Legierungen: Aufbau, Eigenschaften und Beispiele erklärt
Legierungen sind Mischungen aus mindestens einem Metall und weiteren Stoffen, die im Schmelzfluss gemischt wurden und meist härter und widerstandsfähiger sind als die reinen Metalle. In dieser Lektion lernst du, wie Legierungen aufgebaut sind, warum Messing, Bronze, Stahl und Edelstahl bessere Eigenschaften haben als ihre Bestandteile und wo du sie im Alltag findest.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Stoffe und Eigenschaften
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Legierungen: Was ist eine Legierung?
Reine Metalle wie Kupfer, Eisen oder Aluminium sind im Alltag oft ungeeignet. Kupfer ist zu weich für ein Werkzeug, reines Eisen rostet schnell, und reines Gold ist so weich, dass sich ein Ring verbiegen würde. Deshalb mischt man Metalle. Eine solche Mischung heißt Legierung.
Zur Herstellung schmilzt man die Bestandteile zusammen und lässt die Schmelze erstarren. Beim Abkühlen entsteht ein festes Material, in dem die Atome der Zusatzstoffe im Metallgitter sitzen. Eine Legierung ist also ein Gemisch und keine chemische Verbindung: Die Bestandteile behalten ihre Eigenschaften, und das Mengenverhältnis lässt sich beliebig verändern.
Häufig besteht eine Legierung aus mehreren Metallen, wie bei Messing aus Kupfer und Zink. Es gibt aber auch Zusätze, die keine Metalle sind: Stahl ist Eisen mit einem kleinen Anteil Kohlenstoff. Auch dieses Material zählt zu den Legierungen, weil die Metalleigenschaften erhalten bleiben.
Legierungen Eigenschaften: Warum sie härter sind
In einem reinen Metall liegen gleich große Atome in regelmäßigen Schichten. Die Valenzelektronen bilden ein bewegliches Elektronengas, das die positiven Atomrümpfe zusammenhält, das ist die Metallbindung. Weil die Schichten leicht übereinander gleiten können, lässt sich das Metall verformen und schmieden. Diese Verformbarkeit ist nützlich, macht reine Metalle aber weich.
Baut man Fremdatome ein, die größer oder kleiner sind als die Atome des Grundmetalls, wird das Gitter an diesen Stellen gestört. Die Schichten verhaken sich und lassen sich schwerer gegeneinander verschieben. Das Material wird härter und fester, aber oft auch weniger dehnbar.
Auch andere Eigenschaften ändern sich. Der Schmelzpunkt liegt bei vielen Legierungen unter dem der Einzelmetalle, was zum Beispiel beim Löten nützlich ist. Die elektrische Leitfähigkeit sinkt meist, weil die Fremdatome die Bewegung der Elektronen stören. Mit den Anteilen kannst du Härte, Farbe und Korrosionsbeständigkeit gezielt einstellen.
| Eigenschaft | Reines Metall | Legierung |
|---|---|---|
| Härte | meist weich | meist härter und fester |
| Schmelzpunkt | scharfer Schmelzpunkt | oft niedriger, Schmelzbereich |
| Leitfähigkeit | hoch (Kupfer, Silber) | meist geringer |
| Korrosion | oft anfällig | durch Zusätze verbesserbar |
| Aufbau | gleiche Atome im Gitter | Fremdatome im Gitter |
Legierungen im Überblick: Bestandteile und Einsatz
Messing besteht aus Kupfer und Zink, meist mit etwa 60 bis 70 Prozent Kupfer. Es ist goldgelb, lässt sich gut bearbeiten und wird für Armaturen, Schrauben und Blasinstrumente verwendet. Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn, hart und widerstandsfähig, aber gut gießbar. Sie wird für Glocken, Lager und Statuen benutzt, und die Bronzezeit trägt ihren Namen nach ihr.
Stahl ist Eisen mit weniger als etwa 2 Prozent Kohlenstoff und das wichtigste Baumaterial der Technik. Edelstahl enthält zusätzlich mindestens etwa 10,5 Prozent Chrom, oft auch Nickel. Duraluminium ist eine Aluminiumlegierung mit Kupfer und Magnesium und ist fast so fest wie Stahl, aber viel leichter. Lötzinn ist eine Zinnlegierung, die bei niedriger Temperatur schmilzt und elektrische Bauteile verbindet.
Auch Schmuck besteht aus Legierungen. Gold mit 750 von 1000 Teilen heißt 18 Karat, der Rest sind Silber oder Kupfer, die das weiche Gold härten und färben. Sterlingsilber enthält 925 Teile Silber und 75 Teile Kupfer.
| Legierung | Bestandteile | Einsatz |
|---|---|---|
| Messing | Kupfer (etwa 60 bis 70 %), Zink | Armaturen, Schrauben, Instrumente |
| Bronze | Kupfer, Zinn (etwa 10 %) | Glocken, Lager, Statuen |
| Stahl | Eisen, unter 2 % Kohlenstoff | Bauwesen, Maschinen, Werkzeuge |
| Edelstahl | Eisen, mindestens 10,5 % Chrom, oft Nickel | Besteck, Spülen, Chemieanlagen |
| Duraluminium | Aluminium, etwa 4 % Kupfer, Magnesium | Flugzeugbau |
| 18 Karat Gold | 75 % Gold, Silber und Kupfer | Schmuck |
Legierung herstellen: Schritt für Schritt
Die Herstellung folgt einem festen Ablauf. Zuerst wiegt man die Bestandteile nach dem gewünschten Mengenverhältnis ab, denn davon hängen die Eigenschaften ab. Dann schmilzt man das Metall mit dem höheren Schmelzpunkt und gibt die anderen Bestandteile zu.
Beim Mischen löst sich ein Bestandteil im anderen, so wie sich Zucker in Tee löst, nur dass beides flüssiges Metall ist. Danach gießt man die Schmelze in Formen und lässt sie langsam abkühlen. Die Abkühlgeschwindigkeit beeinflusst, wie fein die Kristalle werden und damit auch die Härte.
Manche Legierungen werden nachbehandelt, zum Beispiel durch Erhitzen und rasches Abkühlen oder durch Walzen und Schmieden. Beim Gießen von Messing muss man außerdem beachten, dass Zink schon bei etwa 907 °C siedet, also deutlich unterhalb des Schmelzpunkts von Kupfer bei etwa 1085 °C. Man gibt das Zink deshalb in die bereits flüssige Kupferschmelze.
Beispiel 1: Messing berechnen
Eine Messinglegierung enthält 63 % Kupfer, der Rest ist Zink. Wie viel Kupfer und Zink stecken in 500 g Messing?
Gegeben:
- Gesamtmasse: 500 g
- Kupferanteil: 63 %
Gesucht:
Masse von Kupfer und ZinkLösung:
- Der Zinkanteil ist der Rest: 100 % minus 63 % ergibt 37 %.
- Kupfer: 500 g mal 0,63315 g.
- Zink: 500 g mal 0,37185 g.
- Probe: 315 g plus 185 g ergibt wieder 500 g.
In 500 g Messing stecken 315 g Kupfer und 185 g Zink. Prozentangaben bei Legierungen beziehen sich meist auf die Masse, nicht auf das Volumen.
Beispiel 2: Warum Edelstahl nicht rostet
Erkläre, warum Besteck aus Edelstahl nicht rostet, ein Nagel aus normalem Stahl aber schon.
Gegeben:
- Stahl: Eisen mit Kohlenstoff
- Edelstahl: Eisen, Kohlenstoff und mindestens etwa 10,5 % Chrom
Gesucht:
Begründung für die RostbeständigkeitLösung:
- Der Nagel besteht aus Eisen, das mit Sauerstoff und Wasser zu Rost reagiert. Rost blättert ab, deshalb schreitet die Korrosion weiter fort.
- Im Edelstahl reagiert das Chrom an der Oberfläche sofort mit dem Sauerstoff der Luft.
- Dabei entsteht eine hauchdünne, dichte Chromoxidschicht, die fest haftet.
- Die Schicht schützt das darunterliegende Eisen vor weiteren Angriffen und erneuert sich selbst, wenn sie leicht verkratzt wird.
Edelstahl rostet nicht, weil der Chromanteil eine dichte Schutzschicht bildet. Normaler Stahl bildet keine solche Schicht und rostet. Die Zusammensetzung der Legierung bestimmt also die Eigenschaft.
Typische Fehler bei Legierungen
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung mit einer chemischen Verbindung. Bei einer Legierung findet keine Reaktion statt, die Metalle werden nur gemischt. Deshalb gibt es keine feste Formel und das Mischungsverhältnis ist veränderbar, während eine Verbindung wie Wasser immer dasselbe Atomverhältnis hat.
Ein zweiter Fehler ist die Gleichsetzung von Stahl und Eisen oder von Messing und Bronze. Stahl enthält Kohlenstoff, Eisen nicht. Messing besteht aus Kupfer und Zink, Bronze aus Kupfer und Zinn. Beide sehen ähnlich aus, haben aber verschiedene Zutaten und Eigenschaften.
Dazu kommt der Irrtum, eine Legierung sei immer besser als das reine Metall. Sie ist häufig härter, aber leitet den Strom schlechter. Für elektrische Leitungen nimmt man deshalb reines Kupfer. Und nicht jede Legierung besteht nur aus Metallen: Auch Kohlenstoff in Stahl zählt als Zusatz, den man trotzdem mitdenken muss.
Alltagsbezug: Legierungen überall
Fast kein Metallgegenstand um dich herum ist rein. Die Karosserie eines Autos besteht aus Stahl, der Motorblock oft aus Aluminiumlegierungen, die Wasserhähne aus Messing. Im Handy stecken Lötverbindungen aus Zinnlegierungen. Kirchenglocken aus Bronze klingen besonders klar.
Auch Zahnärzte verwenden Legierungen, etwa für Kronen und Füllungen. Dort kommt es auf Verträglichkeit und Haltbarkeit an. Im Flugzeugbau sorgen Aluminiumlegierungen dafür, dass Maschinen fest und trotzdem leicht sind.
Weil man mit dem Mischungsverhältnis Eigenschaften einstellen kann, entwickeln Werkstoffforscher ständig neue Legierungen. Für jede Aufgabe lässt sich das Material finden, das Härte, Gewicht, Preis und Haltbarkeit am besten verbindet.
Jetzt bist du dran
Was ist eine Legierung?
Noch nicht. Eine Legierung entsteht durch Mischen im Schmelzfluss. Es findet keine chemische Reaktion statt, deshalb ist sie ein Gemisch und keine Verbindung.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Legierung ist ein Gemisch aus einem Metall mit weiteren Metallen oder Nichtmetallen, das im Schmelzfluss entsteht, und keine chemische Verbindung.
- Fremdatome stören das Metallgitter, deshalb sind Legierungen meist härter und fester als reine Metalle.
- Messing ist Kupfer mit Zink, Bronze ist Kupfer mit Zinn, Stahl ist Eisen mit wenig Kohlenstoff, Edelstahl enthält zusätzlich Chrom.
- Der Schmelzpunkt von Legierungen liegt oft niedriger, die elektrische Leitfähigkeit meist ebenfalls.
- Mit den Anteilen der Bestandteile lassen sich Härte, Farbe und Korrosionsschutz gezielt einstellen.
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Häufige Fragen zu Legierungen: Aufbau, Eigenschaften und Beispiele erklärt
- Was ist eine Legierung einfach erklärt?
- Eine Legierung ist eine Mischung aus einem Metall mit weiteren Metallen oder Nichtmetallen, die aus der Schmelze erstarrt. Sie hat meist andere und bessere Eigenschaften als die einzelnen Bestandteile, etwa mehr Härte oder besseren Schutz vor Korrosion.
- Welche Legierungen gibt es?
- Bekannte Legierungen sind Messing aus Kupfer und Zink, Bronze aus Kupfer und Zinn, Stahl aus Eisen und Kohlenstoff, Edelstahl mit Chrom, Duraluminium auf Aluminiumbasis und Lötzinn. Auch Gold- und Silberschmuck besteht fast immer aus Legierungen.
- Warum sind Legierungen härter als reine Metalle?
- In reinen Metallen liegen gleich große Atome in Schichten, die leicht gleiten. In Legierungen sitzen Fremdatome im Gitter, die die Schichten verhaken. Deshalb braucht es mehr Kraft, die Legierung zu verformen, und sie ist härter und fester.
- Ist eine Legierung eine chemische Verbindung?
- Nein, eine Legierung ist ein Gemisch. Beim Zusammenschmelzen reagieren die Metalle nicht zu einem neuen Stoff mit fester Formel. Das Mengenverhältnis kann sich ändern, und die Eigenschaften der Bestandteile bleiben zum Teil erhalten.
- Was ist der Unterschied zwischen Messing und Bronze?
- Beide enthalten Kupfer. Messing besteht aus Kupfer und Zink, ist goldgelb und lässt sich gut bearbeiten. Bronze besteht aus Kupfer und Zinn, ist rötlich bis braun, härter und besonders widerstandsfähig, etwa für Glocken und Lager.
- Woraus besteht Stahl?
- Stahl besteht hauptsächlich aus Eisen mit einem geringen Anteil Kohlenstoff von weniger als etwa 2 Prozent. Schon diese kleine Menge macht Stahl härter und belastbarer als reines Eisen. Durch weitere Zusätze entstehen spezielle Stähle wie Edelstahl.
- Warum rostet Edelstahl nicht?
- Edelstahl enthält mindestens etwa 10,5 Prozent Chrom. Das Chrom bildet an der Oberfläche sofort eine hauchdünne, dichte Chromoxidschicht, die das Eisen vor Sauerstoff und Wasser schützt und sich bei leichten Kratzern von selbst erneuert.
- Wofür werden Legierungen verwendet?
- Legierungen stecken in Bauwerken, Autos, Flugzeugen, Werkzeugen, Münzen, Schmuck und Elektronik. Je nach Aufgabe wählt man eine Legierung mit der passenden Härte, Dichte, Leitfähigkeit oder Korrosionsbeständigkeit, zum Beispiel Duraluminium im Flugzeugbau.
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