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Materialgestütztes Schreiben: Aufbau, Tipps, Beispiel

In der Oberstufe ist materialgestütztes Schreiben eine Aufgabenart, bei der du aus mehreren vorgegebenen Materialien einen eigenen Text für einen bestimmten Adressaten verfasst. Du wertest die Materialien aus, wählst passende Informationen aus und verarbeitest sie in eigenen Worten zu einem Text wie einem Artikel, einer Rede oder einem Leserbrief. In dieser Lektion lernst du das Vorgehen in fünf Schritten, den Umgang mit Quellen und die typischen Fehler, dazu ein Beispiel mit Materialien.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 12
  • Thema: Texte schreiben
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Materialgestütztes Schreiben: Was verlangt die Aufgabe?

Bei dieser Aufgabenart bekommst du einen Auftrag und eine Auswahl an Materialien. Der Auftrag nennt eine Situation, einen Adressaten und eine Textsorte, zum Beispiel: „Verfasse für die Schülerzeitung einen informierenden Artikel zum Thema Handynutzung im Unterricht.“ Die Materialien sind kurze Texte, Grafiken, Statistiken, Interviewauszüge oder Zitate. Sie liefern die Informationen, aus denen du deinen Text baust. Die Bezeichnung der Aufgabenart ist nicht in allen Bundesländern gleich. In Nordrhein-Westfalen heißt sie zum Beispiel Materialgestütztes Verfassen informierender Texte.

Anders als bei einer Textanalyse analysierst du die Materialien nicht um ihrer selbst willen. Sie sind Rohstoff. Deine Leistung besteht darin, daraus einen neuen, eigenständigen Text zu schaffen, der zum Adressaten und zur Textsorte passt. Ein guter Text wertet die Materialien aus, ordnet die Informationen sinnvoll, verknüpft sie und lässt Unwichtiges weg. Er schreibt nichts einfach ab und nennt die Quellen.

Wichtig ist außerdem, dass nicht jedes Material gleich nützlich ist. Manche enthalten Aussagen, die sich widersprechen, andere sind für die Aufgabe kaum relevant. Du musst entscheiden, was du verwendest. Das nennt man Selektion. Genau diese Auswahl und die eigenständige Ordnung der Informationen gehören zu den wichtigsten Bewertungskriterien.

Das Vorgehen beim materialgestützten Schreiben in fünf Schritten.
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Aufbau: materialgestütztes Schreiben Schritt für Schritt

Im ersten Schritt liest du die Aufgabe genau und markierst Adressat, Textsorte, Anlass, Thema und Umfang. Im zweiten Schritt wertest du die Materialien aus: Notiere zu jedem Material Kernaussage und möglichen Nutzen für deinen Text. Im dritten Schritt ordnest du die Informationen nach Aspekten, nicht nach Materialien, und erstellst eine Gliederung. Dann schreibst du den Text mit Einleitung, Hauptteil und Schluss und überarbeitest ihn zum Schluss.

Die Textsorte entscheidet über Ton und Aufbau. Ein informierender Artikel bleibt sachlich und objektiv. Eine Rede spricht die Zuhörer direkt an und nutzt rhetorische Mittel. Ein Leserbrief argumentiert und bezieht Stellung, ein Kommentar ist ausdrücklich meinungsbetont. Ein Informationsflyer fasst kurz und übersichtlich zusammen. Die Materialien bleiben bei allen Textsorten dieselbe Grundlage.

Informierende Textsorten

Wenn der Text neutral informieren soll, etwa Artikel, Flyer oder Bericht.

Beispiele

  • Laut einer Schulumfrage (M1) nutzen viele Schüler ihr Handy für Recherche.
  • Die wichtigsten Regeln im Überblick

Signalwörter

  • Du bleibst sachlich und neutral.
  • Du nennst Fakten und deren Quellen.
  • Eigene Wertungen fehlen oder sind zurückhaltend.

Meinungsbildende Textsorten

Wenn der Text überzeugen soll, etwa Rede, Leserbrief oder Kommentar.

Beispiele

  • Liebe Mitschüler, wir müssen über den Umgang mit dem Handy sprechen.
  • Meiner Ansicht nach überwiegen die Vorteile, weil …

Signalwörter

  • Du beziehst Stellung und begründest.
  • Du nutzt Materialien als Argumente.
  • Du sprichst den Adressaten direkt an.
  • Der Ton passt zur Situation.
MaterialKernaussageNutzen für den Text
M1: UmfrageMehr als die Hälfte nutzt das Handy zur RechercheBeleg für Vorteile
M2: InterviewLehrkraft sieht Ablenkung als größtes ProblemGegenposition
M3: GrafikDie Nutzungszeit steigt mit dem AlterHintergrundinformation
M4: ForumsbeitragEinzelne Meinung ohne Belegwenig brauchbar, nur als Beispiel
Materialien auswerten: Arbeitstabelle
Je nach Textsorte ändern sich Adressat und Stil beim materialgestützten Schreiben.
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Materialgestütztes Schreiben: Beispielaufgabe mit Materialien

Verfasse für die Schülerzeitung einen informierenden Artikel zum Thema „Handynutzung im Unterricht“. Nutze M1 (Ergebnisse einer Schulumfrage), M2 (Interview mit einer Lehrkraft), M3 (Grafik zur Nutzungszeit) und M4 (Forumsbeitrag). Die Materialien sind erfunden und dienen nur zur Übung.

Gegeben:

  • Adressat: Schüler und Lehrkräfte der Schule
  • Textsorte: informierender Artikel, sachlicher Ton
  • Materialien: vier Beispielmaterialien, M4 ist wenig brauchbar

Gesucht:

Gliederung und Textbausteine eines informierenden Artikels

Lösung:

  1. Aufgabe analysieren: Der Adressat sind Schüler und Lehrkräfte, die Textsorte ist ein Artikel, der Ton sachlich. Der Artikel soll informieren, nicht überreden. Der Umfang liegt bei etwa 400 bis 500 Wörtern.
  2. Materialien auswerten: M1 zeigt, wofür Schüler das Handy nutzen, M2 benennt die Sicht der Lehrkräfte, M3 liefert Hintergrund, M4 ist eine Einzelmeinung und wird nur kurz erwähnt oder weggelassen.
  3. Gliederung: Einleitung mit Aufhänger und Thema, Hauptteil mit den Aspekten Nutzung, Chancen, Probleme und Regelungen, Schluss mit Ausblick. Jeder Aspekt bekommt einen Absatz.
  4. Einleitung schreiben: „Ob zur Recherche oder zum Spielen: Das Handy gehört für viele Schüler zum Schulalltag. Doch wie sinnvoll ist es im Unterricht? Eine Umfrage und ein Gespräch mit einer Lehrkraft geben Antworten.“
  5. Hauptteil formulieren: „Laut einer Schulumfrage nutzen mehr als die Hälfte der Befragten ihr Handy zur Recherche (M1). Die befragte Lehrkraft sehe jedoch in der Ablenkung das größte Problem (M2).“ Hier steht die indirekte Rede im Konjunktiv I, weil Aussagen anderer wiedergegeben werden.
  6. Schluss und Kontrolle: Der Schluss fasst zusammen und blickt voraus, zum Beispiel auf eine gemeinsame Regelung. Danach prüfst du Aufgabenbezug, Quellenangaben, Stil und Rechtschreibung.

Der Artikel nutzt M1 bis M3, ordnet sie nach Aspekten, nennt die Quellen mit Kürzeln wie (M1), gibt Aussagen anderer in indirekter Rede wieder und bleibt sachlich. Das unbrauchbare Material M4 wird nicht überbewertet.

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Typische Fehler: materialgestütztes Schreiben in der Klausur

Der häufigste Fehler ist das bloße Zusammenfassen der Materialien nacheinander. Wer M1, M2, M3 der Reihe nach wiedergibt, schreibt eine Inhaltsangabe, aber keinen eigenen Text. Die Aufgabe verlangt, die Informationen zu ordnen und zu verknüpfen. Gliedere deshalb nach Aspekten und nenne zu einem Aspekt mehrere Materialien, die zusammenpassen oder sich widersprechen.

Der zweite Fehler ist das wörtliche Übernehmen ganzer Sätze. Kurze Zitate sind erlaubt, wenn sie als Zitat gekennzeichnet sind, aber lange Passagen aus den Materialien zu kopieren gilt als mangelnde Eigenleistung. Formuliere in eigenen Worten und nenne die Quelle. Dasselbe gilt für Zahlen aus Statistiken: Nenne den Wert und die Quelle, ohne die Grafik zu beschreiben.

Der dritte Fehler ist, Adressat und Textsorte zu ignorieren. Ein Leserbrief ohne Anrede oder eine Rede ohne direkte Ansprache verfehlt die Aufgabe. Auch eine zu starke eigene Meinung in einem informierenden Artikel ist ein Fehler. Weitere Fehler sind fehlende Quellenangaben, der Verzicht auf Auswahl, indem jedes Material benutzt wird, und ein Wechsel zwischen sachlichem und umgangssprachlichem Ton.

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Tipps für die Klassenarbeit: materialgestütztes Schreiben

Teile die Zeit gut ein. Bei einer Klausur von 90 Minuten planst du etwa 15 Minuten für Aufgabe und Materialien, zehn Minuten für die Gliederung, 50 bis 55 Minuten für das Schreiben und zehn Minuten für die Überarbeitung. Markiere im Aufgabentext Adressat, Textsorte und Umfang mit drei Farben. Unterstreiche in den Materialien nur die Aussagen, die du wirklich brauchst, und notiere am Rand das Aspektwort.

Nutze Verknüpfungswörter, damit die Materialien sich zu einem Text verbinden: „Während M1 zeigt …, betont M2 …“, „Dies bestätigt auch …“, „Dagegen spricht …“. Gib Aussagen anderer in indirekter Rede mit Konjunktiv I wieder und nenne die Quelle. Beginne den Text mit einem Aufhänger, der den Adressaten anspricht, und schließe mit einem Ausblick, einem Appell oder einer Frage, die zur Textsorte passt.

Plane Zeit für die Korrektur ein. Prüfe: Habe ich Adressat und Textsorte beachtet? Sind alle wichtigen Aspekte enthalten? Stimmen die Quellenangaben? Ist der Ton einheitlich? Übe vor der Klausur mit alten Aufgaben, indem du Materialien auswertest und eine Gliederung in fünf Minuten erstellst. Mit Routine sparst du in der Prüfung viel Zeit.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Was ist die Hauptaufgabe beim materialgestützten Schreiben?

Was ist die Hauptaufgabe beim materialgestützten Schreiben?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Beim materialgestützten Schreiben verfasst du aus Materialien einen eigenen Text für einen bestimmten Adressaten.
  • Das Vorgehen: Aufgabe lesen, Materialien auswerten, nach Aspekten gliedern, schreiben und überarbeiten.
  • Die Textsorte bestimmt den Ton: informierende Texte sind sachlich, Rede, Leserbrief und Kommentar beziehen Stellung.
  • Aussagen aus den Materialien gibst du in eigenen Worten wieder, meist in indirekter Rede, und nennst die Quelle.
  • Typische Fehler sind das Aneinanderreihen der Materialien, das Abschreiben und das Ignorieren von Adressat und Textsorte.

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Häufige Fragen zu Materialgestütztes Schreiben: Aufbau, Tipps, Beispiel

Was ist materialgestütztes Schreiben?
Materialgestütztes Schreiben ist eine Aufgabenart, bei der du aus vorgegebenen Materialien wie Texten, Grafiken oder Interviews einen eigenen Text für einen bestimmten Adressaten verfasst. Du wertest die Materialien aus, wählst Informationen aus und verarbeitest sie in eigenen Worten.
Wie geht man beim materialgestützten Schreiben vor?
Lies zuerst die Aufgabe und markiere Adressat, Textsorte und Umfang. Werte dann die Materialien aus und notiere Kernaussagen. Gliedere nach Aspekten, schreibe den Text mit Einleitung, Hauptteil und Schluss und überarbeite ihn. Prüfe zum Schluss Quellen, Stil und Rechtschreibung.
Muss man bei materialgestütztem Schreiben alle Materialien verwenden?
Nein, du darfst und sollst auswählen. Manche Materialien sind für die Aufgabe weniger nützlich oder widersprüchlich. Verwende die wichtigsten und lass unbrauchbare weg oder erwähne sie nur kurz. Die Auswahl und Gewichtung gehören zu den Bewertungskriterien.
Wie zitiert man Materialien beim materialgestützten Schreiben?
Du verweist mit Kürzeln wie (M1) oder „laut M2“ auf die Materialien. Wörtliche Zitate sind selten nötig und müssen in Anführungszeichen stehen. Meist gibst du Inhalte in eigenen Worten wieder. Die genauen Vorgaben stehen im Aufgabentext oder in den Hinweisen deiner Lehrkraft.
Was ist der Unterschied zwischen materialgestütztem Schreiben und einer Textanalyse?
Bei der Textanalyse untersuchst du einen Text in Aufbau, Inhalt und Sprache. Beim materialgestützten Schreiben nutzt du Materialien als Informationsquelle und schreibst einen neuen Text für einen Adressaten. Es geht also um Verarbeitung statt um Untersuchung.
Wie lang soll ein Text beim materialgestützten Schreiben sein?
Die Länge steht in der Aufgabe. Häufig sind es etwa 400 bis 800 Wörter, je nach Bundesland und Prüfung. Richte dich immer nach der Vorgabe. Ein deutlich zu kurzer Text lässt Aspekte aus, ein zu langer verliert an Struktur und kostet Zeit.
Darf ich beim materialgestützten Schreiben meine Meinung äußern?
Das hängt von der Textsorte ab. In einem informierenden Artikel bleibst du sachlich und hältst dich mit Wertungen zurück. In einer Rede, einem Leserbrief oder einem Kommentar ist eine begründete Meinung erwünscht. Lies die Aufgabe genau, sie nennt die Anforderung.
Welche Textsorten kommen beim materialgestützten Schreiben vor?
Häufig sind informierende Artikel, Reden, Leserbriefe, Kommentare, Flyer und Berichte. Welche Textsorte verlangt wird, steht im Aufgabentext. Sie bestimmt Ton, Aufbau und Ansprache des Adressaten, während die Materialien als Grundlage dienen.

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