegenbeweise liefert. Gerade bei kleinem n ist β groß, und ein gezinkter Würfel kann lange unerkannt bleiben. Formuliere deshalb im Antwortsatz vorsichtig: Die Hypothese kann nicht abgelehnt werden.

Fehler 1. und 2. Art auf einen Blick: Definition, Berechnung und Gegenspieler.
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Fehler 1. und 2. Art in Klausur und Alltag

In Klausuren zum Hypothesentest verlangt man meist drei Dinge. Du formulierst Nullhypothese und Alternative, bestimmst den Ablehnungsbereich zu einem gegebenen Signifikanzniveau und beschreibst anschließend die beiden Fehler in Worten. Bei der Beschreibung muss der Sachzusammenhang vorkommen. Statt allgemein von H₀ zu sprechen, schreibst du zum Beispiel: Der Test lehnt die Behauptung des Herstellers ab, obwohl sie stimmt.

Im Alltag begegnen dir die beiden Fehler überall. Bei einem Corona-Test oder einem Schwangerschaftstest bedeutet ein falsch positives Ergebnis den Fehler 1. Art und ein falsch negatives den Fehler 2. Art. Ein Spam-Filter, der eine wichtige Mail aussortiert, macht einen Fehler 1. Art, wenn die Nullhypothese lautet, dass die Mail kein Spam ist. Ein Filter, der Spam durchlässt, begeht den Fehler 2. Art.

Die Qualität eines Tests misst man daran, wie klein α und β zugleich sind. Beide gleichzeitig zu senken geht nur mit einer größeren Stichprobe. Deshalb planen Studien ihre Teilnehmerzahl so, dass sie auch kleine Effekte sicher erkennen, ohne zu viele falsche Alarme zu erzeugen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Wann begeht man einen Fehler 1. Art?

Wann begeht man einen Fehler 1. Art?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Fehler 1. und 2. Art: Bei Fehler 1. Art wird eine wahre H₀ abgelehnt, bei Fehler 2. Art eine falsche H₀ beibehalten.
  • α ist die Wahrscheinlichkeit des Ablehnungsbereichs unter H₀, β die Wahrscheinlichkeit des Annahmebereichs unter einer konkreten Alternative.
  • Ein größerer Ablehnungsbereich erhöht α und senkt β, ein kleinerer macht das Gegenteil.
  • Beide Fehler gleichzeitig verkleinerst du nur mit mehr Versuchen n.
  • Typischer Fehler: α und β verwechseln oder beide mit demselben p berechnen.

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Häufige Fragen zu Fehler 1. und 2. Art beim Hypothesentest erklärt

Was ist der Fehler 1. Art?
Der Fehler 1. Art tritt auf, wenn ein Hypothesentest die Nullhypothese ablehnt, obwohl sie wahr ist. Seine Wahrscheinlichkeit heißt α und wird als Signifikanzniveau vorgegeben, meist 5 Prozent. Man spricht auch von einem falschen Alarm.
Was ist der Fehler 2. Art?
Der Fehler 2. Art tritt auf, wenn der Test die Nullhypothese beibehält, obwohl sie falsch ist. Seine Wahrscheinlichkeit heißt β. Sie hängt davon ab, welche Alternative in Wahrheit gilt, und lässt sich nur für ein konkretes p berechnen.
Wie berechne ich den Fehler 1. Art?
Du nimmst die Trefferwahrscheinlichkeit p aus der Nullhypothese und berechnest die Wahrscheinlichkeit, dass die Trefferzahl im Ablehnungsbereich liegt. Bei zweiseitigen Tests addierst du beide Ränder. Mit n = 10 und p = 0,5 ergibt der Bereich {0, 1, 9, 10} den Wert 22 : 1024 ≈ 0,0215.
Wie berechne ich den Fehler 2. Art?
Du setzt das p der Alternative ein und berechnest die Wahrscheinlichkeit, dass die Trefferzahl im Annahmebereich liegt. Das geht oft am besten über das Gegenereignis des Ablehnungsbereichs. Mit p = 0,8 und dem Bereich {0, 1, 9, 10} ergibt sich β ≈ 0,6242.
Was ist der Unterschied zwischen Fehler 1. und 2. Art?
Beim Fehler 1. Art wird eine wahre Nullhypothese verworfen, beim Fehler 2. Art wird eine falsche Nullhypothese nicht verworfen. Der erste ist ein falscher Alarm, der zweite ein übersehener Effekt. Die Wahrscheinlichkeiten heißen α und β.
Was ist das Signifikanzniveau?
Das Signifikanzniveau ist die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art, die du vor dem Test akzeptierst. Üblich sind 5 Prozent, 1 Prozent oder 10 Prozent. Der Ablehnungsbereich wird so gewählt, dass sein α unter diesem Wert bleibt.
Warum kann man α und β nicht beide verkleinern?
Bei gleichem Stichprobenumfang wirkt der Ablehnungsbereich in beide Richtungen: Ein größerer Bereich senkt β, erhöht aber α. Ein kleinerer senkt α, erhöht aber β. Nur mit einer größeren Stichprobe lassen sich beide Fehler gleichzeitig verringern.
In welcher Klasse lernt man Fehler 1. und 2. Art?
Fehler 1. und 2. Art stehen im Stochastikteil der Qualifikationsphase, meist in Klasse 12, im Zusammenhang mit dem Hypothesentest. Voraussetzungen sind die Binomialverteilung und die kumulierte Binomialverteilung. In manchen Bundesländern ist das Thema auf erhöhtem Niveau vorgesehen.

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