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Massenspektrometrie einfach erklärt: Aufbau und Spektrum

Massenspektrometrie ist ein Analyseverfahren, das Moleküle in Ionen verwandelt und diese nach ihrem Verhältnis von Masse zu Ladung (m/z) trennt, sodass man die molare Masse und den Aufbau eines Stoffes ablesen kann. In dieser Lektion lernst du, wie ein Massenspektrometer arbeitet, wie du Molekülionenpeak, Basispeak und Fragmente deutest und woran du Chlor und Brom im Spektrum erkennst.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 12
  • Thema: Atombau
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Massenspektrometrie: Was gemessen wird

Mit der Massenspektrometrie wiegt man Moleküle, und zwar einzeln. Dazu macht man aus Molekülen geladene Teilchen, die Ionen, denn nur geladene Teilchen lassen sich mit elektrischen und magnetischen Feldern lenken. Das Gerät misst dann, wie viele Ionen mit welchem Verhältnis von Masse m zu Ladung z ankommen. Dieses Verhältnis heißt m/z. Meist tragen die Ionen eine einzige positive Ladung, dann entspricht m/z einfach der Masse in atomaren Masseneinheiten.

Das Ergebnis ist ein Massenspektrum: Auf der waagerechten Achse steht m/z, auf der senkrechten Achse die relative Häufigkeit der Ionen, der höchste Peak wird auf 100 Prozent gesetzt. Jede Verbindung hat ein charakteristisches Spektrum, ähnlich einem Fingerabdruck. Auch Isotope lassen sich unterscheiden, denn Atome mit mehr Neutronen sind schwerer. Genau so entdeckten Joseph John Thomson 1912 die beiden Neon-Isotope und Francis Aston ab 1919 viele weitere, wofür er 1922 den Nobelpreis für Chemie erhielt.

Heute ist die Massenspektrometrie eine der wichtigsten Methoden der Analytik. Sie braucht nur winzige Probenmengen, ist sehr empfindlich und liefert Aussagen über Masse und Struktur gleichzeitig. Für die Schule genügt das Grundprinzip mit Elektronenstoß-Ionisation.

Die wichtigsten Signale eines Massenspektrums und ihre Bedeutung.
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Massenspektrometrie: Aufbau und Ablauf

Ein Massenspektrometer besteht aus vier Teilen: Ionenquelle, Beschleunigung, Analysator und Detektor. Alles geschieht im Hochvakuum, denn sonst würden die Ionen mit Luftmolekülen zusammenstoßen. Zuerst wird die Probe verdampft. Die gasförmigen Moleküle treffen in der Ionenquelle auf einen Strahl energiereicher Elektronen, meist mit 70 Elektronenvolt. Ein Elektron wird aus dem Molekül herausgeschlagen: M ergibt M+ plus ein Elektron.

Ein elektrisches Feld beschleunigt die positiven Ionen auf hohe Geschwindigkeit. Im Analysator lenkt ein Magnetfeld sie auf eine Kreisbahn. Leichte Ionen werden stärker abgelenkt als schwere, bei gleicher Ladung. Bei einer bestimmten Feldstärke gelangt nur eine Sorte von Ionen durch den Spalt zum Detektor. Ändert man das Magnetfeld, werden nacheinander alle Massen erfasst. Moderne Geräte nutzen auch Quadrupole oder die Flugzeitmessung, das Prinzip bleibt gleich.

Am Detektor erzeugt jedes auftreffende Ion ein winziges Stromsignal. Ein Computer wandelt es in das Spektrum um. Oft schaltet man vorher eine Gaschromatographie oder Flüssigchromatographie vor, die das Gemisch trennt, sodass jeder Stoff einzeln gemessen wird. Das nennt man GC-MS oder LC-MS.

BauteilAufgabe
Ionenquellemacht aus Molekülen positive Ionen
Beschleunigungelektrisches Feld gibt allen Ionen Bewegungsenergie
AnalysatorMagnetfeld lenkt Ionen nach m/z ab
Detektorzählt die Ionen und erzeugt das Signal
Vakuumpumpeverhindert Stöße mit Luftmolekülen
Bauteile eines Massenspektrometers
Vom Probenmolekül zum Spektrum in fünf Schritten.
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Massenspektrometrie: Peaks im Spektrum deuten

Der Peak mit dem größten m/z-Wert gehört meist zum unzerfallenen Molekülion M+. Seine Lage gibt die molare Masse der Verbindung an. Das ist die wichtigste Information. Der höchste Peak des ganzen Spektrums heißt Basispeak, er wird auf 100 Prozent gesetzt. Das muss nicht der Molekülionenpeak sein.

Das energiereiche Molekülion ist oft instabil und zerfällt in Bruchstücke, die Fragmente. Dabei entsteht aus M+ ein geladenes Fragment und ein ungeladenes Radikal. Nur das geladene Teilchen wird gemessen, das Radikal sieht der Detektor nicht. Aus den Abständen zwischen den Peaks kannst du auf abgespaltene Gruppen schließen: Eine Differenz von 15 bedeutet Abspaltung einer Methylgruppe CH3, 17 eine OH-Gruppe, 18 ein Wassermolekül, 29 eine Ethylgruppe oder CHO.

Schließlich liefert das Spektrum Hinweise auf Isotope. Kohlenstoff besteht zu etwa 1,1 Prozent aus dem schwereren C-13, deshalb gibt es neben M+ einen kleinen M+1-Peak. Besonders auffällig sind Chlor und Brom. Chlor kommt zu etwa drei Vierteln als Cl-35 und zu einem Viertel als Cl-37 vor, ergibt also zwei Peaks im Abstand 2 mit dem Verhältnis etwa 3 zu 1. Brom besteht fast je zur Hälfte aus Br-79 und Br-81, das ergibt zwei etwa gleich hohe Peaks.

Differenz in m/zAbgespaltenes TeilchenHinweis auf
15CH3Methylgruppe
17OHAlkohol, Säure
18H2OAlkohole, Wasserabspaltung
29C2H5 oder CHOEthylgruppe, Aldehyd
35 und 37ClChlor, Muster 3 zu 1
Häufige Abspaltungen
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Beispiel 1: Massenspektrometrie von Ethanol

Im Massenspektrum von Ethanol, C2H5OH, treten Peaks bei m/z 46, 45, 31, 29 und 15 auf. Der höchste Peak liegt bei 31. Ordne die Peaks zu.

Gegeben:

  • Molare Masse von C2H6O: 2 · 12 + 6 · 1 + 16 = 46 g/mol
  • Peaks bei mz 46, 45, 31, 29, 15

Gesucht:

Molekülionenpeak, Basispeak und Fragmente

Lösung:

  1. Der Peak bei m/z 46 ist das Molekülion M+. Es entspricht der Molmasse, 46 passt zu C2H6O.
  2. Der Peak bei 45 entsteht durch Verlust eines Wasserstoffatoms: 46 minus 1 ergibt 45.
  3. Der Peak bei 31 ist der Basispeak. Er entsteht, wenn eine Methylgruppe (15) abgespalten wird: 46 minus 15 ergibt 31. Das Fragment ist CH2OH+.
  4. Der Peak bei 29 gehört zu C2H5+ oder CHO+, der Peak bei 15 zum Fragment CH3+.

Das Spektrum zeigt M+ bei 46 und den Basispeak bei 31. Die Differenz von 15 passt zur Abspaltung der Methylgruppe, typisch für einen Alkohol mit endständiger CH2OH-Gruppe.

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Beispiel 2: Chlormethan und das Isotopenmuster

Das Massenspektrum von Chlormethan, CH3Cl, zeigt bei m/z 50 und 52 zwei Peaks mit dem Höhenverhältnis etwa 3 zu 1. Erkläre das.

Gegeben:

  • Chlor besteht aus Cl-35 (etwa 76 Prozent) und Cl-37 (etwa 24 Prozent)
  • Kohlenstoff 12, Wasserstoff 1

Gesucht:

Zuordnung der beiden Peaks

Lösung:

  1. Berechne die Masse des Moleküls mit Cl-35: 12 + 3 · 1 + 35 = 50. Das ist der Peak bei m/z 50.
  2. Mit Cl-37 ergibt sich 12 + 3 + 37 = 52. Das ist der Peak bei m/z 52.
  3. Weil Cl-35 etwa dreimal so häufig ist wie Cl-37, ist der Peak bei 50 etwa dreimal so hoch wie der Peak bei 52.
  4. Bei den Fragmenten zeigt sich dasselbe Muster, wenn Chlor enthalten ist: Das Fragment CH3+ bei 15 enthält kein Chlor und hat nur einen Peak.

Zwei Peaks im Abstand 2 mit dem Verhältnis 3 zu 1 sind das Kennzeichen von genau einem Chloratom im Molekül. Bei zwei Chloratomen käme ein dritter Peak dazu, mit dem Verhältnis 9 zu 6 zu 1.

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Typische Fehler bei der Massenspektrometrie

Der erste Fehler ist die Annahme, der höchste Peak sei immer das Molekülion. Der höchste Peak ist der Basispeak, und der ist oft ein Fragment. Das Molekülion ist der Peak mit dem höchsten m/z-Wert, abgesehen von den kleinen Isotopenpeaks daneben. Bei instabilen Molekülen, etwa manchen Alkoholen, ist M+ sogar sehr klein oder gar nicht zu sehen.

Der zweite Fehler: Man berechnet die Masse mit den gemittelten Atommassen aus dem Periodensystem. Das Massenspektrometer misst aber einzelne Isotopenmassen. Für Chlor rechnet man deshalb mit 35 und 37, nicht mit 35,5. Wer 35,5 verwendet, findet im Spektrum keinen passenden Peak.

Der dritte Fehler betrifft Neutralteilchen: Nur geladene Teilchen erscheinen im Spektrum. Wird ein Bruchstück als Radikal abgespalten, fehlt es im Spektrum, man erkennt es nur an der Differenz. Und schließlich: Ein Peak entspricht nicht automatisch der Masse, wenn das Ion zweifach geladen ist. Bei z gleich 2 ist m/z nur die halbe Masse.

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Alltagsbezug: Massenspektrometrie in Doping, Umwelt und Medizin

Die Massenspektrometrie begegnet dir häufiger, als du denkst. Bei der Dopingkontrolle von Sportlern wird eine Urinprobe mit GC-MS oder LC-MS untersucht, um verbotene Wirkstoffe schon in winzigen Mengen zu finden. Auch Wasserwerke und Umweltämter weisen so Spuren von Pestiziden, Medikamenten oder Mikroplastik im Wasser nach.

In der Medizin wird bei Neugeborenen ein Screening auf Stoffwechselkrankheiten durchgeführt, das auf der Massenspektrometrie beruht. Ein Tropfen Blut genügt. In der Lebensmittelkontrolle prüft man Rückstände und Verfälschungen, etwa bei Honig oder Olivenöl. Archäologen bestimmen das Alter organischer Funde mit der Beschleuniger-Massenspektrometrie, bei der das seltene Kohlenstoff-Isotop C-14 gezählt wird.

Selbst Raumsonden tragen Massenspektrometer, um die Atmosphären und Böden fremder Himmelskörper zu untersuchen. Die Methode ist deshalb so vielseitig, weil sie fast jeden Stoff erfassen kann, solange er sich ionisieren lässt.

Massenspektrometrie wird in vielen Bereichen eingesetzt.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Was gibt die Größe m/z im Massenspektrum an?

Was gibt die Größe m/z im Massenspektrum an?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Massenspektrometer ionisiert Moleküle, beschleunigt sie, lenkt sie im Magnetfeld ab und misst sie nach m/z.
  • Der Molekülionenpeak M+ entspricht der molaren Masse, der Basispeak ist der höchste Peak.
  • Aus Differenzen zwischen Peaks erkennst du abgespaltene Gruppen, zum Beispiel 15 für CH3.
  • Chlor zeigt zwei Peaks im Abstand 2 mit etwa 3 zu 1, Brom zwei etwa gleich hohe Peaks.
  • Die Methode wird bei Doping, Umweltanalytik, Medizin und Altersbestimmung genutzt.

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Häufige Fragen zu Massenspektrometrie einfach erklärt: Aufbau und Spektrum

Was ist Massenspektrometrie?
Massenspektrometrie ist ein Analyseverfahren, bei dem Moleküle ionisiert und nach dem Verhältnis von Masse zu Ladung getrennt werden. Das Ergebnis ist ein Massenspektrum, aus dem man die molare Masse und den Aufbau einer Verbindung ableiten kann.
Wie funktioniert ein Massenspektrometer?
Die Probe wird im Hochvakuum verdampft und durch Elektronenstoß ionisiert. Ein elektrisches Feld beschleunigt die Ionen, ein Magnetfeld lenkt sie nach m/z ab. Der Detektor zählt die Ionen, und ein Computer erstellt das Spektrum.
Was bedeutet m/z?
m/z ist das Verhältnis von Masse m eines Ions zu seiner Ladungszahl z. Meist sind die Ionen einfach geladen, dann ist m/z gleich der Masse in atomaren Masseneinheiten. Bei zweifach geladenen Ionen ist m/z nur die halbe Masse.
Was ist der Molekülionenpeak?
Der Molekülionenpeak M+ gehört zum ionisierten, aber noch nicht zerfallenen Molekül. Sein m/z-Wert entspricht der molaren Masse der Verbindung. Er liegt im Spektrum meist ganz rechts, abgesehen von kleinen Isotopenpeaks.
Was ist der Basispeak?
Der Basispeak ist der höchste Peak im Massenspektrum. Er wird als 100 Prozent gesetzt, alle anderen Peaks werden relativ dazu angegeben. Er entspricht oft einem besonders stabilen Fragment und nicht unbedingt dem Molekülion.
Wie erkennt man Chlor im Massenspektrum?
Chlor besteht aus Cl-35 und Cl-37 im Verhältnis von etwa 3 zu 1. Ein Molekül mit einem Chloratom zeigt deshalb zwei Peaks im Abstand von 2, wobei der leichtere etwa dreimal so hoch ist. Bei Brom sind beide Peaks etwa gleich hoch.
Wofür wird die Massenspektrometrie verwendet?
Man nutzt sie bei Dopingkontrollen, in der Umweltanalytik, bei Stoffwechseltests von Neugeborenen, in der Lebensmittelkontrolle und für die Radiokohlenstoff-Datierung. In der Forschung dient sie der Strukturaufklärung unbekannter Stoffe.
Warum braucht ein Massenspektrometer ein Hochvakuum?
Im Vakuum stoßen die Ionen nicht mit Luftmolekülen zusammen und behalten ihre Flugbahn. Außerdem würden Luftbestandteile selbst ionisiert und das Spektrum stören. Deshalb arbeitet das Gerät bei sehr niedrigem Druck.

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