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Biodiesel Umesterung: Reaktion, Ablauf und Vergleich

Biodiesel Umesterung bezeichnet die Reaktion, bei der Pflanzenöl mit Methanol zu Fettsäuremethylestern und Glycerin reagiert und so ein dieselähnlicher Kraftstoff entsteht. In dieser Lektion lernst du, was bei der Umesterung chemisch passiert, wie die Herstellung abläuft, wie du die Mengen berechnest und wie sich Biodiesel von fossilem Diesel unterscheidet.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Organische Chemie
  • Dauer: 19 Min
  • Niveau: Schwer
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Biodiesel Umesterung: Vom Öl zum Kraftstoff

Pflanzenöle wie Rapsöl sind Fette im flüssigen Zustand. Ein Fettmolekül ist ein Triglycerid: Drei Fettsäuren sind über Estergruppen an ein Glycerinmolekül gebunden. Würdest du Rapsöl direkt in einen modernen Dieselmotor füllen, wäre es viel zu zähflüssig. Es verstopft Düsen und lagert Rückstände im Motor ab.

Um aus dem Öl einen brauchbaren Kraftstoff zu machen, ersetzt man das Glycerin durch Methanol. Dabei zerfällt das große Triglycerid in drei kleinere Moleküle, die Fettsäuremethylester, kurz FAME. Sie sind viel dünnflüssiger und haben ähnliche Eigenschaften wie Dieselkraftstoff. Weil ein Alkohol gegen einen anderen ausgetauscht wird, spricht man von Umesterung.

Die Reaktion ist keine Verbrennung und keine Veresterung mit Säure. Es ist eine Gleichgewichtsreaktion, bei der die Estergruppe bleibt, nur der Alkoholteil wechselt. In Deutschland wird Biodiesel überwiegend aus Rapsöl hergestellt und heißt deshalb auch Rapsölmethylester, RME.

Biodiesel besteht aus Estern, fossiler Diesel aus Kohlenwasserstoffen.
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Biodiesel Umesterung: Reaktion und Katalysator

Die allgemeine Reaktion lautet: Ein Triglycerid reagiert mit drei Molekülen Methanol zu drei Fettsäuremethylestern und einem Molekül Glycerin. Die drei Fettsäurereste des Öls können verschieden sein, zum Beispiel Ölsäure, Linolsäure und Linolensäure. Deshalb ist Biodiesel ein Gemisch verschiedener Ester.

Die Reaktion läuft ohne Hilfe nur sehr langsam. Als Katalysator verwendet man eine Base, meist Natriumhydroxid oder Kaliumhydroxid, die in Methanol Methanolat bildet. Das Methanolat-Ion greift die Estergruppe an und löst die Fettsäure vom Glycerin ab. Das Gleichgewicht verschiebt man mit einem Überschuss an Methanol zur Produktseite. Bei etwa 60 Grad Celsius und Rühren ist die Umsetzung nach rund einer Stunde weitgehend abgeschlossen.

Wasser stört, denn es würde die Fettsäureester verseifen. Es entstehen dann Seifen, die das Produkt trüben und die Trennung von Glycerin erschweren. Deshalb müssen Öl und Methanol möglichst wasserfrei sein. Auch freie Fettsäuren im Öl sind problematisch, weil sie den Katalysator neutralisieren.

StoffRolleMerkmal
Triglycerid (Rapsöl)Eduktdrei Fettsäuren an Glycerin
MethanolEdukt, im Überschussersetzt das Glycerin
Natrium- oder KaliumhydroxidKatalysatorbildet Methanolat
FettsäuremethylesterProduktBiodiesel
GlycerinNebenproduktschwerer, sinkt ab
Edukte, Produkte und Hilfsstoffe
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Biodiesel Umesterung: Herstellung Schritt für Schritt

In der Technik und im Schulversuch folgt die Herstellung demselben Plan. Zuerst wird das Öl gereinigt, getrocknet und auf etwa 60 Grad Celsius erwärmt. Parallel löst man den Katalysator in Methanol. Das Natriumhydroxid reagiert mit Methanol zu Natriummethanolat und Wasser, daher arbeitet man mit wenig Katalysator und frischem Methanol.

Dann gibt man die Methanolat-Lösung zum warmen Öl und rührt etwa eine Stunde. Danach lässt man das Gemisch ruhen. Weil Glycerin dichter ist als Biodiesel, sinkt es als untere Phase ab. Du siehst im Gefäß zwei Schichten: oben der klare gelbliche Biodiesel, unten das dunklere, zähe Glycerin. Die untere Phase wird abgelassen.

Im letzten Schritt wird der rohe Biodiesel mit Wasser gewaschen, um Reste von Katalysator, Seife und Methanol zu entfernen. Anschließend trocknet man ihn und filtert ihn. Das Methanol wird zurückgewonnen und wiederverwendet. Das Glycerin dient als Rohstoff für Kosmetik, Pharmazie und Biogasanlagen.

Von Rapsöl zu Biodiesel in fünf Schritten.
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Beispiel 1: Biodiesel Umesterung am Triolein

Stelle die Reaktionsgleichung für die Umesterung von Triolein mit Methanol auf und prüfe, ob sie ausgeglichen ist.

Gegeben:

  • Triolein C57H104O6 (Triglycerid der Ölsäure)
  • Methanol CH3OH
  • Produkte: Ölsäuremethylester C19H36O2 und Glycerin C3H8O3

Gesucht:

Ausgeglichene Gleichung

Lösung:

  1. Triolein hat drei gleiche Ölsäurereste. Aus jedem entsteht ein Ölsäuremethylester, also drei Moleküle C19H36O2.
  2. Dafür braucht man drei Methanolmoleküle: C57H104O6 + 3 CH3OH ergibt 3 C19H36O2 + C3H8O3.
  3. Kohlenstoff: links 57 + 3 = 60, rechts 3 · 19 + 3 = 60. Wasserstoff: links 104 + 12 = 116, rechts 108 + 8 = 116.
  4. Sauerstoff: links 6 + 3 = 9, rechts 3 · 2 + 3 = 9. Alle Elemente stimmen.

Die ausgeglichene Gleichung lautet C57H104O6 + 3 CH3OH ergibt 3 C19H36O2 + C3H8O3. Aus einem Molekül Öl entstehen drei Moleküle Biodiesel und ein Molekül Glycerin.

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Beispiel 2: Wie viel Biodiesel entsteht

Aus 1000 g Triolein soll Biodiesel entstehen. Berechne die Masse des Ölsäuremethylesters und des Glycerins bei vollständiger Umsetzung.

Gegeben:

  • M(Triolein)885,4 g/mol
  • M(Ölsäuremethylester)296,5 g/mol
  • M(Glycerin)92,1 g/mol

Gesucht:

m(Biodiesel) und m(Glycerin)

Lösung:

  1. Stoffmenge Triolein: n = m geteilt durch M = 1000 g geteilt durch 885,4 g/mol, das sind etwa 1,13 mol.
  2. Aus 1 mol Triolein entstehen 3 mol Ester. Also n(Ester) = 3 · 1,13 mol = 3,39 mol.
  3. Masse Biodiesel: m = n · M = 3,39 mol · 296,5 g/mol, das sind etwa 1005 g.
  4. Masse Glycerin: 1,13 mol · 92,1 g/mol, das sind etwa 104 g.

Aus 1000 g Öl entstehen etwa 1005 g Biodiesel und 104 g Glycerin. Die Masse nimmt beim Biodiesel leicht zu, weil das Methanol mit eingebaut wird. Insgesamt wird die Masse erhalten: 1000 g Öl plus etwa 109 g Methanol ergeben etwa 1109 g Produkte.

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Typische Fehler bei der Umesterung

Ein häufiger Fehler: Umesterung wird mit Verseifung verwechselt. Bei der Verseifung entstehen mit Natronlauge Seife und Glycerin, bei der Umesterung mit Methanol Ester und Glycerin. Der entscheidende Unterschied liegt im zweiten Reaktionspartner: Wasser oder Hydroxid ergibt Seife, Alkohol ergibt einen neuen Ester.

Der zweite Fehler ist, den Katalysator als Edukt aufzuführen. Natrium- oder Kaliumhydroxid beschleunigt die Reaktion, steht aber nicht in der Gleichung. Er wird zwar in Methanolat umgewandelt, taucht aber am Ende unverändert, wenn auch zum Teil als Seife gebunden, wieder auf.

Auch bei der Bilanz wird oft geschlampt: Man vergisst, dass drei Moleküle Methanol benötigt werden. Und manche glauben, Biodiesel sei immer klimaneutral. Der CO2-Ausstoß beim Verbrennen wurde zuvor von der Pflanze aufgenommen, doch Anbau, Düngung, Transport und Herstellung verbrauchen Energie. Die Bilanz hängt vom Rohstoff ab. Altspeisefett und Reststoffe schneiden besser ab als Palmöl von gerodeten Flächen.

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Alltagsbezug: Biodiesel im Tank

Wenn du an der Tankstelle Diesel tankst, ist darin meist schon Biodiesel enthalten. Nach der Kraftstoffnorm dürfen bis zu 7 Volumenprozent Fettsäuremethylester beigemischt sein, die Sorte wird als B7 bezeichnet. Reiner Biodiesel, B100, ist nur für dafür freigegebene Fahrzeuge geeignet, weil er manche Gummidichtungen angreift und bei Kälte früher ausflockt.

Biodiesel hat Vor- und Nachteile. Positiv sind der nachwachsende Rohstoff, der geringere Ausstoß an Ruß und Schwefel und die gute biologische Abbaubarkeit. Negativ sind der Flächenbedarf für den Anbau, der Konflikt mit der Nahrungsmittelerzeugung, ein etwas geringerer Energiegehalt je Liter und das Kälteverhalten. Moderne Verfahren setzen deshalb auf Altspeisefette und Reststoffe.

Du siehst an diesem Beispiel, wie Estergruppen, Gleichgewichte und Katalysatoren aus dem Chemieunterricht in der Technik zusammenkommen. Wer die Umesterung versteht, versteht auch, warum Frittierfett zu Kraftstoff werden kann.

EigenschaftBiodieselFossiler Diesel
RohstoffRapsöl, AltfettErdöl
HauptbestandteileFettsäuremethylesterKohlenwasserstoffe
Energiegehalt je Literetwas niedrigeretwas höher
Kälteverhaltenflockt früher ausstabiler
Beimischung im Dieselbis zu 7 VolumenprozentHauptanteil
Biodiesel auf einen Blick
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welche Stoffe entstehen bei der Umesterung von Rapsöl mit Methanol?

Welche Stoffe entstehen bei der Umesterung von Rapsöl mit Methanol?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Biodiesel besteht aus Fettsäuremethylestern (FAME) und wird aus Pflanzenöl und Methanol hergestellt.
  • Umesterung: Triglycerid plus 3 Methanol ergibt 3 Fettsäuremethylester plus Glycerin.
  • Als Katalysator dient eine Base wie NaOH oder KOH, Methanol wird im Überschuss eingesetzt.
  • Glycerin ist dichter und sinkt als untere Phase ab, der Biodiesel wird gewaschen und getrocknet.
  • Diesel enthält bis zu 7 Volumenprozent Biodiesel, die Klimabilanz hängt vom Rohstoff ab.

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Häufige Fragen zu Biodiesel Umesterung: Reaktion, Ablauf und Vergleich

Was ist Biodiesel?
Biodiesel ist ein Kraftstoff aus Fettsäuremethylestern, der aus Pflanzenölen oder Altfetten hergestellt wird. In Europa wird er meist aus Rapsöl gewonnen. Er lässt sich in Dieselmotoren verbrennen und wird dem normalen Diesel beigemischt.
Wie wird Biodiesel hergestellt?
Pflanzenöl wird mit Methanol und einem basischen Katalysator wie Natriumhydroxid bei etwa 60 Grad Celsius umgeestert. Es entstehen Fettsäuremethylester und Glycerin. Das Glycerin wird abgetrennt, der Biodiesel gewaschen und getrocknet.
Was bedeutet Umesterung?
Bei einer Umesterung tauscht man den Alkoholteil eines Esters gegen einen anderen Alkohol aus. Beim Biodiesel wird das Glycerin des Triglycerids durch Methanol ersetzt. Die Estergruppe bleibt dabei erhalten.
Wie lautet die Reaktionsgleichung der Biodieselherstellung?
Allgemein: Triglycerid + 3 CH3OH ergibt 3 Fettsäuremethylester + Glycerin. Am Beispiel des Triolein: C57H104O6 + 3 CH3OH ergibt 3 C19H36O2 + C3H8O3. Die Gleichung ist ausgeglichen.
Was ist der Unterschied zwischen Biodiesel und Pflanzenöl?
Pflanzenöl besteht aus Triglyceriden, die sehr zähflüssig sind und moderne Motoren schädigen. Biodiesel besteht aus den viel dünnflüssigeren Methylestern. Die Umesterung macht aus dem Öl einen Kraftstoff, der die Dieselnorm erfüllt.
Warum braucht man bei der Umesterung einen Katalysator?
Ohne Katalysator läuft die Reaktion sehr langsam. Eine Base wie Natriumhydroxid bildet mit Methanol das reaktive Methanolat, das die Estergruppen angreift. So ist die Umsetzung in etwa einer Stunde bei 60 Grad Celsius weitgehend abgeschlossen.
Ist Biodiesel besser für die Umwelt als normaler Diesel?
Das hängt vom Rohstoff ab. Beim Verbrennen wird nur CO2 frei, das die Pflanze zuvor aufgenommen hat, doch Anbau, Düngung und Transport verbrauchen Energie. Biodiesel aus Altfett schneidet meist deutlich besser ab als der aus Anbau auf Ackerflächen.
Wie viel Biodiesel darf dem Diesel beigemischt werden?
Nach der europäischen Dieselnorm sind bis zu 7 Volumenprozent Fettsäuremethylester erlaubt, die Sorte heißt B7. Reiner Biodiesel B100 darf nur in Fahrzeugen getankt werden, die der Hersteller dafür freigegeben hat.

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