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Nominalstil und Verbalstil: Unterschied und Umformen

Nominalstil und Verbalstil sind zwei Arten, denselben Inhalt auszudrücken: Der Nominalstil arbeitet mit vielen Nomen, der Verbalstil mit vielen Verben. Der Nominalstil wirkt sachlich und knapp, der Verbalstil lebendig und leicht verständlich. In dieser Lektion lernst du, beide Stile zu erkennen, ineinander umzuformen und gezielt in Sachtexten und Aufsätzen einzusetzen.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 10
  • Thema: Grammatik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Nominalstil und Verbalstil: Zwei Wege, dasselbe zu sagen

Vergleiche zwei Sätze: „Nach der Prüfung der Unterlagen erfolgt die Genehmigung des Antrags.“ und „Wir genehmigen den Antrag, nachdem wir die Unterlagen geprüft haben.“ Beide enthalten dieselbe Information, doch der erste Satz klingt nach Amt, der zweite nach Gespräch. Der Unterschied liegt in den Wortarten. Im ersten Satz tragen die Nomen Prüfung, Genehmigung und Antrag die Bedeutung, im zweiten tragen sie die Verben genehmigen und prüfen.

Wenn Nomen die Hauptlast der Aussage tragen, sprechen wir vom Nominalstil. Er enthält viele Nomen auf -ung, -heit, -keit, -tion, -ismus oder -nis, dazu Funktionsverbgefüge wie „zur Anwendung bringen“ statt „anwenden“. Der Verbalstil dagegen drückt Handlungen und Vorgänge mit Verben aus und bildet daraus Nebensätze. Menschen sprechen im Alltag fast immer im Verbalstil, schreiben aber in Behörden, Gesetzen und Wissenschaft oft im Nominalstil.

Keiner der beiden Stile ist grundsätzlich besser. Der Nominalstil verdichtet Informationen. Das ist in Überschriften, Tabellen und Fachtexten praktisch. Er wird aber schnell schwerfällig, wenn Nomen sich stapeln. Der Verbalstil ist verständlicher, kann aber bei langen Fachtexten ausufern. Gute Schreiber wählen den Stil bewusst, passend zu Leser, Thema und Anlass.

Nominalstil und Verbalstil sagen dasselbe, wirken aber unterschiedlich.
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Nominalstil und Verbalstil im Vergleich: Merkmale und Wirkung

Den Nominalstil erkennst du an mehreren Merkmalen. Er enthält viele abstrakte Nomen, die aus Verben oder Adjektiven gebildet sind, etwa Prüfung aus prüfen oder Schnelligkeit aus schnell. Die Handelnden bleiben oft unbenannt: „Es erfolgt eine Überprüfung“ sagt nicht, wer prüft. Dazu kommen lange Nominalgruppen mit Genitivattributen wie „die Durchführung der Überprüfung der Anlagen“ und Präpositionen wie „aufgrund“, „infolge“ und „im Falle“.

Der Verbalstil bildet dagegen Sätze mit klaren Subjekten und aktiven Verben. Aus Nomen werden Verben, aus Präpositionalgruppen Nebensätze. „Aufgrund der Verspätung des Zuges“ wird zu „weil der Zug Verspätung hatte“. „Bei Regen“ wird zu „wenn es regnet“. Der Satz wird länger, aber leichter lesbar, weil Ursache, Bedingung und Zeit durch Konjunktionen deutlich werden.

Auch die Wirkung ist verschieden. Der Nominalstil erzeugt Distanz und Objektivität. Das passt zu Gesetzen, Verträgen, Nachrichtenmeldungen und wissenschaftlichen Texten. Der Verbalstil schafft Nähe und Anschaulichkeit. Er eignet sich für Erzählungen, Reden, Briefe und Anleitungen für Schüler. Im Sachtext ist oft eine Mischung gut.

Nominalstil

Wenn Texte sachlich, knapp und fachlich wirken sollen.

Beispiele

  • Nach Prüfung der Unterlagen erfolgt die Genehmigung.
  • Die Verbesserung der Luftqualität erfordert eine Senkung der Emissionen.

Signalwörter

  • Viele Nomen auf -ung, -heit, -keit, -tion.
  • Funktionsverbgefüge wie „zur Durchführung bringen“.
  • Handelnde bleiben ungenannt.
  • Lange Genitivketten.

Verbalstil

Wenn Texte lebendig, anschaulich und leicht verständlich sein sollen.

Beispiele

  • Wir genehmigen den Antrag, nachdem wir die Unterlagen geprüft haben.
  • Damit die Luft besser wird, müssen wir weniger Abgase ausstoßen.

Signalwörter

  • Viele Verben und Nebensätze.
  • Klare Subjekte, oft „wir“ oder „man“.
  • Konjunktionen wie weil, nachdem, indem.
NominalstilVerbalstilKonjunktion
bei Regenwenn es regnetwenn (Bedingung)
aufgrund der Verspätungweil der Zug Verspätung hatteweil (Grund)
nach der Ankunftnachdem wir angekommen warennachdem (Zeit)
durch Übenindem man übtindem (Mittel)
trotz des Verbotsobwohl es verboten istobwohl (Gegensatz)
Umformungen vom Nominalstil zum Verbalstil
In fünf Schritten formst du einen Satz vom Nominalstil in den Verbalstil um.
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Nominalstil und Verbalstil umformen: Beispielanalyse in beide Richtungen

Forme den Satz „Nach Durchführung der Reparatur erfolgt die Überprüfung der Funktion durch den Techniker“ in den Verbalstil um.

Gegeben:

  • Satz im Nominalstil: Nach Durchführung der Reparatur erfolgt die Überprüfung der Funktion durch den Techniker.
  • Gesucht: Satz im Verbalstil
  • Vorgehen: Nomen finden, Verben bilden, Handelnde ergänzen, Nebensatz bauen

Gesucht:

Verbalstil-Satz mit gleichem Inhalt

Lösung:

  1. Nomen finden: Durchführung, Reparatur, Überprüfung, Funktion. Die Nomen Durchführung und Überprüfung verstecken Verben.
  2. Verben bilden: Durchführung wird zu durchführen oder besser zu reparieren. Überprüfung wird zu prüfen. Die Reparatur wird zu reparieren.
  3. Handelnde ergänzen: Wer repariert? Der Techniker. Wer prüft? Der Techniker. Das Subjekt steht nun im Satz.
  4. Nebensatz bauen: „Nach“ ist eine Zeitangabe. Daraus wird der Nebensatz mit „nachdem“. Ergebnis: „Nachdem der Techniker das Gerät repariert hat, prüft er, ob es richtig funktioniert.“
  5. Probe lesen: Der Satz klingt natürlicher, benennt den Handelnden und bleibt inhaltlich gleich. Verloren geht nichts, nur die förmliche Distanz.

Der Verbalstil nennt den Handelnden und die Abfolge deutlich: „Nachdem der Techniker das Gerät repariert hat, prüft er, ob es richtig funktioniert.“ Der Satz ist länger, aber leichter zu verstehen.

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Typische Fehler: Nominalstil und Verbalstil falsch einsetzen

Der häufigste Fehler ist die Substantivitis, also die Häufung von Nomen. Sätze wie „Die Durchführung der Erhebung der Daten erfolgt nach Maßgabe der Bestimmung“ sind kaum zu verstehen. Wer so schreibt, verdeckt Handelnde und macht Texte unnötig schwer. Prüfe darum Sätze mit mehr als zwei Genitivattributen und löse sie in Verben auf.

Der zweite Fehler ist das falsche Umformen. Beim Wechsel in den Verbalstil darf sich der Inhalt nicht ändern. Aus „aufgrund der Verspätung“ muss ein Kausalsatz mit weil werden, nicht ein Konditionalsatz mit wenn. Achte auf die richtige Konjunktion: weil für den Grund, wenn für die Bedingung, nachdem für die Zeit, indem für das Mittel, obwohl für den Gegensatz.

Ein dritter Fehler ist, einen Stil als falsch zu verurteilen. Der Nominalstil ist in Sachtexten, Überschriften und Fachsprache oft angemessen. „Verkehrsberuhigung in der Innenstadt“ ist als Überschrift knapper als „Der Verkehr in der Innenstadt soll ruhiger werden“. Ein vierter Fehler: Im Aufsatz alle Sätze im Verbalstil zu halten und dadurch unnötig lang zu schreiben. Mische bewusst.

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Tipps für die Klassenarbeit: Nominalstil und Verbalstil sicher anwenden

In Klassenarbeiten tauchen beide Stile in drei Formen auf: als Umformungsaufgabe, als Stilanalyse in einem Sachtext oder als Überarbeitung eines eigenen Textes. Bei der Umformung gehst du immer nach dem Fünf-Schritt-Verfahren vor: Nomen finden, Verb bilden, Handelnde ergänzen, Nebensatz bauen, Probe lesen. Schreibe die Zwischenschritte auf, dann sind Fehler leichter zu finden.

In der Stilanalyse nennst du erst das Merkmal, belegst es mit einem Zitat und deutest dann die Wirkung. Ein Beispiel: „Der Text ist überwiegend im Nominalstil geschrieben, etwa in ‚die Durchführung der Maßnahme‘ (Z. 4). Das wirkt sachlich und distanziert und passt zu einem Behördentext.“ Vermeide wertende Aussagen wie „schlecht geschrieben“, wenn der Stil zur Textsorte passt.

Bei der Überarbeitung eigener Texte hilft eine einfache Probe: Lies jeden Satz laut. Stockt du, ist oft ein Nomenstapel im Weg. Ersetze dann Nomen durch Verben und nenne die Handelnden. Achte auch darauf, dass du nicht zu viele Nebensätze hintereinander schaltest. Ein Wechsel aus kurzen und längeren Sätzen wirkt am besten.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welcher Satz steht im Nominalstil?

Welcher Satz steht im Nominalstil?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nominalstil nutzt viele Nomen und wirkt sachlich, knapp und distanziert. Der Verbalstil nutzt viele Verben und wirkt lebendig.
  • Nominalstil erkennst du an Nomen auf -ung, -heit, -keit, -tion, an Funktionsverbgefügen und ungenannten Handelnden.
  • Beim Umformen suchst du das Verb im Nomen, ergänzt das Subjekt und baust einen Nebensatz mit passender Konjunktion.
  • Weil, wenn, nachdem, indem und obwohl drücken verschiedene Beziehungen aus und dürfen nicht vertauscht werden.
  • Der Stil muss zur Textsorte passen: Nominalstil für Fachtexte und Überschriften, Verbalstil für Erzählungen und Anleitungen.

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Häufige Fragen zu Nominalstil und Verbalstil: Unterschied und Umformen

Was ist Nominalstil?
Der Nominalstil ist ein Schreibstil mit vielen Nomen, besonders Ableitungen auf -ung, -heit, -keit und -tion. Er wirkt sachlich, knapp und distanziert und kommt in Gesetzen, Verwaltungstexten und wissenschaftlichen Arbeiten häufig vor.
Was ist Verbalstil?
Der Verbalstil drückt Handlungen und Vorgänge mit Verben aus und bildet Nebensätze mit Konjunktionen. Er wirkt lebendig, anschaulich und leicht verständlich. Typisch ist er für Erzählungen, Reden, Briefe und die gesprochene Sprache.
Was ist der Unterschied zwischen Nominalstil und Verbalstil?
Im Nominalstil tragen Nomen die Bedeutung, im Verbalstil tragen Verben sie. „Nach der Prüfung erfolgt die Genehmigung“ ist Nominalstil, „Wir genehmigen, nachdem wir geprüft haben“ ist Verbalstil. Der Inhalt bleibt gleich, die Wirkung ändert sich.
Wie forme ich Nominalstil in Verbalstil um?
Suche die Nomen auf -ung, -heit und -keit, bilde daraus Verben, ergänze die Handelnden als Subjekt und baue einen Nebensatz mit einer passenden Konjunktion wie weil, nachdem oder indem. Lies den neuen Satz zur Probe laut.
Wann benutzt man den Nominalstil?
Der Nominalstil passt in Fachtexte, Gesetze, Nachrichten, Überschriften, Tabellen und wissenschaftliche Arbeiten. Er verdichtet Informationen und wirkt objektiv. Für Erzählungen, Briefe oder Anleitungen ist der Verbalstil meist besser geeignet.
Was bedeutet Substantivitis?
Substantivitis ist ein Spottwort für die übermäßige Häufung von Nomen, besonders auf -ung. Solche Sätze wirken schwerfällig und verbergen Handelnde. Mit Verben und Nebensätzen werden sie verständlicher.
Woran erkenne ich den Nominalstil in einem Text?
An vielen Nomen auf -ung, -heit, -keit, an Funktionsverbgefügen wie „zur Anwendung bringen“, an langen Genitivketten und daran, dass Handelnde ungenannt bleiben. Auch Passivsätze und Präpositionen wie „aufgrund“ oder „im Falle“ deuten auf Nominalstil hin.
Welche Konjunktionen brauche ich beim Umformen?
Weil für einen Grund, wenn für eine Bedingung, nachdem für eine zeitliche Abfolge, indem für ein Mittel und obwohl für einen Gegensatz. Wähle die Konjunktion nach dem Sinn der ursprünglichen Wendung, sonst verändert sich der Inhalt.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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