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Einen Leserbrief schreiben

Ein Leserbrief ist die Reaktion eines Zeitungslesers auf einen Artikel – kurz, meinungsstark und trotzdem sachlich. In dieser Lektion lernst du den Aufbau eines Leserbriefs, wie du eine klare Position aufbaust und mit Argumenten stützt und wie du auch bei Kritik höflich bleibst.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 9
  • Thema: Texte schreiben
  • Dauer: 16 Min
  • Niveau: Mittel
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Was einen Leserbrief von einem Kommentar unterscheidet

Ein Leserbrief ist die schriftliche Reaktion einer Leserin oder eines Lesers auf einen zuvor erschienenen Zeitungsartikel. Er wird an die Redaktion geschickt und, wenn ausgewählt, in einer der nächsten Ausgaben abgedruckt. Anders als ein Kommentar, den ein Redakteur der Zeitung selbst verfasst, kommt der Leserbrief von außen und zeigt, wie die Leserschaft auf ein Thema reagiert.

Der Leserbrief bezieht sich immer auf einen konkreten Artikel, den du zu Beginn benennst. Ohne diesen Bezug wüsste niemand, worauf du reagierst. Danach entwickelst du deine eigene Position: Stimmst du dem Artikel zu, widersprichst du, oder ergänzt du einen Aspekt, den der Artikel deiner Meinung nach übersehen hat?

Typischer Fehler: ein Leserbrief, der nur Zustimmung oder Ablehnung ausdrückt, ohne diese zu begründen. Ein Satz wie „Ich finde den Artikel gut“ ist noch kein Leserbrief, sondern erst der Ausgangspunkt dafür. Erst mit Argumenten, eigenen Beispielen oder einem übersehenen Gesichtspunkt wird daraus ein Text, den eine Redaktion abdrucken würde.

Leserbriefe sind meist kurz, oft nicht länger als zwei Absätze, weil Zeitungen nur begrenzten Platz dafür haben. Das zwingt dich dazu, dich auf das Wichtigste zu konzentrieren: eine klare Position und die stärksten ein bis zwei Argumente, statt jeden Gedanken auszubreiten.

So baust du einen Leserbrief von der Bezugnahme bis zum Fazit auf.
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Der Aufbau eines Leserbriefs Schritt für Schritt

Am Anfang steht die Bezugnahme: Titel des Artikels, Erscheinungsdatum und knapp das Thema, zum Beispiel: „Zu Ihrem Artikel ‚Stadtrat beschließt neue Radwege‘ vom 3. Mai möchte ich Stellung nehmen.“ Diese Formulierung ist fast eine feste Floskel, die du dir merken kannst, denn sie erfüllt genau ihren Zweck: eindeutigen Bezug herstellen.

Danach benennst du in ein bis zwei Sätzen deine Position. Anschließend folgen zwei bis drei Argumente, die diese Position stützen – idealerweise mit einem eigenen Beispiel oder einer eigenen Beobachtung, nicht nur mit einer Wiederholung dessen, was im Artikel schon stand. Ein kurzer Absatz zu einer möglichen Gegenposition zeigt, dass du das Thema von mehreren Seiten betrachtet hast.

Der Schluss fasst deine Position noch einmal zusammen, oft verbunden mit einem Appell oder Wunsch, etwa an die Verantwortlichen oder an andere Leser. Ein Gruß und dein Name, gegebenenfalls mit Wohnort, runden den Leserbrief ab, denn Zeitungen drucken Leserbriefe in der Regel nur mit vollständigem Namen ab, nicht anonym.

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Zustimmender oder kritischer Leserbrief?

Leserbriefe lassen sich grob nach ihrer Grundhaltung unterscheiden: Manche bestätigen die Position eines Artikels und ergänzen sie, andere widersprechen ihr deutlich. Beide Formen sind legitim, verlangen aber unterschiedliche Strategien, damit der Brief überzeugend und nicht überflüssig oder unsachlich wirkt.

Ein zustimmender Leserbrief lohnt sich vor allem dann, wenn du einen Aspekt ergänzen kannst, den der Artikel nicht erwähnt hat – reine Zustimmung ohne neuen Gedanken hat für eine Redaktion wenig Nachrichtenwert. Ein kritischer Leserbrief braucht besonders viel Sorgfalt im Tonfall, damit er als sachlicher Widerspruch wirkt und nicht als persönlicher Angriff.

Zustimmender Leserbrief

Du teilst die Position des Artikels und willst sie bekräftigen oder ergänzen.

Beispiele

  • „Der Artikel bringt zu Recht die Verkehrssicherheit zur Sprache …“
  • ein eigenes Beispiel, das die These des Artikels bestätigt

Signalwörter

  • bestätigender, ergänzender Tonfall
  • eigenes Beispiel als Bestätigung
  • Gefahr: wirkt ohne neuen Aspekt überflüssig

Kritischer Leserbrief

Du widersprichst der Position des Artikels oder siehst einen wichtigen Aspekt übergangen.

Beispiele

  • „Der Artikel übersieht meiner Meinung nach, dass …“
  • ein Gegenbeispiel, das die These infrage stellt

Signalwörter

  • sachlicher, aber bestimmter Widerspruch
  • Gegenbeispiele oder übersehene Aspekte
  • Gefahr: wirkt bei zu scharfem Ton unsachlich
MerkmalZustimmender LeserbriefKritischer Leserbrief
ZielPosition des Artikels bekräftigenPosition des Artikels infrage stellen
Tonfallbestätigend, ergänzendsachlich, aber bestimmt widersprechend
Risikowirkt ohne neue Aspekte überflüssigwirkt bei zu scharfem Ton unsachlich
Zustimmender und kritischer Leserbrief im Vergleich
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Einen kritischen Leserbrief formulieren

Du liest einen Artikel, der die Einführung eines Handyverbots an weiterführenden Schulen befürwortet, und möchtest widersprechen.

Gegeben:

  • Artikel: „Schulen sollten Handys komplett verbieten“, Lokalzeitung, 12. April
  • Eigene Position: teilweise Zustimmung, aber ein komplettes Verbot erscheint zu starr

Gesucht:

ein Leserbrief mit Bezugnahme, Position, Argumenten und einer Gegenposition

Lösung:

  1. Bezugnahme formulieren: Titel und Datum des Artikels nennen.
  2. Position benennen: teilweise Zustimmung, aber Kritik an der Radikalität der Forderung.
  3. Argument bringen: Ein komplettes Verbot verhindert auch sinnvolle Nutzung, etwa für Referate mit digitalen Medien.
  4. Gegenposition einordnen: Die Ablenkung durch Handys ist real, ließe sich aber auch durch klare Nutzungsregeln statt eines Totalverbots lösen.

„Zu Ihrem Artikel ‚Schulen sollten Handys komplett verbieten‘ vom 12. April möchte ich Stellung nehmen. Dass Handys im Unterricht ablenken können, ist unbestritten, doch ein komplettes Verbot halte ich für zu starr. Auch sinnvolle Nutzungen, etwa Recherchen für Referate, wären damit ausgeschlossen. Sinnvoller erscheint mir eine klare Nutzungsregelung mit festen Zeiten statt eines Totalverbots. Mit freundlichen Grüßen, Lena Ahrens, Musterstadt.“

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Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Der häufigste Fehler ist eine fehlende oder zu vage Bezugnahme, etwa „Ich habe neulich etwas über Handys gelesen“ statt einer genauen Angabe von Titel und Datum. Ohne klaren Bezug kann die Redaktion den Leserbrief nicht sinnvoll einordnen, selbst wenn der Inhalt gut ist.

Ein zweiter Fehler ist ein zu emotionaler oder unhöflicher Ton, besonders bei kritischen Leserbriefen. Formulierungen wie „Das ist völliger Unsinn“ wirken unsachlich, selbst wenn die inhaltliche Kritik berechtigt ist. Besser sind Formulierungen wie „Meiner Ansicht nach übersieht der Artikel …“, die die Kritik klar, aber respektvoll ausdrücken.

Für die Klassenarbeit lohnt es sich, den Leserbrief nach dem Schreiben noch einmal auf zwei Dinge zu prüfen: Ist die Bezugnahme eindeutig, und ist mindestens ein eigenes Argument enthalten, das über eine bloße Meinungsäußerung hinausgeht? Wenn beides erfüllt ist, hat der Leserbrief seine wichtigste Funktion erfüllt.

Vier Regeln, mit denen ein Leserbrief höflich, sachlich und trotzdem meinungsstark bleibt.
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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Was gehört an den Anfang eines Leserbriefs?

Was gehört an den Anfang eines Leserbriefs?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Leserbrief reagiert auf einen konkreten Artikel und beginnt mit einer eindeutigen Bezugnahme.
  • Aufbau: Bezugnahme, eigene Position, Argumente, eine berücksichtigte Gegenposition, Fazit mit Appell.
  • Sowohl zustimmende als auch kritische Leserbriefe brauchen einen eigenen Gedanken, nicht nur eine Wertung.
  • Der Tonfall bleibt sachlich und höflich, auch bei deutlichem Widerspruch.
  • Typischer Fehler: fehlende Bezugnahme oder ein zu emotionaler, unsachlicher Ton.

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Häufige Fragen zu Einen Leserbrief schreiben

Wie schreibt man einen guten Leserbrief?
Beginne mit der Bezugnahme auf Titel und Datum des Artikels, benenne danach deine Position und stütze sie mit zwei bis drei Argumenten, am besten mit einem eigenen Beispiel. Berücksichtige eine mögliche Gegenposition und schließe mit einem kurzen Fazit sowie deinem Namen ab. Halte den Text insgesamt kurz.
Was ist der Unterschied zwischen Leserbrief und Kommentar?
Ein Kommentar wird von einer Redakteurin oder einem Redakteur der Zeitung selbst verfasst und drückt eine offizielle Positionierung des Blattes aus. Ein Leserbrief kommt dagegen von außen, von einer Leserin oder einem Leser, und reagiert auf einen bereits erschienenen Artikel.
Wie lang darf ein Leserbrief sein?
Leserbriefe sind meist kurz, oft nur ein bis zwei Absätze, weil Zeitungen nur begrenzten Platz dafür haben und längere Briefe ohnehin gekürzt würden. Konzentriere dich deshalb auf deine Position und die stärksten Argumente statt auf ausführliche Erklärungen.
Darf ein Leserbrief anonym bleiben?
In der Regel nein. Zeitungen drucken Leserbriefe meist nur mit vollständigem Namen und oft mit Wohnort ab, auch wenn der Name bei Bedarf gekürzt werden kann. Eine anonyme Zuschrift wird üblicherweise nicht veröffentlicht.
Muss ich im Leserbrief höflich bleiben, auch wenn ich den Artikel für falsch halte?
Ja, auch deutliche Kritik sollte sachlich und ohne persönliche Angriffe formuliert werden. Ein Satz wie „Meiner Ansicht nach übersieht der Artikel …“ wirkt überzeugender als eine pauschale Abwertung des Verfassers.
Was gehört ans Ende eines Leserbriefs?
Ein kurzes Fazit, das deine Position noch einmal zusammenfasst, oft ergänzt um einen Appell oder Wunsch an die Verantwortlichen. Danach folgen ein Gruß und dein vollständiger Name, gegebenenfalls mit Wohnort.
Wie unterscheide ich einen zustimmenden von einem kritischen Leserbrief?
Ein zustimmender Leserbrief bestätigt und ergänzt die Position des Artikels, meist mit einem eigenen Beispiel. Ein kritischer Leserbrief widerspricht der Position und bringt Gegenbeispiele oder übersehene Aspekte ein, bleibt dabei aber sachlich im Ton.
In welcher Klasse wird der Leserbrief unterrichtet?
Der Leserbrief wird meist ab Klasse 9 behandelt, oft im Zusammenhang mit der Zeitung als Textsorte und der textgebundenen Erörterung, weil er ähnliche Fähigkeiten verlangt: eine Position begründen und Gegenargumente einbeziehen.

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