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Hochofenprozess Stahl einfach erklärt – Ablauf und Reaktionen

Der Hochofenprozess wandelt Eisenerz mit Koks und Kalkstein zu flüssigem Roheisen um, das die Grundlage für die Stahlherstellung bildet. In dieser Lektion lernst du, welche Rohstoffe in den Hochofen gelangen, wie die Reduktion des Eisenoxids abläuft und welche Rolle Schlacke dabei spielt. Am Ende kannst du die wichtigsten Reaktionsgleichungen des Hochofenprozesses erklären und einordnen, wie aus Roheisen Stahl wird.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 10
  • Thema: Chemische Reaktionen
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Was im Hochofen passiert

Der Hochofenprozess dient dazu, aus Eisenerz metallisches Eisen zu gewinnen, das die Grundlage für die Stahlherstellung bildet. Dazu werden Eisenerz, Koks und Kalkstein, zusammen Möller genannt, schichtweise von oben in den mehrere Meter hohen Hochofen eingefüllt.

Von unten wird heiße Luft eingeblasen, die den Koks teilweise verbrennt und dabei sehr hohe Temperaturen von über 2.000 Grad Celsius im unteren Bereich erzeugt. Die entstehenden heißen Gase steigen nach oben und reagieren dabei mit dem Eisenerz, während die festen Rohstoffe langsam nach unten sinken.

Ein typischer Fehler ist zu glauben, im Hochofen entstehe bereits fertiger Stahl. Tatsächlich verlässt den Hochofen zunächst nur Roheisen mit einem hohen Kohlenstoffanteil, das erst in weiteren Schritten zu Stahl weiterverarbeitet wird.

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Reduktion des Eisenoxids

Der Kohlenstoff des Kokses verbrennt zunächst mit dem eingeblasenen Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid, das beim Aufsteigen durch weiteren glühenden Koks zu Kohlenstoffmonooxid reagiert. Dieses Kohlenstoffmonooxid ist das eigentliche Reduktionsmittel im Hochofen.

Kohlenstoffmonooxid entzieht dem Eisenoxid den Sauerstoff, dabei entsteht metallisches Eisen und erneut Kohlenstoffdioxid. Diese Reduktion läuft in mehreren Stufen ab, vereinfacht lässt sie sich für Eisenoxid mit der folgenden ausgeglichenen Reaktionsgleichung darstellen.

E + 3 M2 F + 3 D
E
ein Formeleinheit Eisenoxid (Fe2O3)
M
ein Molekül Kohlenstoffmonooxid (CO)
F
ein Eisenatom (Fe)
D
ein Molekül Kohlenstoffdioxid (CO2)
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Rechenbeispiel: Reduktionsgleichung aufstellen

Prüfe die Reaktionsgleichung Fe₂O₃ + 3 CO → 2 Fe + 3 CO₂ auf ihre Ausgeglichenheit und erkläre, warum genau der Faktor 3 vor Kohlenstoffmonooxid und Kohlenstoffdioxid stehen muss.

Gegeben:

  • Edukte: 1 Fe₂O₃, x CO
  • Produkte: 2 Fe, x CO₂

Gesucht:

Passender Faktor x, damit die Gleichung ausgeglichen ist

Lösung:

  1. Eisenatome zählen: 1 Fe₂O₃ enthält 2 Eisenatome, deshalb müssen auf der Produktseite 2 Fe stehen.
  2. Sauerstoffatome im Eisenoxid zählen: 1 Fe₂O₃ enthält 3 Sauerstoffatome.
  3. Sauerstoff ausgleichen: Diese 3 Sauerstoffatome müssen über 3 CO₂ auf der Produktseite auftauchen.
  4. Kohlenstoffmonooxid anpassen: Da jedes CO₂-Molekül aus einem CO-Molekül entsteht, sind auf der Eduktseite ebenfalls 3 CO nötig.

Die Gleichung Fe₂O₃ + 3 CO → 2 Fe + 3 CO₂ ist ausgeglichen, weil auf beiden Seiten 2 Eisenatome, 3 Kohlenstoffatome und insgesamt 6 Sauerstoffatome vorkommen. Der Faktor 3 ergibt sich zwingend aus den 3 Sauerstoffatomen im Eisenoxid, die vollständig auf Kohlenstoffmonooxid übertragen werden müssen.

Vom Einfüllen des Möllers bis zum Abstechen des Roheisens durchläuft der Hochofen fünf Schritte.
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Rohstoffe im Vergleich

Für den Hochofenprozess werden drei Rohstoffe benötigt, die jeweils eine eigene Aufgabe übernehmen. Eisenerz wie Hämatit oder Magnetit liefert das gebundene Eisen in Form von Eisenoxid, das im Ofen reduziert werden soll.

Koks liefert zum einen die notwendige Energie durch seine Verbrennung, zum anderen entsteht aus ihm das Reduktionsmittel Kohlenstoffmonooxid. Kalkstein schließlich bindet die im Erz enthaltenen Verunreinigungen wie Siliciumdioxid zu flüssiger Schlacke, die sich vom schwereren Roheisen trennen lässt.

ProduktOrt im OfenWeiterverwendung
RoheisenSammelt sich am BodenWird zu Stahl weiterverarbeitet
SchlackeSchwimmt auf dem RoheisenWird zu Straßenbaustoffen oder Zement verarbeitet
GichtgasVerlässt den Ofen obenWird zur Energiegewinnung im Werk genutzt
Produkte am Ende des Hochofenprozesses
Eisenerz, Koks und Kalkstein übernehmen im Hochofen jeweils eine eigene Aufgabe.
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Typische Fehler beim Hochofenprozess

Ein häufiger Fehler ist, den Hochofenprozess mit dem fertigen Stahl gleichzusetzen. Das direkt aus dem Hochofen gewonnene Roheisen enthält noch etwa 4 Prozent Kohlenstoff und ist spröde, erst durch das Frischen in Konvertern wird der Kohlenstoffanteil auf unter 2 Prozent gesenkt und Stahl entsteht.

Ein zweiter Fehler ist, Kohlenstoffmonooxid und Kohlenstoffdioxid in der Reaktionsgleichung zu verwechseln. Kohlenstoffmonooxid ist das Reduktionsmittel, das dem Eisenoxid Sauerstoff entzieht, Kohlenstoffdioxid entsteht dabei als Reaktionsprodukt.

Ein dritter Fehler ist, die Aufgabe des Kalksteins zu übersehen und ihn nur als zusätzliches Erz misszuverstehen. Kalkstein reagiert nicht mit dem Eisen, sondern bindet Verunreinigungen des Erzes zu Schlacke, damit reines Roheisen entstehen kann.

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Alltagsbezug: Vom Roheisen zum Stahl

Das im Hochofen gewonnene Roheisen wird in flüssigem Zustand meist direkt zu einem Stahlwerk transportiert, wo es im sogenannten Frischen mit reinem Sauerstoff behandelt wird. Dabei verbrennt überschüssiger Kohlenstoff, sodass aus dem spröden Roheisen der zähere und formbare Stahl entsteht, den man aus Baustellen, Autos und Werkzeugen kennt.

Der Hochofenprozess ist bis heute weltweit die wichtigste Methode zur Eisenherstellung, verursacht wegen des hohen Kokseinsatzes aber auch erhebliche Mengen an Kohlenstoffdioxid. Deshalb wird intensiv an alternativen Verfahren geforscht, bei denen Wasserstoff statt Kohlenstoffmonooxid als Reduktionsmittel dient.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welches Produkt verlässt den Hochofen direkt am Boden?

Welches Produkt verlässt den Hochofen direkt am Boden?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Hochofenprozess gewinnt aus Eisenerz, Koks und Kalkstein flüssiges Roheisen.
  • Kohlenstoffmonooxid reduziert das Eisenoxid im Erz zu metallischem Eisen.
  • Die ausgeglichene Gleichung lautet Fe₂O₃ + 3 CO → 2 Fe + 3 CO₂.
  • Kalkstein bindet Verunreinigungen des Erzes zu Schlacke, die vom Roheisen getrennt wird.
  • Aus Roheisen entsteht erst durch das Frischen mit Sauerstoff der formbare Stahl.

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Häufige Fragen zu Hochofenprozess Stahl einfach erklärt – Ablauf und Reaktionen

Was passiert beim Hochofenprozess für Stahl einfach erklärt?
Im Hochofen werden Eisenerz, Koks und Kalkstein erhitzt, dabei entsteht aus dem Koks Kohlenstoffmonooxid, das dem Eisenoxid den Sauerstoff entzieht. Übrig bleibt flüssiges Roheisen, das später zu Stahl weiterverarbeitet wird.
Wie lautet die Reaktionsgleichung des Hochofenprozesses?
Für Eisenoxid lautet die vereinfachte Reaktionsgleichung Fe₂O₃ + 3 CO → 2 Fe + 3 CO₂. Kohlenstoffmonooxid reduziert dabei das Eisenoxid zu metallischem Eisen und wird selbst zu Kohlenstoffdioxid oxidiert.
Was ist der Unterschied zwischen Roheisen und Stahl?
Roheisen aus dem Hochofen enthält etwa 4 Prozent Kohlenstoff und ist spröde. Stahl entsteht erst, wenn beim Frischen überschüssiger Kohlenstoff verbrannt wird, sodass der Kohlenstoffgehalt auf unter 2 Prozent sinkt und das Material zäher wird.
Warum braucht man Kalkstein im Hochofenprozess?
Kalkstein bindet Verunreinigungen wie Siliciumdioxid, die im Eisenerz enthalten sind, zu flüssiger Schlacke. Diese Schlacke ist leichter als Roheisen und schwimmt oben, sodass sie sich einfach abtrennen lässt.
In welcher Klasse lernt man den Hochofenprozess?
Der Hochofenprozess wird meist in der zehnten Klasse im Zusammenhang mit Redoxreaktionen und Metallgewinnung behandelt und baut auf dem Wissen über Oxidation und Reduktion auf.
Warum ist Kohlenstoffmonooxid und nicht Kohlenstoff selbst das Reduktionsmittel?
Kohlenstoffmonooxid ist ein Gas und kann sich im Hochofen sehr gut mit dem festen Eisenerz vermischen und schnell reagieren. Reiner fester Kohlenstoff könnte nur an der Oberfläche der Erzstücke reagieren und wäre dadurch deutlich langsamer.
Was passiert mit der Schlacke aus dem Hochofen?
Die Schlacke wird nicht entsorgt, sondern weiterverwertet, etwa als Hüttensand zur Zementherstellung oder als Schotter im Straßenbau. So bleibt der Hochofenprozess auch bei den Nebenprodukten ressourcenschonend.
Warum verursacht der Hochofenprozess viel Kohlenstoffdioxid?
Weil sowohl die Verbrennung des Kokses als auch die Reduktionsreaktion selbst große Mengen Kohlenstoffdioxid freisetzen. Deshalb wird an klimafreundlicheren Alternativen geforscht, bei denen Wasserstoff statt Kohlenstoffmonooxid als Reduktionsmittel verwendet wird.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes