Die Elektrolyse
In dieser Lektion lernst du, wie elektrischer Strom Stoffe zerlegt. Du verstehst, was an Anode und Kathode passiert, stellst die Teilgleichungen einer Elektrolyse auf und lernst Anwendungen von der Aluminiumherstellung bis zur Verchromung kennen.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Strom erzwingt eine Reaktion
Bei einer Elektrolyse wird eine Redoxreaktion durch elektrische Energie erzwungen, die freiwillig nicht ablaufen würde. Man taucht zwei Elektroden in eine Salzschmelze oder Lösung, die Ionen enthält, und legt eine Gleichspannung an. Die Spannungsquelle wirkt wie eine Elektronenpumpe: Sie drückt Elektronen in die eine Elektrode hinein und saugt sie aus der anderen ab.
Die Ionen in der Lösung wandern zu der entgegengesetzt geladenen Elektrode. Positive Kationen wandern zum Minuspol, der Kathode. Dort nehmen sie Elektronen auf und werden reduziert. Negative Anionen wandern zum Pluspol, der Anode, geben dort Elektronen ab und werden oxidiert. So wird zum Beispiel Zinkbromid-Lösung in Zink und Brom zerlegt.
Ein typischer Fehler ist, Anode und Kathode fest mit Plus und Minus zu verbinden, ohne den Vorgang zu kennen. Die sichere Regel lautet: An der Anode findet immer die Oxidation statt, an der Kathode immer die Reduktion. Bei der Elektrolyse ist die Anode der Pluspol, in einer Batterie ist sie dagegen der Minuspol. Merke dir deshalb die Vorgänge, nicht die Vorzeichen.
Anode oder Kathode?
Frage dich bei jeder Elektrode: Werden hier Elektronen abgegeben oder aufgenommen? Daraus folgt der Name.
Eselsbrücke: Anode und Oxidation beginnen mit einem Vokal, Kathode und Reduktion mit einem Konsonanten.
Anode
Hier werden Anionen oxidiert. Bei der Elektrolyse ist die Anode der Pluspol.
Beispiele
- 2 Br- → Br2 + 2 e-
- 2 Cl- → Cl2 + 2 e-
Signalwörter
- Oxidation – Elektronenabgabe
- Anionen wandern hierhin
- Pluspol bei der Elektrolyse
- Oft entstehen Halogene oder Sauerstoff
Kathode
Hier werden Kationen reduziert. Bei der Elektrolyse ist die Kathode der Minuspol.
Beispiele
- Zn2+ + 2 e- → Zn
- Cu2+ + 2 e- → Cu
Signalwörter
- Reduktion – Elektronenaufnahme
- Kationen wandern hierhin
- Minuspol bei der Elektrolyse
- Oft scheiden sich Metalle oder Wasserstoff ab
| Merkmal | Anode | Kathode |
|---|---|---|
| Vorgang | Oxidation | Reduktion |
| Elektronen | werden abgegeben | werden aufgenommen |
| Wandernde Ionen | Anionen | Kationen |
| Pol bei der Elektrolyse | Pluspol | Minuspol |
Elektrolyse von Kupferchlorid
Eine Kupfer(II)-chlorid-Lösung (CuCl2) wird elektrolysiert. Stelle die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung auf.
Gegeben:
- Lösung enthält Cu2+ und Cl- Ionen
- Gleichspannung liegt an
Gesucht:
Vorgänge an Anode und Kathode, GesamtgleichungLösung:
- Kathode (Minuspol), Reduktion: Cu2+ + 2 e- → Cu
- Anode (Pluspol), Oxidation: 2 Cl- → Cl2 + 2 e-
- Elektronenzahlen stimmen überein, also addieren: Cu2+ + 2 Cl- → Cu + Cl2
An der Kathode scheidet sich rotbraunes Kupfer ab, an der Anode entsteht Chlorgas.
Wo Elektrolysen eingesetzt werden
Elektrolysen sind keine reine Schulaufgabe, sondern Grundlage großer Industriezweige. Aluminium wird ausschließlich durch Elektrolyse gewonnen, weil das Metall so unedel ist, dass keine chemische Reduktion mit Kohle ausreicht. Aluminiumoxid wird dazu in geschmolzenem Kryolith gelöst und bei etwa 950 °C elektrolysiert – ein Verfahren, das enorme Mengen Strom verbraucht und deshalb meist dort steht, wo Energie günstig ist, etwa in der Nähe von Wasserkraftwerken.
In der Galvanotechnik nutzt man Elektrolysen, um dünne Metallschichten auf Werkstücken abzuscheiden. Beim Verchromen wird das Werkstück als Kathode geschaltet, sodass sich Chromionen aus der Lösung als glänzende Schicht darauf abscheiden. So entstehen rostgeschützte Autofelgen, vergoldeter Schmuck und verzinkte Schrauben. Auch die Chlor-Alkali-Elektrolyse ist bedeutend: Aus Kochsalzlösung entstehen dabei gleichzeitig Chlor, Wasserstoff und Natronlauge, drei wichtige Grundchemikalien für Industrie und Haushalt.
Sicherheit im Labor bei der Elektrolyse
Bei Schulversuchen zur Elektrolyse entstehen häufig Gase, die man ernst nehmen muss. Chlorgas ist stechend riechend und schon in kleinen Mengen giftig für Atemwege und Augen, deshalb werden Chlor-erzeugende Elektrolysen nur im Abzug oder mit sehr geringer Stromstärke durchgeführt. Wasserstoff ist geruchlos, aber brennbar, und bildet zusammen mit Sauerstoff das hochexplosive Knallgas. Deshalb wird bei der Wasserelektrolyse offenes Feuer aus der Nähe der Apparatur ferngehalten.
Auch die Spannungsquelle selbst verdient Vorsicht: Niedrige Gleichspannungen von wenigen Volt reichen für den Schulversuch völlig aus, höhere Spannungen sind unnötig und gefährlich. Nach dem Versuch sollten Elektroden erst nach dem Abschalten der Spannung aus der Lösung entfernt werden, sonst können Funken entstehen.
Typische Fehler beim Aufstellen der Gleichungen
Der häufigste Fehler ist, die Teilgleichungen zu addieren, bevor die Elektronenzahlen gleich sind. Gibt die Anode zum Beispiel zwei Elektronen ab, die Kathode aber vier aufnimmt, muss man die Anodengleichung zunächst mit zwei multiplizieren, sonst geht die Ladungsbilanz nicht auf. Ein zweiter Fehler ist, Sauerstoff- oder Wasserstoffgas als einzelne Atome statt als zweiatomige Moleküle (O2, H2) zu notieren – beide Gase liegen in der Natur immer molekular vor.
Auch bei der Zuordnung von Plus und Minus schleicht sich häufig ein Fehler ein, wenn Schüler das Wissen aus dem Physikunterricht über Batterien unreflektiert übertragen. Verlasse dich deshalb nicht auf das Vorzeichen, sondern immer auf den Vorgang: Oxidation ist Anode, Reduktion ist Kathode, in jedem elektrochemischen System.
Jetzt bist du dran
Welcher Vorgang findet bei einer Elektrolyse an der Kathode statt?
Noch nicht. An der Kathode stehen Elektronen zur Verfügung. Die positiven Kationen nehmen sie auf und werden reduziert.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Elektrolyse ist eine durch Strom erzwungene Redoxreaktion.
- Kationen wandern zur Kathode und werden reduziert.
- Anionen wandern zur Anode und werden oxidiert.
- Anode heißt immer Oxidation – das Vorzeichen des Pols hängt dagegen vom System ab.
- Vor dem Addieren der Teilgleichungen müssen die Elektronenzahlen gleich sein.
- Industrielle Anwendungen: Aluminiumherstellung, Galvanotechnik, Chlor-Alkali-Elektrolyse.
- Im Labor auf giftiges Chlor und explosives Knallgas achten und mit niedriger Spannung arbeiten.
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Häufige Fragen zu Die Elektrolyse
- Was ist eine Elektrolyse einfach erklärt?
- Bei einer Elektrolyse zwingt elektrischer Strom eine Redoxreaktion, die von allein nicht ablaufen würde. Zwei Elektroden werden in eine leitfähige Lösung oder Schmelze getaucht und an eine Gleichspannungsquelle angeschlossen. Positive Ionen wandern zur Kathode und werden dort reduziert, negative Ionen wandern zur Anode und werden dort oxidiert. So lassen sich Verbindungen wieder in ihre Bestandteile zerlegen.
- Was ist der Unterschied zwischen Anode und Kathode?
- An der Anode findet immer eine Oxidation statt, also eine Elektronenabgabe. An der Kathode findet immer eine Reduktion statt, also eine Elektronenaufnahme. Bei der Elektrolyse ist die Anode der Pluspol und die Kathode der Minuspol, bei einer Batterie ist es umgekehrt. Entscheidend ist deshalb nicht das Vorzeichen, sondern der chemische Vorgang.
- Warum ist die Kathode nicht immer der Minuspol?
- Das Vorzeichen hängt davon ab, ob das System Strom verbraucht oder erzeugt. Bei der Elektrolyse liefert eine externe Quelle Strom, dort ist die Kathode der Minuspol. In einer Batterie oder Brennstoffzelle erzeugt die Reaktion selbst Strom, dort ist die Kathode der Pluspol. Die Bezeichnung Kathode bleibt aber an die Reduktion gebunden, unabhängig vom Vorzeichen.
- Wofür wird die Elektrolyse in der Industrie genutzt?
- Aluminium wird ausschließlich elektrolytisch aus geschmolzenem Aluminiumoxid gewonnen, weil chemische Reduktionsmittel dafür nicht stark genug sind. Die Chlor-Alkali-Elektrolyse liefert aus Kochsalzlösung gleichzeitig Chlor, Wasserstoff und Natronlauge. In der Galvanotechnik scheidet man mit Elektrolysen dünne Metallschichten ab, etwa beim Verchromen oder Vergolden von Schmuck und Werkstücken.
- Wie stellt man die Gesamtgleichung einer Elektrolyse auf?
- Zuerst schreibst du die Teilgleichung für die Kathode (Reduktion) und für die Anode (Oxidation) getrennt auf. Dann prüfst du, ob beide Teilgleichungen dieselbe Anzahl an Elektronen enthalten. Ist das nicht der Fall, multiplizierst du eine oder beide Gleichungen mit einem passenden Faktor. Erst danach addierst du beide Gleichungen, wobei sich die Elektronen gegenseitig aufheben.
- Warum ist Wasserstoff bei der Elektrolyse gefährlich?
- Wasserstoff selbst ist ungiftig, aber sehr leicht brennbar. Sammelt er sich zusammen mit Sauerstoff aus der Luft oder aus der Elektrolyse an, entsteht das hochexplosive Knallgas. Schon ein kleiner Funke kann es zur Explosion bringen. Deshalb wird bei Wasserelektrolyse-Versuchen offenes Feuer ferngehalten und in gut belüfteten Räumen gearbeitet.
- Was ist der Unterschied zwischen Elektrolyse und galvanischem Element?
- Bei der Elektrolyse wird elektrische Energie zugeführt, um eine sonst nicht freiwillig ablaufende Reaktion zu erzwingen. Beim galvanischen Element, etwa einer Batterie, läuft die Reaktion dagegen freiwillig ab und erzeugt dabei selbst elektrische Energie. Beide beruhen auf demselben Grundprinzip aus Oxidation und Reduktion, nur die Richtung des Energieflusses ist entgegengesetzt.
- Warum braucht man bei der Elektrolyse Ionen in der Lösung?
- Nur bewegliche Ionen können den elektrischen Strom durch die Flüssigkeit tragen und zu den Elektroden wandern. Destilliertes Wasser leitet deshalb kaum Strom und lässt sich kaum elektrolysieren. Erst gelöste Salze, Säuren oder Laugen stellen genug frei bewegliche Ionen bereit, damit der Stromkreis über die Lösung geschlossen wird und Reduktion und Oxidation an den Elektroden ablaufen können.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Batterien und Akkus
- Galvanische Elementein Arbeit