Klassenspace

Haupt- und Nebensätze

Ob ein Satzteil ein Hauptsatz oder ein Nebensatz ist, erkennst du an einer einzigen Stelle: der Position des gebeugten Verbs. In dieser Lektion lernst du diese Verbstellungsprobe, unterscheidest die wichtigsten Nebensatzarten und setzt die Kommas im Satzgefüge sicher.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 7
  • Thema: Grammatik
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
1

Die Verbstellung verrät alles

Ein Hauptsatz kann allein stehen: „Wir gehen heute ins Kino.“ Ein Nebensatz kann das nicht. „Weil wir heute ins Kino gehen“ ist kein vollständiger Satz, sondern wartet auf einen Hauptsatz, an den er sich anlehnt. Genau darauf weist der Name: Der Nebensatz steht neben einem Hauptsatz und ist von ihm abhängig. Deshalb heißt er auch Gliedsatz, denn er übernimmt im Gesamtsatz die Rolle eines Satzglieds.

Unterscheiden kannst du beide an der Stellung der gebeugten Verbform – das ist die Form, die sich nach der Person richtet, also „gehen“, „geht“, „ging“. Im Hauptsatz eines Aussagesatzes steht sie an der zweiten Stelle. Im Nebensatz rutscht sie ganz ans Ende: „…, weil wir heute ins Kino gehen.“ Diese Umstellung ist keine Stilfrage, sondern eine harte Regel des Deutschen, und sie gilt ausnahmslos bei allen Nebensätzen, die durch ein Bindewort eingeleitet werden.

Eingeleitet werden Nebensätze durch unterordnende Konjunktionen wie weil, dass, obwohl, wenn, als, damit, bevor, nachdem, durch Relativpronomen wie der, die, das, welcher oder durch Fragewörter wie wer, warum, wie. Aufpassen musst du bei und, aber, denn, oder, sondern: Das sind nebenordnende Konjunktionen, nach ihnen folgt ein Hauptsatz mit Verb an zweiter Stelle. Ein Komma trennt Haupt- und Nebensatz immer, bei eingeschobenen Nebensätzen steht es auf beiden Seiten.

Weitere Beispielsätze zum Üben: „Ich weiß nicht, wie das funktioniert“ enthält einen indirekten Fragesatz mit dem Verb am Ende. „Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir spazieren“ beginnt mit einem Temporalsatz. „Das ist der Hund, der so laut bellt“ zeigt einen Relativsatz, der das Nomen „Hund“ näher beschreibt.

In fünf Schritten mit der Verbstellungsprobe zwischen Haupt- und Nebensatz unterscheiden.
2

Hauptsatz oder Nebensatz?

Mach die Probe nie über das Gefühl, sondern über zwei Schritte: Suche die gebeugte Verbform und schau, wo sie steht. Steht sie an zweiter Stelle, hast du einen Hauptsatz. Steht sie am Ende, ist es ein Nebensatz. Der zweite Test ist die Alleinstellungsprobe: Lies den Teil ohne den Rest vor – klingt er vollständig oder abgebrochen?

Hauptsatz

Trägt die Kernaussage und kann allein stehen. Auch nach und, aber, denn, oder, sondern folgt ein Hauptsatz, weil diese Konjunktionen gleichrangig verbinden.

Beispiele

  • Wir bleiben heute zu Hause.
  • Es regnet, deshalb bleiben wir zu Hause.
  • Ich wollte kommen, aber ich hatte keine Zeit. (nach „aber“ Verb an zweiter Stelle)

Signalwörter

  • gebeugte Verbform an zweiter Stelle
  • steht allein sinnvoll da
  • beginnt ohne unterordnende Konjunktion
  • nach und, aber, denn, oder, sondern
  • bei Verbzusätzen: der Rest des Verbs wandert ans Ende (ich rufe dich an)

Nebensatz

Ergänzt den Hauptsatz und ist von ihm abhängig. Er nennt etwa einen Grund, eine Bedingung, eine Zeit oder beschreibt ein Nomen näher und wird immer durch ein Komma abgetrennt.

Beispiele

  • Wir bleiben zu Hause, weil es regnet. (Verb „regnet“ am Ende)
  • Als wir ankamen, war der Film schon vorbei. (Nebensatz vorn, Komma dahinter)
  • Der Film, den wir sehen wollten, war ausverkauft. (eingeschoben, Kommas beidseitig)

Signalwörter

  • gebeugte Verbform steht am Satzende
  • allein gelesen klingt er unvollständig
  • eingeleitet von weil, dass, obwohl, wenn, als, damit, bevor, nachdem
  • oder von einem Relativpronomen: der, die, das, welcher
  • immer durch Komma vom Hauptsatz getrennt
Verb an zweiter Stelle oder am Satzende: die Verbstellung entscheidet zwischen Haupt- und Nebensatz.
3

Ein Satzgefüge zerlegen

Bestimme Haupt- und Nebensätze, nenne die Nebensatzart und setze die Kommas.

Gegeben:

  • Obwohl Lena früh losgefahren war erreichte sie den Zug nicht der sie nach Köln bringen sollte

Gesucht:

Gliederung in Haupt- und Nebensätze mit Kommas

Lösung:

  1. Teil 1: „Obwohl Lena früh losgefahren war“ – die gebeugte Verbform ist „war“, und sie steht am Ende. Außerdem beginnt der Teil mit „obwohl“, einer unterordnenden Konjunktion. Also ein Nebensatz, und zwar einer, der einen Gegengrund nennt – ein Konzessivsatz.
  2. Teil 2: „erreichte sie den Zug nicht“ – die gebeugte Verbform „erreichte“ steht hier an erster Stelle, weil der Nebensatz davor die erste Satzgliedstelle besetzt. Gelesen als „Sie erreichte den Zug nicht“ steht das Verb an zweiter Stelle, und der Teil ist allein verständlich: ein Hauptsatz.
  3. Teil 3: „der sie nach Köln bringen sollte“ – eingeleitet vom Relativpronomen „der“, das sich auf „den Zug“ bezieht, und die gebeugte Verbform „sollte“ steht am Ende. Also ein Relativsatz, der das Nomen „Zug“ näher beschreibt.
  4. Setze die Kommas: Zwischen jedem Nebensatz und dem Hauptsatz muss eines stehen – nach „war“ und vor „der“. Ersatzprobe für den Relativsatz: „welcher sie nach Köln bringen sollte“ passt, das bestätigt das Relativpronomen.

„Obwohl Lena früh losgefahren war, erreichte sie den Zug nicht, der sie nach Köln bringen sollte.“ Ein Hauptsatz und zwei Nebensätze – ein Konzessivsatz und ein Relativsatz –, erkannt allein an der Verbstellung am Ende.

4

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, nach „weil“ das Verb an zweiter Stelle zu lassen wie im Hauptsatz: „weil ich hatte keine Zeit“ statt „weil ich keine Zeit hatte“. Gerade in der gesprochenen Sprache hört man diesen Fehler oft, in der Schriftsprache gilt er als klar falsch.

Ein zweiter Fehler ist das fehlende Komma bei eingeschobenen Nebensätzen. Wird ein Relativsatz mitten in den Hauptsatz eingeschoben, brauchst du ein Komma davor und danach: „Das Buch, das ich lese, ist spannend“, nicht nur eines oder gar keines.

Drittens wird „denn“ manchmal wie „weil“ behandelt. „Denn“ ist aber nebenordnend, danach bleibt das Verb an zweiter Stelle: „Ich bleibe zu Hause, denn ich bin krank“, nicht „denn ich krank bin“.

FalschRichtigWarum
…, weil ich hatte keine Zeit.…, weil ich keine Zeit hatte.nach weil steht das Verb am Ende
…, denn ich hatte keine Zeit war.…, denn ich hatte keine Zeit.nach denn steht das Verb an zweiter Stelle
Das Buch das ich lese ist spannend.Das Buch, das ich lese, ist spannend.eingeschobener Nebensatz braucht Komma auf beiden Seiten
Ich weiß nicht wie spät es ist.Ich weiß nicht, wie spät es ist.indirekter Fragesatz wird mit Komma abgetrennt
Häufige Fehler bei Haupt- und Nebensätzen
5

Tipps für die Klassenarbeit

Übe die Verbstellungsprobe an eigenen Sätzen, bis sie automatisch geht: Verb suchen, Stellung prüfen, allein lesen. In der Klassenarbeit hast du dann keine Zeit, lange zu grübeln, sondern erkennst Nebensätze auf einen Blick.

Wenn du Nebensatzarten benennen sollst, frage nach der Bedeutung: Wird ein Grund genannt, ist es ein Kausalsatz, bei einer Zeit ein Temporalsatz, bei einer Bedingung ein Konditionalsatz. So findest du die passende Fachbezeichnung, statt nur „Nebensatz“ zu schreiben, was in Klassenarbeiten selten reicht.

Sechs Nebensatzarten mit ihrem typischen Einleitewort auf einen Blick.
6

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welcher Satzteil ist ein Nebensatz?

Welcher Satzteil ist ein Nebensatz?
7

Das Wichtigste in Kürze

  • Hauptsatz: gebeugte Verbform an zweiter Stelle, steht allein sinnvoll.
  • Nebensatz: gebeugte Verbform am Ende, braucht einen Hauptsatz.
  • Unterordnend sind weil, dass, obwohl, wenn, als, damit, bevor, nachdem sowie Relativpronomen.
  • Ein Komma trennt Haupt- und Nebensatz; eingeschobene Nebensätze werden auf beiden Seiten abgetrennt.
  • Typischer Fehler: „denn“ wird für eine unterordnende Konjunktion gehalten. Es heißt „…, denn ich hatte keine Zeit“ mit Verb an zweiter Stelle – nur „weil“ schickt das Verb ans Ende.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Haupt- und Nebensätze

Wie erkenne ich einen Nebensatz?
Suche die gebeugte Verbform, also die Form, die sich nach der Person richtet. Steht sie am Ende des Satzteils, ist es ein Nebensatz: „…, weil ich keine Zeit habe.“ Meist beginnt er mit einer unterordnenden Konjunktion wie weil, dass, obwohl oder mit einem Relativpronomen. Zusätzlich hilft die Probe: Allein gelesen klingt ein Nebensatz unvollständig.
Ist „denn“ ein Nebensatz?
Nein. „Denn“ ist eine nebenordnende Konjunktion und leitet einen Hauptsatz ein. Das Verb steht danach an zweiter Stelle: „Ich bleibe zu Hause, denn ich bin krank.“ Bei „weil“ wandert das Verb dagegen ans Ende: „…, weil ich krank bin.“ Beide nennen einen Grund, aber nur „weil“ bildet einen Nebensatz. Ein Komma steht in beiden Fällen.
Welche Nebensatzarten gibt es?
Nach der Einleitung unterscheidet man Konjunktionalsätze (mit weil, dass, obwohl), Relativsätze (mit der, die, das, welcher) und indirekte Fragesätze (mit wer, wie, warum, ob). Nach der Bedeutung gibt es zum Beispiel Kausalsätze für Gründe, Temporalsätze für Zeiten, Konditionalsätze für Bedingungen, Konzessivsätze für Gegengründe und Finalsätze für Absichten.
Wann setzt man ein Komma zwischen Haupt- und Nebensatz?
Immer. Zwischen Hauptsatz und Nebensatz steht im Deutschen grundsätzlich ein Komma, egal ob der Nebensatz vorn, hinten oder in der Mitte steht. Ein eingeschobener Nebensatz wird auf beiden Seiten abgetrennt: „Das Buch, das du mir geliehen hast, ist spannend.“ Wer die gebeugte Verbform am Ende erkennt, findet damit auch sicher die Kommastellen.
Was ist ein Satzgefüge?
Ein Satzgefüge besteht aus mindestens einem Hauptsatz und mindestens einem Nebensatz, die durch Kommas verbunden sind: „Ich bleibe zu Hause, weil es regnet.“ Enthält ein Satz dagegen nur mehrere gleichrangige Hauptsätze, spricht man von einer Satzreihe: „Ich bleibe zu Hause, und du gehst ins Kino.“ Ein Satzgefüge kann auch mehrere Nebensätze verschachteln.
Wie erkenne ich einen indirekten Fragesatz?
Ein indirekter Fragesatz wird durch ein Fragewort wie wer, was, wann, wo, warum, wie eingeleitet oder durch ob, wenn keine direkte Frage möglich ist. Das Verb steht am Ende: „Ich weiß nicht, wann der Bus kommt.“ Anders als bei der direkten Frage steht kein Fragezeichen und keine Verb-Erst-Stellung. Ein Komma trennt ihn immer vom Hauptsatz.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes