Nominalisierung
Aus dem Verb lesen wird das Nomen das Lesen, aus schön wird das Schöne – das nennt man Nominalisierung. In dieser Lektion lernst du, an welchen Signalen du nominalisierte Verben und Adjektive erkennst, warum sie großgeschrieben werden und welche typischen Fehler dabei entstehen.
- Fach: Deutsch
- Klasse 6
- Thema: Rechtschreibung
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Wenn aus einem Verb ein Nomen wird
Im Deutschen kannst du fast jedes Verb in ein Nomen verwandeln, ohne die Grundform zu verändern. Aus dem Verb lesen wird durch einen vorangestellten Artikel das Lesen, aus schwimmen wird das Schwimmen, aus singen wird das Singen. Diesen Vorgang nennt man Nominalisierung oder Substantivierung.
Nominalisierte Verben verhalten sich im Satz genau wie andere Nomen: Sie können Subjekt oder Objekt eines Satzes sein, einen Artikel bei sich haben und mit einer Präposition verbunden werden. „Das Lesen macht mir Spaß.“ – hier ist das Lesen das Subjekt des Satzes, genau wie sonst ein Nomen wie das Buch.
Typischer Fehler: Schüler schreiben nominalisierte Verben klein, weil sie sie noch als Verb erkennen und nicht bemerken, dass das Wort im Satz wie ein Nomen benutzt wird. „Das lesen macht Spaß.“ ist falsch – richtig ist „Das Lesen macht Spaß.“, denn vor dem Verb steht der Artikel das, ein klares Signal für die Großschreibung.
Nicht nur Verben, auch Adjektive lassen sich nominalisieren. Aus schön wird das Schöne, aus wichtig wird das Wichtige. Auch hier gilt: Steht ein Artikel oder eine Präposition davor, wird das Wort großgeschrieben, weil es im Satz die Funktion eines Nomens übernimmt.
Signale erkennen
Das wichtigste Signal für eine Nominalisierung ist ein Artikel unmittelbar vor dem Verb oder Adjektiv: der, die, das, dem, den, des, ein oder eine. Steht ein solches Wort direkt davor, handelt es sich fast immer um eine Nominalisierung, die großgeschrieben wird: das Singen, dem Schreiben, ein Lächeln.
Ein zweites Signal sind Präpositionen, die mit einem Artikel verschmolzen sind, sogenannte Verschmelzungen: beim (bei dem), zum (zu dem), im (in dem), vom (von dem) oder am (an dem). Auch nach diesen Wörtern folgt fast immer eine Nominalisierung: beim Essen, zum Lachen, im Schwimmen.
Ein drittes Signal ist ein vorangestelltes Adjektiv, das das nominalisierte Wort näher beschreibt, ähnlich wie bei einem gewöhnlichen Nomen: das schnelle Laufen, ein lautes Lachen. Wenn sich ein Adjektiv sinnvoll davorsetzen lässt, ist das ein starkes Indiz dafür, dass das folgende Wort ein Nomen und keine Verbform mehr ist.
Verb oder nominalisiertes Verb?
Um zu entscheiden, ob ein Wort als Verb oder als Nominalisierung verwendet wird, prüfst du am besten seine Funktion im Satz. Ein Verb bildet das Prädikat des Satzes und passt sich der Person an: ich lese, du liest, sie liest. Eine Nominalisierung dagegen bleibt in ihrer Form unverändert und übernimmt die Rolle eines Nomens als Subjekt oder Objekt.
Im Satz „Sie liest gern Bücher.“ ist liest das Prädikat, ein Verb, deshalb kleingeschrieben. Im Satz „Das Lesen von Büchern macht Spaß.“ ist Lesen das Subjekt des Satzes, eine Nominalisierung, deshalb großgeschrieben. Beide Wörter stammen vom selben Verb ab, unterscheiden sich aber in ihrer Funktion und deshalb in ihrer Schreibung.
Verb
Bildet das Prädikat, passt sich der Person an, wird kleingeschrieben.
Beispiele
- sie liest gern
- wir schwimmen jeden Tag
Signalwörter
- kein Artikel davor möglich
- verändert sich mit Person und Zeit
Nominalisierung
Übernimmt die Funktion eines Nomens, wird großgeschrieben.
Beispiele
- das Lesen macht Spaß
- beim Schwimmen entspannen
Signalwörter
- Artikel, Präposition oder Adjektiv davor
- bleibt in seiner Form unverändert
| Merkmal | Verb | Nominalisierung |
|---|---|---|
| Beispiel | sie liest gern | das Lesen macht Spaß |
| Artikel/Präposition davor | kein Artikel möglich | der, das, beim, zum |
| Schreibung | kleingeschrieben | großgeschrieben |
| Satzglied | Prädikat | Subjekt oder Objekt |
Nominalisierungen in einem Text finden
Finde in folgendem Satz alle nominalisierten Verben und begründe deine Entscheidung.
Gegeben:
- Satz: Beim Kochen hilft mir das genaue Abmessen, und nach dem Anrichten freue ich mich auf das Essen.
Gesucht:
alle Nominalisierungen mit BegründungLösung:
- Kochen steht nach der Verschmelzung Beim (bei dem) – Signal Präposition mit Artikel, also Nominalisierung.
- Abmessen steht nach dem Artikel das und dem Adjektiv genaue – gleich zwei Signale, also Nominalisierung.
- Anrichten steht nach der Verschmelzung nach dem – Signal Präposition mit Artikel, also Nominalisierung.
- Essen steht nach dem Artikel das – Signal Artikel, also Nominalisierung.
Der Satz enthält vier Nominalisierungen: Kochen, Abmessen, Anrichten und Essen. Alle vier stehen nach einem Artikel oder einer mit Artikel verschmolzenen Präposition und werden deshalb großgeschrieben, obwohl sie ursprünglich von Verben stammen.
Typische Fehler bei Nominalisierungen
Der häufigste Fehler ist die Kleinschreibung, wenn Schüler das Wort noch als Verb wahrnehmen, obwohl es im Satz als Nomen fungiert, etwa „das schwimmen“ statt „das Schwimmen“. Hilfreich ist hier immer die Testfrage, ob ein Artikel oder eine Präposition mit Artikel unmittelbar davorsteht.
Ein zweiter, entgegengesetzter Fehler ist die Großschreibung von Verben, die zufällig in der Nähe eines Artikels stehen, ohne selbst nominalisiert zu sein, etwa in „Ich werde das Buch Lesen.“ Hier ist Lesen fälschlich großgeschrieben, obwohl es sich um den Infinitiv des Verbs im Rahmen einer Verbform handelt und nicht um eine echte Nominalisierung mit Artikelbezug.
Ein dritter Fehler betrifft nominalisierte Adjektive, die Schüler übersehen, weil sie kein -en am Ende haben, zum Beispiel das Gute, das Schöne oder etwas Neues. Auch hier gilt dieselbe Regel: Steht ein Artikel, ein Pronomen wie etwas oder nichts, oder eine Präposition davor, wird großgeschrieben.
Tipps für die Klassenarbeit
Achte in der Klassenarbeit besonders auf das unmittelbare Wort vor dem fraglichen Verb oder Adjektiv. Steht dort ein Artikel, ein Pronomen wie etwas, nichts, alles oder viel, oder eine mit Artikel verschmolzene Präposition, ist das ein starkes Signal für eine Nominalisierung, die großgeschrieben wird.
Verwechsle Nominalisierung nicht mit dem Infinitiv innerhalb einer normalen Verbform, wie bei „Ich werde das Buch lesen.“ Dort gehört lesen als Verb zum Prädikat werde lesen und wird trotz der Nähe zu das kleingeschrieben, weil es sich nicht auf lesen als Artikelbezug bezieht, sondern das Buch das Objekt des Verbs ist.
Übe außerdem, in eigenen Texten bewusst Nominalisierungen zu verwenden, etwa in Überschriften oder Anleitungen: Beim Üben, Zum Nachlesen, Nach dem Verstehen. So gewöhnst du dich daran, die Großschreibung direkt beim Schreiben richtig zu setzen, statt sie nachträglich zu korrigieren.
Jetzt bist du dran!
Welches Wort ist in „Beim Spielen vergesse ich alles um mich herum.“ eine Nominalisierung?
Noch nicht. Spielen steht nach der Verschmelzung Beim (bei dem) und wird deshalb wie ein Nomen behandelt und großgeschrieben.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Nominalisierung wird ein Verb oder Adjektiv wie ein Nomen benutzt und deshalb großgeschrieben.
- Signale sind ein vorangestellter Artikel, eine mit Artikel verschmolzene Präposition oder ein vorangestelltes Adjektiv.
- Testfrage: Lässt sich ein Adjektiv davorsetzen, wie „das (schnelle) Laufen“, liegt eine Nominalisierung vor.
- Verwechsle die Nominalisierung nicht mit dem Infinitiv innerhalb einer normalen Verbform wie „werde lesen“.
- Auch nominalisierte Adjektive wie das Schöne oder etwas Neues folgen derselben Regel.
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Häufige Fragen zu Nominalisierung
- Was ist eine Nominalisierung einfach erklärt?
- Eine Nominalisierung entsteht, wenn ein Verb oder Adjektiv wie ein Nomen verwendet wird, zum Beispiel wird aus dem Verb lesen das Nomen das Lesen. Das Wort wird dann wie jedes andere Nomen großgeschrieben.
- Woran erkenne ich eine Nominalisierung?
- Das wichtigste Signal ist ein Artikel, ein Pronomen wie etwas oder nichts, oder eine mit Artikel verschmolzene Präposition wie beim oder zum direkt vor dem Wort. Auch ein vorangestelltes Adjektiv, wie in das schnelle Laufen, deutet auf eine Nominalisierung hin.
- Was ist der Unterschied zwischen Verb und nominalisiertem Verb?
- Ein Verb bildet das Prädikat des Satzes und passt sich der Person an, zum Beispiel ich lese, du liest. Ein nominalisiertes Verb übernimmt dagegen die Funktion eines Nomens als Subjekt oder Objekt und bleibt in seiner Form unverändert, zum Beispiel das Lesen.
- Können auch Adjektive nominalisiert werden?
- Ja, aus Adjektiven wie schön oder wichtig entstehen durch Nominalisierung Wörter wie das Schöne oder das Wichtige. Auch hier gilt: Steht ein Artikel, ein Pronomen oder eine Präposition davor, wird großgeschrieben.
- Warum wird lesen in „Ich werde das Buch lesen.“ kleingeschrieben?
- Hier ist lesen Teil der Verbform werde lesen und bildet zusammen mit werde das Prädikat des Satzes. Das Wort das bezieht sich auf Buch, nicht auf lesen, deshalb liegt keine Nominalisierung vor.
- Wie hilft die Testfrage mit dem Adjektiv?
- Lässt sich vor das fragliche Wort sinnvoll ein Adjektiv setzen, etwa das (schnelle) Laufen, handelt es sich um eine Nominalisierung. Bei einem Verb im Prädikat, wie in ich werde laufen, funktioniert diese Einfügung nicht.
- In welcher Klasse wird Nominalisierung unterrichtet?
- Nominalisierung wird meist in Klasse 6 im Zusammenhang mit der Groß- und Kleinschreibung behandelt, oft im Anschluss an die Wortarten Verb und Nomen. In höheren Klassen wird das Thema beim Schreiben komplexerer Sätze vertieft.
- Warum ist Nominalisierung eine häufige Fehlerquelle?
- Weil dasselbe Wort je nach Satzfunktion einmal klein- und einmal großgeschrieben wird, ohne seine Form zu verändern. Schüler müssen deshalb genau prüfen, ob ein Artikel, ein Pronomen oder eine Präposition unmittelbar davorsteht, statt sich nur die Wortform anzusehen.
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