Korrosion
In dieser Lektion lernst du, warum Eisen rostet und wie dieser Vorgang als Redoxreaktion mit Wasser und Sauerstoff abläuft. Du lernst außerdem gängige Korrosionsschutzverfahren kennen und verstehst, warum Edelstahl nicht rostet.
- Fach: Chemie
- Klasse 9
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Was ist Korrosion?
Korrosion ist die schrittweise Zerstörung eines Werkstoffs, meist eines Metalls, durch eine chemische Reaktion mit Stoffen aus seiner Umgebung. Die bekannteste Form ist das Rosten von Eisen, bei dem sich unter Einwirkung von Wasser und Sauerstoff braunes, poröses Eisenoxid bildet. Damit Eisen rostet, müssen Wasser und Sauerstoff gleichzeitig vorhanden sein – fehlt einer der beiden Stoffe, bleibt Eisen blank.
Chemisch betrachtet ist Rosten eine Redoxreaktion. Eisenatome geben an der Metalloberfläche Elektronen ab und werden zu Fe2+-Ionen oxidiert: Fe → Fe2+ + 2 e-. Die freigesetzten Elektronen wandern durch das Metall zu einer anderen Stelle, wo Sauerstoff zusammen mit Wasser reduziert wird: O2 + 2 H2O + 4 e- → 4 OH-. Die entstehenden Eisen- und Hydroxid-Ionen treffen im Wasserfilm aufeinander und fallen als Eisenhydroxid aus, das durch weitere Oxidation schließlich zu Rost, wasserhaltigem Eisenoxid, wird.
Salze in der Umgebung beschleunigen den Vorgang erheblich, weil sie die elektrische Leitfähigkeit des Wasserfilms erhöhen und den Elektronentransport erleichtern. Deshalb rosten Autos in Küstennähe oder auf gestreuten Winterstraßen deutlich schneller als im trockenen Binnenland ohne Salzeinsatz.
Beispiel: Rostbildung an einem Nagel
Ein Eisennagel liegt einige Tage in feuchter Luft. Erkläre in Teilschritten, wie der sichtbare Rostfleck entsteht.
Gegeben:
- Eisennagel, unbeschichtet
- feuchte Luft mit Sauerstoff und Wasserdampf
Gesucht:
Ablauf der Rostbildung als TeilreaktionenLösung:
- Ein dünner Wasserfilm bildet sich auf der Nageloberfläche und löst Spuren von Ionen aus der Luft.
- Oxidation: An einer Stelle des Nagels geben Eisenatome Elektronen ab: Fe → Fe2+ + 2 e-.
- Reduktion: An einer anderen Stelle nimmt Sauerstoff die Elektronen mit Wasser auf: O2 + 2 H2O + 4 e- → 4 OH-.
- Fe2+- und OH--Ionen verbinden sich im Wasserfilm zu Eisen(II)-hydroxid, das durch weiteren Sauerstoff zu rotbraunem Eisen(III)-oxid-Hydrat, also Rost, weiteroxidiert wird.
Nach einigen Tagen zeigt sich ein rotbrauner, poröser Belag auf dem Nagel – der Rost. Da Rost porös ist und nicht fest haftet, schützt er das darunterliegende Eisen nicht, weshalb die Korrosion mit der Zeit tiefer in den Nagel vordringt.
Verfahren gegen Korrosion
Um Korrosion zu verhindern, gibt es zwei grundsätzliche Strategien: Entweder wird die Metalloberfläche durch eine Barriere von Wasser und Sauerstoff ferngehalten, oder ein unedleres Metall wird gezielt geopfert, damit das eigentliche Bauteil geschützt bleibt.
Barriereschutz erreicht man durch Lackieren, Fetten, Ölen oder Verzinken. Beim Verzinken wird zusätzlich ein elektrochemischer Effekt genutzt: Zink ist unedler als Eisen und wird deshalb bevorzugt oxidiert, solange die Zinkschicht vorhanden ist, selbst wenn die Beschichtung an einer Stelle beschädigt ist. Man spricht von einer Opferanode, weil sich das Zink für das Eisen quasi opfert.
| Verfahren | Wirkprinzip | Beispiel |
|---|---|---|
| Lackieren | Wasser und Sauerstoff werden abgehalten | Autokarosserie, Brücken |
| Verzinken | Zink wird unedler oxidiert (Opferanode) | Dachrinnen, Leitplanken |
| Legieren mit Chrom | dichte, selbstheilende Oxidschicht | Edelstahl (Chromstahl) |
| Fetten, Ölen | Wasserfilm wird ferngehalten | Werkzeuge, Fahrradketten |
| Kathodischer Schutz | Bauteil wird zur Kathode gemacht, Opferanode korrodiert | Pipelines, Schiffsrümpfe |
Warum Edelstahl nicht rostet
Edelstahl ist eine Legierung aus Eisen mit mindestens etwa 10,5 Prozent Chrom. Sobald Sauerstoff auf die Oberfläche trifft, bildet das Chrom eine hauchdünne, aber sehr dichte Chromoxidschicht, die fest auf dem Metall haftet und weiteren Sauerstoff sowie Wasser von der Metalloberfläche fernhält. Wird diese Schutzschicht mechanisch beschädigt, etwa durch einen Kratzer, bildet sie sich durch den Luftsauerstoff sofort neu – man nennt das eine selbstheilende Passivschicht.
Anders als eine Lackierung wirkt diese Schicht also dauerhaft, solange genügend Sauerstoff vorhanden ist. Fehlt Sauerstoff über längere Zeit, etwa in sauerstoffarmem, salzhaltigem Wasser, kann Edelstahl dennoch angegriffen werden, was als Lochfraßkorrosion bekannt ist.
Typische Fehler
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, Wasser allein reiche zum Rosten aus. Tatsächlich braucht Eisen zwingend auch Sauerstoff, um zu oxidieren. Ein Metallgegenstand unter luftdicht verschlossenem, sauerstofffreiem Wasser rostet deshalb nicht.
Ein zweiter Fehler ist es, Rosten als bloßen Verschleiß statt als chemische Reaktion zu beschreiben. Rosten ist eine Redoxreaktion mit klar trennbaren Teilschritten: Eisen wird oxidiert, Sauerstoff wird reduziert. Diese Unterscheidung ist in Klassenarbeiten oft ausdrücklich gefordert.
Ein dritter Fehler betrifft die Opferanode: Manche vermuten, verzinktes Eisen sei geschützt, weil Zink das Wasser fernhält wie eine reine Lackschicht. Tatsächlich schützt Zink auch dann noch, wenn die Schicht beschädigt ist, weil es als unedleres Metall bevorzugt selbst oxidiert wird.
Jetzt bist du dran
Welche zwei Stoffe müssen gleichzeitig vorhanden sein, damit Eisen rostet?
Noch nicht. Rosten setzt Wasser und Sauerstoff gemeinsam voraus. Fehlt einer der beiden Stoffe, findet keine Korrosion statt.
Das Wichtigste in Kürze
- Korrosion ist die Zerstörung eines Metalls durch chemische Reaktion mit seiner Umgebung.
- Rosten von Eisen ist eine Redoxreaktion: Eisen wird oxidiert, Sauerstoff wird mit Wasser reduziert.
- Wasser und Sauerstoff müssen gleichzeitig vorhanden sein, sonst rostet Eisen nicht.
- Korrosionsschutz wirkt als Barriere (Lack, Fett) oder über eine Opferanode wie Zink.
- Edelstahl rostet nicht, weil Chrom eine dichte, selbstheilende Oxidschicht bildet.
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Häufige Fragen zu Korrosion
- Was ist Korrosion?
- Korrosion ist die schrittweise Zerstörung eines Metalls durch eine chemische Reaktion mit Stoffen aus seiner Umgebung, meist mit Wasser und Sauerstoff. Beim Eisen zeigt sich Korrosion als Rostbildung: Eisen wird zu Eisenoxid oxidiert, das als brauner, poröser Belag sichtbar wird und das Metall zunehmend schwächt.
- Warum rostet Eisen?
- Eisen rostet, weil es an der feuchten Oberfläche Elektronen an Sauerstoff abgibt und dabei zu Fe2+-Ionen oxidiert wird, während Sauerstoff zusammen mit Wasser zu Hydroxid-Ionen reduziert wird. Beide Ionen verbinden sich und werden durch weitere Oxidation zu Rost, wasserhaltigem Eisenoxid. Ohne Wasser oder ohne Sauerstoff läuft diese Reaktion nicht ab.
- Wie kann man Eisen vor Rost schützen?
- Gängige Methoden sind eine Barriere aus Lack, Fett oder Öl, die Wasser und Sauerstoff fernhält, sowie das Verzinken, bei dem eine Schicht aus unedlerem Zink das Eisen als Opferanode schützt. Auch das Legieren mit Chrom zu Edelstahl schützt dauerhaft, weil sich eine dichte Chromoxidschicht bildet.
- Warum rostet Edelstahl nicht?
- Edelstahl enthält mindestens etwa 10,5 Prozent Chrom, das mit Luftsauerstoff sofort eine hauchdünne, dichte Chromoxidschicht bildet. Diese Schicht hält weiteren Sauerstoff und Wasser vom darunterliegenden Eisen fern und erneuert sich bei Beschädigung von selbst, solange genügend Sauerstoff vorhanden ist.
- Was ist eine Opferanode?
- Eine Opferanode ist ein Metall, das unedler ist als das zu schützende Bauteil und deshalb bevorzugt oxidiert wird. Zink schützt so verzinktes Eisen: Solange noch Zink vorhanden ist, rostet das Eisen darunter nicht, selbst wenn die Zinkschicht an einer Stelle beschädigt ist.
- Warum rostet Eisen an der Küste oder im Winter schneller?
- Gelöste Salze erhöhen die elektrische Leitfähigkeit des Wasserfilms auf der Metalloberfläche und erleichtern so den Elektronentransport zwischen den beteiligten Teilreaktionen. Salzhaltige Meeresluft und Streusalz auf Winterstraßen beschleunigen die Korrosion deshalb im Vergleich zu trockener, salzfreier Umgebung deutlich.
- In welcher Klasse lernt man Korrosion?
- Korrosion wird meist in Klasse 9 im Chemieunterricht behandelt, aufbauend auf den Grundlagen zu Redoxreaktionen und der elektrochemischen Spannungsreihe der Metalle. Wer bereits Oxidation und Reduktion als Elektronenübertragung verstanden hat, kann den Rostvorgang gut nachvollziehen.
- Ist Rosten eine chemische oder eine physikalische Veränderung?
- Rosten ist eine chemische Veränderung, denn aus Eisen und Sauerstoff entsteht ein neuer Stoff mit anderen Eigenschaften, das Eisenoxid. Anders als bei einer physikalischen Veränderung, etwa dem Schmelzen von Eisen, lässt sich Rost nicht einfach durch Erwärmen wieder in reines Eisen zurückverwandeln.
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