Erdöl fraktionierte Destillation einfach erklärt
Erdöl fraktionierte Destillation trennt das Stoffgemisch Erdöl anhand der unterschiedlichen Siedepunkte seiner Kohlenwasserstoffe in einzelne Fraktionen wie Benzin, Kerosin und Diesel. Dabei wird kein neuer Stoff hergestellt, sondern nur ein natürliches Gemisch physikalisch aufgetrennt. In dieser Lektion lernst du den Ablauf der Destillation, die entstehenden Fraktionen und typische Fehler kennen.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Organische Chemie
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Was Erdöl ist
Erdöl ist ein natürliches Stoffgemisch aus hunderten verschiedenen Kohlenwasserstoffen, die vor allem aus abgestorbenen Meeresorganismen unter hohem Druck und großer Hitze über Jahrmillionen entstanden sind. Es enthält kurze Ketten wie Methan ebenso wie sehr lange Ketten mit über zwanzig Kohlenstoffatomen, dazu geringe Mengen an Schwefel- und Stickstoffverbindungen.
Weil Erdöl ein Gemisch und kein einheitlicher Reinstoff ist, lässt es sich mit dem physikalischen Trennverfahren der Destillation in seine Bestandteile zerlegen. Die fraktionierte Destillation nutzt aus, dass verschiedene Kohlenwasserstoffe je nach Kettenlänge unterschiedliche Siedepunkte besitzen und deshalb bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen und wieder kondensieren.
Ein häufiger Fehler ist, die Destillation von Erdöl für eine chemische Reaktion zu halten. Tatsächlich verändert sich bei der Trennung keine einzige chemische Bindung, es werden lediglich vorhandene Stoffe nach ihrem Siedepunkt sortiert, die einzelnen Fraktionen bestehen am Ende aus denselben Molekülen wie vorher im Rohöl.
Ablauf der fraktionierten Destillation
Das Rohöl wird zunächst in einem Röhrenofen auf etwa 400 Grad Celsius erhitzt, wodurch der größte Teil der enthaltenen Kohlenwasserstoffe verdampft. Das heiße Dampfgemisch strömt dann in eine mehrere Meter hohe Destillationskolonne, die innen mit vielen übereinander liegenden Böden ausgestattet ist.
Beim Aufsteigen in der Kolonne wird der Dampf zunehmend kühler, denn die Temperatur nimmt von unten nach oben stufenweise ab. Jede Stoffgruppe kondensiert genau auf dem Boden, dessen Temperatur ihrem Siedebereich entspricht: Schwer siedende, langkettige Moleküle kondensieren schon weiter unten, leicht siedende, kurzkettige Moleküle steigen bis fast ganz nach oben.
Von jedem Boden wird die dort kondensierte Flüssigkeit als eigene Fraktion abgezogen. Reste, die nicht einmal bei 400 Grad Celsius verdampfen, bleiben am Kolonnenboden als zähflüssiger Rückstand zurück und werden als eigene, sehr schwer siedende Fraktion weiterverarbeitet.
Rechenbeispiel: Ausbeute einer Fraktion
Eine Raffinerie verarbeitet 5000 Tonnen Rohöl. Der Anteil der Fraktion Diesel beträgt bei diesem Rohöl etwa 23 Prozent. Berechne die Masse der gewonnenen Diesel-Fraktion.
Gegeben:
- Masse des Rohöls: 5000 t
- Anteil der Diesel-Fraktion: 23 %
Gesucht:
Masse der Diesel-FraktionLösung:
- Prozentangabe als Dezimalzahl schreiben: 23 % = 0,23.
- Formel für den Anteil aufstellen: Masse Fraktion = Masse Rohöl · Anteil.
- Werte einsetzen: Masse Fraktion = 5000 t · 0,23.
- Ergebnis berechnen: Masse Fraktion = 1150 t.
Aus den 5000 Tonnen Rohöl entstehen rund 1150 Tonnen der Diesel-Fraktion. Die genauen Anteile der einzelnen Fraktionen hängen stark von der Herkunft des Rohöls ab, deshalb werden Rohölsorten mit hohem Anteil an mittelschweren Fraktionen für die Kraftstoffproduktion bevorzugt.
Die Fraktionen im Überblick
Ganz oben in der Kolonne entstehen die Fraktionen mit den kürzesten Ketten: Raffineriegas und Flüssiggas mit ein bis vier Kohlenstoffatomen, danach folgt Rohbenzin, das noch weiter zu Kraftstoffen aufbereitet wird. Etwas weiter unten kondensieren Kerosin für Flugzeugtreibstoff und Dieselöl.
Am unteren Ende der Kolonne kondensieren die schwer siedenden Fraktionen wie leichtes und schweres Heizöl, ganz am Boden bleibt der Rückstand zurück, aus dem Bitumen für den Straßenbau und Schmieröle gewonnen werden. Jede Fraktion ist selbst noch ein Gemisch aus mehreren Kohlenwasserstoffen ähnlicher Kettenlänge, keine einheitliche Reinsubstanz.
| Fraktion | Ungefährer Siedebereich | Verwendung |
|---|---|---|
| Flüssiggas | unter 40 Grad Celsius | Feuerzeuggas, Heizgas |
| Rohbenzin | 40 bis 180 Grad Celsius | Kraftstoff, Chemierohstoff |
| Kerosin | 180 bis 230 Grad Celsius | Flugzeugtreibstoff |
| Diesel | 230 bis 305 Grad Celsius | Dieselkraftstoff, Heizöl |
| Schweröl | 305 bis 400 Grad Celsius | Schiffskraftstoff, Heizöl |
| Rückstand | über 400 Grad Celsius | Bitumen, Schmieröl |
Typische Fehler bei der Destillation
Ein häufiger Fehler ist zu glauben, jede Fraktion bestehe aus nur einer einzigen chemischen Verbindung. Tatsächlich enthält zum Beispiel die Diesel-Fraktion viele verschiedene Alkane mit zehn bis zwanzig Kohlenstoffatomen, die alle einen ähnlichen, aber nicht identischen Siedebereich besitzen.
Ein zweiter Fehler ist, Destillation mit chemischer Umwandlung zu verwechseln. Verfahren wie das Cracken, bei dem lange Molekülketten in kürzere gespalten werden, sind echte chemische Reaktionen und finden erst nach der physikalischen Destillation statt, um aus schweren Fraktionen mehr Benzin zu gewinnen.
Ein dritter Fehler ist anzunehmen, alle Rohölsorten lieferten die gleichen Mengen jeder Fraktion. Je nach Lagerstätte unterscheiden sich Rohöle stark in ihrer Zusammensetzung, manche liefern von Natur aus viel Rohbenzin, andere vor allem schwere Fraktionen.
Alltagsbezug: Vom Rohöl zum Kraftstoff
Nahezu alle Produkte des Alltags, die auf Erdöl basieren, gehen auf die fraktionierte Destillation zurück: Benzin und Diesel für Fahrzeuge, Kerosin für Flugzeuge, Heizöl für Gebäude sowie Bitumen für Straßenbeläge. Auch viele Kunststoffe werden aus Rohbenzin hergestellt, das dafür zunächst zu kleineren Grundbausteinen weiterverarbeitet wird.
Im Labor lässt sich das Prinzip der Erdöldestillation im kleinen Maßstab an einem Gemisch aus Alkanen unterschiedlicher Kettenlänge nachvollziehen. Dabei ist auf gute Belüftung zu achten, weil viele Kohlenwasserstoffdämpfe leicht entzündlich sind, und offene Flammen dürfen nur mit ausreichendem Abstand zu den Dämpfen verwendet werden.
Jetzt bist du dran
Worauf beruht die fraktionierte Destillation von Erdöl?
Noch nicht. Die fraktionierte Destillation nutzt aus, dass Kohlenwasserstoffe je nach Kettenlänge unterschiedliche Siedepunkte haben und deshalb bei unterschiedlichen Temperaturen kondensieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Erdöl ist ein natürliches Gemisch aus vielen verschiedenen Kohlenwasserstoffen unterschiedlicher Kettenlänge.
- Die fraktionierte Destillation trennt dieses Gemisch allein nach dem Siedepunkt der Bestandteile, ohne chemische Reaktion.
- Kurzkettige Fraktionen wie Flüssiggas kondensieren oben in der Kolonne, langkettige wie Bitumen bleiben unten.
- Zu den wichtigsten Fraktionen zählen Rohbenzin, Kerosin, Diesel, Schweröl und der zähflüssige Rückstand.
- Beim Cracken werden lange Ketten anschließend chemisch in kürzere gespalten, um mehr Benzin zu gewinnen.
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Häufige Fragen zu Erdöl fraktionierte Destillation einfach erklärt
- Was ist die fraktionierte Destillation von Erdöl einfach erklärt?
- Bei der fraktionierten Destillation wird Erdöl erhitzt, verdampft und in einer Kolonne wieder abgekühlt. Weil jede Stoffgruppe einen eigenen Siedepunkt besitzt, kondensiert sie auf einer bestimmten Höhe der Kolonne und wird dort als eigene Fraktion abgezogen, ohne dass sich die Moleküle chemisch verändern.
- Wie funktioniert die Trennung nach Siedepunkt in der Destillationskolonne?
- Das erhitzte Dampfgemisch steigt in der Kolonne auf und kühlt sich dabei stufenweise ab. Schwer siedende, langkettige Kohlenwasserstoffe kondensieren schon auf den unteren, wärmeren Böden, leicht siedende, kurzkettige Kohlenwasserstoffe steigen weiter nach oben, bevor sie kondensieren.
- Welche Fraktionen entstehen bei der Erdöldestillation?
- Von oben nach unten entstehen unter anderem Flüssiggas, Rohbenzin, Kerosin, Diesel, Schweröl und ein zähflüssiger Rückstand. Aus Rohbenzin werden Kraftstoffe und Chemierohstoffe hergestellt, aus dem Rückstand entstehen Bitumen und Schmieröle.
- Ist die Destillation von Erdöl eine chemische Reaktion?
- Nein, die Destillation ist ein rein physikalisches Trennverfahren. Es entstehen keine neuen Stoffe, es werden nur die im Rohöl bereits vorhandenen Kohlenwasserstoffe anhand ihres Siedepunktes voneinander getrennt.
- Was ist der Unterschied zwischen Destillation und Cracken?
- Die Destillation trennt vorhandene Stoffe rein physikalisch nach ihrem Siedepunkt. Das Cracken ist dagegen eine chemische Reaktion, bei der lange Kohlenwasserstoffketten gezielt in kürzere Moleküle gespalten werden, um zum Beispiel mehr Benzin aus schweren Fraktionen zu gewinnen.
- Warum steigt Rohbenzin höher in der Kolonne auf als Diesel?
- Rohbenzin besteht aus kürzeren Kohlenwasserstoffketten mit niedrigerem Siedepunkt als die längeren Ketten des Diesels. Da die Temperatur in der Kolonne nach oben abnimmt, kondensiert Rohbenzin erst weiter oben, wo es kühler genug für seinen Siedebereich ist.
- In welcher Klasse lernt man die fraktionierte Destillation von Erdöl?
- Die fraktionierte Destillation von Erdöl wird in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Rahmen der organischen Chemie behandelt, häufig im Anschluss an die Grundlagen der Alkane. Sie verbindet das Trennverfahren Destillation mit der praktischen Anwendung in der Erdölindustrie.
- Warum benötigt jede Fraktion aus der Destillation eine weitere Verarbeitung?
- Jede Fraktion ist selbst noch ein Gemisch mehrerer Kohlenwasserstoffe mit ähnlichem, aber nicht identischem Siedebereich. Für Kraftstoffe mit genormten Eigenschaften werden die Fraktionen deshalb noch mit Additiven versetzt oder durch Cracken und andere Verfahren weiter aufbereitet.
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