Aluminium Schmelzflusselektrolyse: Herstellung erklärt
Die Aluminium Schmelzflusselektrolyse ist das Verfahren, mit dem aus Aluminiumoxid in einer Kryolith-Schmelze bei etwa 950 °C flüssiges Aluminium und Sauerstoff entstehen. In dieser Lektion lernst du, warum Aluminium nur durch Elektrolyse zu gewinnen ist, was an Anode und Kathode passiert, wie die Gesamtgleichung lautet und warum Recycling so viel Energie spart.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Schwer
Aluminium Schmelzflusselektrolyse: Warum Elektrolyse?
Aluminium ist mit etwa 8 Prozent das häufigste Metall der Erdkruste, kommt aber nie als reines Metall vor. Es steckt fest gebunden als Aluminiumoxid in Gesteinen und Erzen. Um das Metall zu gewinnen, muss man das Oxid zerlegen, und das ist bei Aluminium besonders schwierig.
Aluminium ist ein unedles Metall mit großer Neigung, Elektronen abzugeben und Oxid zu bilden. Kohlenstoff, mit dem im Hochofen Eisenerz reduziert wird, ist hier nicht stark genug. Man braucht ein stärkeres Reduktionsmittel: elektrischen Strom. Deshalb wird Aluminium durch Elektrolyse hergestellt.
Eine Elektrolyse in wässriger Lösung funktioniert nicht, weil Wasser sich leichter zerlegen lässt als das Aluminium-Ion. An der Kathode würde dann Wasserstoff statt Aluminium entstehen. Man elektrolysiert deshalb eine Schmelze. Das Verfahren heißt Schmelzflusselektrolyse und wurde 1886 von Charles Hall und Paul Héroult unabhängig voneinander entwickelt.
Aluminium aus Bauxit gewinnen: Vom Erz zum Metall
Das wichtigste Aluminiumerz heißt Bauxit und wird meist im Tagebau in tropischen Ländern abgebaut. Bauxit enthält Aluminiumhydroxide, aber auch Eisenoxide und andere Beimengungen. Für die Elektrolyse braucht man reines Aluminiumoxid, die Tonerde.
Dazu dient das Bayer-Verfahren: Der Bauxit wird mit heißer Natronlauge behandelt. Das Aluminium geht in Lösung, die Verunreinigungen bleiben als roter Rückstand zurück, den man Rotschlamm nennt. Aus der Lösung fällt Aluminiumhydroxid aus, das beim Erhitzen zu Aluminiumoxid Al₂O₃ wird. Für eine Tonne Aluminium braucht man rund 4 bis 5 Tonnen Bauxit und etwa 2 Tonnen Aluminiumoxid.
Reines Aluminiumoxid schmilzt erst bei etwa 2050 °C. Das wäre technisch und energetisch kaum zu beherrschen. Deshalb löst man das Oxid in geschmolzenem Kryolith, einem Mineral aus Natrium, Aluminium und Fluor mit der Formel Na₃AlF₆. Die Mischung schmilzt schon bei etwa 950 °C und leitet den Strom gut.
| Station | Stoff | Wichtige Angabe |
|---|---|---|
| Rohstoff | Bauxit | enthält Aluminiumhydroxid und Eisenoxide |
| Reinigung | Aluminiumoxid Al₂O₃ | Bayer-Verfahren mit Natronlauge |
| Schmelze | Al₂O₃ in Kryolith | etwa 950 °C statt 2050 °C |
| Elektrolyse | Gleichstrom | etwa 4 bis 5 V, sehr hohe Stromstärke |
| Ergebnis | flüssiges Aluminium | wird am Boden abgesaugt |
Aluminium Schmelzflusselektrolyse: Vorgänge an den Elektroden
Die Elektrolysezelle ist eine große Stahlwanne, die innen mit Kohlenstoff ausgekleidet ist. Der Kohleboden bildet die Kathode, den Minuspol. Von oben tauchen Kohleblöcke als Anode in die Schmelze, den Pluspol. Beim Anlegen von Gleichstrom von etwa 4 bis 5 Volt und sehr hoher Stromstärke wandern die Ionen der Schmelze zu den Elektroden.
An der Kathode nehmen die positiv geladenen Aluminium-Ionen Elektronen auf. Das ist eine Reduktion: Al³⁺ + 3 e⁻ → Al. Das flüssige Aluminium ist dichter als die Schmelze und sammelt sich am Boden. Von dort wird es regelmäßig abgesaugt.
An der Anode geben die Oxid-Ionen Elektronen ab. Das ist eine Oxidation: 2 O²⁻ → O₂ + 4 e⁻. Der entstehende Sauerstoff reagiert bei der hohen Temperatur sofort mit dem Kohlenstoff der Anode zu Kohlenstoffdioxid: C + O₂ → CO₂. Die Anodenblöcke brennen dadurch langsam ab und müssen laufend ersetzt werden.
| Elektrode | Vorgang | Teilgleichung |
|---|---|---|
| Kathode (Minuspol) | Reduktion | Al³⁺ + 3 e⁻ → Al |
| Anode (Pluspol) | Oxidation | 2 O²⁻ → O₂ + 4 e⁻ |
| Folgereaktion | Anode verbrennt | C + O₂ → CO₂ |
| Gesamtgleichung | Redoxreaktion | 2 Al₂O₃ + 3 C → 4 Al + 3 CO₂ |
Beispiel 1: Gesamtgleichung aus den Teilgleichungen
Leite aus den Teilgleichungen der Elektroden die Gesamtgleichung der Aluminiumherstellung her.
Gegeben:
- Kathode: Al³⁺ + 3 e⁻ → Al
- Anode: 2 O²⁻ → O₂ + 4 e⁻, dazu C + O₂ → CO₂
Gesucht:
Ausgeglichene GesamtgleichungLösung:
- Die abgegebenen und aufgenommenen Elektronen müssen gleich sein. Das kleinste gemeinsame Vielfache von 3 und 4 ist 12.
- Kathode mal 4: 4 Al³⁺ + 12 e⁻ → 4 Al. Anode mal 3: 6 O²⁻ → 3 O₂ + 12 e⁻.
- Der entstehende Sauerstoff verbrennt mit Kohlenstoff: 3 C + 3 O₂ → 3 CO₂. Die 4 Al³⁺ und 6 O²⁻ stammen aus 2 Al₂O₃.
- Zusammengefasst und gekürzt ergibt sich: 2 Al₂O₃ + 3 C → 4 Al + 3 CO₂.
Die Gesamtgleichung lautet 2 Al₂O₃ + 3 C → 4 Al + 3 CO₂. Probe: Links 4 Al, 6 O und 3 C, rechts 4 Al, 3 C und 6 O. Die Gleichung ist ausgeglichen.
Beispiel 2: Wie viel Aluminium entsteht?
Aus 102 kg Aluminiumoxid soll Aluminium gewonnen werden. Wie viel Aluminium entsteht höchstens? Molare Massen: M(Al₂O₃) = 102 g/mol, M(Al) = 27 g/mol.
Gegeben:
- m(Al₂O₃)102 kg
- 2 Al₂O₃ → 4 Al, also 1 mol Al₂O₃ → 2 mol Al
Gesucht:
Masse an AluminiumLösung:
- Stoffmenge des Oxids: 102 000 g geteilt durch 102 g/mol ergibt 1000 mol Al₂O₃.
- Aus der Gleichung folgt: Aus 1 mol Al₂O₃ entstehen 2 mol Al. Also entstehen 2000 mol Aluminium.
- Masse: 2000 mol mal 27 g/mol = 54 000 g.
- Umgerechnet sind das 54 kg Aluminium.
Aus 102 kg Aluminiumoxid entstehen höchstens 54 kg Aluminium, also etwas über die Hälfte der Masse. Der Rest ist der Sauerstoff, der in Aluminiumoxid gebunden war.
Typische Fehler bei der Aluminiumherstellung
Ein häufiger Fehler ist, die Elektrolyse mit der Reduktion im Hochofen zu verwechseln. Eisen wird mit Kohlenstoff und Kohlenstoffmonoxid reduziert, Aluminium nicht. Es gewinnt seine Elektronen aus dem elektrischen Strom, nicht aus einem chemischen Reduktionsmittel. Die Kohle an der Anode ist nur ein Elektrodenmaterial, das nebenbei verbrennt.
Ein zweiter Fehler betrifft die Pole. An der Kathode, dem Minuspol, nehmen die Aluminium-Ionen Elektronen auf, an der Anode geben die Oxid-Ionen Elektronen ab. Wer sich nur merkt, dass die Anode positiv ist, vertauscht schnell die Vorgänge. Als Eselsbrücke dient der Anfangsbuchstabe: Anode und Oxidation beginnen mit einem Vokal, Kathode und Reduktion mit einem Konsonanten.
Der dritte Fehler ist, den Kryolith als Reaktionspartner zu sehen. Er verbraucht sich nicht, sondern senkt als Lösungsmittel den Schmelzpunkt von 2050 °C auf etwa 950 °C. Auch die Gleichung wird gern unausgeglichen angegeben: Am Ende müssen links und rechts je 4 Al, 6 O und 3 C stehen.
Alltagsbezug: Energie und Recycling
Die Aluminiumherstellung ist sehr energiehungrig. Für ein Kilogramm Primäraluminium werden etwa 13 bis 15 Kilowattstunden Strom benötigt. Das entspricht dem Strombedarf eines Kühlschranks über etwa zwei Wochen. Aluminiumhütten stehen deshalb dort, wo Strom günstig ist, etwa neben Wasserkraftwerken.
Beim Recycling wird das Metall nur noch eingeschmolzen, ohne dass das Oxid zerlegt werden muss. Das spart rund 95 Prozent der Energie. Deshalb lohnt es sich, Getränkedosen, Folien und Schalen aus Aluminium zu sammeln. Aluminium lässt sich fast beliebig oft recyceln, ohne Qualität zu verlieren.
Ein Teil der Umweltbelastung entsteht außerdem beim Bauxitabbau und durch den Rotschlamm, der sicher gelagert werden muss. Wer Aluminium weiter nutzt statt es wegzuwerfen, spart also Strom, Rohstoffe und Abfall.
Jetzt bist du dran
Warum wird Aluminium durch Schmelzflusselektrolyse und nicht mit Kohlenstoff hergestellt?
Noch nicht. Aluminium bindet Sauerstoff sehr fest. Kohlenstoff kann das Oxid nicht reduzieren, der elektrische Strom schon.
Das Wichtigste in Kürze
- Aluminium ist zu unedel für die Reduktion mit Kohlenstoff und wird durch Schmelzflusselektrolyse von Aluminiumoxid gewonnen.
- Das Oxid stammt aus Bauxit (Bayer-Verfahren) und wird in Kryolith gelöst, wodurch der Schmelzpunkt von 2050 °C auf etwa 950 °C sinkt.
- Kathode: Al³⁺ + 3 e⁻ → Al (Reduktion). Anode: 2 O²⁻ → O₂ + 4 e⁻ (Oxidation), der Sauerstoff verbrennt die Kohle zu CO₂.
- Gesamtgleichung: 2 Al₂O₃ + 3 C → 4 Al + 3 CO₂.
- Die Herstellung braucht etwa 13 bis 15 kWh je Kilogramm, Recycling spart rund 95 Prozent der Energie.
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Häufige Fragen zu Aluminium Schmelzflusselektrolyse: Herstellung erklärt
- Wie wird Aluminium hergestellt?
- Aluminium wird aus Bauxit gewonnen. Daraus entsteht im Bayer-Verfahren reines Aluminiumoxid, das in geschmolzenem Kryolith gelöst und bei etwa 950 °C mit Gleichstrom elektrolysiert wird. An der Kathode scheidet sich flüssiges Aluminium ab.
- Was ist die Schmelzflusselektrolyse?
- Bei der Schmelzflusselektrolyse zerlegt man eine geschmolzene Verbindung mit elektrischem Strom, statt sie in Wasser zu lösen. Bei Aluminium wird so Aluminiumoxid in Aluminium und Sauerstoff zerlegt. Sie funktioniert auch bei Stoffen, die in Wasser nicht zu gewinnen sind.
- Warum braucht man bei der Aluminiumherstellung Kryolith?
- Reines Aluminiumoxid schmilzt erst bei etwa 2050 °C. Im geschmolzenen Kryolith löst es sich schon bei etwa 950 °C. Das spart viel Energie, und die Schmelze leitet den Strom gut. Der Kryolith selbst wird dabei nicht verbraucht.
- Wie lautet die Reaktionsgleichung der Aluminiumherstellung?
- Die Gesamtgleichung lautet 2 Al₂O₃ + 3 C → 4 Al + 3 CO₂. An der Kathode entsteht Aluminium durch Al³⁺ + 3 e⁻ → Al, an der Anode Sauerstoff durch 2 O²⁻ → O₂ + 4 e⁻. Der Sauerstoff verbrennt die Kohleanode zu Kohlenstoffdioxid.
- Warum kann man Aluminium nicht wie Eisen im Hochofen herstellen?
- Aluminium ist ein unedles Metall und bindet Sauerstoff viel fester als Eisen. Kohlenstoff und Kohlenstoffmonoxid sind zu schwache Reduktionsmittel, um Aluminiumoxid zu spalten. Nur elektrischer Strom liefert genug Energie für diese Reduktion.
- Warum wird die Elektrolyse nicht in Wasser durchgeführt?
- In einer wässrigen Lösung wird Wasser leichter reduziert als das Aluminium-Ion. An der Kathode würde dann Wasserstoff entstehen und kein Aluminium. Deshalb elektrolysiert man das Oxid ohne Wasser in einer Schmelze.
- Wie viel Energie braucht die Aluminiumherstellung?
- Für ein Kilogramm Primäraluminium werden etwa 13 bis 15 Kilowattstunden Strom benötigt. Deshalb stehen Aluminiumhütten oft neben günstigen Stromquellen. Recycling braucht nur rund 5 Prozent dieser Energie und ist deshalb sehr sinnvoll.
- Was ist Rotschlamm?
- Rotschlamm ist der rote Rückstand aus dem Bayer-Verfahren, in dem Bauxit mit Natronlauge behandelt wird. Er enthält vor allem Eisenoxide und andere Verunreinigungen. Wegen seines Laugenanteils muss er sicher gelagert werden.
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